Umtauschprämie – Neuer Diesel, guter Diesel?

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Alte Diesel-Autos sollen mit der Umtauschprämie aus dem Verkehr gezogen werden.
Quelle: Thomas Reimer / Fotolia.com

Bessere Luft gibt es nur, wenn alte Diesel gegen wirklich saubere Autos getauscht werden. Das sind vor allem Benziner oder Elektroautos.

Wer unbedingt einen Diesel kaufen möchte, sollte mindestens Euro 6d-TEMP oder Euro 6d nehmen. Diesel mit Euro 6a, b oder c halten die Grenzwerte auf der Straße mitunter nicht ein.

Viele Hersteller bieten Autobesitzern zurzeit Umtauschprämien für Dieselfahrzeuge an. Die Idee: Alte Euro 1- bis Euro 4-Diesel mit hohem Schadstoffausstoß sollen aus dem Verkehr gezogen werden. Aber: Die Luftqualität wird nur dann besser, wenn Dieselfahrzeuge gegen saubere Neuwagen eingetauscht werden. Denn neu bedeutet nicht immer auch gleich sauber: Neue Dieselautos der Schadstoffklassen Euro 6a, 6b und 6c stoßen im realen Fahrbetrieb durchschnittlich bis zu sechsmal mehr Stickstoffdioxid aus, als erlaubt. Je nach Größe oder Fahrzeugmodell kann ein neuer Diesel somit theoretisch sogar mehr Schadstoffe emittieren als ein alter. Auf der sicheren Seite – und vergleichsweise sauber unterwegs – sind Autofahrer mit Elektro-, Hybrid oder Gasautos oder Benzinern (bei Direkteinspritzern mit Partikelfilter). Bei Diesel-Pkw sind nur modernste Euro-6d TEMP- oder Euro-6-d-Fahrzeuge im praktischen Fahrbetrieb nach RDE (Real Driving Emissions) relativ sauber. Generell gilt: Kleine Autos sind schadstoffärmer und umweltfreundlicher als große.

Stickstoffdioxid gefährdet die Gesundheit

Noch im Jahr 2016 wurde der EU-Grenzwert von maximal 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter (µg/mᶟ) im Jahresmittel an 59 Prozent der verkehrsnahen Messstationen überschritten. Von Autos werden Stickstoffoxide (NOx) emittiert. NOx ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene gasförmige Verbindungen, vereinfacht werden nur die beiden wichtigsten Verbindungen Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) dazu gezählt. Stickstoffdioxid wirkt reizend auf Schleimhäute in den Atemwegen und die Lunge. Akut treten Hustenreiz, Atembeschwerden und Augenreizungen auf, besonders bei empfindlichen oder vorgeschädigten Personen. 

Besonders gefährdet sind Menschen, die in der Stadt leben. Denn gerade Ballungsgebiete sind im Vergleich zum Umland stärker mit Luftschadstoffen belastet. Der Straßenverkehr ist im urbanen Raum die Hauptquelle für Stickstoffoxide: Die höchsten Konzentrationen werden an viel befahrenen Straßen gemessen. Die Stickstoffdioxid-Jahresmittelwerte an verkehrsnahen Messstationen betragen zwischen 40 und 60 µg/mᶟ, vereinzelt sogar um 80 µg/mᶟ. 

73 Prozent der NOx-Emissionen durch Diesel-PKW

Diesel-PKW sind das größte Problem und machen in der Stadt über 73 Prozent der NOx-Emissionen des Verkehrs aus. Dieselautos überschreiten die Euro-Grenzwerte auf der Straße deutlich. Ging man für das Jahr 2016 bislang von 575 mg NOx/km aus, liegt nun die Diesel-Pkw-Flotte in Deutschland bei durchschnittlich 767 mg NOx/km. Mehr Informationen finden Sie hier. Das ergaben Berechnungen für das Umweltbundesamt aus dem Frühjahr 2017. Für die Neubewertung wurden erstmals auch für den betriebswarmen Motor Messungen bei allen in Deutschland typischen Außentemperaturen berücksichtigt. Hohe NOx-Emissionen treten vor allem an kalten Tagen auf. 

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 NO2  NOx  Diesel  Stickstoffdioxid  Autoverkehr