Climate Mainstreaming - Mainstreaming von Klimarisiken und -chancen im Finanzsektor

Hintergrund und Ziele

Der globale Klimawandel birgt für den Finanzsektor erhebliche Risiken, bringt aber auch Chancen mit sich. Einerseits bedrohen Schäden in Milliardenhöhe die Wertentwicklung von Investitionen und Unternehmen; andererseits entstehen aber auch neue Geschäftsfelder. Gelingt es dem Finanzsektor, sich an diese Situation schnell und umfassend anzupassen, können Chancen genutzt werden, die neben effektivem Klimaschutz auch sozialen und ökonomischen Mehrwert sichern. Seit einigen Jahren wird das Thema Klimawandel deshalb zunehmend von institutionellen Investoren, Versicherungen, Vermögensverwaltern und Pensionsfonds bearbeitet.

Ziele:

Finanzdienstleister bei der Integration von Klimaaspekten zu unterstützen und gemeinsam offene Fragen hierbei zu bearbeiten steht bei dem dreijährigen Projekt "Mainstreaming von Klimarisiken und -chancen im Finanzsektor: Klimabezogene Chancen und Risiken in Versicherung, Vermögensverwaltung und Kreditvergabe (mit Schwerpunkt Vermögensverwaltung)" im Vordergrund. Ausgehend vom tatsächlichen Bedarf deutscher Finanzdienstleister werden Lösungsvorschläge für eine angemessene Berücksichtigung klimabezogener Risiken und Chancen bei Unternehmensbewertung, Finanzanalyse, Risikoquantifizierung und -kontrolle und bei Investitionsentscheidung bzw. Vermögensverwaltung erarbeitet. Ziel des Projekts ist die Entwicklung von Instrumenten, Verfahren und Methoden, die es Finanzanalysten, Vermögensverwaltern, Versicherern und Investoren ermöglichen, den Klimawandel bzw. -schutz konsequent zu berücksichtigen; dies gilt sowohl für Vermeidung (Mitigation) als auch für Anpassung (Adaptation).

Laufzeit

bis

Untersuchungsregion/-raum

Land
  • Deutschland
Bundesland
  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Berlin
  • Brandenburg
  • Bremen
  • Hamburg
  • Hessen
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Niedersachsen
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland
  • Sachsen
  • Sachsen-Anhalt
  • Schleswig-Holstein
  • Thüringen

Schritte im Prozess zur Anpassung an den Klimawandel

Schritt 1: Klimawandel verstehen und beschreiben

Ansatz und Ergebnisse 

Beratung durch die "Service Gruppe Anpassung" (SGA) hinsichtlich regionaler Klimamodellierung und regionaler Klimaprojektionen. Auch Projektion z.B. über den zukünftigen Energieverbrauch, die Transportnachfrage und die Ölpreisentwicklung.

Parameter (Klimasignale)
  • Hitzewellen
  • Starkniederschlag (inkl. Hagel, Schnee)
  • Sturm
Weitere Parameter 

insbesondere Veränderung in der Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen

Schritt 2a: Risiken erkennen und bewerten (Klimafolgen/-wirkungen)

Analyseansatz 

Durch den Klimawandel verändern sich klimatische (wie auch politische) Rahmenbedingungen in einem Maße, dass statistische Verfahren und die einfache Fortschreibung bisheriger Trends keine zuverlässigen Rückschlüsse auf künftige Entwicklungen ermöglichen. Dadurch nimmt die Unsicherheit bei Entscheidungen im Finanzsektor zu. Schäden durch den Klimawandel bedrohen dabei die Wertentwicklung, können aber auch neue Geschäftsfelder schaffen.

Im Projektverlauf hat sich bei vielen der Praxispartner eine bemerkenswerte Wende vollzogen: Zu Beginn stand das Interesse an den Risiken des Klimawandels im Vordergrund; anschließend dominierte eher das Interesse an den Chancen. Dabei besteht Bedarf zu prüfen, ob und wie das Bayesianische Risikomanagement dazu beitragen kann, aussichtsreiche Investitionsmöglichkeiten zu identifizieren und zu bewerten.

Schritt 3: Maßnahmen entwickeln und vergleichen

Maßnahmen und/oder Strategien 

Durch die Anwendung von Risikomanagementmethoden (Bayesianisches Risikomanagement) wird eine bessere Bewertung der Folgen des Klimawandels, der Klimapolitik und ihrer finanziellen Implikationen möglich. Die Ergebnisse werden gemeinsam mit ausgewählten Finanzdienstleistern erarbeitet und Finanzmarktakteuren zur Verfügung gestellt, die damit Anpassungsmaßnahmen und Klimaschutz in der Wirtschaft verbessern können.

Ziele:
Ausgehend vom tatsächlichen Bedarf deutscher Finanzdienstleister werden Lösungsvorschläge für eine angemessene Berücksichtigung klimabezogener Risiken und Chancen bei Unternehmensbewertung, Finanzanalyse, Risikoquantifizierung und -kontrolle und bei Investitionsentscheidung bzw. Vermögensverwaltung erarbeitet. Drei Fallstudien dienen der Entwicklung und Implementierung neuer Produkte und Verfahren. Die Ergebnisse der Fallstudien werden vergleichend ausgewertet. Ziel sind Schlussfolgerungen für Produkte und Verfahren für die Praxispartner und andere institutionelle Investoren, die ihre klimabezogenen Risiken im Asset-Management managen wollen.

Um im Rahmen des Projektes die Potenziale innovativer Elicitation-Techniken zu testen, ist eine Plattform für Online-Märkte (PCXtrade) und eine Plattform für Online-Fragebögen (PCXquest) vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) entwickelt worden. Beide sind erreichbar über die integrierende Plattform der Potsdam Climate Exchange (PCX). Auf dieser Onlinemarkt-Plattform können Wertpapiere auf physische, regulative und unternehmensrelevante Klimarisiken mit virtuellem bzw. fiktivem Geld gehandelt werden.

Ein Anwendungsschwerpunkt des Projekts ist das "SuperSmart Grid": Angetrieben von der Nachfrage der Finanzmarktpartner und ausgehend von der Langfristperspektive einer zu 100 Prozent auf erneuerbaren Energieträgern basierenden Energieversorgung Europas, der von der EU als Ziel angepeilten 80-prozentigen Emissionsreduktion bis 2050 (gegenüber 1990), der Notwendigkeit eines robusten Energiesystems sowie der Diversifizierung von Risiken wurde begonnen, Investmentchancen in Innovationstechnologien eines SuperSmart Grid für die Praxispartner zu bewerten.

Zeithorizont
  • 2071–2100 (ferne Zukunft)

Schritt 4: Maßnahmen planen und umsetzen

Kosten 

Zentraler Untersuchungsgegenstand ist die monetäre Bewertung der Folgen des Klimawandels, der Klimapolitik und ihrer finanziellen Implikationen.

Wer war oder ist beteiligt?

Förderung / Finanzierung 

BMBF-Fördermaßnahme "klimazwei - Forschung für den Klimaschutz und Schutz vor Klimawirkungen"

Projektleitung 

Germanwatch e. V.

Beteiligte/Partner 
  • Universität Potsdam, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, European Climate Forum (ECF);
  • Praxispartner:
    Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG, WestLB AG, Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG, Allianz Global Investors und Dt. Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA);
  • weitere Zusammenarbeit:
    Enhanced Analytics Initiative (EAI), Carbon Disclosure Projekt (CDP), Finanzinitiative der Vereinten Nationen (UNEP-FI), Verein für Umweltmanagement in Banken, Sparkassen und Versicherungen (VfU)
Ansprechpartner

Germanwatch e. V.
Dr. Werner-Schuster-Haus, Kaiserstr. 201
D-53113 Bonn

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Handlungsfelder:
 Finanzwirtschaft