Planspiel Flächenhandel

»Der Flächenhandel wird seit 20 Jahren diskutiert, wir wissen aber nicht, ob er in der komplexen Planungspraxis auf kommunaler Ebene funktionieren kann. Deshalb ist das Planspiel eine hervorragende Gelegenheit, das Instrument zu erproben und mehr Klarheit zu schaffen.«

Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes

Das Planspiel

Durch das Planspiel soll geprüft werden, ob handelbare Flächenzertifikate ein Instrument sein können, um den Städten und Gemeinden dabei zu helfen, den Flächenneuverbrauch zu vermindern und die Innenentwicklung zu stärken. Dabei sollen alle Instrumente des Flächenmanagements in ihrer Wirkungsweise überprüft werden.

Der Modellversuch setzt sich aus zwei Kernelementen zusammen:

1. Kommunale Fallstudien

Aus dem Kreis der 87 Modellkommunen wurden 15 Städte und Gemeinden ausgewählt. Mit ihnen wurden die kommunalen Planungs- und Entscheidungsprozesse, die zu Flächenausweisungen führen, intensiv beleuchtet und diskutiert. Dabei wurde ausführlich darauf eingegangen, an welchen Stellen ein Handel mit Flächenzertifikaten in den kommunalen Prozess der Ausweisung von Flächen eingreift. Hierfür wurden in diesen 15 Städten Workshops durchgeführt, an denen Bürgermeister, Gemeinderatsmitglieder, Kämmerer und Vertreter aus den Planungs- und Umweltämtern teilnahmen. Anhand realer Planungen und Fallbeispiele wurde gemeinsam mit dem Projektteam erörtert, wie sich ein Handelssystem konkret auf die Entscheidungsprozesse in einer Kommune auswirken würde, welche Möglichkeiten zur Aktivierung von Innenentwicklungspotenzialen bestehen, welche fiskalischen Wirkungen städtebauliche Maßnahmen haben und wie ein Handelssystem konkret ausgestaltet sein müsste. So konnten viele Rückmeldungen und Erkenntnisse zur praktikablen Verknüpfung des Zertifikatehandels mit dem kommunalen Verwaltungsablauf gewonnen werden.

2. Kontrolliertes Feldexperiment

m sogenannten kontrollierten Feldexperiment simulierten alle 87 Modellkommunen den Handel mit Zertifikaten in einem realitätsnahen Praxistest. Hierfür wählten sich Vertreterinnen und Vertreter aller Kommunen gleichzeitig in eine onlinebasierte Handelsplattform ein. Im Zeitraffer wurden dann die Siedlungsentwicklung sowie der Kauf und Verkauf von Zertifikaten für einen Zeitraum von 15 Jahren (2014-2028) simuliert. Basis waren die vorab erhobenen Flächenplanungen der jeweiligen Kommunen und ihre fiskalische Bewertung, sodass die Teilnehmer konkrete Entscheidungen unter realistischen Rahmenbedingungen treffen mussten. Für jedes Jahr erhielten die Kommunen in einem ersten Schritt die ihnen zustehenden Zertifikate zugeteilt, anschließend konnten sie untereinander Zertifikate kaufen oder verkaufen und abschließend ihre Flächen entwickeln – sofern es gelungen war, genügend Zertifikate zu kaufen oder anzusparen.

In mehreren Simulationen wurden unterschiedliche Rahmenbedingungen für den Handel – wie z. B. ein Handelssystem, in dem die Zertifikate zum Teil auch versteigert wurden – getestet. Die Simulationen mit den Modellkommunen wurden durch Kontrollexperimente mit Studenten in verschiedenen Konstellationen ergänzt. Das kontrollierte Feldexperiment ermöglichte es dem Projektteam, die Kauf- und Verkaufsgebote sowie die daraus resultierenden Zertifikatspreise und die anschließenden Flächenentwicklungen zu beobachten und zu bewerten.

Kontrolliertes Feldexperiment
Kontrolliertes Feldexperiment
Quelle: Detlef Grimski /Umweltbundesamt