Grünlandumbruch

Grünlandflächen sind ökologisch wertvolle Elemente in der Agrarlandschaft und unverzichtbarer Bestandteil einer multifunktionalen Landwirtschaft. Der Flächenanteil des Grünlands hat jedoch über die Jahre abgenommen. Grünland wird häufig in Ackerland umgewandelt und intensiv bewirtschaftet. Dies hat negative Folgen für den Schutz des Bodens, der Gewässer, der Biodiversität und des Klimas.

Gefährdung des Grünlands

Grünlandflächen, dazu gehören Mäh- und Streuwiesen sowie Weiden, werden intensiv oder extensiv bewirtschaftet und zur Nahrungs- und Futtermittelherstellung sowie zur Biomassegewinnung für die Energieerzeugung genutzt. Sie haben darüber hinaus Bedeutung für den Naturschutz. Doch leider ist das Grünland in Deutschland in den vergangenen Jahren stark unter Druck geraten. Zum einen ist ein Trend zum Rückgang der Grünlandfläche zu beobachten und zum anderen nimmt die naturschutzfachliche Qualität des Grünlands infolge einer Intensivierung der Nutzung ab.

Die Abbildung „Gesamtfläche von Dauergrünland und prozentualer Anteil an der landwirtschaftlich genutzten Fläche" zeigt den Rückgang des Dauergrünlands absolut und als Anteil an der landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) in Deutschland. Während 1991 noch über 5,3 Millionen Hektar (Mio. ha), beziehungsweise 31,3 Prozent (%) der LF als Dauergrünland bewirtschaftet wurden, betrug die Dauergrünlandfläche 2015 nur noch rund 4,7 Mio. ha und hatte damit einen Anteil von 27,9 % an der LF. Gegenüber dem Vorjahr ist die Gesamtfläche des Dauergrünlands um 26.400 ha gestiegen (+0,6 %). Im Vergleich zum Cross Compliance-Referenzjahr 2003 hat sie hingegen deutlich abgenommen. Dies spricht dafür, dass die in den auflagegebundenen Direktzahlungs-Verpflichtungen (Cross Compliance) verankerten Regelungen zum Grünlandschutz zu spät greifen. Dabei gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern (siehe Tab. „Dauergrünlandflächenanteil und Veränderung in den Bundesländern“).

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Ökologische Bedeutung des Grünlands

Das Grünland erfüllt über die landwirtschaftliche Produktion hinaus vielfältige Funktionen in der Agrarlandschaft. Es bietet Möglichkeiten für Freizeit und Erholung und hat einen hohen ästhetischen Naturwert. Grünlandstandorte beherbergen über die Hälfte aller in Deutschland vorkommenden Tier- und Pflanzenarten und haben somit auch große Bedeutung für den Schutz und den Erhalt der Artenvielfalt (Biodiversität). Insbesondere extensiv bewirtschaftetes Grünland ist ein wichtiger Standort für Pflanzengesellschaften, die nährstoffarme Böden benötigen und daher in der Agrarlandschaft eher selten geworden sind. Gleiches gilt für an solche Standorte angepasste, zum Teil gefährdete Tierarten.

Grünlandstandorte sind das ganze Jahr über mit Vegetation bedeckt. Der Boden verfügt daher über besonders hohe Humusgehalte und eine hohe Wasserspeicherkapazität. Dies bietet Schutz gegenüber Austrocknung und Erosion durch Wind und Wasser. Aufgrund der guten Aggregatstabilität infolge des hohen Humusgehalts und des hohen Makroporenanteils des Bodens neigen Grünlandstandorte weniger stark zu Verschlämmungen. Das Niederschlagswasser kann auch bei Starkregen besser in Grünlandböden als auf Ackerflächen versickern. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund sich wandelnder Klimaverhältnisse mit voraussichtlich extremeren Witterungsereignissen wichtig.

Bedeutung für den Boden- und Klimaschutz

Der Erhalt und die Ausdehnung von (Dauer-)Grünland in empfindlichen Lagen, wie zum Beispiel landwirtschaftlich genutzten Hangbereichen oder Überschwemmungsgebieten, ist ferner eine geeignete Maßnahme zum Bodenschutz. Vor allem im Randbereich von Gewässern übernimmt Grünland wichtige Pufferfunktionen und verhindert den Eintrag von Nähr- und Schadstoffen. Es trägt damit ganz wesentlich zum Schutz der Oberflächengewässer und damit auch zum Trinkwasserschutz bei.

Darüber hinaus leisten Grünlandstandorte einen positiven Beitrag zum Klimaschutz. Der Humusanteil des Bodens speichert Kohlenstoff, der damit der Atmosphäre entzogen wird. Grünlandstandorte dienen somit auch als Kohlenstoffsenke.

Ein Umbruch des Grünlands zu Ackerflächen stellt dementsprechend eine Belastung der Hydro- und Atmosphäre dar, da er mit dem Abbau von Humus und möglicherweise verstärkten auswaschungsgefährdeten Nitratfreisetzungen sowie Emissionen von Lachgas (NO2) und Kohlendioxid (CO2) verbunden ist.

Gründe für den Grünlandverlust

Der Rückgang des Grünlands korrespondiert zwar teilweise mit abnehmenden Viehbeständen (Rinderhaltung), ist jedoch vor allem Folge einer zunehmend intensiveren Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte und der damit verbundenen Nutzungsänderungen. Auslöser war und ist die hohe Nachfrage nach bestimmten Agrarprodukten, wie zum Beispiel Mais als Tierfutter, verstärkt durch die Biomasse-Förderung zur energetischen Verwertung. Weiden und Wiesen werden vermehrt für den Anbau von Energiepflanzen wie Raps und Mais in Anspruch genommen. Eine Auswertung der Daten verschiedener Bundesländer aus dem Jahr 2009 zeigt, dass Mais mit über 50 Prozent (%) die dominante Flächennutzung nach einer Grünlandumwandlung in Ackerland ist.

Diese Entwicklung ist insbesondere auch in den sogenannten „Veredlungsregionen“ (Intensivtierhaltungsregionen) Nordwest-Deutschlands zu beobachten. Zwar wurde der weitere Zubau von Biogasanlagen mit der Novellierung des EEG 2014 (Streichung der einsatzstoffbezogenen Vergütung) weitgehend eingestellt, der 20-jährige Bestandsschutz der vorhandenen Biogasanlagen lässt eine baldige Änderung dieser Situation jedoch nicht erwarten. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen nahmen beispielsweise die Dauergrünlandflächen gegenüber dem Referenzjahr 2003 um fast 72.000 Hektar (Niedersachsen/Bremen) beziehungsweise fast 71.000 Hektar (Nordrhein-Westfalen) ab (siehe Tab. „Dauergrünlandflächenanteil und Veränderung in den Bundesländern“).

Ferner sind die Intensivierung der Milchviehwirtschaft und die niedrigen Milchpreise mit verantwortlich dafür, dass Landwirte Hochleistungskühe halten (müssen) und diese bei ganzjähriger Stallhaltung verstärkt mit Kraftfutter (wie zum Beispiel Mais, Rapsschrot und Soja) füttern, anstatt diese traditionell auf der Weide zu halten. Auch diese Entwicklung fördert den Grünlandumbruch. Ferner dient Grünland als „Flächenreserve“ bei Landnutzungsänderungen. In Deutschland werden täglich noch immer etwa 70 Hektar (ha) Boden für Siedlungs- und Verkehrszwecke versiegelt (siehe „Flächennutzung“). Der dadurch bedingte Verlust an Ackerflächen wird tendenziell durch Grünlandumbruch kompensiert.

Aus Natur- und Klimaschutzsicht besonders bedenklich ist, dass der Umbruch auf sämtlichen Grünlandstandorten erfolgt, also auch auf naturschutzfachlich und ökologisch besonders wertvollen und sensiblen Standorten der Halbtrockenrasen und Feuchtgrünländer (Nieder- und Anmoorstandorte). Wird auf diesen Flächen anschließend Ackerbau betrieben und insbesondere Mais angebaut, kann das gravierende Folgen für die Umwelt haben (Artenverlust, Nitratauswaschung, Treibhausgas-Emissionen, Erosionsgefahr).

Die Tabelle zeigt die absoluten und prozentualen Flächenanteile des Dauergrünlands in den Bundesländern 2003 und 2015. Der Vergleich zeigt, dass das Grünland in fast allen Bundesländern abgenommen hat (z.B. in Niedersachsen).
Tab: Dauergrünlandflächenanteil und Veränderung in den Bundesländern
Quelle: BMEL / Umweltbundesamt / Statistisches Bundesamt Tabelle als PDF

Schutz des Grünlands

Mit dem Beschluss der EU-Kommission, des Ministerrates und des Europäischen Parlamentes im Jahr 2013 für eine gemeinsame Agrarpolitik (GAP) 2014-2020 wird der Erhalt von Grünland im Rahmen des sogenannten „Greening“ geregelt. Die bisherige Cross-Compliance-Regelung zum Grünlanderhalt auf Landesebene fällt Ende 2016 weg. Mit den neuen „Greening“-Verpflichtungen (Fruchtartendiverität, Dauergrünlanderhalt und Bereitstellung ökologischer Vorrangflächen) wird der Dauergrünlanderhalt nun auf Betriebsebene geregelt. Diese Regelung auf Betriebsebene bedeutet jedoch, dass das Grünland von Betrieben die keine Agrarförderung in Anspruch nehmen und das Grünland von Ökolandbaubetrieben, nicht unter die Greeningverpflichtungen fallen und somit keinem Umwandlungsverbot unterliegen. Diese Grünlandanteile am Gesamtgrünland sind als nicht unerheblich anzusehen. Um die Greening-Verpflichtungen zu erfüllen, darf auf Ebene der Bundesländer der Grünlandanteil im Verhältnis zur Ackerfläche im Vergleich zum Jahr 2012 um nicht mehr als 5 % abnehmen. Ausschließlich für sensibles Dauergrünland auf sogenannten Natura-2000-Flächen in FFH-Gebieten (Flora-Fauna-Habitat) gilt ein absolutes Umwandlungs- und Pflugverbot.

Ob diese Auflagen ausreichen, um das Grünland in Umfang und Qualität ausreichend zu schützen, wird sich erst in den folgenden zwei Jahren zeigen. Die Möglichkeit nachjustierend und korrigierend einzugreifen bietet sich eventuell zur angekündigten Halbzeitbewertung der GAP Anfang 2017.

Schutzmöglichkeiten aus Sicht des Umweltbundesamts

Aus Sicht des Umweltbundesamts (UBA) gehen die bisherigen Regelungen zum Grünlanderhalt auf Landesebene nicht weit genug, weil sie zu spät greifen und Anreize zum Ausschöpfen der Freiräume bieten. Im Rahmen der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union (EU), die 2015 in Kraft getreten ist, werden 30 Prozent (%) der Direktzahlungen an die Einhaltung des sogenannten „Greenings“ gekoppelt (Fruchtartendiversifizierung, Grünlanderhalt, Bereitstellung ökologischer Vorrangflächen). Der Grünlanderhalt muss damit nicht mehr auf Länderebene, sondern einzelbetrieblich gewährleistet sein. Weiter müssen Mitgliedsstaaten Grünlandflächen in umweltsensiblen Gebieten (Natura 2000-Gebieten) ausweisen, die dann einem absoluten Umbruchverbot unterliegen. Darüber hinaus können Mitgliedsstaaten auch außerhalb von Natura 2000-Gebieten weitere umweltsensible Gebiete wie beispielsweise kohlenstoffreiche Böden festlegen, in denen ebenfalls das einzelbetriebliche Umwandlungs- und Pflugverbot gelten soll. Der angestrebte Grünlandschutz soll mit einem gespaltenen Referenzniveau (Altgrünland 2012, Neugrünland 2015) eine vorauseilende Umbruchswelle verhindern.

Ausführliche Informationen zur GAP-Reform finden Sie hier.

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