Nichtöffentliche Abwasserentsorgung

Nichtöffentliche Betriebe leiteten im Jahr 2013 rund 20,6 Milliarden Kubikmeter Wasser in Gewässer ein. Rund 81 Prozent davon gelangten als Kühlwasser unbehandelt in Flüsse und Seen. Das waren rund sieben Milliarden Kubikmeter weniger als 2010.

Inhaltsverzeichnis

 

Abwasser aus der Wirtschaft

Die Menge des Abwassers, ungenutzten Wassers sowie der Wasserverluste aus nichtöffentlichen Betrieben betrug im Jahr 2013 rund 20,6 Milliarden Kubikmeter (Mrd. m³). Gegenüber 2010 sank diese Menge um 26,6 Prozent (%) (2010: 28,1 Mrd. m³). Direkt in ein Oberflächengewässer oder in den Untergrund wurden 2013 davon 16,7 Mrd. m³ unbehandeltes Abwasser eingeleitet. Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden, Verarbeitendes Gewerbe und Energieversorgung hatten daran einen Anteil von 99 % (siehe Tab. „Abwassereinleitung nach Wirtschaftszweigen 2010 und 2013“).

Betriebe der Energieversorgung haben in Deutschland 2013 mit 13,1 Mrd. m³ rund sieben Mrd. m³ Kühlwasser weniger eingesetzt als 2010 (20,1 Mrd. m³). Das entspricht einem Rückgang von 35 %. Bedingt durch diesen Rückgang gelangte 2013 auch weniger unbehandeltes Abwasser aus diesen Betrieben in die Oberflächengewässer oder in den Untergrund - nämlich 12,9 Mrd. m³ gegenüber 2010 noch 19,8 Mrd. m³.

Auch die anderen Wirtschaftsbereiche setzen Wasser zur Kühlung ein. Insgesamt wurden so im Jahr 2013 in Deutschland 17,6 Mrd. m³ für Kühlungszwecke verwendet, darunter 2,4 Mrd. m³ in Mehrfach- und Kreislaufnutzung. 2010 waren es noch 25,2 Mrd. m³ bzw. 2,1 Mrd. m³.

Kühlwasser kann – besonders wenn es aus der Kreislaufkühlung kommt – problematisch sein: Dem Wasser werden zur Korrosionsverminderung, zur Härtestabilisierung und zur Bekämpfung von Mikro- und Makroorganismen Chemikalien zugesetzt. Die Einleitung von Kühlwasser kann zudem Gewässer erwärmen. Aktuelle Daten aus dem Jahr 2013 weisen einen Rückgang der Abwassermengen aus Kühlsystemen in deutsche Flüsse auf (siehe Abb. „Abwassereinleitungen aus Kühlsystemen nichtöffentlicher Betriebe in deutsche Flüsse“). Besonders die Einleitung von Abwasser aus Kühlsystemen in den Rhein nahm um fast 40 % ab.

Die Gewässerbelastung durch chemische Stoffe und zu warmes Kühlwasser wollen Bund und Länder im vertretbaren Grenzen halten. Daher wurden in der Abwasserverordnung für verschiedene Stoffe Vorgaben für das eingeleitete Abwasser aus Kühlsystemen und der Dampferzeugung festgelegt. Dem Kühlwasser dürfen mit der Ausnahme von Phosphonaten und Carboxylaten nur leicht abbaubare Komplexbildner zugesetzt werden. Nicht zulässig ist die Einleitung von Chrom-, Quecksilber- und metallorganischen Verbindungen (siehe Anhang 31 der Abwasserverordnung).

Die sechste Anlage der Oberflächengewässerverordnung enthält Vorgaben, welche Temperaturwerte für die Fließgewässer eingehalten werden sollen: Für einen sehr guten ökologischen Zustand des Gewässers darf die Abwärme des Kühlwassers nicht dazu führen, dass die Temperatur unterhalb der Einleitungsstelle die in der Oberflächengewässerverordnung für unterschiedliche Fischgemeinschaften festgelegten Temperaturwerte überschreitet.

Probleme mit Kühlwassereinleitungen bestehen derzeit vor allem in Gewässern, in denen Einleitungen aus alten Genehmigungen stammen. Für stark wärmebelastete Gewässer wie Mosel und Saar bestehen Wärmelastpläne. In den beiden Flüssen nahm das Abwasser aus Kühlsystemen von 2010 mit 70 Mio. m³ im Jahr 2013 auf 87,4 Mio. m³ zu. Hier zeigte sich zu den anderen deutschen Flüssen eine gegenläufige Entwicklung.

Für das Einleiten von Abwässern in Oberflächengewässer gelten für die unterschiedlichen Industriebranchen stoffliche Vorgaben der Abwasserverordnung. Die Einhaltung dieser Vorgaben überwachen die zuständigen Behörden der Bundesländer.

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Einleitung unbehandelten Abwassers nichtöffentlicher Betriebe

Bergbaubetriebe und Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes leiteten im Jahr 2013 etwa 3,6 Milliarden Kubikmeter (Mrd. m³) betriebseigenes unbehandeltes Abwasser (ohne ungenutztes Wasser) direkt in ein Oberflächengewässer oder in den Untergrund ein, ohne vorherige Behandlung in betriebseigenen Abwasserbehandlungsanlagen (siehe Abb. „Verbleib betriebseigenen, unbehandelten Abwassers von nichtöffentlichen Betrieben 2013“). Die Chemische Industrie, dazu gehören die Herstellung chemischer und pharmazeutischer Erzeugnisse, war der größte Einleiter: Ihre Unternehmen leiteten rund 1,9 Mrd. m³ Abwasser unbehandelt direkt in Oberflächengewässer oder in den Untergrund. Die meisten Betriebe im Bergbau und im verarbeitenden Gewerbe benötigen deutlich mehr Wasser zum Kühlen der Produktionsverfahren als für die Produktionsverfahren selber. Ausnahmen sind das Textil-, Bekleidungs- und Ledergewerbe sowie die Herstellung von Glas.

Im Verarbeitenden Gewerbe war die chemisch-pharmazeutische Industrie im Jahr 2013 der größte Einleiter von unbehandeltem Abwasser in Oberflächengewässer: Ihre Unternehmen leiteten mehr als 1,98 Milliarden Kubikmeter Abwasser ein.
Verbleib betriebseigenen, unbehandelten Abwassers von nichtöffentlichen Betrieben 2013
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Abwasservermeidung

Ziel der Abwasserbehandlung ist, Gewässer möglichst wenig zu belasten. Noch sinnvoller ist allerdings, die Schadstoffbelastung an der Quelle zu vermeiden, damit Klärwerke nicht erst aufwändig Schadstoffe aus dem Abwasser entfernen müssen. Es gibt bereits eine Vielzahl etablierter technischer Verfahren. Einige Beispiele:

  • abwasserfreie (und chlorfreie) Zellstoffherstellung,
  • abwasserfreie Altpapier- und Papierherstellung,
  • abwasserfreie Rauchgasreinigung,
  • abwasserfreie Fahrzeugreinigung,
  • abwasserfreie Metalloberflächenbehandlung (zum Beispiel Galvanik),
  • abwasserfreie Mehrwegflaschenreinigung,
  • abwasserfreier Siebabdruck,
  • wasserfreie Stoffsynthesen,
  • abwasserfreie Pulverlackierung.

Zudem gibt es Technologien, die zwar nicht zu abwasserfreien, aber zu deutlich belastungsreduzierten Abwassereinleitungen führen. Beispielhaft sind Entwicklungen in der Membrantechnologie und in der adiabatischen Verdampfung zu nennen, die in den letzten zehn Jahren einen deutlichen Entwicklungssprung aufweisen und bereits bei verschiedenen Abwasserbehandlungsverfahren eingesetzt werden. Membranverfahren haben viele Vorteile: Mit ihnen lassen sich Abwässer in einen hygienisch einwandfreien Zustand versetzen, nahezu alle Abwasserparameter einhalten und das gereinigte Abwasser lässt sich vielfach wieder in industriellen Produktionen einsetzen.

Viele dieser abwasserfreien oder abwasserarmen Verfahren gelten bereits als Stand der Technik. Neue aber auch bestehende Anlagen müssen diese Verfahren dann in der Regel anwenden.

 

Statistik der „Nichtöffentlichen Wasserversorgung und nichtöffentlichen Abwasserentsorgung“

Die Erhebungen zur "Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung im Bergbau, bei der Gewinnung von Steinen und Erden und im Verarbeitenden Gewerbe" (§ 7 UStatG 1994), der "Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung in der Landwirtschaft" (§ 8 UStatG 1994) und der "Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung bei Wärmekraftwerken für die öffentliche Versorgung" (§ 9 UStatG 1994) wurden zur Erhebung der „Nichtöffentlichen Wasserversorgung und nichtöffentlichen Abwasserbeseitigung" (§ 8 UStatG 2005) zusammengefasst. In dem vorliegenden Artikel werden die Daten ab 2010 nach dem neuen Erhebungsverfahren dargestellt. Eine Vergleichbarkeit mit früheren Daten ist nicht möglich. Weitere Hinweise zur statistischen Erhebung finden Sie unter: Statistisches Bundesamt, Fachserie 19, Reihe 2.2, 2010, Stand 30.09.2013 und 2013, Stand 11.08.2016.