Schutzgebiete Deutschlands im Klimawandel - Risiken und Handlungsoptionen

Hintergrund und Ziele

Der Schutz von Arten und Lebensgemeinschaften wird ganz wesentlich in Schutzgebieten unterschiedlicher Kategorie gewährleistet. Weltweit stellen Schutzgebiete gegenwärtig das wichtigste Instrument des Naturschutzes dar. Schutzgebiete in Deutschland werden in den kommenden Jahrzehnten durch den Klimawandel erhebliche Veränderungen in ihrem naturräumlichen Potenzial erfahren. Dieses Problem stellt die nationalen Naturschutzstrategien, einschließlich der Einhaltung internationaler Abkommen, vor neue Herausforderungen. Im Projekt wird eine umfassende und repräsentative Liste deutscher Schutzgebiete einer Risikoabschätzung mit neuesten Methoden der statistischen und prozessbasierten Simulation von Klimawirkungen betrachtet. Dadurch kann geprüft werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit der jeweilige Schutzzweck auch in der näheren Zukunft erreicht wird. Aus der ökologischen Risikoabschätzung sollen im Dialog mit Akteuren des öffentlichen und privaten Naturschutzes, Optionen für eine dynamisierte Naturschutzpolitik abgeleitet werden.

Das primäre Ziel des Projekts ist es, für eine möglichst umfassende und repräsentative Liste der in Deutschland vorhandenen Schutzgebiete (insbesondere Natura 2000-Gebiete) zu untersuchen, inwieweit der Klimawandel Risiken im Sinne der jeweiligen Schutzzwecke für das 21. Jahrhundert erwarten lässt. Dazu werden Risikoanalysen für einzelne Arten, Artenpools bzw. Lebensgemeinschaften und Sensitivitätsanalysen für bestimmte Habitate und Schutzgebiete durchgeführt. Ein weiteres Ziel ist es, konkrete Vorschläge für die erforderliche Anpassung von Naturschutzstrategien und -verfahren auf nationaler Ebene zu geben. Dazu werden nötige und mögliche Veränderungen von Naturschutzzielen sowie Umsetzungsstrategien unter Einbindung der relevanten Akteure (Ämter, Verwaltungen, Nichtregierungsorganisationen) identifiziert.

Laufzeit

bis

Untersuchungsregion/-raum

Land
  • Deutschland
Bundesland
  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Berlin
  • Brandenburg
  • Bremen
  • Hamburg
  • Hessen
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Niedersachsen
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland
  • Sachsen
  • Sachsen-Anhalt
  • Schleswig-Holstein
  • Thüringen

Schritte im Prozess zur Anpassung an den Klimawandel

Schritt 1: Klimawandel verstehen und beschreiben

Ansatz und Ergebnisse 

Es wird das regionale Klimamodell STAR verwendet, wobei die Emissionsszenarien des IPCC berücksichtigt werden. Die räumliche Projektion erfolgt auf das Raster der Topografischen Karten 1:25.000 sowie auf die Mittelpunkte der betrachteten Schutzgebiete (nationale Schutzgebiete, Natura 2000-Gebiete, Flora -Fauna -Habitat (FFH)-Gebiete). Zusätzlich werden Szenarien für Landnutzungsänderungen aufgestellt.

Parameter (Klimasignale)
  • Veränderte Niederschlagsmuster
  • Höhere mittlere Temperaturen
  • Trockenheit
Weitere Parameter 

insgesamt werden 11 meteorologische Parameter des DWD sowie weitere 50 abgeleitete Klimaparameter berücksichtigt

Schritt 2a: Risiken erkennen und bewerten (Klimafolgen/-wirkungen)

Analyseansatz 

Die betrachteten Klimafolgen sind Arealverschiebungen und Ausbreitungsbewegungen von Tieren und Pflanzen in Richtung Nordosten und die erhöhte Wahrscheinlichkeit von (lokalen) Aussterbeprozessen durch Extremereignisse, wobei diese umso größer sind, je kleiner die einer Population zur Verfügung stehende Fläche ist. Weitere Folgen sind eine veränderte Sensitivität der Schutzgebiete hinsichtlich der Schutzziele "Vorkommen von Arten" (v.a. Gefäßpflanzen und Vögel) und "Qualität der Lebensräume" (Lebensraumtypen im Sinne des Anhangs I der FFH-Richtlinie). Zusätzlich werden die Konsequenzen des Klimawandels für die Ökosystemdienstleistungen betrachtet.

Schritt 2b: Vulnerabilität, Risiken und Chancen

Ansatz und Risiken / Chancen 

Die Vulnerabilität von Naturschutzgebieten hängt auf der einen Seite von der regional Sensitivität von Arten und Lebensräumen gegenüber dem Klimawandel ab. Auf der anderen Seite aber auch von der Formulierung der Schutzziele in den Schutzgebietsverordnungen und ihrer Umsetzung in Pflege-, Entwicklungs- und Managementplänen: Je statischer die Schutzziele definiert sind, desto größer ist das Risiko, dass sie unter Klimawandelbedingungen nicht erreicht werden können. Vulnerabilität integriert somit die Aspekte der Klimafolgen und der Sensitivität mit der Anpassungskapazität im Naturschutz.

Dringlichkeit und Priorisierung von Anpassungsbedarf 

Die Risikoanalyse und -abschätzung soll Gebiete und Maßnahmen identifizieren, in denen bzw. für die vordringlich Handlungsbedarf besteht. Handlungsbedarf besteht zum einen in der Moderation der gesellschaftlichen Diskussion darüber, wie viel Dynamik möglich ist, ohne Naturschutzziele aufzugeben. Zum anderen muss die Durchlässigkeit der Landschaft für wandernde Arten erhöht werden, was alle Landnutzer betrifft (insbesondere Landwirtschaft sowie Stadt- und Verkehrsplanung).

Schritt 3: Maßnahmen entwickeln und vergleichen

Maßnahmen und/oder Strategien 

Es sollen die Grundlagen für ein an den Klimawandel angepasstes Management von Naturschutzgebieten und für einen Verbund von Schutzgebieten geschaffen werden. Dabei soll die ökologische Kohärenz innerhalb Europas gewährleistet werden. Es werden Managementkonzepte ausgewählter Gebiete evaluiert und Empfehlungen zur Anpassung von Naturschutzstrategien gegeben.

Zeithorizont
  • 2036–2065
Konfliktpotential / Synergien / Nachhaltigkeit 

Konflikte bestehen hinsichtlich anderer Raumnutzungsarten wie z.B. durch Verkehrsinfrastruktur zerschnittene Landschaften.

Wer war oder ist beteiligt?

Förderung / Finanzierung 

Bundesamt für Naturschutz (BfN)

Projektleitung 

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)

Beteiligte/Partner 

Umweltforschungszentrum Halle (UFZ);

Johannes Gutenberg Universität Mainz;

Fachhochschule Eberswalde;

Projektbegleitende Arbeitsgruppe mit MitarbeiterInnen des BfN , von Naturschutzverbänden und der Bundesländer;

Zusammenarbeit mit dem Projekt "Modellierung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Flora in Deutschland" und dem EU-Projekt ALARM

Ansprechpartner

PIK – Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
Telegraphenberg A 31
D-14473 Potsdam

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Handlungsfelder:
 Biologische Vielfalt  Raumordnung, Regional- und Bauleitplanung  Verkehr, Verkehrsinfrastruktur