Altpapier

Die Papierindustrie setzte im Jahr 1990 knapp 49 Prozent Altpapier ein, im Jahr 2014 fast 74 Prozent. Diese Steigerung senkte den Holz-, Wasser- und Primärenergieverbrauch pro Tonne Papier. Das Mehr an Papierkonsum relativierte jedoch den Effizienzgewinn. Zudem gefährden Verunreinigungen aus Druckfarben, Kleb- und Papierhilfsstoffen inzwischen das Altpapierrecycling.

Inhaltsverzeichnis

Vom Papier zum Altpapier

Im Jahre 2014 wurden in Deutschland 251 Kilogramm Pappe, Papier und Karton pro Einwohner verbraucht. Dies entspricht einem Gesamtverbrauch von 20,4 Millionen Tonnen (Mio. t). Im gleichen Jahr haben private und kommunale Entsorger 15,1 Mio. t Altpapier gesammelt. Dies ergibt eine Altpapierrücklaufquote von rund 74 Prozent (siehe Tab. „Papiererzeugung, Papierverbrauch und Altpapierverbrauch“).

Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 15 Millionen Tonnen Altpapier gesammelt – das waren 74 Prozent des hergestellten Papiers. Bei der Herstellung neuen Papiers wurden fast 74 Prozent Altpapier eingesetzt. Im Jahr 1990 waren es erst 49 Prozent.
Tab: Papiererzeugung, Papierverbrauch und Altpapierverbrauch
Quelle: Verband deutscher Papierfabriken Tabelle als PDF

Die deutsche Papierindustrie

Die deutsche Papierindustrie stellte im Jahr 2014 rund 22,5 Millionen Tonnen (Mio. t) Papier, Pappe und Kartonagen her. Sie setzte dafür rund 16,6 Mio. t Altpapier ein. Die Altpapiereinsatzquote – also der Altpapieranteil an der gesamten inländischen Papierproduktion – lag damit bei fast 74 Prozent (%). Diese Quote stieg also seit dem Jahr 2000 um mehr als 10 % (siehe Tab. „Altpapiereinsatzquoten in Prozent“). Der deutschen Papierindustrie gelang es auf diese Weise, ihre spezifischen Umweltbelastungen zu verringern.

Die Altpapiereinsatzquote von fast 74 % ließe sich noch erhöhen. Es ist technisch etwa möglich, mehr Altpapier bei der Herstellung von Zeitschriften-, Büro- und Administrationspapieren und vor allem bei der Herstellung von Hygienepapieren zu nutzen. Eine Nachfragesteigerung seitens Verbraucherinnen und Verbraucher würde dies befördern.

Bei der Herstellung von Zeitungsdruck- und Wellpappenrohpapieren wurde im Jahr 2014 statistisch gesehen mehr als 100 % Altpapier eingesetzt. Der Grund ist, dass bei der Aufbereitung von Altpapier Sortierreste und alle Verunreinigungen, welche die Qualität des Neupapiers beeinträchtigen, abgeschieden werden. Dabei gehen auch Papierfasern verloren, deshalb wird in der Produktion bis zu 20 % mehr Rohstoff eingesetzt.

Die Altpapierverwertungsquote, also der Altpapierverbrauch im Verhältnis zum gesamten Papierverbrauch, lag 2014 bei 81,6 % (siehe Abb. „Altpapierverwertungsquoten“).

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Energieeffiziente Papierherstellung

Papier, Pappe und Kartonagen wurden im Jahr 2014 energieeffizienter hergestellt als im Jahr 1990. Der mittlere Energieeinsatz bezogen auf eine Tonne erzeugtes Papier sank in diesem Zeitraum von 3,413 auf 2,884 Megawattstunden (MWh). Diese Effizienzsteigerung wurde durch die erhöhte Produktion im selben Zeitraum überkompensiert. So stellte die deutsche Papierindustrie im Jahr 2014 rund 76 Prozent (%) mehr Papier, Pappe und Kartonagen her als im Jahr 1990.

Die Emissionen an fossilem Kohlendioxid pro Tonne Papier konnten trotzdem seit 1990 um ca. ein Drittel gesenkt werden. Sie liegen jetzt bei 663 kg Kohlendioxid pro Tonne produziertes Papier. Das liegt vor allem am zunehmenden Einsatz von alternativen Brennstoffen.

Die Papierbranche bemüht sich einerseits, den Energieverbrauch weiter zu senken. Gleichzeitig investieren viele Unternehmen in zusätzliche Prozessstufen, um Papiere mit höheren Weißgraden und glatterer Oberfläche herzustellen. Dafür benötigen sie mehr Energie, da mehr Fasern aussortiert und diese stärker gereinigt und gebleicht werden.

Der Gesamtenergieeinsatz stieg daher von 190 Petajoule (PJ) im Jahr 1990 um gut 60 % auf 305 PJ im Jahr 2014 (Verband Deutscher Papierfabriken, 2015).

Tipp zum Weiterlesen:
Verband Deutscher Papierfabriken e. V., Papier 2015, Ein Leistungsbericht, Tabelle N27. Der Bericht kann beim VDP unter: http://www.vdp-online.de/de/publikationen/angebot.html bestellt werden.

Grafische Papiere

Die grafischen Papiere sind nach den Verpackungspapieren das mengenmäßig wichtigste Papiersegment. Darunter fallen alle Papiere, die für Zeitungen, Zeitschriften, Schreib- oder Kopierpapiere verwendet werden. Für diese grafischen Papiere hat das Umweltbundesamt im Jahr 2000 in einer Ökobilanz untersuchen lassen, welche Umweltwirkungen während des gesamten Lebensweges der Papiere entstehen und welche Umweltentlastungspotenziale der Einsatz von Altpapieren im Produktionsprozess bietet. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Es ist wesentlich umweltverträglicher, grafische Papiere aus Altpapier herzustellen, als dafür frische Fasern aus dem Rohstoff Holz zu benutzen.
  • Es ist wesentlich umweltverträglicher, Altpapier wieder zu recyceln und daraus neues Papier herzustellen, als Altpapier zu verbrennen, um daraus Energie zu gewinnen. Altpapier auf Abfalldeponien zu beseitigen, ist aus Umweltschutzsicht die schlechteste Lösung.

Ein höheres Altpapierrecycling ist für praktisch alle betrachteten Wirkungskategorien günstiger zu bewerten: Dies betrifft die Knappheit fossiler Energieträger, Treibhauspotenzial, Sommersmog, Versauerungspotenzial und Überdüngung von Böden und Gewässern. Für Altpapierrecycling spricht auch, dass mehr Holz auf den Waldflächen verbleibt und infolgedessen das Naturraumpotenzial, also jener Anteil der Waldflächen, der vom Menschen weniger intensiv bewirtschaftet wird, ansteigen kann.

Das heißt konkret: Wer beim Kauf von einem Paket Papier mit 500 Blatt, das etwa 2,5 Kilogramm (kg) wiegt, zu Recyclingqualität greift, spart 5,5 kg Holz. Mit den 7,5 Kilowattstunden, die man bei Kauf eines Paketes Recyclingkopierpapier zusätzlich spart, kann man 525 Tassen Kaffee kochen.

Tipp zum Weiterlesen:
Broschüre „Papier. Wald und Klima schützen“

Mögliche Schadstoffanreicherung im Papier

Das Schließen von Stoffkreisläufen und die hohe Zahl an Recyclingzyklen kann jedoch auch einen negativen Aspekt haben: so treten immer wieder erhöhte Gehalte unerwünschter Stoffe in den Altpapierkreisläufen auf. Es handelt sich dabei um Chemikalien, die an Papierfasern gut haften und wasserlöslich sind. Beispiele hierfür sind bestimmte Mineralölbestandteile in Druckfarben, Bisphenol A aus Kassenzetteln und gewisse Phthalate aus Klebstoffen. Diese Chemikalien können Altpapier verunreinigen, wenn etwa neue Papierprodukte wie Thermopapier oder neue Druckverfahren mit den dazugehörige Druckfarben, Bindungen, oder Verbundmaterialien entwickelt werden, die nicht auf ihre Auswirkungen auf die Recyclingkreisläufe geprüft werden.

Diese Verunreinigungen gefährden den Einsatz von Altpapier etwa als Verpackung für Cerealien, Mehl oder Reis und anderen Lebensmittelkontaktpapieren. Denn sowohl die Bedarfsgegenständeverordnung als auch die Empfehlung „Papiere, Kartons und Pappen für den Lebensmittelkontakt“ des Bundesinstitutes für Risikobewertung von Juni 2012 geben für den Gehalt an Schadstoffen in Papier, Pappe und Kartons Obergrenzen vor.

Einige dieser Verunreinigungen gelangen nicht bei der Papierherstellung in den Kreislauf, sondern wenn etwa Wellpappenhersteller, Drucker und Verpacker Papier nutzen und weiter verarbeiten. Diese Unternehmen sind mitunter nicht ausreichend sensibilisiert oder motiviert, nur Stoffe einzusetzen, die für das Recycling unkritisch sind. Hier gilt es, durch ein vernetztes Denken und Handeln bei allen Beteiligten die erforderliche Sensibilität zu schaffen, damit das erreichte hohe Verwertungsniveau bei Altpapier nicht gefährdet wird und durch die Verwertung von Altpapier auch zukünftig ein wichtiger Beitrag zum ressourceneffizienten Umgang mit Rohstoffen geleistet werden kann. Das Umweltbundesamt setzt sich für eine Vermeidung von Verunreinigungen möglichst an der Quelle ein.

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