Verstärktes Einrichten von natürlichen Überflutungsflächen

Überflutungen setzen den Lebensraum vieler Tiere unter Wasser.zum Vergrößern anklicken
Hochwasser
Quelle: Altsafbeeldingen // Pixabay

Durch Abflussdynamiken in natürlichen Überflutungs- und Retentionsflächen können die durch Starkregen entstehenden Überschwemmungen rediziert werden. Somit werden Schäden vermieden und die Kanalisation entlastet werden.

Inhaltsverzeichnis

Die Maßnahme kann entweder durch die Freihaltung von Bebauung oder aber durch die Festlegung und Sicherung konkreter Überschwemmungsbereiche erfolgen. Weitere Maßnahmen sind Gewässer- und Auenrenaturierung und angepasste landwirtschaftliche Bewirtschaftung. 

Ein Beispiel zur Umsetzung für das verstärkte Einrichten von natürlichen Überflutungsflächen ist der Erhalt der traditionellen Bewässerung Europas im Forchheimer Land.

  • Klimatische Einfluss: ⁠Starkregen
  • Handlungserfordernis: mittel
  • Handlungsfeld: ⁠Biologische Vielfalt
  • Anpassungsdauer: lang
  • Umsetzende Akteure: Kreise/Regionen, Kommunen
  • Kosten: 100 Mio. - 1 Mrd. €/a
 

Mögliche Instrumente

  • Gesetzliche Nutzungsbeschränkungen in Überschwemmungsgebieten
  • Erstellung eines Retentionskatasters für ausgewählte Gewässer
  • Schaffung von verpflichtenden Plänen für die kommunale Wasserwirtschaft (auf Ebene der ⁠Bauleitplanung⁠)
  • Integration von Anpassungsmaßnahmen und Prinzipien in Entwicklungsprogramme bzw. –pläne des ländlichen Raums
 

Modellgestützte Simulation der gesamtwirtschaftlichen Effekte

Für die Modellrechnung wird angenommen, dass die öffentliche Hand Bauinvestitionen für das Einrichten von Überflutungsflächen in Höhe von jährlich 200 Mio. Euro tätigt, was zu einer Steigerung des BIP führt. Zum anderen verringern sich die Defensivausgaben (z.B. Kosten für Reparaturvon Infrastruktur) in Jahren mit ⁠Starkregen⁠-Ereignis, da die Schäden, die durch Starkregen entstehen, durch die erfolgreiche Umsetzung der ⁠Anpassungsmaßnahme⁠ geringer ausfallen. Die Abbildung verdeutlicht: im Vergleich zu einem ⁠Szenario⁠ ohne Anpassung liegen die Bauinvestitionen zu Beginn des Betrachtungszeitraums etwa 200 Mio. Euro höher. Je mehr Überflutungsflächen eingerichtet werden, desto weniger Defensivausgaben müssen nach einem Starkregen-Ereignis getätigt werden.

Die Bauinvestitionen werden sich von 2020 bis 2050 verdoppelt
Vergleich Bauinvestitionen mit und ohne Anpassung
Quelle: gws nach UBA Climate Change 43/2020
 

Die ökonomischen Wirkungen der Anpassungsmaßnahme fallen durch die Reduktion der Defensivausgaben in den Jahren mit Schadensereignis jeweils unterschiedlich aus. Im Schadensjahr 2027 wirken die Impulse durch die zusätzlichen Bauinvestitionen nur abgeschwächt, da sich gleichzeitig die Defensivausgaben reduzieren. Im Jahr 2044 wirkt nur die ⁠Anpassungsmaßnahme⁠. Der BIP-Effekt durch die Umsetzung der Anpassungsmaßnahme fällt im Jahr 2044 höher aus. In Bezug auf die Beschäftigungszahlen ist im betrachteten Schadensjahr 2027 ein positiver Effekt, also eine Beschäftigungssteigerung zu beobachten. Im Nicht-Schadensjahr 2044 hingegen sinkt die Beschäftigtenzahl. Dies kann durch Arbeitsmarkt-Dynamiken erklärt werden (z.B. Lohnsteigerungen).

BIP und Beschäftigung werden positiv von der Anpassung beeinflusst.
BIP und Beschäftigungseffekte durch Überflutungsflächen
Quelle: gws nach UBA Climate Change 43/2020
 

Erweiterte Bewertung der Maßnahme

Legende:
Die Bewertungen können neutral ( 0 ), negativ ( - ), stark negativ ( - - ), positiv ( + ) oder stark positiv ( + + ) sein.

( ++ ) ⁠Biodiversität
Der Erhalt und die Renaturierung von natürlichen Überflutungsflächen hat einen starken positiven Einfluss auf die Biodiversität.

( + ) Reduzierung Treibhausaustoß
Natürliche Überflutungsflächen können pro Hektar pro Jahr zwischen 2 t und 5 t ⁠CO2⁠-Äquivalente speichern, was einem Nutzen von 380 bis 900 €/ha entspricht.

( ++ ) Regulation des Wasserhaushalts
Natürliche Überflutungsflächen senken das Überflutungsrisiko für alle Unterlieger und nahegelegene Oberlieger. Damit können je nach Umfang der bereitgestellten Flächen und des Starkregenereignisses erhebliche Schäden vermieden werden.

( ++ ) Reduzierung der Schadstoffbelastung
Auf Auenflächen werden im Überflutungsfall erhebliche Mengen an Nährstoffen und weiteren Schadstoffen zurückgehalten und abgebaut oder festgelegt. Damit wird die Wasserqualität der Fließgewässer erheblich verbessert. Es entsteht ein gesellschaftlicher Nutzen von mindestens 550 € pro Hektar Auenfläche pro Jahr.

( ++ ) Landschaftsbild
Die Renaturierung von Auen wird als deutliche Verbesserung des Landschaftsbildes wahrgenommen. Über 90% der Bevölkerung befürworten eine Verbesserung der Naturnähe des Gewässerumfeldes und der Uferbereiche.

( ++ ) Erholungsnutzen der Landschaft
60% der Bevölkerung erholen sich mindestens einmal im Monat durch den Besuch einer ⁠Gewässerlandschaft⁠. Dabei geben über 90% an, dort Entspannung, Stressabbau und körperliche Ausgeglichenheit gefunden zu haben. Hieraus ergeben sich deutlich positive Gesundheitseffekte.

( ++ ) Gesamtbilanz der Wohlfahrtseffekte
Investitionen in die Anlage oder Renaturierung natürlicher Auen und Überflutungsflächen verursachen keine reinen Defensivkosten, sondern entfalten erhebliche ökologische und soziokulturelle Zusatznutzen, die die Kosten in der Regel bei weitem übersteigen.

Die Maßnahme hat eine positive Wirkung auf die Reduzierung des Treibgasaustoßes und sogar eine stark positive Wirkung auf die Biodiversität, die Regulation des Wasserhaushalts, der Reduzierung der Schadstoffbelastung, das Landschaftsbild, den Erholungsnutzen der Landschaft und die Gesamtbilanz der Wohlfahrtseffekte.
Erweiterte Bewertung der Maßnahme Verstärktes Einrichten von natürlichen Überflutungsflächen
Quelle: IÖW nach UBA Climate Change 43/2020
 

Forschungs-Projekt „Vertiefte ökonomische Analyse einzelner Politikinstrumente und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel“

Dieses Steckblatt ist im Rahmen des Forschungsprojektes „Vertiefte ökonomische Analyse einzelner Politikinstrumente und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel“ (FKZ 3716 48 1000) im Auftrag des ⁠UBA⁠ entstanden und stellt einen forschungsbasierten Überblick zu möglichen Maßnahmen und ihren Bewertungen dar. Durchgeführt wurde das Projekt von der GWS und dem IÖW.

 

Quellen

Bundesregierung (2008): Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel – vom Bundeskabinett am 17.Dezember 2008 beschlossen.

Brasseur, G.P., Jacob, D., Schuck-Zöller, S. (2017): Klimawandel in Deutschland.

Blobel, D., Tröltzsch, J., Peter, M., Bertschmann, D., Lückge, H. (2015): Vorschlag für einen Policy Mix für den Aktionsplan Anpassung an den Klimawandel.

BfN (2015): Gewässer und Auen - Nutzen für die Gesellschaft

Craft et al. (2017): Carbon sequestration and nutrient accumulation in floodplain and depressional wetlands.

UBA (2019): Methodenkonvention 3.0 zur Ermittlung von Umweltkosten.

Dehnhardt & Meyerhoff [Hrsg.] (2002): Nachhaltige Entwicklung der Stromlandschaft Elbe.

BMUB & BfN (2014): Naturbewusstseinsstudie.

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 Überflutung