Umweltsituation: Mit Schnee und Schmelzwasser gelangen Tausalze je nach örtlicher Entwässerung in straßennahe Böden, Kanalisationen, Versickerungsanlagen, Grundwasser oder Oberflächengewässer. Chlorid wird in konventionellen Kläranlagen praktisch nicht entfernt und kann daher mit dem behandelten Abwasser in Bäche und Flüsse gelangen. Weitere Einträge entstehen über Spritzwasser und die Straßenentwässerung.
Streusalz kann am Straßenrand wachsende Pflanzen schädigen. Gelangt das Salz mit verspritztem Schnee oder Wasser direkt auf die Pflanzen, kommt es zu Kontaktschäden an verschiedenen Pflanzenteilen wie den Blättern, Trieben und Knospen. Wiederholte Tausalzeinträge können über längere Zeit zu erhöhten Natrium- und Chloridgehalten in Straßenrandböden und im Bodenwasser führen. Schäden an der Vegetation können sich daher auch zeitverzögert zeigen. Eine erhöhte Salzkonzentration in der Bodenlösung kann die Wasseraufnahme der Pflanzen durch osmotische Effekte erschweren. Hohe Natrium- und Chloridgehalte können zudem die Aufnahme und das Verhältnis wichtiger Pflanzennährstoffe beeinträchtigen und dadurch Nährstoffungleichgewichte verursachen. Natrium kann darüber hinaus andere Kationen wie Calcium, Magnesium oder Kalium an den Austauscherplätzen des Bodens verdrängen und damit deren Verfügbarkeit und Verlagerung beeinflussen. Bei hohen Natriumeinträgen können sich außerdem die physikalischen Eigenschaften des Bodens verschlechtern, beispielsweise durch eine Verminderung der Aggregatstabilität und der Wasserleitfähigkeit.
Besonders empfindlich reagieren Feinwurzeln und die mit ihnen verbundenen Mykorrhizapilze auf solche Veränderungen. Werden Wasser- und Nährstoffaufnahme beeinträchtigt, können sich entsprechende Mangelsymptome entwickeln. Bei Laubbäumen führt dies zu Aufhellungen an den Blatträndern im Frühsommer, die sich zunehmend zur Blattmitte ausdehnen und braun verfärben, Blattrandnekrosen sowie zu vorzeitigem Laubfall. Auch vermindertes Wachstum kann auftreten. Langfristig führt eine solche Belastung zu einer verstärkten Anfälligkeit der Pflanzen gegenüber weiteren Stressfaktoren wie Trockenheit, Krankheiten und Schädlingen und kann ihre Vitalität deutlich vermindern.
Trockenheit kann die schädigende Wirkung von Tausalzeinträgen zusätzlich verstärken, weil unter anderem weniger Niederschlag zur Verdünnung und Verlagerung der Salze zur Verfügung steht. Stadtbäume sind zudem häufig mehreren Belastungen gleichzeitig ausgesetzt, beispielsweise eingeschränktem Wurzelraum, Bodenverdichtung, Versiegelung, Verletzungen von Stamm oder Wurzeln sowie Trockenstress.
Die Schäden sind im Allgemeinen umso gravierender, je näher die Pflanzen an den Straßen und Wegen stehen. Besonders betroffen sind daher zum Beispiel Pflanzen an Fußwegen oder in Alleen. Da Alleenbaumarten wie Ahorn, Linde und Rosskastanie zudem salzempfindlich sind, sind sie besonders gefährdet. Neben Schäden an der Vegetation können hohe Salzgehalte die Stabilität des Bodens beeinträchtigen (Verschlämmung) und Bodenlebewesen schädigen.
Die Salze greifen daneben auch Materialien zum Beispiel von Fahrzeugen und Bauwerken an. Bei Stahlbeton können eindringende Chloridionen die Korrosion der Bewehrung fördern und dadurch langfristig Schäden am Bauwerk verursachen. Auch bei Ziegelbauwerken können Salze zu Schäden am Mauerwerk führen. Das ist besonders bei Baudenkmälern problematisch, weil eingetragene Salze nur schwer wieder aus porösen Baustoffen entfernt werden können. Auch abstumpfende Streumittel sind nicht grundsätzlich frei von Umweltwirkungen. Je nach Material können insbesondere Herstellung, Transport, notwendige Ausbringungsmenge sowie Einsammeln, Aufbereitung und Entsorgung relevant sein. Eine pauschale ökologische Rangfolge verschiedener Streumittel ist daher nicht möglich. Für Gehwege und vergleichbare Flächen bieten salzfreie abstumpfende Streumittel jedoch den wesentlichen Vorteil, dass angrenzende Böden und Grünflächen nicht zusätzlich mit Auftausalzen belastet werden.
Gesetzeslage: Städte und Gemeinden regeln die Vorgaben zum privaten Winterdienst und bestimmen, welche Räum- und Streupflichten gelten. Viele Städte und Gemeinden verbieten oder beschränken den Einsatz von Auftausalzen auf Gehwegen und schreiben dort abstumpfende Streumittel vor. Ausnahmen können beispielsweise für besondere Gefahrenstellen wie Treppen gelten. Eine bundesweit einheitliche Regelung besteht nicht.
Marktbeobachtung: Als "Streusalz" (auch Auftausalz oder Tausalz) werden Salze bezeichnet, die zur Verhinderung von Eisbildung oder zum Auftauen von Eis und Schnee auf Straßen und Gehwegen ausgebracht werden. Überwiegend wird "technisches" Natriumchlorid (NaCl, "Kochsalz", jedoch nicht in zum Verzehr geeigneter Qualität) als Streusalz verwendet. Daneben kommen auch Calcium- und Magnesiumchlorid oder andere Salze teilweise zum Einsatz. Außerdem enthält Streusalz geringe Mengen an natürlichen Begleitstoffen und künstlichen Zusätzen (zum Beispiel Rieselhilfsstoff). Die praktische Tauwirkung hängt von der Salzart, der Temperatur, der Konzentration, der Feuchte und der Ausbringungstechnik ab. Im professionellen Straßenwinterdienst werden Tausalze neben der trockenen Ausbringung häufig als Feuchtsalz oder Salzlösung eingesetzt. Dadurch lassen sie sich gezielter dosieren und Streuverluste können vermindert werden. Abstumpfende Streumittel spielen dagegen vor allem auf Gehwegen und vergleichbaren Flächen eine Rolle. Für den Straßenwinterdienst sind sie unter anderem wegen der erforderlichen Mengen, des Aufwands für Ausbringung und Beseitigung sowie möglicher Staubemissionen nur eingeschränkt geeignet.
Die Menge des in Deutschland jährlich auf Verkehrswegen ausgebrachten Streusalzes hängt stark von der Witterung ab und schwankt deshalb stark.
Quellen: