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Streumittel: Umweltschonend gegen Glätte ohne Salz

Zwei Menschen streuen Streumittel auf Schnee.
Der Umwelt zuliebe: Streuen Sie mit salzfreien, abstumpfenden Streumitteln mit dem Blauen Engel.
Source: Blauer Engel / Bande für Gestaltung

Table of contents

Wie Sie klimafreundlich gegen Glätte auf Gehwegen vorgehen

  • Befreien Sie den Gehweg möglichst schnell mit Schippe oder Besen vom Schnee.
  • Verwenden Sie salzfreie abstumpfende Streumittel wie Sand, Splitt oder Granulat (im Handel am Blauen Engel erkennbar).

Gewusst wie

Der Einsatz von Streusalz ist für Böden, Pflanzen und Gewässer belastend und kann Tiere sowie Fahrzeuge und Bauwerke schädigen. Besonders empfindlich reagieren Straßenbäume und andere Pflanzen im unmittelbaren Umfeld häufig gestreuter Flächen.

Mit Schippe und Besen den Schnee zügig entfernen: Je länger man mit dem Schneeschippen wartet, desto eher ist der Schnee schon festgetreten und oft mit Schippe oder Besen nicht mehr richtig zu entfernen. Zeitnahes Schneeschippen nach dem Schneefall kann deshalb den zusätzlichen Einsatz von Streumitteln häufig vermeiden.

Schnee auf Gehweg wird weggeschippt Beste Lösung: frisch gefallenen Schnee sofort wegschippen.
Source: Jürgen Fälchle / Fotolia.com

Streumittel wie Sand, Splitt oder Granulat verwenden: Auf Gehwegen und vergleichbaren Flächen sollte nach der Schneeräumung verbliebene Glätte möglichst mit salzfreien abstumpfenden Mitteln wie Splitt, Granulat oder Sand behandelt werden. Diese Mittel tauen Eis nicht auf, sondern erhöhen die Griffigkeit der Oberfläche und vermindern dadurch die Rutschgefahr. Achten Sie beim Einkauf auf den Blauen Engel für salzfreie Streumittel. 

Aber auch salzfreie Streumittel sollten sparsam und bedarfsgerecht eingesetzt werden. Ihre Gewinnung beziehungsweise Herstellung, der Transport sowie das spätere Einsammeln, Aufbereiten oder Entsorgen verursachen ebenfalls Umweltwirkungen. Soweit möglich, sind kurze Transportwege und eine Wiederverwendung des Streuguts sinnvoll. 

Streusalz-Verbote beachten: Viele Kommunen verbieten oder beschränken den Einsatz auftauender Mittel wie Streusalz auf Gehwegen. Teilweise bestehen Ausnahmen für besondere Gefahrenstellen, beispielsweise Treppen oder starke Steigungen. Informieren Sie sich deshalb über die örtlich geltenden Regelungen und beachten Sie diese.

Was Sie noch tun können:

  • Schieben Sie mit Streusalz, Schmutz oder anderen Schadstoffen belasteten Räumschnee möglichst nicht auf Grünflächen, an Bäume oder in Gewässer. Mit dem Schmelzwasser können die enthaltenen Salze und Schadstoffe sonst in Böden und Gewässer gelangen. 
  • Fegen Sie nach der Schneeschmelze den ausgestreuten Splitt zusammen und verwenden Sie ihn beim nächsten Schneefall wieder, sofern er nicht stark verunreinigt ist.
  • Bei Haustieren kann längeres Laufen auf mit Streusalz behandeltem Untergrund zu Entzündungen der Pfoten führen. Meiden Sie deshalb mit Ihren Haustieren möglichst solche Flächen. Salz und salzhaltiges Schmelzwasser können die Pfoten reizen.
Logo für den Blauen Engel für Streumittel Blauer Engel für Streumittel
Source: Blauer Engel

Hintergrund

Umweltsituation: Mit Schnee und Schmelzwasser gelangen Tausalze je nach örtlicher Entwässerung in straßennahe Böden, Kanalisationen, Versickerungsanlagen, Grundwasser oder Oberflächengewässer. Chlorid wird in konventionellen Kläranlagen praktisch nicht entfernt und kann daher mit dem behandelten Abwasser in Bäche und Flüsse gelangen. Weitere Einträge entstehen über Spritzwasser und die Straßenentwässerung.

Streusalz kann am Straßenrand wachsende Pflanzen schädigen. Gelangt das Salz mit verspritztem Schnee oder Wasser direkt auf die Pflanzen, kommt es zu Kontaktschäden an verschiedenen Pflanzenteilen wie den Blättern, Trieben und Knospen. Wiederholte Tausalzeinträge können über längere Zeit zu erhöhten Natrium- und Chloridgehalten in Straßenrandböden und im Bodenwasser führen. Schäden an der Vegetation können sich daher auch zeitverzögert zeigen. Eine erhöhte Salzkonzentration in der Bodenlösung kann die Wasseraufnahme der Pflanzen durch osmotische Effekte erschweren. Hohe Natrium- und Chloridgehalte können zudem die Aufnahme und das Verhältnis wichtiger Pflanzennährstoffe beeinträchtigen und dadurch Nährstoffungleichgewichte verursachen. Natrium kann darüber hinaus andere Kationen wie Calcium, Magnesium oder Kalium an den Austauscherplätzen des Bodens verdrängen und damit deren Verfügbarkeit und Verlagerung beeinflussen. Bei hohen Natriumeinträgen können sich außerdem die physikalischen Eigenschaften des Bodens verschlechtern, beispielsweise durch eine Verminderung der Aggregatstabilität und der Wasserleitfähigkeit.

Besonders empfindlich reagieren Feinwurzeln und die mit ihnen verbundenen Mykorrhizapilze auf solche Veränderungen. Werden Wasser- und Nährstoffaufnahme beeinträchtigt, können sich entsprechende Mangelsymptome entwickeln. Bei Laubbäumen führt dies zu Aufhellungen an den Blatträndern im Frühsommer, die sich zunehmend zur Blattmitte ausdehnen und braun verfärben, Blattrandnekrosen sowie zu vorzeitigem Laubfall. Auch vermindertes Wachstum kann auftreten. Langfristig führt eine solche Belastung zu einer verstärkten Anfälligkeit der Pflanzen gegenüber weiteren Stressfaktoren wie Trockenheit, Krankheiten und Schädlingen und kann ihre Vitalität deutlich vermindern.

Trockenheit kann die schädigende Wirkung von Tausalzeinträgen zusätzlich verstärken, weil unter anderem weniger Niederschlag zur Verdünnung und Verlagerung der Salze zur Verfügung steht. Stadtbäume sind zudem häufig mehreren Belastungen gleichzeitig ausgesetzt, beispielsweise eingeschränktem Wurzelraum, Bodenverdichtung, Versiegelung, Verletzungen von Stamm oder Wurzeln sowie Trockenstress. 

Die Schäden sind im Allgemeinen umso gravierender, je näher die Pflanzen an den Straßen und Wegen stehen. Besonders betroffen sind daher zum Beispiel Pflanzen an Fußwegen oder in Alleen. Da Alleenbaumarten wie Ahorn, Linde und Rosskastanie zudem salzempfindlich sind, sind sie besonders gefährdet. Neben Schäden an der Vegetation können hohe Salzgehalte die Stabilität des Bodens beeinträchtigen (Verschlämmung) und Bodenlebewesen schädigen.

Die Salze greifen daneben auch Materialien zum Beispiel von Fahrzeugen und Bauwerken an. Bei Stahlbeton können eindringende Chloridionen die Korrosion der Bewehrung fördern und dadurch langfristig Schäden am Bauwerk verursachen. Auch bei Ziegelbauwerken können Salze zu Schäden am Mauerwerk führen. Das ist besonders bei Baudenkmälern problematisch, weil eingetragene Salze nur schwer wieder aus porösen Baustoffen entfernt werden können. Auch abstumpfende Streumittel sind nicht grundsätzlich frei von Umweltwirkungen. Je nach Material können insbesondere Herstellung, Transport, notwendige Ausbringungsmenge sowie Einsammeln, Aufbereitung und Entsorgung relevant sein. Eine pauschale ökologische Rangfolge verschiedener Streumittel ist daher nicht möglich. Für Gehwege und vergleichbare Flächen bieten salzfreie abstumpfende Streumittel jedoch den wesentlichen Vorteil, dass angrenzende Böden und Grünflächen nicht zusätzlich mit Auftausalzen belastet werden.

Gesetzeslage: Städte und Gemeinden regeln die Vorgaben zum privaten Winterdienst und bestimmen, welche Räum- und Streupflichten gelten. Viele Städte und Gemeinden verbieten oder beschränken den Einsatz von Auftausalzen auf Gehwegen und schreiben dort abstumpfende Streumittel vor. Ausnahmen können beispielsweise für besondere Gefahrenstellen wie Treppen gelten. Eine bundesweit einheitliche Regelung besteht nicht.

Marktbeobachtung: Als "Streusalz" (auch Auftausalz oder Tausalz) werden Salze bezeichnet, die zur Verhinderung von Eisbildung oder zum Auftauen von Eis und Schnee auf Straßen und Gehwegen ausgebracht werden. Überwiegend wird "technisches" Natriumchlorid (NaCl, "Kochsalz", jedoch nicht in zum Verzehr geeigneter Qualität) als Streusalz verwendet. Daneben kommen auch Calcium- und Magnesiumchlorid oder andere Salze teilweise zum Einsatz. Außerdem enthält Streusalz geringe Mengen an natürlichen Begleitstoffen und künstlichen Zusätzen (zum Beispiel Rieselhilfsstoff). Die praktische Tauwirkung hängt von der Salzart, der Temperatur, der Konzentration, der Feuchte und der Ausbringungstechnik ab. Im professionellen Straßenwinterdienst werden Tausalze neben der trockenen Ausbringung häufig als Feuchtsalz oder Salzlösung eingesetzt. Dadurch lassen sie sich gezielter dosieren und Streuverluste können vermindert werden. Abstumpfende Streumittel spielen dagegen vor allem auf Gehwegen und vergleichbaren Flächen eine Rolle. Für den Straßenwinterdienst sind sie unter anderem wegen der erforderlichen Mengen, des Aufwands für Ausbringung und Beseitigung sowie möglicher Staubemissionen nur eingeschränkt geeignet. 

Die Menge des in Deutschland jährlich auf Verkehrswegen ausgebrachten Streusalzes hängt stark von der Witterung ab und schwankt deshalb stark. 

Quellen: 

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