Radverkehr

Radfahrerinnen und Radfahrer auf einer Straßezum Vergrößern anklicken
Fahrradfahren ist klimafreundlich und gesund.
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Fahrradfahren ist schnell, gesund, umweltfreundlich, klimaschonend, günstig, angesagt und förderungswürdig. Bis zu 30 % der Autofahrten können durch das Fahrrad ersetzt werden.

Inhaltsverzeichnis

 

Vorteile des Fahrradfahrens

Experten schätzen, dass sich in Ballungsgebieten bis zu 30 Prozent der Pkw-Fahrten auf den Radverkehr verlagern ließen. Die bessere Erschließung dieses Potenzials zur Entlastung der Umwelt und der Menschen in der Stadt ist eine wichtige Aufgabe des Umweltbundesamtes. Dass dieses Ziel erreichbar ist, zeigt die Verkehrsmittelwahl in Städten wie Kopenhagen, Amsterdam, Groningen oder auch in besonders fahrradfreundlichen deutschen Städten wie Münster, wo der Radverkehrsanteil (Anzahl der Wege) mit 39 % bereits den MIV -Anteil (29 %) deutlich überholt hat.

Die Modal-Splits deutscher und europäischer Städte, d. h. die Aufteilung aller Wege, die in der jeweiligen Stadt auf den verschiedenen Verkehrsträgern zurückgelegt werden, zeigen, dass ein niedriger Anteil des Radverkehrs nicht notwendigerweise mit einem besonders hohen Anteil des motorisierten Individualverkehrs einhergeht. So sind z. B. in Frankfurt und Berlin die Anteile des Fußverkehrs und des öffentlichen Nahverkehrs deutlich höher als in der Fahrradstadt Münster. Jede Stadt weist ihr eigenes Mobilitätsmuster auf. Eine Förderung sollte daher so ausgelegt sein, dass Verlagerungen weniger innerhalb des Umweltverbundes (Fuß/Rad/ÖPNV/Carsharing) sondern vielmehr vom Pkw-Verkehr auf den Umweltverbund erreicht werden.

Im Folgenden sind die vielen Vorteile des Radfahrens aufgeführt.

 

>> schnell

Nach Untersuchungen in deutschen Großstädten führen 40-50 % der Autofahrten über eine Strecke von weniger als fünf Kilometer Länge. Sie liegen damit in einem Entfernungsbereich, in dem das Fahrrad sogar das schnellste Verkehrsmittel ist.

Diagramm: Der Wegevergleich zeigt, dass Pedelecs im Stadtverkehr bis zu einer Entfernung von 7,5 Kilometern das schnellste Verkehrsmittel sind.
Wegevergleich: von Tür zu Tür im Stadtverkehr
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

>> gesund

Bewegungsmangel unterstützt in Verbindung mit ungesunder Ernährung die Entwicklung verschiedener Zivilisationskrankheiten. Das führt wiederum zu Übergewicht, das hohen Blutdruck und Folgekrankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes mellitus Typ II begünstigt. Davon sind leider auch immer mehr Kinder betroffen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO genügen täglich 30 Minuten moderate körperliche Aktivitäten, um das Risiko dieser Erkrankungen erheblich zu verringern. Zu Fuß gehen oder Rad fahren bringen nicht nur einen enormen persönlichen Zugewinn an Fitness und Wohlbefinden, sondern lassen sich darüber hinaus auch hervorragend in den Alltag integrieren.

Vermeintliche Nachteile, die gegen das Rad fahren sprechen, wie das höhere Unfallrisiko oder die starke Exposition gegenüber feinstaub- und schadstoffbelasteter Luft, werden von den Vorteilen für die Gesundheit durch die zusätzliche Bewegung um ein Vielfaches übertroffen. Dies zeigen die Ergebnisse einer Untersuchung des Forschungsinstituts IRAS an der Universität Utrecht. Forscher berechneten, was der Ersatz kurzer Autofahrten durch das Fahrrad für die Gesundheit bedeutet. Ergebnis: Durch regelmäßiges Rad fahren erhöht sich die Lebenserwartung um 3 bis 14 Monate. Diese Werte stehen einer verkürzten Lebenserwartung von 1 bis 40 Tagen durch das Einatmen von Feinstaub und von 5 bis 9 Tagen durch schwere Unfälle gegenüber. Eine weitere Studie belegt auch, wie sehr Radfahren zur besseren seelischen Gesundheit beitragen kann.

Die volkswirtschaftlichen Gewinne, die aus den Gesundheitsvorteilen durch Rad fahren resultieren, sind immens, lassen sich aber schwer in Zahlen fassen. Im Rahmen des Paneuropäischen Programms für Umwelt, Gesundheit und Verkehr (THE PEP)der UNECE und der Weltgesundheitsorganisation WHO  wurde die Entwicklung eines entsprechenden Berechnungsinstruments entwickelt. Mit Hilfe des sogenannten HEAT-Rechners lässt sich der volkswirtschaftliche Nutzen der Fuß- und Radverkehrsförderung auf Grundlage der entsprechend sinkenden Mortalität angeben. Die durch den Rechner ermittelten Einsparungen betragen bis zu einem Euro je zusätzlichem Radkilometer. HEAT kann für die Berechnung des Nutzens von Fuß- und Radverkehrsprojekten eingesetzt werden. Weitere Informationen und Zugriff auf das Berechnungsinstrument erhalten Sie auf der Website WHO/Europe Health Economic Assessment Tool (HEAT).

Zahlreiche Beispiele aus Großunternehmen mit innerbetrieblichem Mobilitätsmanagement zeigen, dass mit steigender Anzahl radelnder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die krankheitsbedingten Fehlzeiten abnehmen. Eine im Auftrag des niederländischen Verkehrs- sowie des Gesundheitsministeriums durchgeführte Studie aus dem Jahr 2009 hat gezeigt, dass in den Niederlanden Rad fahrende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer pro Jahr durchschnittlich einen Arbeitstag weniger fehlen als nicht Rad fahrende Kolleginnen und Kollegen. Würden niederländische Arbeitgeber das Rad fahren zur Arbeit stärker unterstützen, könnten sie - konservativ geschätzt - rund 27 Millionen Euro pro Jahr einsparen.

 

>> umweltfreundlich und klimaschonend

Rad fahren ist Mobilität ohne schädigende Klimagase. Es spart Platz und ist geräuscharm. Deutschland hat sich in seinem Klimaschutzplan verpflichtet, seine Treibhausgas-Emissionen um rund 40 % zu mindern. Der Straßenverkehr war mit Stand 2018 für 18 % der bundesweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Um die Treibhausgas-Emissionen zu senken ist es daher sinnvoll, Fahrten des Pkw-Verkehrs auf den Umweltverbund zu verlagern. Der Verkehrsträgervergleich zeigt, dass durch Rad- und Fußverkehr 147 g Treibhausgas-Emissionen pro Personenkilometer gegenüber dem Pkw eingespart werden können.

Pro Tag werden in Deutschland 257 Mio. Wege mit etwas über 3,2 Mrd. Personenkilometern zurückgelegt. Davon entfallen 11 % der Wege und 3 % der Personenkilometer auf die Fortbewegung mit dem Rad. Wenn man berücksichtigt, dass das Auto in mehr als 40 % aller Fälle für Fahrten genutzt wird, die kürzer als 5 km sind und genau auf diesen Distanzen das Rad ein ideales Alltagsverkehrsmittel darstellt, lässt sich ein deutliches Umstiegspotenzial erkennen. Darüber hinaus sind die CO2-Emissionen von Kraftfahrtzeugen im Kurzstreckenbetrieb besonders hoch, da der Motor im kalten Zustand überproportional viel Kraftstoff verbraucht. 

In der Praxis bedeutet das beispielsweise, dass eine Berufspendlerin oder Berufspendler, die oder der werktags je 5 km mit dem Rad zur Arbeit hin und zurück fährt, anstatt das Auto zu benutzen, im Jahr rund 300 kg CO2-Emissionen einsparen kann. Der Radverkehr ist somit gemeinsam mit dem Fußverkehr die klimaschonendste Fortbewegungsart.

Auch mit einem Pedelec oder E-Bike kann man zum Klimaschutz beitragen - falls die Pedelec-Fahrt eine Pkw-Fahrt ersetzt. Denn so werden die sonst durch die Autonutzung verursachten Treibhaus-Emissionen und Luftschadstoffe vermieden. Für die Herstellung der Pedelec-Akkus müssen aber auch CO2-Emissionen in die Gesamtrechnung einbezogen werden. Bei der Herstellung eines durchschnittlichen Pedelec-Akkus entstehen ca. 27,5-37,5 kg CO2-Emissionen. Für 100 km mit dem Pkw muss man durchschnittlich 19,7 kg CO2-Emissionen ansetzen. Das heißt vereinfacht gerechnet, dass bereits nach durchschnittlich 165 km die CO2-Emissionen der Akku-Herstellung beglichen sind, wenn statt dem Pkw ein Pedelec benutzt wird.

Rad fahren ist Mobilität ohne gesundheitsschädigende Luftschadstoffe

Auch bei Luftschadstoffen wie Feinstaub  (PM10), Stickoxiden (NOx) etc.  gilt der Straßenverkehr als einer der Hauptverursacher. In Zusammenhang mit den von der EU 1996 und 1999 bestimmten Immissionsgrenzwerten für Luftschadstoffe müssen seit 2002 in Deutschland Luftreinhaltepläne aufgestellt werden, wenn die Grenzwerte einschließlich der definierten Toleranzmargen überschritten wurden. Eine Möglichkeit, die Luftschadstoffe zu verringern, ist neben der Verkehrsvermeidung die Verkehrsverlagerung vom motorisierten Individualverkehr hin zum Rad- und Fußverkehr.

Rad fahren spart Fläche

Einen weiteren umweltrelevanten Aspekt stellt der immer weiter wachsende Verkehrsflächenanteil in Deutschland dar, der zu einer zunehmenden Versiegelung der Böden führt, die dadurch ihre natürlichen Funktionen verlieren. Der größte Teil dieser Verkehrsflächen wird momentan vom motorisierten Straßenverkehr beansprucht.

Neben den Problemen, die durch den fließenden Autoverkehr verursacht werden, stellt auch der ruhende Verkehr in vielen Fällen einen kritischen Punkt für die Umwelt dar. Um die haltenden und parkenden Autos unterbringen zu können, müssen in Städten mit ihren begrenzten Platzverhältnissen noch zusätzlich Parkmöglichkeiten in Form von Parkplätzen oder Parkhäusern geschaffen werden. Der Flächenverbrauch von Fahrrädern ist in dieser Hinsicht um ein Vielfaches geringer, was dazu beiträgt die Umwelt zu schonen und damit auch die Lebensqualität der Menschen zu steigern, vor allem in den größeren Städten. Auf jedem einzelnen Autoparkplatz kann man gut acht Fahrräder abstellen.

Rad fahren ist geräuscharm

Ebenso beeinträchtigt der vom Verkehr erzeugte Lärm die Umwelt und die Menschen. Die jüngste Lärmkartierung (2017) für Ballungsräume mit mehr als 100.000 Einwohner*innen in Deutschland ergab, dass allein an den untersuchten Straßen rund 8,4 Mio. Menschen von L DEN-Pegeln von über 55 Dezibel (dB(A)) betroffen sind. Als gute akustische Umwelt gelten LDEN-Werte um 50 dB(A), wobei für die Nacht Werte von 40 dB(A) und weniger als optimal angesehen werden. Ansonsten drohen gesundheitliche Schäden (z. B. steigendes Herzinfarktrisiko oder Schlafstörungen). Die in diesem Zusammenhang erstellten Lärmaktionspläne der Kommunen sollten daher auch die Förderung des Radverkehrs, beinhalten, denn der Umstieg vom Auto auf das Fahrrad leistet einen deutlichen Beitrag, den durch den Personenverkehr verursachten Lärm zu verringern und so Umwelt und Mensch zu entlasten.

 

>> günstig

Der Kauf und Unterhalt eines Verkehrsmittels verursacht sowohl der Nutzerin oder dem Nutzer als auch der Allgemeinheit Kosten. Wer jedoch mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann sparen! Die Nutzungskosten eines Fahrrades liegen bei rund 10 Cent je zurückgelegtem Kilometer. Darin sind Anschaffung, Reparaturen, sowie ein Zuschlag für fahrradspezifische Ausstattung, wie z. B. Fahrradschloss, Regenhose und regendichte Tasche berücksichtigt. Dies zeigte die Studie „Kosten-Nutzen-Analyse: Bewertung der Effizienz von Radverkehrsmaßnahmen“ im Auftrag des Verkehrsministeriums.

Im Vergleich dazu liegen die Nutzungskosten eines Pkw um ein Vielfaches höher. Ein durchschnittlich genutzter Mittelklassewagen verursacht unter Berücksichtigung des Wertverlustes, Reparatur, Versicherung, Stellplatzkosten und Betriebsmittel 40-140 Cent Kosten je gefahrenem Kilometer. Diese Kosten sind von Modell zu Modell unterschiedlich und können bei Oberklassewagen laut ADAC (2019) bis weit über 3 € pro gefahrenem Kilometer reichen. Mit jedem per Rad zurückgelegten Kilometer spart man somit gegenüber der Nutzung eines Pkw.

So genannte externe Kosten des Verkehrs resultieren aus Umweltwirkungen, wie Luftverschmutzung, Lärm, Ausstoß von  Klimagasen und Eingriffen in Natur und Landschaft, die mit Kosten verbunden sind, welche nicht von den Verkehrsteilnehmern, sondern der Allgemeinheit getragen werden. Eine Fahrt mit dem Pkw verursacht im Durchschnitt rund 6,4 (Benzin) bzw. 7,5 (Diesel) Cent pro gefahrenem Kilometer an Umweltkosten. Innerorts entstehen noch höhere Kosten. Unfallkosten und Staukosten in Form von Zeitverlusten zählen nicht zu den umweltrelevanten externen Kosten und sind hier noch nicht einmal berücksichtigt. Radverkehr verursacht hingegen keine nennenswerten umweltrelevanten externen Kosten. Die Berücksichtigung weiterer externer Effekte erhöht den positiven volkswirtschaftlichen Nutzen, der durch Radverkehr entsteht, zusätzlich. Besonders Gesundheitsvorteile durch die zusätzliche körperliche Bewegung fallen ins Gewicht.

Neben dem persönlichen Geldbeutel und der Umwelt profitieren auch die Kommunen in erheblichem Maße von der günstigen Mobilitätsalternative. Anlage und Unterhalt von Radverkehrsinfrastruktur sind erheblich platzsparender und günstiger als vergleichbare Infrastruktur für den motorisierten Individualverkehr. Beispielsweise liegen die Baukosten für einen Pkw-Stellplatz zwischen 2.000 und 3.000 € (ebenerdig, ohne Dach) und 15.000 bis 25.000 € (Tiefgaragenstellplatz). Hinzu kommen je nach Lage ca. 2.000 € Grundstückskosten und zusätzliche Bewirtschaftungskosten für Reinigung, Beleuchtung, Beschilderung, Reparatur, Wartung, Versicherung, Markierung und Entwässerungsgebühren (Sagolla 2007). Radabstellmöglichkeiten bieten auf gleicher Fläche sechs bis acht Fahrrädern Platz und kosten im Bau 50 bis 120 € (Fahrradbügel) bzw. 200 bis 300 € (überdachte Rad-Abstellanlage) pro Abstellplatz (Zukunftsnetz Mobilität NRW 2016). Dass diese Einsparpotentiale nicht nur theoretischer Natur sind, zeigen die Städte mit hohen Radverkehrsanteilen. Dort konnte in den letzten Jahren problemlos auf massiven Straßenneubau verzichtet werden. Gerade in Zeiten knapper Haushaltskassen wird es immer nötiger, die hohen Ausgaben für kommunalen Straßenbau zu überdenken. Dabei helfen könnte eine innovative Methode der Universität Kassel, die es Kommunen ermöglicht, die von verschiedenen Verkehrsmittel verursachten Kosten zu berechnen.

Das Beispiel Freiburg zeigt, in welchem erheblichen Maße sich der tatsächliche Anteil der einzelnen Verkehrsträger an den zurückgelegten Wegen von den für den jeweiligen Verkehrsträger aufgebrachten kommunalen Ausgaben unterscheidet: Obwohl 22 Prozent aller Wege mit dem Rad zurück gelegt werden, kann nur 1 Prozent der Ausgaben der Stadt Freiburg für Personenverkehr dem Radverkehr zugerechnet werden. Der Vergleich mit "Radelhauptstädten" wie Amsterdam, Kopenhagen oder Groningen zeigt, dass die pro-Kopf-Ausgaben der deutschen Kommunen für den Radverkehr signifikant erhöht werden müssen, um auch hierzulande eine ausreichende, sichere und bequeme Radverkehrsinfrastruktur zu schaffen.

 

>> angesagt

Das Fahrrad ist nicht nur ein Transportmittel. Das Fahrrad ist modisch, es passt sich in den modernen Lebensstil ein. Außerdem hat es einen Vorteil: Es ist ein unkompliziertes Verkehrsmittel.

In Großstädten entwickelt sich ein neuer urbaner Trend, aus dem Fahrrad mehr zu machen als ein schnödes Transportmittel. Unter dem Schlagwort „cycle chic“ zeigen zahllose Internetblogs, welch modisches Potenzial das Fahrrad birgt. Schnappschüsse aus dem Alltag in den Städten New York, Sydney, Kopenhagen, Berlin und vielen weiteren dokumentieren die Integration des Fahrrades in den Lebensstil breiter Bevölkerungsschichten. Individuell ausgewählte und gestaltete Räder verbinden die Möglichkeit, in der Stadt elegant auftreten zu können mit den Vorteilen eines unkomplizierten Verkehrsmittels. Im Gegensatz zum Pkw kann man am Leben auf der Straße aktiv teilnehmen, statt hinter den Scheiben seines eigenen Autos davon ausgesperrt zu sein. Ein Halt für ein kurzes Gespräch ist mit dem Rad problemlos möglich und erlaubt spontane Kommunikation im Alltag.

Aus den verschiedensten Gründen gewinnen immer mehr Menschen Gefallen am neuen „cycle chic“. Studenten, junge Erwachsene, Familien und Geschäftsleute, aber auch Politiker lassen sich zunehmend auf dem Fahrrad blicken. Die prestigeträchtige Rolle, die heute teure Autos bei uns übernehmen, wird zunehmend durch das Fahrrad bedroht.

Eine gute Radinfrastruktur wird erst durch ein positives Image der Nahmobilität richtig genutzt. Die Fahrradnutzung ist zwar von unveränderbaren Faktoren, wie der lokalen Topographie, dem Wetter sowie von der vorhandenen Siedlungsstruktur beeinflusst. Dennoch weisen viele deutsche Städte und Regionen mit ähnlichen räumlichen Bedingungen, unterschiedlich hohe Radverkehrsanteile auf. Dies ist auf das bestehende „Fahrradklima“ zurückzuführen, das in einigen Fällen auf langer Tradition basiert, doch durchaus auch herbeizuführen ist. Die von Umweltministerium (BMU) geförderte Kampagne „Kopf an: Motor aus.“ zeigt, wie Rad- und Fußverkehr mit Witz auf sich aufmerksam machen können. Darüber hinaus konnte ein Einfluss auf das Mobilitätsverhalten nachgewiesen werden. Fast jeder Zweite, der sich an die Kampagne erinnerte, gab im Rahmen der Evaluation an, dass er aufgrund der Kampagne das Auto nun häufiger mal stehen lasse und sich stattdessen aufs Rad schwingt oder zu Fuß geht. Auch die Radlust-Kampagne soll Autofahrer zum Umdenken motivieren. Sie vermittelt Spaß, Lebensfreude und Fitness durch häufigeres Rad fahren im Alltag.

 

>> stark im Verbund

Öffentliche Fahrradausleihsysteme können zusammen mit dem ÖPNV sogar die autofixierte Mobilität ersetzen. Dazu kommen noch Carsharing-Systeme und Mitfahrbörsen, die beispielsweise gern für den großen Einkauf genutzt werden. Im Verbund mit einem attraktiven Angebot ÖPNV und restriktiven Maßnahmen gegenüber Pkw-Verkehr stellen der Fußgänger- und Fahrradverkehr wichtige Bausteine für eine nachhaltige umwelt- und sozialverträgliche Verkehrsentwicklung dar. In den nächsten Jahren müssen Verkehrsverlagerungen weg vom Pkw hin zu alternativen Mobilitätsformen erreicht werden. Im Folgenden stellen wir einige weitere Bausteine vor, mit deren Unterstützung die Entwicklung weg von der automobilfixierten Mobilität ohne Komfortverlust möglich ist.

Als neuere Bausteine dienen in diesem Verbund innovative öffentliche Fahrradverleihsysteme. Diese verbinden die Stärken der öffentlichen Nahverkehrsmittel mit den Vorteilen des Fahrrades. Diese zeichnen sich durch eine große Anzahl an Radverleihstationen aus, die über die entsprechenden Gebiete verteilt sind, häufig in der Nähe von Bahn- und Bushaltestellen. Damit können Einwohnerinnen und Einwohner sowie Besucherinnen und Besucher der entsprechenden Kommunen Fahrradfahrten spontan in ihre Wege integrieren, und Angebotslücken des ÖPNV umgehen. Für den Weg von der Bahnstation zum Büro oder von der Kneipe nach Hause stehen den Nutzern nach einmaliger Anmeldung rund um die Uhr hunderte Fahrräder zum flexiblen Einsatz zu Verfügung.

Carsharing erweitert die Möglichkeiten des Radverkehrs und ermöglicht auch ohne eigenes Auto notwendige Einkaufsfahrten und Transporte oder gelegentliche Freizeit- und Urlaubsfahrten per Pkw vorzunehmen. Für den jeweiligen Anlass lässt sich das passende Fahrzeug vom Kleinwagen bis zum Transporter auswählen. Die Anzahl der Orte mit attraktivem Carsharing wächst von Jahr zu Jahr, einige Anbieter sind sogar mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel – schützt das Klima“ ausgezeichnet.

Mitfahrbörsen erfreuen sich unter jungen Menschen immer größerer Beliebtheit. Über das Internet können auf einfache Weise von Autofahrern angebotene Routen und Zeiten abgefragt und z.B. für Wochenendheimfahrten oder regelmäßige Pendelstrecken Fahrgemeinschaften gebildet werden. Die Bildung von Fahrgemeinschaften erhöht den durchschnittlichen Besetzungsgrad eines Pkw und ist gerade für längere Fahrstrecken attraktiv – genau die Strecken, die im Alltag nur selten mit dem Rad zurückgelegt werden können.

 

... und darum förderungswürdig!

Radverkehrsförderung – was brauchen wir?

Um den Radverkehrsanteil weiter zu steigern, und die Potenziale des Radverkehrs voll zu nutzen, ist es notwendig die Rahmenbedingungen für die Fahrradnutzung zu optimieren. Dies kann durch investive und nicht-investive Maßnahmen wie ...

  • ein durchgängiges Radnetz: direkte, schnelle, komfortable, zusammenhängende, sichere, möglichst kreuzungsfreie Radwege, sichere Gestaltung an Knotenpunkten
  • moderne Fahrradabstellanlagen: ausreichend, sichere, überdachte, beleuchtete, gut zugängliche Abstellanlagen am Wohnort (Startort), am Zielort und an den Übergängen zum Öffentlichen Verkehr, Lademöglichkeiten für Pedelecs   
  • optimale Service-Angebote für Radfahrende: Radroutenplaner, Bett&Bike-Betriebe, stationäre Luftpumpstationen, Schlauchautomaten, Reparaturservice, Fahrradmitnahme im öffentlichen Verkehr, betriebliches Mobilitätsmanagement….
  • gute Kommunikation für ein positives Image des Radverkehrs: nachhaltige Mobilitätserziehung ab dem Kindergartenalter, Wettbewerbe, Kampagnen zur Kommunikation der Vorteile des Radfahrens, Informationen, Wissen und Forschung

... erfolgen.

Innovative, modellhafte und übertragbare nicht-investive Maßnahmen mit dem Ziel, den Radverkehrsanteil zu erhöhen werden fördert das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) seit 2002 im Rahmen des „Nationalen Radverkehrsplans“. Das Umweltbundesamt hatte hierbei bis 2019 die fachliche und administrative Projektbegleitung für das BMVI inne und beriet Kommunen, Verbände und Institutionen (juristische Personen des öffentlichen und des privaten Rechts). Alle bereits geförderten Projekte sowie die Förderbedingungen und Antragsunterlagen finden Sie auf dem Internetportal des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP). Seit 2020 obliegt die Betreuung des NRVP dem Team Radverkehr im Bundesamt für Güterverkehr (BAG).