Klimafreundliche/ Effiziente Gebäudekühlung

Die Gebäudekühlung kann ein effizienter und klimafreundlicher Schutz vor Hitzewellen sein.zum Vergrößern anklicken
Sonnenschutz an der Fassade als Gebäudekühlung
Quelle: SatyaPrem / Pixabay

Hitzewellen beeinträchtigen Gesundheit, Lebensqualität und Arbeitsproduktivität. Um dem entgegenzuwirken, können verschiedene Techniken der Gebäudekühlung eingesetzt werden. Diese unterscheiden sich in Hinblick auf ihre Klimafreundlichkeit.

Inhaltsverzeichnis

Die hier betrachtete Maßnahme zielt auf effiziente und klimafreundliche Varianten der Gebäudekühlung ab, wie zum Beispiel Verschattungen, Fassaden- und  Dachdämmungen oder eine effiziente Ausrichtung der Gebäude und Fensterfronten sowie die Verwendung von wärmedämmendem Glas. Diese können eine angenehme Raumtemperatur begünstigen.

Ein Beispiel zur Umsetzung einer klimafreundliche und energieeffiziente Gebäudekühlung ist der Solar Spline - Resiliente Ultraleichtbaukonstruktion für urbanen Sonnenschutz und Energiegewinnung.

  • Klimatischer Einfluss: Hitzewellen
  • Handlungserfordernis: gering
  • Handlungsfeld: Energiewirtschaft
  • Anpassungsdauer: kurz
  • Umsetzende Akteure: Unternehmen, Verbände, Allgemeine Bevölkerung
  • Kosten: 100 Mio. - 1 Mrd. €/a
 

Mögliche Instrumente

  • Festschreibung erhöhter Energieeffizienzstandards in der Energieeinsparverordnung (EnEV)
  • Prüfung und ggf. Anregung der Entwicklung neuer und Weiterentwicklung bestehender technischer Normen und Standards
  • Schulung der Verwaltung sowie von Architekt/innen und Ingenieur/innen zum angepassten Bauen
  • Forschungsprojekte zur Evaluierung der Integration von Klimaresilienz von Heimstätten in den entsprechenden Ländergesetzen und -verordnungen
 
 

Modellgestützte Simulation der gesamtwirtschaftlichen Effekte

Für die Modellrechnung wird angenommen, dass die Unternehmen der investitionsstärksten Dienstleistungssektoren zusätzliche Bauinvestitionen vornehmen, um die (Büro-)Gebäude effizient zu kühlen. Dafür wird eine staatliche Unterstützung von jährlich 500 Mio. Euro unterstellt. Die besser gekühlten Gebäude sorgen wiederum für eine verbesserte Arbeitsproduktivität: durch die gesunkene Hitzebelastung in Jahren mit Hitzewelle können die Arbeitnehmer/innen während ihrer Arbeitszeit wieder mehr leisten bzw. produzieren. Diese erhöhte Produktion resultiert in einer weiteren Erhöhung der Bautätigkeit. Gleichzeitig verringern sich die Defensivausgaben (Ausgaben zum Ausgleich negativer Folgen) in Jahren mit Hitzewelle, was eine geringere Produktion und einen Rückgang der Bauinvestitionen zur Folge hat. Die Abbildung zeigt die Höhe der jährlichen Bauinvestitionen. Durch die Anpassungsmaßnahme liegen die Bauinvestitionen in jedem Jahr etwa 500 Mio. Euro höher.

 Geringe Defensivausgaben verursachen eine geringere Produktion und einen Rückgang der Bauinvestitionen
Modellgestützte Simulation der Bauinvestitionen für klimafreundliche und effiziente Gebäudekühlung
Quelle: gws nach UBA Climate Change 43/2020
 
 

Die Umsetzung der ⁠Anpassungsmaßnahme⁠ sorgt für zwei wesentliche Reaktionen auf den Produktionswert der Volkswirtschaft: Zum einen kommt es durch die stetigen Investitionen in effiziente Gebäudekühlung zu einer erhöhten Produktionstätigkeit im Handwerk und den vorgelagerten Zulieferbetrieben. Die kühleren Gebäude erhöhen die Arbeitsproduktivität und damit ebenfalls die Produktion. Neben diesen positiven Wirkungen auf die Produktion und damit auch auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) reduzieren sich in Jahren mit ⁠Hitzewelle⁠ die Defensivausgaben für Gesundheitsleistungen, Getränke etc., was sich negativ auf die Produktion dieser Güter auswirkt (siehe Ausschläge nach unten bei der Differenz des Produktionswerts zwischen den Szenarien mit und ohne Anpassung). Die Beschäftigung reagiert in analoger Weise auf die Veränderungen des Produktionswerts.

Differenz zwischen Szenarien mit und ohne Anpassung
Modellgestützte Simulation des Produktionswertes für klimafreundliche und effiziente Gebäudekühlung
Quelle: gws nach UBA Climate Change 43/2020
 

Erweiterte Bewertung der Maßnahme

Legende:
Die Bewertungen können neutral ( 0 ), negativ ( - ), stark negativ ( - - ), positiv ( + ) oder stark positiv ( + + ) sein.

( + ) Reduzierung Treibhausgasausstoß
Um den Folgen von Hitzewellen entgegenzuwirken, werden Gebäude oft mit Hilfe technischer Klimaanlagen und Kühlsystemen klimatisiert. Der erhöhte Energiebedarf sorgt allerdings für einen erhöhten Treibhausgasausstoß. Wird jedoch die Innentemperatur bei Hitzewellen auf klimafreundliche Art reduziert, zum Beispiel durch Verschattung, Dämmung oder eine effiziente Ausrichtung der Gebäude, so wird der Energiebedarf durch Gebäudekühlung vermieden und der Treibhausgasausstoß reduziert. Somit hat die Maßnahme der klimafreundlichen Gebäudekühlung einen positiven Effekt auf die Reduzierung des Treibhausgasausstoßes.

( + ) Gesamtbilanz Wohlfahrtseffekte
Die Investitionen sind zwar in grundsätzlichem Maß defensiv, haben aber einen hohen Zusatznutzen. So kommt es durch die Umsetzung der Maßnahme durch energiesparende Gebäudekühlung zu einem verringerten Energiebedarf und damit verbundenem geringerem Treibhausgasausstoß. Darüber hinaus ergeben sich durch die vorgesehene Umgestaltung von Fassade, Dach und Gebäude positive Auswirkungen auf die Lebensqualität der Bewohner/innen.

Auf dem Bild ist die erweiterte Bewertung der Maßnahme Effiziente/Klimafreundliche Gebäudekühlung abgebildet. Dafür ist eine Tabelle mit den einzelnen Faktoren aufgelistet. Eine neutrale Bewertung gab es für folgende Aspekte: Reduzierung Ressourcenverbrauch, Biodiversität, Regulation Wasserhaushalts, Reduzierung der Schadstoffbelastung, Veränderung Mikroklima, Verteilungswirkung, Landschaftsbild, Erholungsnutzen der Landschaft, Positiv bewertet wurde Reduzierung Treibhausgasausstoß und die Gesamtbilanz
Erweiterte Bewertung der Maßnahme Effiziente/Klimafreundliche Gebäudekühlung
Quelle: IÖW nach UBA Climate Change 43/2020
 

Forschungs-Projekt „Vertiefte ökonomische Analyse einzelner Politikinstrumente und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel“

Dieses Steckblatt ist im Rahmen des Forschungsprojektes „Vertiefte ökonomische Analyse einzelner Politikinstrumente und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel“ (FKZ 3716 48 1000) im Auftrag des ⁠UBA⁠ entstanden und stellt einen forschungsbasierten Überblick zu möglichen Maßnahmen und ihren Bewertungen dar. Durchgeführt wurde das Projekt von der GWS und dem IÖW.

 

Quellen

BBR, BMVBS [Hrsg.] (2008): Folgen des Klimawandels: Gebäude und Baupraxis in Deutschland.

Blobel, D., Tröltzsch, J., Peter, M., Bertschmann,D., Lückge, H. (2015): Vorschlag für einen Policy Mix für den AktionsplanAnpassung an den Klimawandel.

Köhler, M. (2008): Green facades –a view back and some visions.

Teilen:
Artikel:
Drucken Senden
Schlagworte:
 Gebäudekühlung