Stickoxide: Neue Umweltplakette nur für saubere Diesel

Quelle: Umweltbundesamt

Luftqualität 2015: Auswertung der Stickstoffdioxidwerte; Stand: März 2016

Auch 2015 waren viele Innenstädte stark mit Stickoxiden belastet. Das zeigt die Auswertung der Messdaten von Bund und Ländern durch das UBA. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger empfiehlt daher für Umweltzonen eine neue Umweltplakette: „Die neue Umweltplakette sollten nur besonders saubere Diesel-Pkw erhalten – also solche, die die zukünftigen Euro 6- Grenzwerte nicht nur auf dem Papier einhalten."

Die Konzentrationen von Stickstoffdioxid überschritten auch im Jahr 2015 an rund zwei Drittel aller verkehrsnahen Messstationen den EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm/Kubikmeter (µg/m3). An hochbelasteten verkehrsnahen Standorten würde dies laut UBA auch noch bis 2030 der Fall sein – trotz der geplanten Einführung neuer europäischer Abgasgrenzwerte für Diesel-Pkw im realen Fahrbetrieb. Der Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) gilt bereits seit mehr als fünf Jahren, wird aber noch viel zu oft überschritten. Im Jahresmittel dürfen demnach die NO2-Konzentrationen seit dem 1. Oktober 2010 den Wert von 40 µg/m3 nicht überschreiten. An 27 Prozent der insgesamt 514 deutschen NO2-Messstationen lagen die Konzentrationen im Jahr 2015 über dem Grenzwert. Ohne Ausnahme traten alle Überschreitungen an verkehrsnahen Messstationen auf, von denen damit zwei Drittel betroffen waren.

Hauptquelle der Stickstoffoxide ist der motorisierte Straßenverkehr. Rund 70 Prozent der direkten NO2-Emissionen des Straßenverkehrs stammen von Pkws, wobei Diesel-Pkws allein für 67 Prozent verantwortlich sind. „Zusätzliche Maßnahmen müssen deshalb genau hier ansetzen. Nur eine neue Umweltplakette für Fahrzeuge, die Euro 6 auch im realen Fahrbetrieb einhält, kann die erforderliche Modernisierung der Fahrzeugflotte beschleunigen. Die Plakette sollte natürlich auch Elektrofahrzeuge und emissionsarme Benziner einschließen.“, sagte Krautzberger.

Bei konsequenter Einführung der neuen Plakette rechnet das UBA nach eigenen Berechnungen damit, dass der EU-Grenzwert in hochbelasteten Straßen zumindest ab dem Jahr 2025 erreicht werden könnte, an weniger belasteten Straßen auch schon eher. Klar ist damit auch: „Eine neue Umweltplakette allein wird das Problem schlechter Luft nicht lösen; in Innenstädten muss eine verkehrspolitische Zäsur stattfinden.“, so Krautzberger. „Die seit Jahrzehnten diskutierte Verkehrswende muss zügig umgesetzt werden. Wir brauchen deutlich mehr Fuß-, Fahrrad- und öffentlichen Verkehr. Angebote wie Carsharing mit sauberen Fahrzeugen müssen attraktiver und die unterschiedlichen Verkehrsmittel intelligent verknüpft werden.“

Saubere Fahrzeuge wie Elektroautos, Elektrobusse und Pedelecs sollten stärker gefördert werden. Das UBA schlägt deshalb vor, die gerade diskutierte Kaufprämie für Elektrofahrzeuge durch eine Quotenregelung zu ergänzen. So könnte sichergestellt werden, dass jedes Jahr wirklich ein bestimmter Anteil der Neuwagen als Elektrofahrzeug zugelassen wird. Eine Nichteinhaltung der Quote müsste in der Folge gegenüber den Autoherstellern mit Sanktionen belegt werden.