Städtische Tierlandschaft. Erzählspaziergänge

In einem Gebüsch vor einer Mauer sitzt ein Spatz.zum Vergrößern anklicken
Seit jeher zieht es die Menschen in die Städte – aber auch viele Wildtiere und Pflanzen leben dort.
Quelle: Nicole Schuck

Städtische Tierlandschaft. Erzählspaziergänge mit Nicole Schuck und Experten
24. Juli: Nordbahnhof – Humboldthain (Berlin) / 25. Juli: Dragonerareal, Berlin-Kreuzberg

Seit jeher zieht es die Menschen in die Städte. Mittlerweile leben rund drei Viertel der Deutschen in urbanen Räumen, bis 2050 werden nach Prognosen der Vereinten Nationen 70 Prozent der Weltbevölkerung in den Städten zu Hause sein. Wie lässt sich dieser Urbanisierungsschub ökologisch nachhaltig gestalten? Wie sieht die Stadt von morgen aus? Und wie verändert sich in diesen urbanisierten Räumen unser Verständnis von Landschaft? Die Künstlerin Nicole Schuck hat für das ⁠UBA⁠ zwei Erzählspaziergänge durch Berlin konzipiert. Dabei nimmt sie die städtische Brache als Erkundungsort und Lebensraum für Tiere und Pflanzen in den Fokus. Brachen sind nicht nur Naturoasen in städtischen Agglomerationen, sondern auch klimatische Ausgleichsräume und Naherholungsgebiete für Stadtbewohner.

Recherchen, Vor-Ort-Beobachtungen und das Involvieren der Experten und Wildtiere kombiniert Nicole Schuck in den Spaziergängen mit Imaginiertem zu einem lebendigen Porträt der Gegend. An zwei aufeinander folgenden Terminen werden unscheinbare grüne „Inseln“ in der Hauptstadt Berlin erkundet und das Durchdringen der Lebensräume von Menschen und (Wild)-Tieren erfahrbar: Die Route zwischen Nordbahnhof und Humboldthain führt zu Parkanlagen und Wegen, wo sich vom Menschen weitgehend unbeachtet ein vielfältiges natürliches Leben entfaltet. Dabei werden die Teilnehmenden mit dem Biologen und Philosophen Georg Toepfer und Nicole Schuck über den Wert von Wildtieren und weitere Fragen zur Wildtier-Mensch-Beziehung ins Gespräch kommen. Der zweite Spaziergang lädt ein zur Erkundung des Dragonerareals in Berlin-Kreuzberg. Jahrelang war dieses Gelände sich selbst überlassen, sodass zahlreiche Tiere und Pflanzen die größtenteils ungenutzte Architektur und Flächen besiedelten. Bevor die grüne Oase mit ihrer Artenvielfalt im Zuge eines neuen Nutzungs- und Bebauungskonzepts verschwindet, führt Nicole Schuck, unterstützt von dem Biologen und Wildtierexperten Uwe Peña, durch das Dragonerareal – das es bald so nicht mehr geben wird.

Wann und Wo?

Samstag, 24.07.2021, 16 Uhr: Nordbahnhof – Humboldthain
Treffpunkt: Am Eingang zum Park auf dem Nordbahnhof. S-Bahnstation Nordbahnhof, Ausgang Julie-Wolfthorn-Straße, über die Kreuzung und die Treppen raufgehen, dort ist vor dem Zaun ein kleiner Platz mit Bänken.
Dauer: 2 – 2,5 Stunden
Max. Teilnehmerzahl: 15 Personen

Sonntag, 25.07.2021, 16 Uhr: Dragonerareal, Berlin-Kreuzberg
Treffpunkt: Eingang zum Dragonerareal, bei den Fahrradständern des Biomarkts LPG, Mehringdamm 20 – 30, 10961 Berlin.
Dauer: 2 – 2,5 Stunden
Max. Teilnehmerzahl: 15 Personen

Anmeldungen bis zum 24.07.2021 unter fotini [dot] mavromati [at] uba [dot] de, Telefon: 0340/2103-2318 (Leider sind bereits alle Plätze vergeben!)

Erfahrungsraum Stadt-Landschaft

Wie gehen wir mit Landschaften und Städten um? Welches Verständnis haben wir vom öffentlichen Raum und wie bewegen wir uns darin? Wie werden wir in Zukunft leben? Die Frage, wie sich Gesellschaft versteht, hat eine große Wirkung auf die Form, die Entwicklung und das Zusammenleben in den Städten. Stadt-Landschaften sind das Produkt gesellschaftlicher Praxis. Dieser physischer Raum, der erzeugt und Benutzung ausgesetzt ist, wird von den Nutzer*innen oftmals als gegeben hingenommen. Zugleich sind Stadt-Landschaften Erfahrungsräume, die über eine sinnliche Wahrnehmung ihre Geschichte, Qualitäten und Potentiale offenbaren. Erst durch die bewusste Wahrnehmung des Raumes als gedankliches und materielles Konstrukt öffnen sich neue Handlungsspielräume für eine sozialverträgliche und ökologisch vertretbare Stadtentwicklung.

Nicole Schuck studierte Visuelle Kommunikation mit dem Schwerpunkt Zeichnung. Schwerpunkte ihrer Projekte sind die Themen Wildtiere, natürliche und urbane Lebensräume, Ökologie und Naturschutz. Mit Formen des performativen Erzählens arbeitet Nicole Schuck seit 2002. Diese finden als Interventionen im öffentlichen Raum statt oder als Teil einer Kartografie. Durch präzise Beschreibungen imaginärer Landschaften und räumlicher Situationen entstehen beim Publikum innere Bilder. Nicole Schuck erhielt zahlreiche Stipendien, Förderungen und Preise; ihre Arbeiten und Projekte werden im In- und Ausland gezeigt. Die Publikation „Geschätzte Tiere“ erschien 2020 im Verlag Hatje Cantz. Nicole Schuck lebt und arbeitet in Berlin.

Georg Toepfer ist stellvertretender Direktor des Berliner Leibniz-Zentrums für Literatur- und Kulturforschung. Das Studium der Biologie schloss er mit einem Diplom ab und wurde im Fach Philosophie promoviert, in dem er sich auch habilitierte. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Geschichte und Philosophie der Lebenswissenschaften sowie die kulturellen Bezüge und begrifflichen Übertragungen des biologischen Wissens. Wichtigste Publikation: „Historisches Wörterbuch der Biologie. Geschichte und Theorie der biologischen Grundbegriffe“.

Uwe Peña studierte Biologie. Schon in seiner Jugend trieb sich Uwe Peña am liebsten an Flüssen, Sümpfen und in den Auen herum, auf den Spuren von Kröten, Molchen und Schlangen. Heute erfasst er deren schwindende Bestände in Berlin und Brandenburg beruflich und setzt sich für den Erhalt ihrer bedrohten Lebensräume ein. Sein weiteres Interesse gilt den Säugetieren von der Zwergfledermaus bis zum Wolf, den Wildtieren in der Stadt und dem Mensch-Tier-Konflikt.

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Schlagworte:
 Kunst und Umwelt