HUE-5 Internationale Klimafinanzierung zur Anpassung

Überschwemmtes Wohngebiet in Entwicklungsland, schwarzes Kind mit Fahrrad auf einem provisorisch angelegten Steg.zum Vergrößern anklicken
Entwicklungsländer sind von Extremereignissen besonders betroffen.
Quelle: © Victor Marcus

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

HUE-5: Internationale Klimafinanzierung zur Anpassung

Die Bemühungen zur Unterstützung von Anpassung im internationalen Kontext haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Der Anteil der anpassungsrelevanten Finanzierung an der gesamten internationalen Klimafinanzierung ist von knapp 25 % im Jahr 2010 auf 37 % im Jahr 2012 gestiegen, ohne Berücksichtigung des Bereichs Wald / Biodiversitätsschutz auf 26 %. Der Bedarf nach Anpassungsfinanzierung wird in Zukunft weiter wachsen.

Darstellung des Anteils de anpassungsrelevanten internat. Klimafinanzierung an der gesamten Klimafinanzierung sowie Zusagen / Auszahlungen des Bundes zur anpassungsrelevanten inernat. Klimafinanzierung, von 2010 bis 2012
HUE-5 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Anpassung ist eine globale Herausforderung

Angesichts der globalen Dimension des Klimawandels und seiner Folgen können die Bemühungen um Anpassung nicht an nationalen Grenzen haltmachen. Deutschland setzt sich daher seit vielen Jahren intensiv für eine weitreichende internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Anpassung ein. Dabei geht es zunächst um die Mitgestaltung der europäischen Rahmenbedingungen für die Anpassung in Schwellen- und Entwicklungsländern und die europäische Forschungskooperation. Im weitergehenden internationalen Umfeld richten sich die deutschen Aktivitäten auf die internationalen Abkommen und Kooperationen inkl. des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC).

Die globalen Klimaszenarien machen deutlich, dass die Entwicklungsländer von den nachteiligen Auswirkungen der Klimaänderung besonders betroffen sein werden.
Teilweise zeigen sich diese Auswirkungen auch schon heute in Form besonders ausgeprägter Witterungsextreme und einer Verschlechterung unter anderem der landwirtschaftlichen Anbaubedingungen. Hinzu kommt, dass die betroffenen Länder aufgrund ihrer wirtschaftlichen und politischen Situation zum Teil über nur geringe Anpassungskapazitäten verfügen. Die solidarische Unterstützung der Entwicklungsländer bei ihren Anpassungsprozessen ist schon allein deshalb geboten, weil diese selbst im Vergleich zu den industrialisierten Staaten und Schwellenländern bisher nur einen vergleichsweise geringen Anteil an den Treibhausgasemissionen hatten.

Deutschland fördert die Anpassung in Entwicklungsländern im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit zur Bekämpfung des globalen Treibhauseffekts, dem sogenannten Klimaregime, und der Entwicklungszusammenarbeit. Rund 90 % der internationalen Klimafinanzierung übernimmt dabei das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Weitere Mittel fließen über das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) überwiegend im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI). Im Rahmen von Forschungskooperationen sind außerdem weitere Ministerien an Vorhaben beteiligt, die den Anpassungsprozess in Entwicklungsländern unterstützen.

Die internationale Klimafinanzierung unterscheidet grundsätzlich zwischen finanziellen Beiträgen zu multilateralen Programmen und der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit. Bei der multilateralen Finanzierung zahlen mehrere Staaten in internationale Fonds ein. Der älteste multilaterale Fonds mit Schwerpunkt Anpassung ist der seit 2002 existierende Least Developed Countries Fund. In Umsetzung der Beschlüsse der Weltklimakonferenz in Kopenhagen von 2009, mit denen die Weichen für eine umfangreichere und langfristigere finanzielle Unterstützung der Entwicklungsländer gestellt wurden, und den Beschlüssen zur Schnellstartfinanzierung (Fast Start Finance) in Cancún 2010 wird nun der Green Climate Fund (GCF) aufgebaut, durch den ein Großteil der neuen multilateralen Finanzierung für Anpassung fließen soll.

Im Rahmen der bilateralen Projekt­ und Programmfinanzierungen leistet Deutschland Zuwendungen an spezifische Projekte zur Förderung eines kohlenstoffarmen und klimaresilienten Wachstums. Ein Großteil der Projekte wird von zwei staatlichen Durchführungsorganisationen, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) und der KfW Bankengruppe umgesetzt. Die bilaterale Zusammenarbeit schließt auch die Förderung zivilgesellschaftlicher Aktivitäten durch private und kirchliche Träger in Entwicklungsländern ein.

Neben den Projekten, deren Hauptziel die Anpassung an den Klimawandel ist, unterstützen viele Projekte der Entwicklungszusammenarbeit mit den Zielen der Armutsbekämpfung, der Ernährungssicherung und der Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur mittelbar auch Ziele der Anpassung. Die Verknüpfung von nachhaltiger Entwicklung und Klimaanpassung erhöht die Wirkung der öffentlichen Gelder. Entscheidend für die Anrechnung als Anpassungsprojekt in der internationalen Klimafinanzierung ist jedoch, dass Ziele der Anpassung ausdrücklich formuliert sind und spezifische Maßnahmen umgesetzt werden, die die Vulnerabilität eines menschlichen oder natürlichen Systems gegenüber Einflüssen oder Risiken des Klimawandels mindern oder die Anpassungskapazität erhöhen. Hierzu gehören Maßnahmen der Information und Bewusstseinsbildung ebenso wie Maßnahmen im rechtlichen, planerischen und programmatischen Bereich sowie operative Umsetzungsmaßnahmen wie beispielsweise die Umstellung auf wassersparende Bewässerungssysteme, der Anbau trockenresistenter Ackerfrüchte, die Einführung nachhaltiger Praktiken in der Fischerei oder Maßnahmen zur Malariabekämpfung.

Die internationale Klimafinanzierung Deutschlands für Minderungs-, Anpassungs-, Wald- und Biodiversitätsmaßnahmen ist kontinuierlich von 471 Mio. Euro im Jahr 2005 auf 1,66 Milliarden Euro im Jahr 2012 gestiegen. Für 2013 waren 1,8 Milliarden Euro zugesagt.39 Seit den Beschlüssen der Klimakonferenz in Cancún 2010 zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Anpassung erfasst Deutschland den in die Anpassung fließenden Anteil der internationalen Klimafinanzierung differenziert. Der Mitteleinsatz hat sich von 335 Mio. Euro in 2010 auf 614 Mio. Euro40 im Jahr 2012 fast verdoppelt. Damit ist auch der Anteil der Anpassungsfinanzierung an der gesamten internationalen Klimafinanzierung gestiegen. Er belief sich im Jahr 2012 auf 37 %. Diese Zahlen beinhalten Vorhaben mit Anpassungswirkungen im Bereich Waldschutz / Schutz biologischer Vielfalt. Ohne diese betrugen die internationalen Beiträge Deutschlands 2012 zur Anpassungsfinanzierung bereits 430,3 Mio. Euro. Über die Wirkungen der mit diesen Mitteln finanzierten Projekte lassen die Zahlen aber keine Aussagen zu.

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39 BMU – Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit & BMZ – Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 2013: Together for a common cause - Germany’s contribution to international climate financing. Berlin und Bonn, 15 S.
www.international-­climate-initiative.com/fileadmin/Dokumente/201311­-brochure-German_climate_financing.pdf

40 Transparenz in der Klimafinanzierung – Voraussetzung für mehr Wirksamkeit:
www.bmz.de/de/was_wir_machen/themen/klimaschutz/finanzierung/transparenz/index.html

 

Ziele

Unterstützung besonders anfälliger Entwicklungsländer bei der Anpassung an die nachteiligen Folgen des Klimawandels (DAS, Kap. 4)

Bereitstellung angemessener, berechenbarer und nachhaltige Finanzquellen […], um Anpassungsmaßnahmen in den Entwicklungsländern zu unterstützen (Copenhagen Accord, Vereinbarung der COP 15, 2009)