VE-I-1 Schiffbarkeit der Binnenschifffahrtsstraßen

Binnenfrachtschiff auf Fluss mit Niedrigwasser.zum Vergrößern anklicken
Bei Niedrigwasser können Binnenfrachtschiffe ihre Transportkapazität nicht voll ausschöpfen.
Quelle: Rike / pixelio.de

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Inhaltsverzeichnis

 

VE-I-1: Schiffbarkeit der Binnenschifffahrtsstraßen

Ausgedehnte Niedrigwasserphasen haben in den zurückliegenden Jahren die Schifffahrt auf dem Rhein immer wieder deutlich eingeschränkt. Ursache hierfür waren in aller Regel sommerliche Trockenheit und Hitze. Vor allem im Jahr 1999 konnten Binnenschiffe den Rhein wegen Hochwasser über einen längeren Zeitraum nicht befahren. Weder für Niedrigwasser noch für hochwasserbedingte Sperrungen zeigen sich in den Zeitreihen bisher signifikante Trends.

Die Grafik zeigt von 1997 bis 2013 die Beschränkungen der Schiffbarkeit des Rheins aufgrund von Hoch- oder Niedrigwassern. Die Anzahl der Sperrungen aufgrund von Niedrigwasser ist höher als für Hochwasser. Für die Sperrungen aufgrund von Hoch- und Niedrigwasser sind keine Trends feststellbar.
VE-I-1 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Schifffahrtseinschränkungen am Rhein?

Die Bilder der trocken gefallenen Kiesflächen und die Nachrichten über den zu entschärfenden Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg, den die niedrigen Wasserstände bei Koblenz zutage gefördert hatten, sind deutschlandweit durch die Presse gegangen. Ein überdurchschnittlich trockener Oktober und ein fast niederschlagsfreier November im Einzugsgebiet des Rheins hatten im Jahr 2011 die Pegel auf extrem niedrige Werte fallen lassen. Für die Binnenschifffahrt bedeutete das starke Einschränkungen: Die Schiffe konnten die Rheinstrecke nur noch mit stark reduzierter Ladung, mitunter gar nicht mehr befahren.

Der Rhein ist die wichtigste Binnenschifffahrtsstraße in Deutschland und hat eine herausragende Bedeutung für den Güterverkehr. Er ermöglicht einen kostengünstigen Warenaustausch, den Import und Export über die Nordseehäfen Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam, und verbindet – auch über seine Zuflüsse Neckar, Main, Mosel, Saar – wichtige industrielle Zentren in Deutschland. Über 80 % der Güterbeförderung der Binnenschifffahrt in Deutschland finden im Rheingebiet statt. Einschränkungen der Rheinschifffahrt können daher einzelne Unternehmen oder ganze Produktions- und Lieferketten empfindlich treffen. Die Auswirkungen können von erhöhten Transportkosten bis zu Produktionsausfällen in Unternehmen mit Just-in-Time-Produktion reichen.

Ob und in welchem Umfang Binnenschifffahrtsstraßen genutzt werden können, hängt entscheidend von der meteorologischen und hydrologischen Situation in ihrem Flusseinzugsgebiet ab. Die wichtigste Größe hierbei ist das Wasserdargebot. Seine Höhe und jahreszeitliche Verteilung bestimmt die mitunter stark variierenden Abfluss­ und Wasserstandverhältnisse. Auf freifließenden, d. h. nicht staugeregelten Abschnitten von Binnenwasserstraßen sind Wasserstandschwankungen Teil des natürlichen Abflussgeschehens.

Unterschreiten die Wasserstände bestimmte flussstreckenspezifische Schwellenwerte, am Rhein ist das der Gleichwertige Wasserstand (GlW), treten für die Binnenschiffe Beschränkungen in ihrer Abladetiefe auf. Das bedeutet, sie können mit einer Fahrt weniger Ladung transportieren. Am Rhein treten solche Niedrigwassersituationen wie in den Jahren 2003, 2005, 2006 und 2009 i. d. R. im Spätsommer bzw. Frühherbst auf, d. h. im September und Oktober. Eine Ausnahme bildete das Jahr 2011, als der trockene Herbst die Pegelstände erst im November und Dezember auf extrem niedrige Werte sinken ließ. Ein signifikanter Trend ist hinsichtlich der Niedrigwassersituationen am Rhein bisher nicht zu erkennen.

Anders als bei niedrigen Wasserständen müssen Wasserstraßen bzw. einzelne Abschnitte für die Schifffahrt gesperrt werden, wenn bei Hochwasser der Höchste Schifffahrtswasserstand (HSW) überschritten wird oder wenn stärkerer Eisgang auftritt. Letzteres betrifft im Rheingebiet nur die überwiegend staugestützten Zuflüsse, da dort die Fließgeschwindigkeiten langsamer sind. Hochwasserereignisse führen hingegen auch auf dem Rhein selbst immer wieder dazu, dass die Schifffahrt eingestellt werden muss. Im Rückblick der letzten 17 Jahre war dies vor allem im Jahr 1999 der Fall, als der Oberrhein infolge zweier Hochwasser im Spätwinter und Frühjahr über mehrere Wochen nicht für die Schifffahrt freigegeben war. An Mittel­ und Niederrhein kam es vor allem in den Jahren 2001, 2003 und 2011 zu Sperrungen, die zumeist aber nach weniger als einer Woche wieder aufgehoben werden konnten. Auch zu den hochwasserbedingten Schifffahrtssperrungen ist für den Rhein bislang kein signifikanter Trend zu verzeichnen.

 

Schnittstellen

WW-I-3: Hochwasser

WW-I-4: Niedrigwasser

 

Ziele

Gewährleistung der Zuverlässigkeit und Sicherheit der Binnenschifffahrt; Erstellung und Fortschreibung belastbarer Wasserstands-­ und Abflussprojektionen; Entwicklung bedarfsgerechter Anpassungsoptionen und deren Integration in die Unterhaltungspraxis der Bundeswasserstraßen (DAS, Kap. 3.2.11)

Vermeidung von Hochwasser durch die ausreichende, dezentrale Niederschlagversickerung im gesamten Einzugsbereich der Flüsse (DAS, Kap. 3.2.14)