Ökologischer Zustand der Küstengewässer der Ostsee

Für die Bewirtschaftungspläne der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wurde der ökologische Zustand der Küstengewässer der Ostsee anhand der biologischen Qualitätskomponenten Phytoplankton, Makrophyten und Makrozoobenthos bewertet. Nur einer der 44 Wasserkörper erreichte 2009 den „guten Zustand“, 14 wurden als „mäßig“ bewertet, 22 als „unbefriedigend“ und sieben als „schlecht“.

Inhaltsverzeichnis

 

Ergebnisse der ersten Zustandsbewertung

Im Jahr 2004 haben die Länderbehörden von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern die Küstengewässer der Ostsee einer ersten Bestandsaufnahme unterworfen. Sie beruhte auf einer vorläufigen Einschätzung des ökologischen Zustands, da viele der Bewertungsverfahren noch entwickelt wurden. Im Jahr 2008 wurden die in der Europäischen Union (EU) abgestimmten Bewertungsverfahren erstmals für die Küsten- und Meeresgewässer angewendet. Sie stuften von den 44 Wasserkörpern einen als "gut" (Orther Bucht), 14 als „mäßig“, 22 als „unbefriedigend“ und sieben als „schlecht“ ein (siehe Karte „Ökologische Zustandsbewertung der Wasserkörper in den Küstengewässern der Nord- und Ostsee“) (Voß et al., 2010). Das Verfehlen des "guten ökologischen Zustands" resultiert überwiegend aus dem übermäßigen Eintrag von Nährstoffen über die Flüsse, der küstennah zu Eutrophierungseffekten führt. Der Zustand muss durch geeignete Maßnahmen verbessert werden.

Die Auswirkungen auf die Mikroalgen (Phytoplankton), Großalgen und Blütenpflanzen (Makrophyten) und auf wirbellose Bodentiere (Makrozoobenthos) waren der Hauptgrund für das Verfehlen des “guten Zustands“ (siehe Abb. „Ökologische Zustandsbewertung der Wasserkörper in den Küsten- und Übergangsgewässern der Nordsee“). Am besten fiel die Bewertung für das Makrozoobenthos aus. Acht Wasserkörper erreichten den „guten Zustand“. Bei den Makrophyten und dem Makrozoobenthos erreichten jeweils nur drei/bzw. vier Wasserkörper den „guten Zustand“ und eine große Anzahl an Wasserkörpern wurde mit „unbefriedigend“ bewertet. Im Vergleich zur Nordsee wurde die Ostsee deutlich schlechter bewertet. Die Ostsee weist somit ein größeres Maß an Schädigung auf. Die hydromorphologischen Bedingungen und die flussgebietsspezifischen Schadstoffe wurden überwiegend mit „gut“ bewertet.

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Bewertungsmethode

Der ökologische Zustand der Küstengewässer der Ostsee wird in erster Linie an der Ausprägung der biologischen Elemente - den Qualitätskomponenten aus Fauna und Flora - bemessen. So gibt es für Mikroalgen (Phytoplankton), für Großalgen und Blütenpflanzen (Makrophyten) sowie für wirbellose Bodentiere (Makrozoobenthos) Bewertungsverfahren, die den Zustand der jeweiligen Qualitätskomponente im Vergleich zu einem vom Menschen unbeeinflussten Referenzzustand auf einer fünfstufigen Skala bewerten. Die biologische Qualitätskomponente mit dem schlechtesten Bewertungsergebnis bestimmt die ökologische Zustandsklasse. Bei den biologischen Komponenten geht es in erster Linie um die Untersuchung der Zusammensetzung von Lebensgemeinschaften. Besondere Aufmerksamkeit erhalten dabei empfindliche Arten und Störungsanzeiger.

Zusätzlich zieht die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) die Hydromorphologie, flussgebietsspezifische Schadstoffe (zum Beispiel Chlorbenzol, Arsen, Zink) und physikalisch-chemische Parameter (insbesondere Nährstoffe, Sauerstoff, Salzgehalt, Temperatur, pH) unterstützend für die Bewertung heran. Hinsichtlich der Hydromorphologie werden Tiefenvariation, Substrat, Strömung und Wellenbelastung bewertet. Nur wenn auch diese Hilfsparameter den „guten“ oder „sehr guten“ Zustand bestätigen, kann diese Bewertung für den ökologischen Zustand übernommen werden. Angestrebtes Ziel ist der „gute Zustand".

 

Folgebewertung gemäß Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)

2014 steht eine Folgebewertung gemäß WRRL an. Diese ist noch nicht abgeschlossen, aber erste vorläufige Ergebnisse zeigen, dass sich der ökologische Zustand gegenüber 2009 nicht verbessert hat. Damit ist absehbar, dass auch 2014 kein Wasserkörper den „guten Zustand“ erreichen wird. Die Ursachen liegen zum Einen darin begründet, dass die Übergangs- und Küstengewässer nur mit Zeitverzögerung auf eine Reduktion der Nährstoffeinträge reagieren. Zum Anderen reichen die ergriffenen Maßnahmen zur Reduktion der Nährstoffeinträge nicht aus. Insbesondere im landwirtschaftlichen Sektor sind weitere Anstrengungen erforderlich, um die Nährstoffüberschüsse zu senken.