Siedlungs- und Verkehrsfläche

Der stete Flächenverbrauch für neue Siedlungs- und Verkehrszwecke entzieht Flächen den natürlichen Kreisläufen. Versiegelte Flächen schaden aber den Böden und begünstigen Hochwasser. Die Zersiedelung erzeugt auch mehr Verkehr. Die Bundesregierung will den Flächenverbrauch bis 2020 daher auf 30 Hektar pro Tag senken. Das Umweltbundesamt hat als Zwischenziel 55 Hektar pro Tag für 2015 ausgegeben.

Zunahme der Gebäude, Straßen und Erholungsflächen

Die Bevölkerung Deutschlands belegt stetig mehr Fläche zum Arbeiten, für das Wohnen und zur Fortbewegung. Die gesamte Siedlungs- und Verkehrsfläche betrug Ende 1992 rund 40.305 Quadratkilometer (km²). Ende 2013 waren es 48.482 km², was einem Anstieg um 20,3 Prozent (%) entspricht. Dieser Zuwachs vollzog sich vor allem zu Lasten landwirtschaftlich genutzter Flächen.

Die gesamte Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV-Fläche) verteilte sich 2013 folgendermaßen (siehe Tab. „Siedlungs- und Verkehrsfläche nach Art der tatsächlichen Nutzung“ und Abb. „Siedlungs- und Verkehrsfläche und Bevölkerung“):

  • 51,3 % gehörten zu Gebäuden und den dazugehörigen Freiflächen wie Gärten und Parkplätzen auf dem Grundstück.
  • Bei 37,3 % handelte es sich um Verkehrsflächen. Dazu zählen Straßen, Schienenwege, Flughäfen mit ihren Landebahnen und dem übrigen Gelände sowie Schiffsanlegeplätze.
  • 8,7 % waren Erholungsflächen zuzuordnen. Hierzu gehören Grünflächen, Sportanlagen, Campingplätze und Kleingärten.
  • 1,9 % der Fläche gehörten zu Betriebsflächen für Gewerbe oder öffentliche Zwecke. Hierzu zählen neben Klärwerken auch Lagerplätze und Halden. Fläche, auf der etwa Kies oder Braunkohle abgebaut wird – so genanntes „Abbauland“ –, gehört zwar auch zu den Betriebsflächen, wird aber nicht als SuV-Fläche gerechnet.
  • Friedhöfe gab es auf 0,8 % der SuV-Fläche.

Innerhalb der SuV-Flächen hatten Gebäude- und Freiflächen sowie Erholungsflächen die größten absoluten Zuwächse zwischen den Jahren 2000 und 2013. Gebäude- und Freiflächen beanspruchten 2013 mit 24.857 km² rund 1.776 km² (7,7 %) mehr Boden als im Jahr 2000. Die Fläche zur Erholung wuchs in den 13 Jahren in absoluten Zahlen fast ebenso stark um 1.569 km² (59 %) auf 4.228 km² – wobei allerdings der größte Teil dieses Zuwachses auf Umstellungen der Flächenstatistik in den neuen Bundesländern basiert. Den drittgrößten Zuwachs hatten die Verkehrsflächen mit 982 km² (5,7 %) auf 18.100 km² zu verzeichnen.

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Das Tempo des Flächenneuverbrauchs ging zurück

Der Verbrauch neuer Flächen ist von 1997 bis 2013 erheblich zurückgegangen. Er wird meist als Mittelwert über 4 Jahre angegeben, um etwa die wetter- oder wirtschaftsbedingten Schwankungen in der Baubranche zu glätten und Trends besser zu erkennen. So betrug der tägliche Flächenverbrauch in den Jahren 1997 bis 2000 im Schnitt 129 Hektar (ha), das entspricht 1,29 Quadratkilometern (km²) pro Tag. In den Jahren 2010 bis 2013 ging der tägliche Flächenverbrauch im Schnitt auf nur noch 73 ha (0,73 km²) zurück (siehe Abb. “Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche“).

Auch in den Werten für die Einzeljahre ist seit 2004 ein rückläufiger Trend erkennbar. Der gesamtdeutsche tägliche Flächenverbrauch lag im Jahr 2009 erstmals unter dem Wert von 80 ha (0,8 km²) und hatte im Jahr 2012 mit 69 ha (0,69 km²) einen vorläufigen Tiefpunkt. Bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung wurden im vergangenen Jahr allerdings wieder mehr neue Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke in Anspruch genommen. Im Jahr 2013 stieg der Flächenverbrauch wieder auf durchschnittlich 71 ha pro Tag an.

Dabei ist Flächenverbrauch etwas anderes als Bodenversiegelung. Etwa die Hälfte der Siedlungs- und Verkehrsfläche ist versiegelt. Der genaue Grad der Versiegelung lässt sich aus der amtlichen Flächenstatistik nicht ableiten. Der Länderarbeitskreis für Bodenschutz (LABO) kommt in einer Hochrechnung, die er im Jahr 2007 veröffentlicht hat, für 15 Bundesländer mit zuverlässigen Daten auf einen durchschnittlichen Versiegelungsgrad der Siedlungs- und Verkehrsflächen von 45,9 Prozent (%) das Jahr 2005 (Gunreben et al., 2007). Mit der LABO-Methode hochgerechnet für das Jahr 2013 ergeben sich mindestens 21.037 km² versiegelter Boden – das sind etwa 6,2 % der Gesamtfläche dieser 15 Bundesländer und 45,5 % ihrer Siedlungs- und Verkehrsfläche.

In der Abbildung ist zu sehen, wie viel Hektar Fläche in Deutschland täglich in den Jahren 1993 bis 2013 für Siedlungs- und Verkehrsflächen neu belegt wurden. Während im Jahr 2000 129 Hektar pro Tag verbraucht wurde, waren es 2013 nur 73 Hektar pro Tag.
Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF

Weniger neue Gebäude, unverändert neue Straßen und Flugplätze

Die Zunahme an Gebäude- und Freiflächen ist gesunken. Während im 4-Jahres-Zeitraum von 1997 bis 2000 noch 78 Hektar (ha) pro Tag neu für Gebäude und Freiflächen verbraucht wurden, waren es von 2010 bis 2013 nur 23,6 ha pro Tag. Das entspricht einem Rückgang um 70 Prozent (%).

Die Zunahme der Verkehrsflächen hingegen war lange Zeit nahezu stabil mit nur leicht rückläufiger Tendenz. Sie betrug von 1993 bis 2008 im Schnitt rund 23 ha pro Tag. Erst ab dem Jahr 2009 ist ein allmählicher Rückgang zu erkennen. Der 4-Jahres-Mittelwert von 2010 bis 2013 lag bei 16,7 Hektar pro Tag. Das Wachstum der Verkehrsflächen hat unerwünschte Folgen: Diese neuen Verkehrsflächen – es handelt sich vor allem um Straßen – zerschneiden Landschaften und erhöhen den Lärmpegel. Diese Folgen müssen künftig verstärkt etwa im Rahmen der Bundesverkehrswegeplanung beachtet werden.

Die Zunahme an Erholungsflächen ist in den alten Ländern auch stabil. Seit dem Jahr 1989 werden im Schnitt unverändert auf rund 12 ha täglich neue Grünflächen, Sportanlagen und Campingplätze geschaffen. Auch wenn bei diesen Flächen der Anteil an nicht versiegeltem Boden höher liegt als bei anderen Siedlungs- und Verkehrs-(SuV-)Nutzungen, enthalten auch sie befestigte oder versiegelte Flächen etwa für Wege und Stellplätze. Aktuelle statistisch abgesicherte Daten zum Wachstum der Erholungsflächen in den neuen Bundesländern fehlen noch, da die neuen Länder die statistische Einordnung ihrer Flächen umstellen. Bundesweit lag die Flächeninanspruchnahme für Erholungsflächen im 4-Jahres-Mittelwert von 2010 bis 2013 bei 22 Hektar pro Tag.

Flächen werden weniger effizient genutzt

Da die Bevölkerung in Deutschland vom Jahr 2003 bis 2010 abgenommen hat, führt die stete Ausweitung der SuV-Flächen zu einer wachsenden Flächenbelegung pro Kopf der Bevölkerung. Seit dem Jahr 2011 ist zwar wieder ein Wachstum der Bevölkerung zu verzeichnen, gleichzeitig muss aber die Bevölkerungszahl aufgrund der Ergebnisse der Volkszählung nach unten korrigiert werden. Im Ergebnis heißt das, dass die Effizienz der Flächennutzung sinkt (siehe Tab. „Flächenbelegung für Siedlungs- und Verkehrszwecke pro 1.000 Einwohner in Deutschland“). So belegte im Jahr 1992 ein Einwohner oder eine Einwohnerin im Schnitt 498 Quadratmeter (m²), im Jahr 2013 aber schon 600 m². Das ist ein Anstieg um 102 m² oder 20,5 Prozent (%) (siehe Abb. „Flächenbelegung für Siedlungs- und Verkehrszwecke“). Bei den Gebäudeflächen mit ihren Freiflächen ist im selben Zeitraum ein Anstieg um 52 m² oder 20,3 % von 256 m² pro Einwohner auf 308 m² pro Einwohner zu verzeichnen.

Auffällig ist, dass jene Länder, die wirtschaftlich gesünder sind, ihre Fläche effizienter nutzen. So weisen Bayern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen zwar eine ähnliche Bevölkerungsdichte von rund 165 Personen pro Quadratkilometer (km²) Landesfläche auf. Doch eine Person in Bayern belegte im Jahr 2012 nur eine SuV-Fläche von 649 m², während eine Person in Schleswig-Holstein 717 m² und in Niedersachsen sogar 843 m² belegte (siehe Abb. „Zunahme der Belegung von Siedlungs- und Verkehrsflächen pro Kopf der Bevölkerung“).

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Nachhaltige Flächennutzung in weiter Ferne

Die Bundesregierung hatte sich im Jahr 2002 in ihrer Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie vorgenommen, den täglichen Zuwachs der Siedlungs- und Verkehrsfläche bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar (ha) (0,3 Quadratkilometer (km²)) zu senken. Um erkennen zu können, ob wir uns auf dem Pfad zum 30-Hektar-Ziel befinden, hat das Umweltbundesamt Zwischenziele für die Jahre 2010 und 2015 von 80 bzw. 55 Hektar pro Tag gesetzt. Von diesen Zielen ist Deutschland – trotz einer tendenziellen Verlangsamung bei der Zunahme der Gebäude- und Freiflächen – noch deutlich entfernt. Der Rat für nachhaltige Entwicklung forderte 2002 ferner, dass 2050 gar keine Fläche mehr neu verbraucht wird. Dieses sollte durch eine optimale Nutzung bereits genutzter Fläche sowie durch Wiedernutzung brach gefallener Flächen geschehen.

Ob das 2020-Ziel der Bundesregierung erreicht wird, ist ungewiss. Denn mit anhaltendem Wirtschaftswachstum und fortgesetzter Zuwanderung besteht die Gefahr, dass der Flächenverbrauch erneut zunimmt. Der Wiederanstieg des mittleren täglichen Flächenverbrauchs für Siedlungs- und Verkehrszwecke im Einzeljahr 2013 könnte bereits ein erstes Anzeichen für eine solche Trendwende sein.

Dabei bietet ein sparsamer Flächenverbrauch auch eine Chance zu einer nachhaltigen Wirtschafts- und Finanzpolitik: Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit bietet es sich an, Siedlungsbestände im Innenbereich von Städten und Dörfern zu ertüchtigen oder Brachflächen neu zu nutzen – statt neue Flächen unter hohen Kosten zu erschließen (siehe „Demographischer Wandel“). Denn immerhin: Die deutsche Bevölkerung wird immer älter, die Regionen mit sinkender Bevölkerungszahl breiten sich aus und die Zahl und Ausdehnung der Wachstumsinseln verringert sich.

Vorausschauend sollte auch zügig eine konsequente Weiterentwicklung von zielführenden planerischen, rechtlichen und ökonomischen Instrumenten und ihre Umsetzung in der Praxis vorangetrieben werden. Dazu wird derzeit auch ein überregionaler Modellversuch zum Handel mit Flächenzertifikaten durchgeführt.

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