ÖPNV

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Für den Umweltschutz ist ein Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs besonders wichtig.
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Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) mit Bussen und Bahnen in Deutschland ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Mobilitäts- und Alltagskultur.

Mobilität in Städten

Die Lebensqualität und Urbanität deutscher Städte ist unmittelbar verbunden mit einem attraktiven und leistungsfähigen ÖPNV. Da er eine weit bessere Umweltbilanz aufweist als der motorisierte Individualverkehr besteht aus Umweltschutzsicht ein erhebliches Interesse, ihn zu verbessern und auszubauen. Dabei gilt es, die durch den ÖPNV verursachten Umweltbelastungen weiter zu mindern, um das steigende Verkehrsvolumen mit möglichst geringen Umweltauswirkungen bewältigen zu können.

Der ÖPNV bietet hierfür ein breites Spektrum an innovativen Gestaltungsmöglichkeiten, die zudem mit positiven Beschäftigungseffekten verbunden sein können. Hierzu bedarf es neben technischer Innovationen auch einer Reform der ÖPNV-Finanzierung, die auf mehr Transparenz und Effizienz der eingesetzten Gelder zielt und Anreize bietet, mehr Menschen für den ÖPNV zu gewinnen. Weiterhin bedarf es einer gerechteren Anlastung der externen Kosten, um gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern zu schaffen.

Projekt 1: Handlungsempfehlungen für einen umweltfreundlichen, attraktiven und leistungsfähigen ÖPNV

Praxisorientierte Handlungsempfehlungen geben sowohl den kommunalen Aufgabenträgern als auch den Verkehrsunternehmen konkrete Hilfestellung bei der Vorbereitung auf einen regulierten Wettbewerb in einem liberalisierten europäischen Verkehrsmarkt. Die Darstellung umfasst die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen – vor allem hinsichtlich möglicher künftiger Entwicklungen, Organisationsformen und Modellen der Aufgabenteilung zwischen Aufgabenträgern und Verkehrsunternehmen mit ihren Vor- und Nachteilen. Die Ausführungen zeigen dabei den bereits bestehenden Handlungsspielraum der kommunalen Aufgabenträger auf, etwa bei dem Instrument des Nahverkehrsplans.

Das Handbuch beschäftigt sich mit möglichen Vergabeformen und –verfahren, Verkehrsverträgen und Fragen zu Qualitätsstandards und Vertragscontrolling. Detaillierte Hinweise und Empfehlungen ermöglichen den Aufgabenträgern, die Empfehlungen auf ihre spezifische Situation zu übertragen. Konkrete Beispiele und der Bezug zu den rechtlichen Quellen und Handlungsoptionen ergänzen die ausführliche Beschreibung.

Die Möglichkeiten des Wettbewerbs zur direkten Verbesserung der Umweltauswirkungen des ÖPNV bilden einen Schwerpunkt der Handlungsempfehlungen. Die Darstellung umfasst anspruchsvolle Umweltstandards zu allen Bereichen der direkten Umweltwirkungen des ÖPNV – vom Lärm über Schadstoffemissionen, Energieverbrauch und Klimaschutz – bis hin zu konkreten Formulierungsvorschlägen.

Projekt 2: Umweltpolitische Handlungsempfehlungen für eine Reform der ÖPNV-Finanzierung

Die europaweite Liberalisierung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) steht bevor. Leistungen bedürfen künftig verstärkt der Ausschreibung und Vergabe im Wettbewerb. Um die Dienstleistungsqualität auf hohem Niveau zu sichern und möglichst hohe Anteile vom motorisierten Individualverkehr (MIV) auf den ÖPNV zu verlagern, ist eine grundlegende Reform der ÖPNV-Finanzierung erforderlich. Das UBA hat deshalb auf der Grundlage mehrerer Forschungsprojekte ein Diskussionspapier erarbeitet. Es enthält folgende Eckpunkte:

  • Die ÖPNV-Finanzierung muss wettbewerbsneutral, transparent, flexibel, bedarfsgerecht und an die unterschiedlichen lokalen Bedingungen angepasst sein. Sie sollte Anreize für attraktive Verkehrsleistungen, Kundenzufriedenheit und Kosteneffizienz schaffen.
  • Der Bund und die Länder sollten die vielfältigen, für den ÖPNV verwendeten Budgets zusammenfassen und als nicht zweckgebundenes "Globalbudget für den straßengebundenen ÖPNV" an die Kommunen als Aufgabenträger verteilen.
  • Die Kommunen sollten die Zuständigkeiten für Planung, Organisation und Finanzierung des ÖPNV erhalten und bündeln.
  • Die Aufgabenträger und die Verkehrsunternehmen sollten Anreize schaffen, um Autofahrerinnen und Autofahrer zum Umsteigen auf den ÖPNV zu bewegen.
  • Die Kommunen sollten den Nahverkehrsplan zum wichtigsten kommunalen Planungs- und Steuerungsinstrument erheben. In ihm sollten sie dem Umfang und Art des ÖPNV innerhalb der Kommunen beschreiben sowie Qualitäts- und Umweltanforderungen festlegen.
  • Die ökonomisch nicht tragfähige, weil künstliche Unterscheidung zwischen eigen- und gemeinwirtschaftlichen Verkehrsleistungen, die faktisch kaum möglich ist und in der Praxis die Transparenz der Finanzierung behindert, sollte beseitigt werden.
  • Die erfolgreichsten Verkehrsunternehmen sollten leistungsbezogene Prämien nach bestimmten Erfolgskriterien, wie Fahrgastzahlen oder bestimmte Qualitätsziele - beispielsweise Kundenzufriedenheit, Pünktlichkeit und Sauberkeit - erhalten.

Projekt 3: Erfahrungen und Anregungen aus Wrocław (Polen)

In den neuen EU-Mitgliedstaaten steht der öffentliche Verkehr erheblich unter Druck. Er muss sich modernisieren und kundenfreundlicher werden, wenn er noch eine Chance als Alternative zum motorisierten Individualverkehr haben will. Doch die zur Verfügung stehenden Mittel sind äußerst begrenzt. Die Kommunen müssen daher Lösungen finden, diese möglichst effizient einzusetzen.

In Wrocław besteht der Wille, den öffentlichen Verkehr durch die Schaffung eines Verkehrsverbundes mit den Umlandgemeinden und mit der polnischen Staatsbahn (PKP) wieder zu einer leistungsfähigen und attraktiven Alternative zum Auto auszubauen.

Im Rahmen des Projektes ging die Stadt erste Schritte: Es gibt abgestimmte Fahrpläne, die auf der Identifikation zentraler Umsteigepunkte und der Ausrichtung der einzelnen Linien auf diese Punkte basieren. Zentrale Informations- und Kommunikationspunkte steigerten die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs ebenso wie ein erstes gemeinsames Ticket zwischen Wrocław, einer Gemeinde und der Polnischen Staatsbahn (PKK). Steigende Verkaufszahlen belegen, dass die Nutzer dieses Ticket annehmen. Diese ersten Kooperationen wirken als positive Beispiele. Inzwischen liegen Interessensbekundungen weiterer Umlandgemeinden vor. 

Arbeitstreffen der verschiedensten Art, gezielte Beratungsgespräche, Fachexkursionen, Coaching durch externe Experten ermöglichten einen umfangreichen Wissenstransfer in die Region. Eine informelle Arbeitsgruppe zur Kooperation im öffentlichen Verkehr etablierte sich und ist nun Wissensträger vor Ort.

In eindrucksvoller Weise zeigt Wrocław, wie sich die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs auch mit relativ geringem Mitteleinsatz, aber dem starken Willen aller Beteiligten erheblich verbessert lässt und wie sich Beispiele guter Praxis aus Westeuropa an die spezifischen Bedingungen in den neuen EU-Mitgliedstaaten und darüber hinaus angepassen lassen.

Projekt 4: Umweltkooperationsprojekt für eine bessere Mobilität in Riga, Lettland (ENJOY)

Die Verkehrsinfrastruktur der Stadt Riga ist dem rasanten Zuwachs der Verkehrsleistungen seit Anfang der 90er Jahre nicht gewachsen. Infrastruktur und Verkehrsorganisation bedürfen der Sanierung und Modernisierung. Dies betrifft alle Bereiche und Verkehrsarten und gilt auch für den ein- und ausströmenden Verkehr mit Quelle oder Ziel außerhalb der Stadt Riga.

Die Etablierung neuer, innovativer Ansätze in Rigas Verkehrsplanung war das Ziel des Projekts. Dies geschah nicht in einem luftleeren Raum, sondern vor dem Hintergrund vorhandener Zielsetzungen und Konzeptionen und parallel zu anderen laufenden Projekten, insbesondere dem Masterplan Verkehr.

Im Mittelpunkt standen neue Angebote im Busverkehr sowie Konzepte zur Verkehrsentlastung durch Park+Ride. Beides bildet eine sinnvolle Ergänzung zu den laufenden Bemühungen um eine Neustrukturierung und Modernisierung des öffentlichen Nahverkehrs in Riga.

Als Ergebnis entstanden gut begründete Leitlinien, Konzepte und Empfehlungen für die unmittelbare praktische Umsetzung - insbesondere zur Neuorganisation der Buslinien und zur Einrichtung von P+R-Angeboten. Die Ergebnisse umfassen sowohl fachlich-technische Aspekte als auch die organisatorischen, fiskalischen und rechtlichen Rahmenbedingungen.

Das Umweltbundesamt koordinierte dieses Projekt im Rahmen des Beratungshilfeprogramms für den Umweltschutz in den Staaten Mittelosteuropas, des Kaukasus und Zentralasiens für das Bundesumweltministerium. Eine Übersicht über die Beratungshilfeprojekte finden Sie in unserer „Projektdatenbank Internationaler Umweltschutz“.

Projekt 5: Jugendliche sind nachhaltig unterwegs mit Bus und Bahn

Im Rahmen des vom Umweltbundesamt geförderten Verbändeprojekts "Nachhaltig unterwegs mit Bus und Bahn - Imagekampagne für Jugendliche im Öffentlichen Personennahverkehr" haben die Naturfreundejugend Deutschlands und der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gemeinsam mit Jugendlichen eine Jugendwebsite aufgebaut. Diese bietet den Jugendlichen die Möglichkeit in ihrer Sprache, Anregungen und Tipps für eine umweltverträgliche Verkehrsmittelwahl zu geben. Jugendliche bekommen auf der Website nützliche Tipps zu Veranstaltungen und wie diese Orte sicher und bequem mit Bus und Bahn erreichbar sind. Dazu gibt es auf der Website aktuelle Literatur- und Musikempfehlungen.

Wenn Jugendliche häufiger öffentliche Verkehrsmittel nutzen und auf das Auto verzichten, ist dies gut fürs Klima und die Umwelt. Doch Öffentliche Verkehrsmittel haben noch andere Vorteile: Die Kosten sind im Vergleich zum Pkw geringer und die Fahrtzeit lässt sich vielfältig nutzen.

Die von der Naturfreundejugend herausgegebene Broschüre "Imagekampagne ÖPNV" enthält zudem Hintergrundinformationen und Argumente für die Nutzung des ÖPNV, einen Praxisbericht über die Zusammenarbeit mit dem RMV und eine Ideenbörse zu guten Beispielen aus der Praxis.

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Materialien zu den Projekten

  • Ansprechpartner

    Umweltbundesamt - Umwelt und Verkehr
    Michael Bölke
    michael.boelke[at]uba.de