Stockholm-Konvention

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Die Belastung der Menschen durch Schadstoffe wurde einheitlich in Europa untersucht.
Quelle: CC Vision

FAQ

  • Welche chemikalienrechtlichen Vorschriften gelten für den Einsatz von HBCD?

    HBCD unterliegt den einschlägigen stoffrechtlichen Regelungen. Zentrale Verordnungen sind: die CLP-Verordnungdie europäische Chemikalienverordnung REACHseit 2013 gelten darüber hinaus die Regeln der Stockholm-Konvention, auch POP-Konvention genannt  weiterlesen

  • Welche Alternativen gibt es zu HBCD-haltigen Textilien?

    Um die Entflammbarkeit von Textilien herabzusetzen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. HBCD ist in diesem Bereich leicht zu ersetzen. Entscheidenden Einfluss auf das Brandver-halten haben zunächst der Aufbau und die Dichte eines Gewebes, so lässt sich die Ent-flammbarkeit etwa durch eine dichte Webart herabsetzen. Zu den alternativen Flammschutzmitteln zählen zum Beispiel die Permanentausrüstung… weiterlesen

  • Wird sich zukünftig an der Entsorgung etwas ändern?

    Wenig. Die gemäß der Stockholm-Konvention beabsichtigte Aufnahme von HBCD in die EU-POP-Verordnung wird strikte Anforderungen an die Zerstörung des Stoffes bei der Entsorgung stellen. Wie oben dargestellt, ist dies in Deutschland bereits heute der Regelfall bei der thermischen Entsorgung von Polystyroldämmstoffen. Allerdings sind die Vorgaben zur Abtrennung der Produkte und geeigneten Entsorgung d… weiterlesen

  • Welche Alternativen gibt es zu HBCD-haltigen Dämmstoffen?

    In Deutschland werden über 60 Prozent der Energie in Gebäuden verbraucht. Entsprechend hoch sind dort auch die Einsparpotenziale. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) fordert daher für den Neubau von Gebäuden eine effektive Wärmedämmung zur Minderung des Energiebedarfs. Auch im Gebäudebestand (Altbau) können Wärmedämmverbundsysteme die Heizkosten und damit den Ausstoß klimaschädlicher Gase deutlich… weiterlesen

  • Wie kann ich erkennen, ob ein Dämmstoff HBCD enthält?

    Da HBCD nach dem Europäischen Chemikalienrecht als besonders besorgniserregend identifiziert ist, muss der Hersteller Ihnen bzw. Ihrem Händler über die Verwendung des Stoffes Auskunft geben. Über ein Online-Formular des Umweltbundesamtes können Sie den Hersteller, Händler oder Importeur hier einfach anfragen. Zudem muss auch nach der Bauproduktenverordnung die Information mit der Leistungserklärun… weiterlesen

  • Wie werden HBCD-haltige Dämmstoffe entsorgt?

    Polystyroldämmstoffe sollten bei Abbruch oder Sanierungsmaßnahmen immer getrennt gesammelt werden; eine spätere Abtrennung der Kunststoffe aus gemischten Bauabfällen ist wesentlich aufwändiger. Ein werkstoffliches Recycling findet derzeit nicht statt. Die HBCD-haltigen Dämmstoffe werden verbrannt und dabei zur Wärmeerzeugung genutzt (thermische Verwertung der Dämmstoffe). Dabei wird das HBCD zerst… weiterlesen

  • Können Gesundheits- oder Umweltgefahren durch die Nutzung dieser Produkte auftreten?

    HBCD ist nach der CLP-Verordnung nicht als akut toxisch für den Menschen eingestuft. Das bedeutet, dass nach einmaliger Exposition sogar mit hohen Dosen von HBCD keine unerwünschten akuten Wirkungen zu erwarten sind. Weil der Stoff aber mittlerweile in der Umwelt weit verbreitet ist, können ihn Menschen auch über die Nahrung aufnehmen, wodurch es zu Akkumulation von HBCD im Körper über einen länge… weiterlesen

  • Wie hängen die verschiedenen Regelungsbereiche und die dort genannten Fristen und Ausnahmeregelungen zusammen (REACH-Verordnung, Stockholm-Konvention)?

    Beschlüsse der Stockholm-Konvention müssen zunächst in europäisches Recht übertragen werden. Dies geschieht in der EU mit der Verordnung über persistente organische Schadstoffe (POP-Verordnung (EG) Nr. 850/2004). Die Umsetzung des Beschlusses zu HBCD in die EU-POP-Verordnung muss bis November 2014 erfolgen.Die POP-Verordnung und die REACH-Verordnung sind unabhängige Rechtsvorschriften, die beide p… weiterlesen

  • Ist im Falle von HBCD ein REACH-Zulassungsantrag notwendig, um Produkte weiter verbauen zu dürfen, die bereits im Umlauf sind?

    Die REACH-Zulassungspflicht umfasst die Herstellung und Verwendung des Stoffes als sol-ches und im Gemisch mit anderen Stoffen. Bei einem HBCD-haltigen Gemisch benötigt der Kunde für die Verwendung des Stoffes eine Zulassung (eigene Zulassung oder Zulassung eines Lieferanten für diese Verwendung).In Abgrenzung zum Gemisch ist das Erzeugnis ein Gegenstand, der bei der Herstellung eine spezifische F… weiterlesen

  • Was macht einen Stoff wie HBCD so problematisch für Mensch und Umwelt?

    Problematisch ist der Stoff deshalb, weil er sich einerseits weltweit verteilen und andererseits leicht in Lebewesen anreichern kann. Dadurch kann seine schädigende Wirkung erst mit großer zeitlicher und räumlicher Verzögerung auftreten, wenn die kritische Konzentration überschritten wird. Die geringe Wasser- und gute Fettlöslichkeit von HBCD erschwert zudem die Prüfung der Wirkungen im Labor und… weiterlesen

  • Warum wird die Verwendung von HBCD zukünftig verboten?

    HBCD hat vier problematische Eigenschaften in der Umwelt. Es ist giftig für Gewässerorganismen, zum Beispiel für Algen. Der Stoff ist persistent, das heißt langlebig, weil er in der Umwelt schlecht abgebaut werden kann. Schließlich reichert sich HBCD in Lebewesen an, der Fachbegriff dafür ist bioakkumulierend. In Fischen, Meeressäugern und Raubvögeln arktischer Regionen kann man heute schon HBCD n… weiterlesen

  • Ist HBCD derselbe Stoff wie HBCDD?

    Häufig wird HBCD mit HBCDD gleichgesetzt. HBCDD ist als Abkürzung für HexaBromCycloDoDecan etwas eindeutiger als die Abkürzung HBCD mit nur einem D, hinter der sich noch andere Stoffbezeichnungen verbergen können. weiterlesen

  • Ist die Verwendung von HBCD jetzt verboten?

    Nein, noch nicht. Laut der europäischen Chemikalienverordnung REACH darf der Stoff bis August 2015 in der Europäischen Union (EU) wie bisher verwendet werden. HBCD wurde zwar kürzlich in die Stockholm-Konvention aufgenommen, die nach einer Übergangsfrist bis November 2014 weltweit ein Verwendungsverbot vorsieht. Die EU will jedoch bei der schon vorher durch REACH festgelegten Frist bis August 2015… weiterlesen

  • Wofür wird der Stoff HBCD verwendet?

    HBCD dient wegen seiner technischen Eigenschaften vorwiegend als Flammschutzmittel für Kunststoffe. Es kann Brände entweder ganz verhindern, oder zumindest die Ausbreitung des Brandherdes verzögern. In einem voll entwickelten Brand brennen aber auch Gegenstände, die mit Flammschutzmitteln behandelt worden sind. HBCD wird vor allem in Dämmstoffen aus Polystyrol für Gebäude - sowohl in expandiertem… weiterlesen

  • Was ist Hexabromcyclododecan (HBCD)?

    HBCD ist ein ringförmiges, bromiertes Kohlenwasserstoffmolekül mit der chemischen Formel C12H18Br6. Hinter dieser Formel verbergen sich drei chemische Verbindungen mit gleicher chemischer Zusammensetzung und Struktur, aber unterschiedlicher räumlicher Anordnung der Brom-Atome. Der Stoff ist bei normalen Temperaturen fest und nur sehr wenig wasser-löslich. Eine seiner Eigenschaften ist technisch be… weiterlesen

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Die Stockholm-Konvention ist ein internationales Übereinkommen zur Beendigung oder Einschränkung der Produktion, Verwendung und Freisetzung von persistenten organischen Schadstoffen („Persistent Organic Pollutants“, POPs).

Was sind persistente organische Schadstoffe?

Als persistente (langlebige) organische Schadstoffe werden organische Chemikalien bezeichnet, die bestimmte Eigenschaften aufweisen:

  • Persistenz über einen langen Zeitraum
  • Potential zum weiträumigen Transport
  • Anreicherung in der Nahrungskette
  • Giftigkeit für Mensch und Tier

Prinzipiell unterscheidet man einerseits zwischen den zu kommerziellen Zwecken synthetisch hergestellten POPs und andererseits den bei verschiedenen thermischen Prozessen unbeabsichtigt gebildeten POPs („unintentionally produced POPs“, uPOPs).

POPs stellen aufgrund ihrer Eigenschaften ein globales Problem dar, welches nur international geregelt werden kann. Um den resultierenden Gefahren für Mensch und Umwelt durch POPs zu begegnen, wurden in der Vergangenheit verschiedene internationale Umwelt-Abkommen vereinbart.

Das POPs-Protokoll

Das POPs Protokoll über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung (Convention on Long-Range Transboundary Air Pollution, CLRTAP) wurde am 24. Juni 1998 unter der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (United Nations Economic Commission for Europe, UNECE) abgeschlossen. Das Protokoll trat am 23.Oktober 2003 in Kraft. Weitere Informationen zum Protokoll sind auf der CLRTAP Webseite zu finden.

Das Stockholmer Übereinkommen zu POPs

Das Stockholmer Übereinkommen zu POPs wurde im Mai 2001 abgeschlossen und trat am 17. Mai 2004 in Kraft. Im Gegensatz zum regionalen UNECE Protokoll über POPs ist es ein globales Abkommen zur Beendigung oder Einschränkung der Produktion, Verwendung und Freisetzung von POPs. Inhalte des Übereinkommens und Aktivitäten in seinem Umfeld sind auf der Webseite der Stockholm Konvention zu finden.

Das nationale POPs-Gesetz

Die Bundesrepublik Deutschland hat beide Abkommen als einer der ersten Zeichnerstaaten bereits im April 2002 ratifiziert und die Inhalte in einem separaten nationalen Gesetz umgesetzt (BGBl II S. 803 vom 16. April 2002). Deutschland ist daher als Vertragsstaat den Inhalten und Zielen beider Übereinkommen verpflichtet.

Die EU Verordnung (EG) Nr. 850/2004

Die Europäische Union hat 2004 mit der POP-Verordnung die rechtliche Voraussetzung zur Ratifikation beider Vertragswerke geschaffen. In einigen Punkten geht die Verordnung auch über deren Verpflichtungen hinaus, so auf dem Gebiet der Entsorgung POP-haltiger Abfälle und mit einem Verzicht auf sämtliche Ausnahmen für limitierte Anwendungen. Die Inhalte und Vorgaben dieser Verordnung stellen in den Mitgliedstaaten unmittelbar gültiges Recht dar. Weitere Informationen sind auf der Webseite der Europäischen Kommission zu finden.

Nationale Verpflichtungen

Nachdem Produktion und Verwendung der im POPs-Protokoll und in dem Stockholmer Übereinkommen gelisteten POPs in Deutschland bereits verboten sind, wird sich aus nationaler Sicht die zukünftige Aufmerksamkeit des Umweltbundesamts auf die Identifizierung neuer POPs und deren Aufnahme in die beiden Verträge richten.

Genauso wichtig ist es, weniger entwickelte Länder bei der Umsetzung der Anforderungen des Stockholmer Übereinkommen mit Informationen über geeignete Alternativen und über bewährte Instrumente wirksamen Chemikalienmanagements zu unterstützen.

Zudem bestehen nationale Breichtspflichten hinsichtlich der Emissionsermittlung von POPs und die Erstellung und Durchführung eines nationalen Aktionsplans für eine weitere Minimierung dieser Stoffe als Teil eines gesamten nationalen Durchführungsplanes (Stockholmer Übereinkommen).

Die Staaten müssen die Emissionsquellen von POPs identifizieren und die jährlichen freigesetzten Mengen in einem Emissionsinventar quantifizieren. Damit sollen sie auswerten, ob die Anforderungen und Maßnahmen greifen und mittel- oder langfristig zu einer Entlastung der Umwelt führen.

Die Bundesrepublik Deutschland hat umfangreiche Datenerhebungen für ein nationales Emissionsinventar von uPOPs und zum Zustand der Umwelt durchgeführt.

Die Auflistung von POPs in der Stockholm Konvention

Die Chemikalien der Stockholm Konvention werden in den Anlagen A, B, und C aufgelistet.

Anlage A listet die zu eliminierenden POPs auf: Aldrin, Chlordan, Chlordecone, Dieldrin, Endrin, Heptachlor, Hexabrombiphenyl, Hexa- und Heptabromdiphenyl Ether, Hexachlorbenzol, Alpha Hexachlorcyclohexan, Beta Hexachlorcyclohexane, Lindan, Mirex, Pentachlorbenzol, polychlorierte Biphenyle (PCB), technisches Endosulfan, Tetrabromdiphenyl Ether und Pentabromdiphenyl Ether,  Toxaphen, Hexabromcyclododecan (HBCD).

Anlage B listet die zu beschränkenden POPs auf: DDT, Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) deren Salze sowie Perfluoroctansulfonylfluorid (PFOSF).

Anlage C listet die uPOPs auf: polychlorierte Dibenzo-p-dioxine und Dibenzofurane (PCDD/PCDF), Hexachlorbenzol (HCB), Pentachlorbenzol, polychlorierte Biphenyle (PCB).

Ausnahmeregelungen bestehen für die Herstellung und Verwendung einiger der aufgelisteten POPs.

Die sechste Vertragsstaatenkonferenz (Conference of the Parties, COP6) beschloss im Mai 2013 die Aufnahme von Hexabromcyclododecan (HBCD) in Anhang A der Stockholm Konvention.