Papiertaschentücher, Hygienepapiere

Unsere Tipps

  • Kaufen Sie Hygienepapiere wie Papiertaschentücher, Toilettenpapier oder Küchenrolle aus 100 Prozent Recyclingpapier (Blauer Engel). 
  • Nutzen Sie papierfreie Alternativen wie waschbare Stofftaschentücher, Stoffhandtücher und Stoffservietten oder Wischtücher.

Gewusst wie

Die Herstellung von Hygienepapier belastet die Umwelt stark. Sie benötigt viel Holz, Energie und Wasser und führt zur Einleitung gefährlicher Stoffe in Gewässer. Durch den Einsatz von Altpapier und beste verfügbare Techniken bei der Produktion von neuem Papier können diese Umweltbelastungen stark reduziert werden. Bei Hygienepapieren kommt hinzu, dass die Papierfasern nach dem Gebrauch über die Kanalisation oder als Abfall entsorgt werden. So gehen sie dem Papierkreislauf verloren.

Kauf von Recyclingpapier: Es gibt für jede Art von Hygienepapier auch eine qualitativ hochwertige Alternative aus Recyclingpapier. Es gibt genügend Recycling-Produkte, die den Vergleich mit Frischfasern in Sachen Nutzerkomfort nicht scheuen müssen, wie zum Beispiel ein Test der Stiftung Warentest bestätigt (siehe Links). Das gilt für Papiertaschentücher, für Küchenrollen, für Servietten wie für Toilettenpapier. Der Blaue Engel garantiert dabei, dass die Papierfasern zu 100 Prozent aus Altpapier gewonnen werden und keine gefährlichen Chemikalien eingesetzt werden. Andere Produktkennzeichnungen wie FSC- oder PEFC-Label oder die Bezeichnung „Chlorfrei gebleicht“ sind bei Papierprodukten aus Umweltsicht weniger hilfreich (siehe Hintergrund).

Gesundheitlich unbedenklich: Hygienepapiere aus Recyclingpapier mit dem Blauen Engel sind für alle bestimmungsgemäßen Anwendungen geeignet. Die Papiere und die eingesetzten chemischen Zusätze entsprechen der Empfehlung „Papiere, Kartons und Pappen für den Lebensmittelkontakt" des Bundesinstitutes für Risikobewertung. Sie halten die Grenzwerte aus den ergänzenden Hinweisen zur Beurteilung von Hygienepapieren ein. Farbmittel, die Schwermetalle wie Quecksilber, Blei, Cadmium oder Chrom-VI enthalten, sind ebenso verboten wie Stoffe, die als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind. Damit gelten für Hygienepapiere mit dem Blauen Engel schärfere Maßstäbe als für Hygienepapiere aus Primärfasern.

Was Sie noch tun können:

  • Auch bei Recyclingpapier gilt: Sparsam verwenden.
  • Recyclingpapier benutzen: Beachten Sie unsere weiteren Tipps zum Papierkauf.
Blauer Engel für Hygiene-Papiere
Blauer Engel für Hygiene-Papiere
Quelle: Blauer Engel

Hintergrund

Umweltsituation: Zu den Hygienepapieren zählen unter anderem Toilettenpapier, Papierhandtücher, Taschentücher, Kosmetiktücher, Servietten, Küchentücher, Putztücher und Abdecktücher (z.B. im medizinischen Bereich). In Deutschland liegt der jährliche Verbrauch bei knapp 18 Kilogramm Hygienepapiere pro Person (Stand 2010). In den letzten zehn Jahren ist die Nachfrage nach Hygienepapieren in Deutschland von einer Million Tonnen auf 1,5 Millionen Tonnen gestiegen. Gleichzeitig ging der Altpapieranteil bei der Produktion laut Verband deutscher Papierfabriken  von 75 auf 50 Prozent zurück. Wir spülen damit unsere Wälder ins Klo, denn Hygienepapiere werden in der Regel nur einmal verwendet und gehen anschließend dem Papierkreislauf über die Kanalisation oder die Entsorgung verloren. Deshalb sollten Hygienepapiere ausschließlich aus bereits mehrfach recyclierten Sekundärfasern mittlerer und unterer Altpapierqualitäten bestehen. Dies sind Altpapiere, die über 85 Prozent des Altpapieraufkommens ausmachen. Der Einsatz dieser Altpapierqualitäten trägt entscheidend dazu bei, die Zahl der Wiederverwendungen einer Papierfaser zu erhöhen und damit den Druck auf die Ressource Holz zu reduzieren.

In Deutschland selbst sind die ökologischen und sozialen Standards für die Papier- und Zellstoffproduktion sowie für die Waldbewirtschaftung im weltweiten Vergleich hoch. Doch 57 Prozent des verbrauchten Papiers, Karton, Pappe und über 80 Prozent des Zellstoffs für die deutsche Papierindustrie stammen aus dem Ausland – ein zunehmender Anteil aus Plantagen in Entwicklungs- und Schwellenländern. In den südlichen Ländern werden oft massive Probleme durch den Anbau und die Produktion von Zellstoff verursacht. Immer mehr Papierfasern für den deutschen Hygienepapiermarkt stammen aus Brasilien – auch von ökologisch umstrittenen Plantagen. Im brasilianischen Bundesstaat Espirito Santo sind durch Zellstoffkonzerne wie FIBRA (ehemals Aracruz) tausende Hektar Regenwald gerodet und durch Eukalyptusplantagen ersetzt worden. Ursprünglich bedeckte die „Mata Atlântica“ (der Atlantische Regenwald) weite Teile des Bundesstaates Espírito Santo. Heute sind dort nur noch zehn Millionen Hektar erhalten. Das entspricht 7,5 Prozent des ursprünglichen Bestandes. Stattdessen gibt es hier nun doppelt so viele Plantagen wie Naturwälder. Die Zellstoff und Papierindustrie war maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt.

Im ökologischen Vergleich schneiden Papierprodukte aus Altpapier gegenüber Papierprodukten aus Holzfasern im Hinblick auf Ressourcenverbrauch, Abwasserbelastung, Wasser- und Energieverbrauch wesentlich günstiger ab: Holzeinsparung von bis zu 2,4 Kilogramm pro Kilogramm Papier, Energieeinsparung etwa 50 Prozent, Wassereinsparung rund 67 Prozent.

Gesetzeslage: Es gelten die Grundsätze und Pflichten des Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG). Die Empfehlung XXXVI „Papiere, Kartons und Pappen für den Lebensmittelkontakt" des Bundesinstitutes für Risikobewertung stellt keine gesetzliche Grundlage dar, wird aber vom Markt als hilfreicher Produktstandard akzeptiert.

Marktbeobachtung: Der Blaue Engel ist für Hygienepapiere der beste Orientierungsmaßstab. Andere Produktkennzeichnungen sind aus Umweltsicht für Hygienepapiere weniger hilfreich:

  • FSC und PEFC auf Papier: FSC und PEFC sind Label für nachhaltige Waldbewirtschaftung. Am Markt findet man überwiegend FSC-Mix-Papiere. „Mix“ besagt, dass mindestens 70 Prozent der Fasern aus FSC-Holz und /oder Altpapier stammen. Meistens handelt es sich um reine Frischfaserpapiere. Zwar gibt es auch einige Papiere mit dem FSC-Recycling-Siegel. Doch dieses erfüllt nicht die strengen Anforderungen des Blauen Engels, beispielsweise zum Mindestanteil niedriger Altpapiersorten, an den Energie- und Wasserverbrauch oder an den Einsatz von Chemikalien bei der Produktion. Hygienepapiere mit dem FSC oder dem PEFC Zeichen sind deshalb im Vergleich zu Waren, die mit dem Blauen Engel ausgezeichnet sind, weniger empfehlenswert.
  • Chlorfrei gebleicht: Bedeutet, dass kein Altpapier enthalten ist und trifft keine Aussage über die Art der Waldbewirtschaftung. Es macht lediglich Aussagen über den Chemikalieneinsatz bei der Bleichung. Heutzutage überwiegt die Elementarchlorfreie (ECF) mit 90 Prozent vor der vollständig chlorfreien Bleiche (TCF) mit fünf Prozent. Fünf Prozent der weltweiten Produktion wird noch mit reinem Chlor produziert.
  • EU-Ecolabel für Hygienepapiere: Das europäische Umweltzeichen stellt Anforderungen an den Energieverbrauch, die Abwasserbelastung und an die eingesetzten Chemikalien. Leider fordert es keinen Altpapiereinsatz und auch der Anteil zertifizierter Fasern ist mit 50 Prozent noch deutlich steigerbar. Das Zeichen bietet deshalb nur einen eingeschränkten Mehrwert gegenüber Papieren ohne Zertifizierung.

Weitere Informationen finden Sie auf folgenden Seiten:

  • 2014 wurden in Deutschland 20,4 Millionen Tonnen Papier verbraucht und für die Produktion 16,6 Millionen Tonnen Altpapier eingesetzt. Die Verwertungsquote von Altpapier betrug also 81,6 Prozent. Im Jahr 2000 betrug sie 57,6, im Jahr 1950 gut 29 Prozent.
    Altpapierverwertungsquote
    Quelle: Verband deutscher Papierfabriken Diagramm als PDF
  • Die Altpapiereinsatzquote stieg in den Jahren von 2000 bis 2014 von 60,4 auf 73,8 Prozent. Diese Quote lässt sich weiter erhöhen. Zeitschriften-, Büro-, Administrations- und Hygienepapieren bestand im Jahr 2014 im Durchschnitt aus 51 Prozent Altpapier.
    Tab: Altpapiereinsatzquoten in Prozent
    Quelle: Verband deutscher Papierfabriken Tabelle als PDF
  • Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 15 Millionen Tonnen Altpapier gesammelt – das waren 74 Prozent des hergestellten Papiers. Bei der Herstellung neuen Papiers wurden fast 74 Prozent Altpapier eingesetzt. Im Jahr 1990 waren es erst 49 Prozent.
    Tab: Papiererzeugung, Papierverbrauch und Altpapierverbrauch
    Quelle: Verband deutscher Papierfabriken Tabelle als PDF
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