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Umweltfreundlich und gesund grillen: vorzugsweise fleischarm und mit Elektrogrill

Gemüsespieße mit Champignon, Paprika, Zwiebel und Mais auf dem Grill
Gemüsespieße mit Dip oder marinierte Zucchini – gehen Sie doch mal neue Wege beim Grillen.
Quelle: shangarey / Fotolia.com

Inhaltsverzeichnis

Darauf sollten Sie beim umweltfreundlichen Grillen achten

  • Achten Sie im Sommer bei anhaltender Trockenheit darauf, ob das Grillen ratsam oder überhaupt erlaubt ist. Waldbrände werden fast immer durch das Fehlverhalten von Menschen verursacht.
  • Grillen Sie möglichst mit einem Elektro- oder Gasgrill.
  • Falls Sie einen Holzkohlegrill verwenden, kaufen Sie Holzkohle aus nachhaltiger Waldwirtschaft (FSC-Siegel).
  • Vermeiden Sie starke Rauchentwicklung beim Grillen durch gute Luftzufuhr und geeignete Grillanzünder.
  • Grillen Sie auch mal Gemüse und vegetarische Produkte statt Fleisch.

Gewusst wie

Sommerzeit ist Grillzeit – doch die Zubereitung unter freiem Himmel belastet oft Umwelt und Gesundheit mehr als gedacht. Einen großen Einfluss hat dabei nicht nur die Wahl des Grills oder der Kohle, sondern auch das, was auf dem Rost landet. Mit wenigen gezielten Kniffen grillen Sie nachhaltiger, schadstoffärmer und mindestens genauso lecker.

Geeignete Holzkohle: In einer Studie des WWF in Zusammenarbeit mit dem Thünen-Institut wurde 2020 festgestellt, dass in jedem zweiten untersuchten Grillkohleprodukt Holz aus subtropischen oder tropischen Ländern enthalten war. Das ist für die Verbraucher*innen nicht direkt ersichtlich. Daher sollte beim Kauf von Holzkohle unbedingt auf vertrauenswürdige Siegel wie FSC (Forest Stewardship Council) oder Naturland bzw. Bio-Siegel geachtete werden. Diese gewährleisten, dass das verwendete Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammt. Zertifizierte Holzkohle/-Briketts sind in sehr vielen Baumärkten, Supermärkten und Tankstellen erhältlich. Das DIN-Prüfzeichen (DIN EN 1860-2) stellt sicher, dass die Holzkohle kein Pech, Erdöl, Koks oder Kunststoffe enthält, sagt aber nichts über die Herkunft aus.

Grillen und Gesundheit: Grillen, insbesondere auf Holzkohle, ist wegen der Schadstoffentwicklung (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe - kurz PAK, FeinstaubKohlenstoffmonoxid - kurz CO) nicht empfehlenswert. Die hohen Feinstaubkonzentrationen, die beim Grillen entstehen, können gesundheitliche Auswirkungen haben. Das gilt besonders für Menschen, die bereits von Atemwegs- oder Herz-Kreislauferkrankungen betroffen sind. Auch gesunde Menschen können unter Reizungen der Atemwege oder der Bindehäute der Augen leiden.  Die Gesundheitsgefährdung beim Grillen können Sie reduzieren:

  • Verwenden Sie einen Gas- oder Elektrogrill.
  • Grillen Sie nur im Freien bei sehr guter Belüftung. In Innenräumen reichern sich Kohlenstoffmonoxid (CO) und Kohlenstoffdioxid (CO2) schnell an und insbesondere Kohlenmonoxid führt sehr schnell zu ernsthaften Vergiftungen.
  • Vermeiden Sie starke Rauchentwicklung beim Grillen: durch geeignete Grillanzünder und gute Luftzufuhr. Im Rauch vorhandene PAK wirken krebserregend.
  • Lassen Sie nichts anbrennen. Schwarze Krusten auf Würstchen & Co. enthalten krebserregende Stoffe. Diese entstehen vor allem, wenn Fett oder Bier in die Kohlenglut tropfen und sich der dann aufsteigende Rauch auf das Grillgut legt. Um dies zu vermeiden, sollten Sie Grillschalen (möglichst nicht aus Aluminium) verwenden und nicht mit Bier oder anderen Getränken ablöschen.
  • Verwenden Sie Grillgut ohne Nitritpökelsalz: Bei großer Hitze entstehen im Grillgut als krebserregend geltende Nitrosamine, wenn das Grillgut Nitritpökelsalz enthält.

Auch mal vegetarisch grillen: Rund 95 Prozent der beim Grillen anfallenden klimarelevanten Emissionen werden durch das Grillgut verursacht. Für klimafreundliches Grillen sollte man vor allem die Menge an Rindfleisch reduzieren und auch mal Käse oder Gemüse auf den Grill legen. Denn wie bei der Ernährung insgesamt gilt auch beim Grillen: Weniger Fleisch (v.a. Rind), mehr Gemüse, Bioprodukte, möglichst regional und saisonal sind am besten für die Umwelt und die Gesundheit.

Alu vermeiden: Unter dem Einfluss von Säure und Salz kann Aluminium auf Lebensmittel übergehen. Nach aktuellem Wissensstand kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine zu hohe Aufnahme von Aluminium gesundheitsschädlich ist. Deshalb sollte der direkte Kontakt von säurehaltigen oder salzigen Speisen – etwa Tomaten, Schafskäse in Salzlake oder mit Zitronensaft gewürztes Fischfilet – mit Aluminiumfolie, Alu-Grillschalen oder unbeschichtetem Alu-Geschirr vermieden werden. Verwenden Sie besser wiederverwendbare Grillschalen aus Edelstahl, Keramik oder mit Emaillebeschichtung oder einen Elektrogrill mit Keramikoberflächen. Wenn das nicht möglich ist, ist die Verwendung von Alu-Grillschalen - insbesondere beim Grillen von Fleisch - das kleinere Übel, um das Abtropfen von Fett in die Glut und damit die krebserregenden Stoffe zu vermeiden. Salzen und würzen sollten Sie allerdings erst am Ende.

Asche in den Restmüll: Holzkohlenasche sollte ausgekühlt im Restmüll landen. Für Garten und Kompost ist sie nicht geeignet. Schadstoffe wie Schwermetalle, die von den Bäumen aufgenommen wurden, sind in der Asche konzentriert vorhanden und würden sich in Obst und Gemüse wiederfinden. Dazu kommen organische Schadstoffe wie Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die bei der unvollständigen Verbrennung beim Grillen  entstehen. Viele von ihnen wirken krebserregend.

Was Sie noch tun können:

  • Nehmen Sie insbesondere bei dichter Wohnbebauung Rücksicht auf Ihre Nachbarn und die behördlichen Auflagen. Nicht jeder mag den Grillgeruch und den Rauch. Deshalb ist es auch sinnvoll, die kommunal unterschiedlichen Auflagen zu beachten.
  • Nutzen Sie zum Anzünden möglichst keine chemischen Grillanzünder sondern z.B. Pappe oder Anzünder auf pflanzlicher Basis (auch hier bestenfalls auf eine FSC-Zertifizierung achten).
  • Verwenden Sie auch beim Grillen Mehrweggeschirr. Dann schmeckt das Essen nicht nur besser, sondern Sie vermeiden auch unnötigen Müll. Für die Gartenparty gibt es auch wiederverwendbares und spülmaschinengeeignetes Geschirr.
  • Verwenden Sie keine Einweg-Grills. Diese sind besonders umweltschädlich und gefährlich.
  • Falls Sie sich durch häufig grillende Nachbarn gestört fühlen und ein nettes Gespräch nicht weiterhilft, können Sie sich an das örtliche Umweltamt wenden.

Hintergrund

Grillkohle: Im Jahr 2025 importierte Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 101.791 Tonnen Grillkohle. Hauptlieferanten waren Polen (29.260 Tonnen), Ukraine (15.269 Tonnen), Paraguay (12.668 Tonnen) und Namibia (11.640 Tonnen). Gerade bei Produkten ohne Kennzeichnung besteht die Gefahr, dass sie aus Tropenholz hergestellt wurden.

Eine Ökobilanz-Studie des TÜV Rheinland hat ergeben, dass die Art des Grillens (Holzkohle, Gas- oder Elektrogrill) für die Umwelt längst nicht so wichtig ist, wie die Auswahl des Grillguts. Nahezu 95 Prozent der anfallenden klimarelevanten Emissionen werden durch das Grillgut verursacht. Tierische Produkte beispielsweise belasten die Umwelt über den gesamten Lebensweg weit mehr als Gemüse. Bei einer Ökobilanz werden rechnerisch die Emissionen und andere Umweltauswirkungen über den gesamten „Lebensweg“ eines Produktes analysiert: von der Herstellung oder Erzeugung über Transport und Verkauf bis zur Verwendung und Verwertung.

Luftverschmutzung: Grillen – besonders mit Holzkohlegrills - führt lokal zu einer hohen Belastung der Luftqualität mit Feinstaub. Solche kurzfristigen, hohen Belastungen mit Feinstaub können bei vorerkrankten Personen zum Beispiel zu Asthmaanfällen, Schlaganfällen oder Herzinfarkten führen. Auf Dauer erhöht Feinstaub das Risiko für zahlreiche Erkrankungen wie Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Demenz und Krebs. Der Feinstaub gelangt – je nach Größe – über die Lunge in den Blutkreislauf und damit in alle Organe und führt dort zu Entzündungsreaktionen, die wiederum Auslöser der genannten Krankheiten sind.

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