Indikator: Belastung der Bevölkerung durch Verkehrslärm

Ein Diagramm zeigt die Zahl der Personen, die 2012 ganztags einem Verkehrslärm von über 65 Dezibel ausgesetzt waren – sowie nachts von 22 bis 6 Uhr von über 55 Dezibel. Dabei wird unterschieden zwischen Straßen-, Flug- und Schienenverkehrslärm.zum Vergrößern anklicken
Belastung der Bevölkerung durch Verkehrslärm in der Umgebung von Hauptverkehrsstraßen ...
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Im Jahr 2012 waren nachts mindestens 4,8 Millionen Menschen durch gesundheitsschädlichen Lärm betroffen. Über den ganzen Tag gerechnet waren es 3,5 Mio. Menschen.
  • Die wichtigste Lärmquelle ist der Straßenverkehr. Der Schienenverkehr ist vor allem nachts relevant. Fluglärm spielt in der Fläche nur eine geringe Rolle.
  • Eine Überschreitung der Lärmgrenzen kann zu gesundheitlichen Schäden führen.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Verkehrslärm beeinträchtigt das Leben vieler Menschen in Deutschland. Die von Straßen-, Schienen- oder Flugverkehr verursachten Geräusche können die Gesundheit und das Wohlbefinden auf vielfältige Weise negativ beeinflussen. Lärm beeinträchtigt die Lebensqualität, zum Beispiel den Schlaf: Die Schlafstruktur ändert sich, Betroffene wachen häufiger auf, es werden mehr Stresshormone produziert. Insgesamt erhöhen sich die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ausführlich werden die Wirkungen in einem Fachartikel des Umweltbundesamtes beschrieben (Wothge 2016).

Um negative Gesundheitswirkungen zu vermeiden, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die nächtliche Lärmbelastung einen Mittelungspegel von 40 Dezibel (dB(A)) nicht überschreiten sollte (WHO 2009). Steigt die Lärmbelastung nachts auf mehr als 55 dB(A) oder beträgt der Mittelungspegel tagsüber mehr als 65 dB(A), erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweisbar. Diese beiden Werte wurden deshalb als Schwellenwerte für den Indikator verwendet.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Rund um Hauptverkehrsstrecken und Großflughäfen sowie in Ballungsräumen waren im Jahr 2012 nachts 4,8 Millionen (Mio.) Menschen von starkem Verkehrslärm über 55 dB(A) betroffen. Ganztägig waren rund 3,5 Mio. Menschen einem Verkehrslärm von mehr als 65 dB(A) ausgesetzt. Damit waren fast 6 % der deutschen Bevölkerung durch nächtlichen und über 4 % durch ganztägigen Lärm betroffen.

Dabei gehen von den verschiedenen Verkehrsträgern unterschiedliche Belastungen aus: Die Hauptquelle des Lärms ist vor allem der Straßenverkehr. Der Schienenverkehr ist eher nachts ein Problem. Von Fluglärm sind dagegen wenige Menschen betroffen.

Die Bundesregierung hat im Jahr 2009 das „Nationale Verkehrslärmschutzpaket II“ verabschiedet (BMVBS 2009). In diesem ist festgeschrieben, dass der Lärm aus Straßenverkehr und Binnenschifffahrt bis 2020 um 30 %, aus Luftverkehr um 20 % und aus Schienenverkehr sogar um 50 % unter den Wert von 2008 sinken soll. Maßnahmen wurden bereits ergriffen. Weitere Anstrengungen sind erforderlich, um die Lärmbelastung signifikant zu senken.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Grundlage der Indikator-Berechnung ist die Lärmkartierung. Sie ist seit Juni 2005 im Bundes- Immissionsschutzgesetz verankert und basiert auf den Standards der europäischen Umgebungslärm-Richtlinie. Lärmkarten müssen für Ballungsräume, Hauptverkehrsstraßen, Haupteisenbahnstrecken und Großflughäfen erstellt werden. Ausführliche Berechnungsvorschriften finden sich in zwei Methodendokumenten, die von der Bundesregierung veröffentlicht wurden (BMU und BMVBS 2006 und 2007). Der Lärmpegel wird als A-bewerteter Schalldruckpegel in Dezibel (dB(A)) angegeben. Mit der A-Bewertung wird das frequenzabhängige Hörempfinden von Menschen nachgebildet.

Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie im Daten-Artikel "Lärmkartierung und Lärmaktionsplanung“.