Klimakompetent in die Zukunft: Bildungsangebot für prädikatisierte Heilbäder und Kurorte

  • Im Karikaturstil abgebildet stehen zwei Personen rechts im Bild vor einer Schlucht. Links von der Schlucht steht ein Schild mit der Aufschrift "Klimazukunft". Der Weg, auf dem die beiden Personen stehen führt von rechts nach links und wird durch die Schlucht unterbrochen. Die vorne stehende Person deutet auf das Schild; beide tragen ein Brett, dass breit genug, ist als dass man darüber gehen könnte.
    Klimazukunft und Pragmatiker - Karikatur aus der Infobroschüre
  • Auf dem Cover der Informationsbroschüre mit dem Titel "Klimakompetent in die Zukunft" ist ein grünblättriger Baumtrieb in bloßer Erde abgebildet.
    Cover der Informationsbroschüre "Klimakompetent in die Zukunft"
  • Im Comicstil ist ein Ufer gezeichnet. Auf der Wiese liegt eine Decke, daneben steht ein Picknick-Korb. Im Vordergrund steht eine  Frau im Bikini, der Sonnencreme aus der Hand fällt. Schockiert schaut sie einen Mann an, der aus dem Wasser kommt. Er ist am ganzen Körper mit Algen bedeckt. Auf der Wiese steht ein Schild mit der Aufschrift "Achtung Algen"
    Karikatur "Hitze" aus der Infobroschüre
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Prädikatisierte Heilbäder und Kurorte sind mit ca. 30% aller Übernachtungen (Quelle BMWi 2011) das zentrale Angebotssegment des Gesundheitstourismus in Deutschland: nachfrageseitige Zielgruppen sind sowohl Gesunde, aber auch gesundheitlich Eingeschränkte und Personen mit einer diagnostizierten Erkrankung. Gerade die beiden letztgenannten Personengruppen reagieren besonders empfindlich auf Wetter und Klima. Aber auch die natürlichen, ortsgebundenen Heilmittel – also wesentliche Teile der Angebotsbasis eines jeden prädikatisierten Kurortes oder Heilbades – werden durch den Klimawandel beeinflusst. So kann die gravierendste Folge die Gefahr des Prädikatsverlusts einiger Kurorte sein, wenn sie aufgrund des zunehmenden Hitzestresses im Sommer oder des abnehmenden Kältereizes im Winter die Richtlinien für das jeweilige Prädikat nicht mehr erfüllen können. Darüber hinaus sind es insbesondere heilklimatische Orte, die von der Verschiebung des geographischen Auftretens von Pollen oder einer generellen klimawandel-induzierten Verschlechterung der Luftqualität betroffen sein werden, was sich negativ auf Allergie- und Lungenpatienten auswirkt. Auch die mit dem Klimawandel verbundene Zunahme der Hitzetage wird Kurorte und Heilbäder sowie ihre Gäste und Patienten beeinflussen. Mit dieser Entwicklung sind in erster Linie eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit, längere Hospitalisation und eine höhere Sterblichkeit verbunden. Generell werden sich diese klimatischen Veränderungen deutlich auf den Gesundheitszustand und den Leidensdruck von Patienten bzw. Gästen, aber auch auf die in einem Kurort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auswirken.

Ziel des vorliegenden Projektes ist es daher, ein Bildungsangebot für prädikatisierte Kurorte und Heilbäder zu schaffen, das Beschäftigte über den Klimawandel informiert und sie für seine Herausforderungen sensibilisiert. Gleichzeitig soll das Projekt die Beschäftigten zu Strategien befähigen, mit denen sowohl Anpassungsmaßnahmen für die Destination selbst abgeleitet als auch die besonders vulnerablen Zielgruppen der Gäste und Patienten entsprechend geschützt werden können. Das Projekt fokussiert daher Fragen der gesellschaftlichen Wahrnehmung möglicher Folgen des Klimawandels und der Gestaltbarkeit von Klimaschutz- und Anpassungsstrategien. Mitigation und Adaption werden insofern miteinander verknüpft, als es in dem Bildungsangebot insbesondere um explizites Wissen über die regional bedeutsamen Veränderungen des Klimas, deren Perzeption und darauf zielende Handlungsansätze geht.

Wie wurde die Maßnahme umgesetzt?

MaßnahmenträgerLehrstuhl für Wirtschaftsgeographie und Tourismusforschung, LMU München
http://www.geographie.uni-muenchen.de/department/fiona/department/wirtschaftsgeo...
Kooperationspartner

Institut für Soziologie, LMU München
bifa Umweltinstitut GmbH

Steuerungsinstrumente

Wie erzielen Sie mit Ihrer Maßnahme eine Wirkung?Informationsbereitstellung und Sensibilisierung, Sonstige
Bitte erläutern Sie die von Ihnen genannten Instrumente und deren Anwendung näher.

Den Verantwortlichen in Kurorten und Heilbädern werden neben Informationen zum Klimawandel und zur Klimaanpassung auch Instrumente zur selbstständigen Entwicklung einer Klimaanpassungsstrategie bzw. zur Ableitung von Klimanapassungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt.

Beteiligung und Finanzierung

Wurden neben den Kooperationspartnern andere Personengruppen/Institutionen in die Planung/Umsetzung der Maßnahmen eingebunden?Öffentliche Verwaltung/Politik

Verantwortungsträger und -trägerinnen der Kurorte und Heilbäder (Bürgermeister und Bürgermeisterinnen, Tourismus- und Kurdirektoren und -direktorinnen etc.)

ErläuterungExpertengespräche, Workshops, Informationsveranstaltungen
Wie hoch waren die (geschätzten) Kosten für die Umsetzung?

185.000 €

Mit welchen Mitteln wurde die Maßnahme finanziert?Bund

Diese Maßnahmen wurde gefördert durch das Bundesumweltministerium im Rahmen des Programmes "Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels".

Erfolg und Nutzen

Erzielt die Maßnahme über Klimaanpassung hinaus positive Nebeneffekte?Klimaschutz: Einsparung von Treibhausgasemissionen oder Entfernung von Treibhausgasen aus der Atmosphäre
Erläuterung

Das Thema Klimaschutz wird in den Projektergebnissen mehrfach aufgegriffen. Neben einer Erklärung zu Klimaschutz und -anpassung in der Broschüre (S. 6f.) finden sich in der Checkliste zur Erarbeitung einer individuellen Klimaanpassungsstrategie für die Kurorte und Heilbäder auch zahlreiche Maßnahmen, die einerseits der Klimaanpassung, andererseits aber auch dem Klimaschutz dienen können.

Hindernisse und Konflikte

Gibt es besondere Hindernisse, welche die Umsetzung erschwerten? Welche sind dies und wie gehen Sie damit um? Ein nach wie vor großes Hemmnis für eine zeitgemäße und an den Klimawandel angepasste Handlungsweise aller Akteure im Tourismus ist fehlendes Wissen.
Lösung

Im Projekt wurde ein besonderes Augenmerk auf den Bereich Informationsverbreitung und Sensibilisierung gelegt. Die im Projekt entwickelten Informationen (z.B. in Form der Broschüre) wurden während der Erarbeitung mit Akteuren aus den Beispielregionen geteilt und diskutiert. Zielgruppen waren hier u.a. Politik (Bürgermeister), das Destinationsmanagement (Tourismus- bzw. Kurdirektoren) sowie touristische Dienstleister (z.B. Thermenbetreiber). Mit Abschluss des Projektes wurden die fertigen Informationen deutschlandweit an alle Kur- und Heilbäderverbände, Tourismusverbände sowie zahlreiche Interessierte aus Politik (z.B. Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg), Wissenschaft (z.B. Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung) und Wirtschaft (z.B. Roman Thermal Spas of Europe) verteilt.
Die Wissensvermittlung an verantwortliche Akteure aus Politik und Destinationsmanagement soll dazu beitragen, dass die Akteure vor Ort auch untereinander besser kooperieren.

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