Olaf Nicolai. Maisons des Abeilles

Bienenhaus in Gebäudeformzum Vergrößern anklicken
Maisons des Abeilles thematisiert die Beziehung zwischen naturphilosophischer Metapher und Ökologie.
Quelle: Uwe Walter / courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin

Ausstellung: 20. September – 18. November 2018

Seit jeher werden gern Analogien zwischen Bienenvölkern und der menschlichen Gesellschaft gezogen. Im Mittelalter etwa wurde der streng hierarchisch gegliederte Bienenstaat als mustergültige Gemeinschaft gedeutet; in der Neuzeit wird der Bienenschwarm als Metapher für künstliche Intelligenz und Netzwerke aufgefasst. In der symbolischen Vereinnahmung der Biene soll das existenzielle Verhältnis des Menschen zur Natur – der äußeren und der inneren, der sozialen wie der eigenen – seine Entsprechungen finden.

Der Künstler Olaf Nicolai thematisiert in seiner Werkserie Maisons des Abeilles vor dem Hintergrund derartiger Narrative die Beziehung zwischen naturphilosophischer Metapher und Ökologie sehr unmittelbar. Inspiriert wurde diese Werkgruppe Olaf Nicolais von seiner Beschäftigung mit den Bauten Joze Plecniks, einem bedeutenden slowenischen Architekten, der in den 1920er Jahren für das Sommergut des tschechischen Präsidenten Masaryk in Lány ein Bienenhaus entwarf.

Nicolai beauftragte namhafte Architekten moderne Bienenhäuser zu entwerfen, führte deren Entwürfe aus und präsentierte sie als funktionsfähige Objekte. Diese Bienenbauten waren als Installation in Luxembourg und München zu sehen; später stellte sie das Leipziger Museum der Bildenden Künste in Grünanlagen der Stadt aus, wo sie mit Bienen bestückt und von Imkern betreut wurden. Dass Kunst auch konkret gebraucht werden kann, ist zugleich Hinweis auf die Rezeptionsgeschichte der Bienen in der Kulturgeschichte. Im Umweltbundesamt zeigt Olaf Nicolai neben Zeichnungen, Entwurfsdokumenten und Fotografien zu allen vier Bienenhäusern der Werkserie auch die Originalhäuser nach Entwürfen der Architektenbüros Sauerbruch Hutton sowie J. P. Kleihues. Die Ausstellung wird realisiert in Kooperation mit der Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin.

Eröffnung der Ausstellung: 
Mittwoch, 19. September 2018, um 18 Uhr
Grußwort: Dr. Harry Lehmann, Leiter für Umweltplanung und Nachhaltigkeitsstrategien, Umweltbundesamt
Künstlergespräch: Olaf Nicolai mit Dr. Frédéric Bußmann, Generaldirektor der Kunstsammlungen Chemnitz

Olaf Nicolai (*1962, Halle/Saale) gilt international als einer der herausragenden deutschen Künstler. Mit seinen Arbeiten steht er in der Tradition der Konzeptkunst, die das Verhältnis von Idee und Bild oder von Idee und Objekt überprüft. Mit konzeptionellen Ansätzen und unterschiedlichen Medien stellt Nicolai die gewohnten Betrachtungsweisen der Alltagswelt immer wieder infrage. Theorien aus Natur- und Geisteswissenschaften übersetzt er ästhetisch-künstlerisch und lässt sie im neuen Kontext erfahrbar werden. Er nahm an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teil – zum Beispiel auf der documenta und an den Biennalen in Venedig und in Berlin. Nicolai studierte Literatur- und Sprachwissenschaft in Leipzig, Wien, Budapest und promovierte mit einer Arbeit über die „Wiener Gruppe“; er hat eine Professur an der Akademie der Bildenden Kunst München. Gegenwärtig lebt und arbeitet Olaf Nicolai in Berlin.

Frédéric Bußmann (*1974, Boulogne-Billancourt, Frankreich) studierte Kunstgeschichte und Geschichte in Berlin und Rom. Zuletzt war er Kurator für Malerei und Plastik des 19. Jahrhunderts bis Gegenwart am Museum der Bildenden Künste Leipzig, wo er zahlreiche Ausstellungen kuratierte. Die Generaldirektion der Kunstsammlungen Chemnitz übernahm Bußmann im Mai 2018.

Symbiose seit Urzeiten: Als Nutztier ist die Biene seit Urzeiten eine wichtige Verbündete der Menschen. Doch die Biene hat es heute schwer: Honigbienen ebenso wie ihre Verwandten, die Wildbienen. Honigbienen müssen zum Beispiel gegen eingeschleppte Parasiten behandelt werden, Pestizide setzen ihnen massiv zu, die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft und großflächigen Monokulturen beeinträchtigen den Lebensraum der Bienen und anderer Insekten. Dabei produziert die Westliche Honigbiene nicht nur Honig und Wachs, sondern trägt mit der Bestäubung von Blüten entscheidend zur Nahrungsversorgung bei. Rund 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Arbeit der Bienen angewiesen. Auf mehr als zwei Milliarden Euro schätzt die Forschung allein für Deutschland den volkswirtschaftlichen Wert, den Insekten durch das Bestäuben der Pflanzen erwirtschaften – allen voran die Biene.

Bienen in der Landwirtschaft – Betroffene und Verbündete
Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. Randolf Menzel am 16.10.2018, ab 15 Uhr im Umweltbundesamt, Dessau

Der Neurobiologe Randolf Menzel hat fast sein ganzes Wissenschaftlerleben der Bienenforschung gewidmet. Er zeigte unter anderem, dass Pestizide aus der Gruppe der Neonicotinoide das Gedächtnis von Bienen, Hummeln und Wildbienen beinträchtigen. Er hat eine Methode entwickelt, die es erlaubt, die Gesundheit eines ganzen Bienenvolkes elektronisch zu erfassen. Randolf Menzel ist Emeritus am Institut für Biologie der Freien Universität Berlin. Sein Arbeitsgebiet ist die Untersuchung der Gehirnvorgänge, die dem Lernen, der Gedächtnisbildung, der Sinneswahrnehmungen und der Navigation der Bienen zugrunde liegen. Gemeinsam mit dem Wissenschaftsjournalisten Matthias Eckoldt hat er das Buch „Die Intelligenz der Bienen“ herausgegeben.

Montag bis Freitag: 9 bis 18 Uhr
Samstag bis Sonntag: 9 bis 16 Uhr
Eintritt frei

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Schlagworte:
 Kunst und Umwelt