Handlungsfeld Finanz- und Versicherungswirtschaft

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Der Klimawandel beeinflußt Geschäftsrisiken von Versicherungen und Kreditinstituten.
Quelle: checka/photocase.com

Der Klimawandel wirkt sich sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Bereiche der Natur und Gesellschaft aus. Auch die daraus resultierenden Anpassungsmaßnahmen unterscheiden sich. Mehr zu den Auswirkungen auf die Finanz- und Versicherungswirtschaft und möglichen Anpassungsoptionen lesen Sie hier.

Klimafolgen

Inhaltsverzeichnis

 

Klimawandel global

Banken und Versicherungen agieren in globalisierten Märkten. Aus diesem Grund sind die Branchen zunehmend nicht nur von regionalen, sondern auch von globalen Klimafolgen betroffen. In Folge des Klimawandels erweitert sich das Risikopotenzial durch Extremwetterereignisse, höhere Temperaturen und den ansteigenden Meeresspiegel. Klimarisiken wie Dürre, Hochwasser oder unsichere Wasserverfügbarkeit beeinflussen so die Geschäftsrisiken von Versicherungen und Kreditinstituten.

 

Versicherungswirtschaft

Für Versicherungen ist vor allem die Zunahme von Extremwetterereignissen relevant. Allein im Jahr 2005 verursachten derartige Wetterextreme weltweit Versicherungsschäden in Höhe von etwa 96 Milliarden Euro. Dabei ist der Klimawandel nicht die alleinige Ursache für den stetigen Anstieg der finanziellen Schäden durch extreme Naturereignisse. Auch das Bevölkerungswachstum – vor allem in Großstädten mit Risikolagen – sowie die generelle Zunahme der versicherten Werte spielen eine wichtige Rolle.

Versicherungszahlungen werden in Folge des Klimawandels voraussichtlich nicht nur höher ausfallen, sondern auch häufiger in Anspruch genommen werden müssen. Im Jahr 2011 beispielsweise hat ein einziger Hagelsturm in Deutschland Schäden in Höhe von 21,2 Millionen Euro an gewerblichen Gebäuden und 260 Millionen Euro an Wohnimmobilien verursacht. Im selben Jahr gab es noch einen weiteren schweren Hagelsturm, der ebenfalls einen enormen Sachschaden verursachte.

Für Versicherungen ist die Zunahme von Schäden durch Naturgefahren eine große Herausforderung. Hinzu kommt, dass die Unsicherheiten bezüglich des Eintreffens zukünftiger Ereignisse mit dem Klimawandel deutlich zunehmen, was die Berechnung angemessener Versicherungsprämien erschwert. Betrachtungen der Vergangenheit und lineare Fortschreibungen der Trends allein liefern keine hinreichend verlässlichen Einschätzungen für die Zukunft mehr. Für die Versicherungsbranche sind deshalb Fortschritte und Innovationen im Bereich Datenverfügbarkeit, Modellierung und Risikobewertung von zentraler Bedeutung.

Aufgrund der zusätzlichen Klimarisiken kann es zudem unter Umständen zu einer Erhöhung der Versicherungsprämien kommen. Versicherer sollten dem entgegenwirken können, indem sie rechtzeitig Anpassungsmaßnahmen ergreifen. Trotzdem kann die generelle Versicherbarkeit in besonders exponierten Lagen durch zu hohe Schadenspotenziale zunehmend in Frage gestellt werden.

Bisher ist das Ausmaß der Klimafolgen in Deutschland für Versicherungen in einem weitgehend beherrschbaren Rahmen. Kommt es jedoch zu einer Häufung von Extremwetterereignissen bei gleichzeitig steigenden Versicherungswerten, könnte dies Versicherungen an die Grenzen ihrer Solvenz bringen. Durch festgelegte Haftungshöchstgrenzen und Rückversicherungen ist eine staatliche Letzthaftung zu vermeiden.

 

Banken und Investoren

Klima- und Wetterrisiken werden künftig auch bei Investitionen eine größere Rolle spielen. Beispielsweise kann es durch Extremwetterereignisse zu Schäden und langfristigen Produktionsausfällen in Unternehmen kommen. So verzögern sich im Fall einer lang anhaltenden Überschwemmung der Betriebsstätten möglicherweise Zahlungen an Kreditgeber oder fallen gänzlich aus. Bei börsennotierten Unternehmen werden zudem Anleger aufgrund der sinkenden Unternehmensgewinne und des reduzierten Gesamtwerts des Unternehmens Renditeverluste verzeichnen.

Für international agierende Unternehmen besteht zusätzlich ein erhöhtes Risiko, dass durch klimatische Ereignisse in anderen Regionen der Welt Störungen in der Lieferkette auftreten. Auch das kann zu Produktionsverzögerungen oder -ausfällen mit entsprechenden Renditeeinbußen führen.

Mit den zunehmenden klimabedingten Unsicherheiten steigen die Anforderungen an die Bewertung von Investitionen. Insbesondere für langfristige Anlagen, beispielsweise Infrastrukturprojekte, sind diese Risiken schwer abzuschätzen. Investitionsentscheidungen werden folglich durch Klimarisiken beeinflusst und können bei Kreditnehmern, die künftig stark von Klimaänderungen betroffen sein könnten, zunehmend negativ ausfallen.

Die Kreditwürdigkeit sowie die Kosten der Kapitalbeschaffung werden für jene Unternehmen brisant werden, die besonders verwundbar gegenüber dem Klimawandel sind. Betroffene Unternehmen können sich jedoch frühzeitig auf die preislichen, klimatischen und regulatorischen Veränderungen einstellen und so ihre Marktchancen stabilisieren oder teilweise sogar erhöhen. Darüber hinaus können sich Investitionsschwerpunkte von klimasensiblen Branchen wie Wasserwirtschaft oder Tourismus in Richtung weniger anfälligen Wirtschafssektoren verschieben. Solche Veränderungen der Investitionsquoten in Wirtschaftsbranchen beeinflussen die Gesamtkonjunktur. Bei Schadensfällen könnte es zudem zur Insolvenz von Unternehmen mit geringer Eigenkapitalquote kommen. Dies kann im Extremfall eine große gesamtwirtschaftliche Tragweite entfalten.

 

Chancen durch den Klimawandel

Der Klimawandel bietet auch Chancen für die Finanzwirtschaft. So wird die Nachfrage nach Sachversicherungen, die Schäden durch Naturgefahren abdecken, steigen. Insbesondere bei Unternehmen in Branchen, deren Wertschöpfung besonders stark vom Klimawandel betroffen sein wird, wie im Tourismus-Energie- und Wassersektor, könnte dies der Fall sein. Bereits jetzt liegt die Versicherungsdichte bei Sturm- und Hagelversicherungen in Deutschland bei 75 bis 80 Prozent. Hingegen liegt sie für Elementarschäden wie Überschwemmung oder Starkregen bislang nur bei zehn Prozent. Hier zeichnet sich ein Marktpotenzial ab, das es zu erschließen gilt.

Zusätzlich eröffnen sich neue Absatzchancen und Märkte für Versicherungen durch Dienstleistungen zur Risikoberatung für Klimafolgen. Auch andere klimabezogene Produkte wie der Versicherungsschutz für Schäden im Bereich der Erneuerbaren Energien oder Risikotransferlösungen, die im Fall von Ertragsausfällen entsprechender Anlagen (Kraftwerke, Infrastruktur) zum Tragen kommen, können zunehmend Absatz finden.

Für Banken werden Investitionen in innovative Umweltbranchen, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten oder deren Produkte die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel erhöhen, besonders rentabel sein.

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Quellen

Anpassung

Versicherungswirtschaft

Für ein aktives Management der zunehmenden klimabedingten Unsicherheitsfaktoren ist zunächst eine valide Datengrundlage notwendig. Auf ihrer Basis können künftige Risiken und mögliche Schäden eingeschätzt und angemessene Prämien festgelegt werden. Risikoanalysen sollten dabei innovative Verfahren wie Szenariotechniken nutzen, da eine einfache Fortschreibung der Statistiken vergangener Ereignisse den Klimawandel und seine Folgen nicht adäquat abbilden kann.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat ein Geoinformationssystem für Überschwemmung, Hochwasser und Rückstau (ZÜRS) entwickelt, um die Versicherungsprämien für Gebäudeversicherungen gegenüber Elementarschäden wie Hochwasser, Hagel oder Sturm zu berechnen. Durch die Nutzung derartiger Informationssysteme kann die regionalspezifische Datenverfügbarkeit wesentlich erhöht und die Bewertung lokaler Risiken verbessert werden.

Darüber hinaus können Anreize zur Risikominderung den zunehmenden Schadensfällen entgegenwirken. Hierfür ist es zunächst wichtig, das Bewusstsein der Bevölkerung für die veränderte Gefahrenlage zu stärken, beispielsweise durch Informations- und Aufklärungskampagnen sowie eine gezielte Beratung von Versicherungsnehmern. Auch hierfür können Geoinformationssyteme genutzt werden, wie das Beispiel ZÜRS public zeigt.

Neben Informationskampagnen können flexible Prämien Versicherungsnehmer zu Anpassungsmaßnahmen motivieren, beispielsweise Prämiennachlässe bei technischen Vorsorgemaßnahmen gegen Hochwasser in gefährdeten Gebieten. Auch eine verpflichtende Elementarschadenversicherung – gegebenenfalls mit abgestuftem Selbstbehalt – ist zu empfehlen, da diese Immobilienbesitzer zu aktiver Schadensvorsorge motivieren könnte. Bei besonders hohem Risikopotenzial könnten zudem Selbstbeteiligungen, festgelegte Höchstsummen oder Einschränkungen des Versicherungsschutzes zusätzliche Anreize schaffen, das individuelle Risiko zu mindern.

Zusätzlich könnte für die Sicherung der Zahlungsfähigkeit von Versicherungen bei zunehmenden Schadensfällen eine Erhöhung des Eigenkapitals notwendig werden. Eine weitere Möglichkeit für die Versicherungsbranche bietet die Entwicklung von neuen Finanzmarktprodukten, mit denen Klimarisiken von Versicherungsnehmern wie Unternehmen oder Kommunen auf dem Kapitalmarkt gestreut werden. Beispiele hierfür sind Wetterderivate oder Katastrophenanleihen.

Weitere Marktchancen eröffnet der Versicherungsschutz für Produkte oder Technologien, die im Zuge des Klimawandels zunehmend wichtiger werden, zum Beispiel Windkraftanlagen.

Versicherungen können darüber hinaus durch die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren ihre Anpassungsfähigkeit erhöhen. So haben sich in der Munich Climate Insurance Initiative (MCII) Versicherer, Rückversicherer, Umweltverbände und Wissenschaftler zusammengeschlossen, um gemeinsam Strategien zum Umgang mit den Risiken des Klimawandels zu entwickeln.

Bankenwesen

Kapitalgeber sollten sich dafür einsetzen, dass Klimarisiken ein fester Bestandteil von Investitionsentscheidungen werden. Potenzielle Anlageobjekte sollten einer systematischen Klimarisikobewertung unterzogen werden. Für die Einschätzung solcher Risiken ist daher eine verlässliche und vergleichbare Informationsgrundlage notwendig.

Beispielhaft kann in diesem Zusammenhang das Carbon Disclosure Project (CDP) erwähnt werden, das circa 300 institutionelle Investoren vereint, darunter auch große deutsche Finanzdienstleister. Es bietet neben Informationen über unternehmensspezifische Treibhausgasemissionen auch Auskünfte zum Umgang mit den physischen Risiken des Klimawandels. Doch auch jenseits dieses Projekts können Kapitalgeber bei Investitionsentscheidungen in Unternehmen zunächst prüfen, inwieweit das jeweilige Unternehmen wirksame Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel durchführt.

Insbesondere bei Unternehmen, auf die Investoren durch ihre Anleihen und Beteiligungen einen großen Einfluss haben, ist es darüber hinaus möglich, eine risikobewusste Unternehmenspolitik einzufordern. So können Investoren bei nicht-angepassten Unternehmen höhere Risikoprämien verlangen.

Auch Banken eröffnet der Klimawandel neue Geschäftsfelder. Klimafreundliche Finanzdienstleistungen und Investitionen in innovative Klimatechnologien können hier als Beispiel genannt werden.

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