Bundesland Sachsen

Die Folgen des Klimawandels sind nicht überall gleich. Auch die daraus resultierenden Anpassungsmaßnahmen unterscheiden sich in den Bundesländern. Hier finden Sie einen Überblick, welche Auswirkungen des Klimawandels in Sachsen erwartet werden und mit welchen Maßnahmen das Bundesland darauf reagiert.

Klimafolgen

Länderspezifische Klimaänderungen

BEREITS AUFGETRETENE UND ERWARTETE KLIMAÄNDERUNGEN

Beobachtungsdaten für Sachsen zeigen für den Zeitraum 1961-2015 eine kontinuierliche Erwärmung in allen Jahreszeiten, mit einer erhöhten Hitzebelastung im Sommer. Die Wintermonate zeigen ausgeprägte dekadische und jährliche Schwankungen für Temperatur und Niederschlag. In der  Vegetationsperiode  I (April bis Juni) können Niederschlagsabnahmen (erhöhtes Trockenheitsrisiko), in der Vegetationsperiode II (Juli bis September) Niederschlagszunahmen beobachtet werden. Letztere korrelieren mit einer Zunahme des Starkregen-Anteils, das heißt trockene Abschnitte werden häufiger von Starkregenereignissen unterbrochen (erhöhtes Erosionsrisiko). Insgesamt nimmt die Häufigkeit und  Intensität von Starkregenereignissen im o.g. Beobachtungszeitraum zu.

Das WEREX V-Ensemble (siehe unten) projiziert bis 2100 im Mittel einen deutlichen Anstieg in den Minimum- und Maximumtemperaturen der bodennahen Luft sowie einen Rückgang von Kälte- und  eine Zunahme von Wärmeperioden. Die Bandbreite der Projektionen steigt mit zeitlich zunehmendem Abstand von der Gegenwart. Die Aktualisierung der Projektionsdaten auf Basis von RCP-Szenarien und unter Nutzung des Klimareferenzdatensatzes Sachsen wird bis Mitte 2018 abgeschlossen (Projekt WMSax2.0).

WICHTIGE STUDIEN UND PROJEKTE

Regionales Klimainformationssystem ReKIS

ReKIS ist ein interaktives Werkzeug zur fachgerechten Bereitstellung, Dokumentation, Bewertung und Interpretation von Klimadaten und Klimainformationen der drei Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Mit Beginn 2018 geht der 'ReKIS-Viewer' als neue Ausbaustufe in den Routinebetrieb. Mit dem 'ReKIS-Viewer' wurde ein entscheidend verbesserter Zugang zu regionalen und flächendifferenzierten Klimadaten und -informationen umgesetzt. Neben Karten und Grafiken  enthält ReKIS Werkzeuge zur Analyse und Bearbeitung von Klimadaten,  Auswertungstools für die Klimadatenanalyse sowie einen Download-Bereich für Analyse- und Projektionsdaten, einschließlich des neuen Klimareferenzdatensatzes Sachsen. Die frei zugängliche Plattform wird kontinuierlich aktualisiert, ergänzt und weiterentwickelt.

Klimareferenzdatensatz Sachsen und Bewertung meteorologischer Datengrundlagen

Das FuE-Projekt umfasste die Bestandsaufnahme der nationalen und landeseigenen Messnetze im Freistaat Sachsen (plus umliegende Randstreifen) sowie eine fachlich fundierte Bewertung der Messrealität (flächenhafte und zeitliche Datenverfügbarkeit). Die Inventur zeigt den als problematisch erachteten starken Rückgang an Niederschlagsstationen des DWD, aber auch die Zunahme der Informationsdichte der sächsischen Landesmessnetze. Dies eröffnet künftig Möglichkeiten einer fachlich zulässigen Ergänzung. Der Klima-Referenzdatensatz Sachsen besteht aus stationsbezogenen Zeitreihen mit Tages- und Monatswerten für die wichtigsten Klimaelemente sowie abgeleitete Klimagrößen und umfasst meteorologische Daten im Zeitraum 1951 bis 2015, die umfangreich geprüft und Lücken gefüllt wurden. Der Datensatz wurde mittels meteorologischer und hydrologischer Ansätze verifiziert. Der Download über ReKIS erfolgt nach wählbaren Qualitätskriterien, die in Abhängigkeit des gewählten Zeitraumes einen Auszug aus dem Klima-Referenzdatensatz bedeuten. Bereitgestellt werden unbearbeitete und bearbeitete Daten sowie eine Kennzeichnung der Daten (data flagging). 

Starkregenanalyse

Im Projekt wurde das Starkregenverhalten in Sachsen auf der Grundlage täglicher Niederschläge (1km-Raster) im Zeitraum 1961 bis 2015 analysiert und bewertet. Die Definition der Starkregenereignisse erfolgte mittels der lokalen 90- und 95-Perzentile im Referenzzeitraum – wie von der WMO festgelegt – 1961-1990. Kernaussagen sind: Auftretenshäufigkeit (mehr) und mittlere Intensität (weniger) von Starkregenereignissen haben zugenommen – ca. 70 % der Fläche Sachsens sind von den Zunahmen betroffen. Die Zunahmen im Jahr sind entscheidend durch die starken und weitgehend flächendeckenden Zunahmen in den Sommermonaten begründet. Aus dekadischen Analysen wurde ein flächenhaft differenziertes Schwankungsverhalten im Auftreten und der mittleren Intensität von Starkregenereignissen sichtbar, dass aber seit Ende der 1980iger/Beginn der 1990iger Jahre und hier insbesondere in den Sommermonaten von einer Niveauverschiebung begleitet ist. Diese Verschiebung geht mit einer Überlagerung des Schwankungsverhaltens durch zunehmende Erwärmung einher. Dieser Temperatureffekt liefert einen deutlichen Hinweis auf die Intensivierung des konvektiven Starkregengeschehens.

WEREX –V-Extreme

Das regionale Klimamodell WEREX dient der Abschätzung zukünftig möglicher Klimarahmenbedingungen im Freistaat Sachsen. Die aktuelle Klimaprojektion „WEREX-V-Ensemble“ (2011) wurde hinsichtlich einer plausiblen Abbildung witterungsbedingter Extreme analysiert. Ziel war die Bewertung für Temperaturextreme, Starkregen und Trockenheit durch einen Vergleich mit der bisherigen Klimaentwicklung, da hier ein erhöhtes Risiko für das Eintreten für Sachsen ermittelt wurde. Die Bewertungskategorien werden durch die Ensemble-Mitglieder in unterschiedlicher Güte abgebildet. Temperatur- und Niederschlagsextreme werden im »WEREX-V-Ensemble« allgemein gedämpft abgebildet. Hierbei gilt: je extremer ein Index, desto schwieriger dessen Abbildung. Das »WEREX-V-Ensemble« simuliert kürzere Trockenperioden häufiger und längere Trockenperioden seltener. Ergänzend erfolgte auch die selektive Abschätzung einer möglichen Entwicklung im 21. Jahrhundert. Die generelle Erhöhung des Temperaturniveaus in Sachsen ist dem »WEREX-V-Ensemble« zufolge geprägt durch stärkere Änderungen in den extremeren Temperaturbereichen, d. h. die Hitze nimmt zu, die Kälte nimmt ab. Darüber hinaus bewirken sowohl abnehmende Niederschlagssummen als auch Niederschlagssummen mit einem erhöhten Starkregen-Anteil - bei gleichzeitig zunehmendem Verdunstungsanspruch der Atmosphäre - eine zunehmende Trockenheit. Insbesondere im Sommerhalbjahr ist zunehmend von längerfristigen Trockenperioden auszugehen.

LÄNDERSPEZIFISCHE KLIMAMODELLE UND KLIMAPROJEKTIONEN

Der Freistaat Sachsen hat Ende der 1990er Jahr aufgrund geographischer und orografischer Besonderheiten die Entwicklung einer auf Wetterlagen basierten Regionalisierungsmethode angestoßen. Das Modell WETTREG betrachtet dabei statistische Zusammenhänge zwischen globalen und lokalen Klimavariablen, indem Daten von Klimastationen statistisch mit großräumigen Wetterlagen verknüpft werden. WETTREG ist eines der vier wichtigsten deutschen Regionalmodelle, dessen sächsische Variante unter dem Namen WEREX läuft.

Das Projekt WEREX V (2011) diente erstmalig der Abschätzung von Spannbreiten der künftige Klimaentwicklung in Sachsen durch Verwendung eines Ensembles verschiedener global-regionaler, teilweise kaskadischer Klimamodellketten für die Region Sachsen und für die SRES-Szenarien E1 und A1B unter Einbeziehung der Regionalmodelle CCLM, RACMO, REMO und WETTREG (insgesamt 23 Modellläufe). Die Projektionen erbrachten plausiblere Ergebnisse insbesondere beim Temperatursignal des Sommers.

Mit dem Projekt WMSax2.0 wird bis 2018 ein aktuelles Ensemble regionaler Klimaprojektionen für Sachsen vorliegen. Die neue Klimaprojektion ergänzt die Ergebnisse des nationalen Vorhabens ReKliEs-De mit einem optimierten und angepassten WEREX-Modell. Dieses ist in der Lage, extreme klimatische Rahmenbedingungen (Extremereignisse) in der Region besser abzubilden. Die Datengrundlage bildet der für Sachsen erzeugte Klimareferenzdatensatz.

Länderspezifische Klimafolgen und Vulnerabilität

BEOBACHTETE UND ERWARTETE KLIMAFOLGEN

Mittlerweile liegen für Sachsen umfangreiche Erkenntnisse zu beobachteten und künftigen Klimafolgen vor. Sektorale Schwerpunkte liegen dabei bislang in den Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasserhaushalt  und -wirtschaft. Auf regionaler und lokaler Ebene existieren darüber hinaus auch integrative Klimafolgen- und Betroffenheitsanalysen Vulnerabilitätsstudien (zum Beispiel für die Planungsverbände Westsachsen und Oberlausitz-Niederschlesien, für die Region Dresden oder einzelne Kommunen wie z.B. Chemnitz oder Zwickau den Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien), die auch detaillierte Risiken des Klimawandels hinsichtlich Gesundheit, Fremdenverkehr, Bauwesen und Siedlungsentwicklung oder Industrie/Gewerbe betrachten.

Bezogen auf das zentrale Schutzgut Wasser können in Sachsen bereits Rückgänge bei der Grundwasserneubildung beobachtet werden, die sich aufgrund der Veränderungen von Niederschlagsregime und Niederschlagsart künftig in ausgewählten Perioden verschärfen könnten. Steigende Niederschlagsdefizite in Zusammenhang mit höherer Verdunstung  werden zur Zeit vor allem in der Vegetationsperiode I (Zeitraum April bis Juni) beobachtet, was in ausgewählten Regionen (Nord- und Ostsachsen) zu sinkender Bodenfeuchte, höherem Winderosionsrisiko, Problemen beim Pflanzenwachstum und damit erhöhtem Ertragsrisiko oder niedrigeren Abflussdargeboten führt. Verbunden mit hohen Wassertemperaturen oder aufgrund hoher Nährstoffeinträgen nach zunehmenden Starkniederschlägen wird der ökologische Zustand von Gewässern beeinflusst, was wiederum auch zu erhöhten Aufwendungen bei der Trinkwasseraufbereitung führt.

Spezifische Probleme können in Sachsen künftig im Zusammenhang mit Flutungen von Tagebaurestseen entstehen. Wassermangel kann auch zunehmend Problemlagen bereiten. Zum Beispiel beim Erhalt von Feuchtbiotopen: die Veränderung von Temperaturniveaus beeinflusst die Artenzusammensetzung, vor allem bei Standortspezialisten, und befördert die Ausbreitung von Neobiota. Generell zeigen Klimaänderungen deutliche phänologische Veränderungen sowohl bei natürlichen als auch bei land- und forstwirtschaftlich genutzten Arten. In Siedlungsbereichen beeinflussen beobachtete und künftige Klimatrends und Extremereignisse zunehmend Infrastruktur wie Wasserver- und -entsorgung, Verkehrsinfrastruktur (insbesondere Schifffahrt) und Gebäudebestände. Steigende thermische Belastungen in Städten wirken auf die Bevölkerung und den städtischen Tourismus. In den Mittelgebirgen deutet die Variabilität bei Winterniederschlägen und Schneedecken auf zunehmende Probleme für den Wintersport, vor allem in niedrigeren Lagen. Ein steigendes Temperaturniveau verringert tendenziell Aufwände für den Heizbedarf von Gebäuden, erhöht aber im Sommer den Klimatisierungsbedarf.

WICHTIGE STUDIEN UND PROJEKTE

Atmosphärisches Konvektionspotential über Sachsen

In Anlehnung an Studien in anderen Bundesländern wird im Projekt das gegenwärtige Gefährdungspotential für Starkregen, Hagel und Blitzschlag erfasst und das Potential unter den zukünftig möglichen Klimarahmenbedingungen (2021/50, 2071/00) abgeschätzt. Berechnungen erfolgen konvektionsbedingt im 1 x 1 km-Raster, die Ausweisung erfolgt in einem 5 x 5 km-Raster. Ergebnisse liegen 2019 vor.

Schneeklimatologie Sachsen

Im Rahmen von zwei Modulen werden aktuelle Grundlagen zur Schneeklimatologie in Sachsen erstellt. Modul A umfasst die Beteiligung an einem geplanten Mehrländerprojekt, das auf die Erstellung einheitlicher Modelldaten für die Analyse der Schneeentwicklung in deutschen Hoch- und Mittelgebirgen und die Nutzung von Fernerkundungsdaten zielt. Modul B ist ausgerichtet auf die Untersuchung der meteorologischen Rahmenbedingungen (Vergangenheit, Zukunft) für ausgewählte Fragestellungen in Sachsen. Diese sind u. a. Bedingungen für natürlichen und technischen Schnee, die Entwicklung von Wasseräquivalenten oder Schneelasten an Bäumen sowie die Thematik Kahlfröste in der Landwirtschaft.

Meteorologische Trockenheit

Die Analyse der Thematik Trockenheit in Sachsen erfolgt in einem mehrstufigen Prozess. 2014 wurde zunächst ein umfassender Überblick über den aktuellen Wissensstand zu u. a. meteorologischen, hydrologischen, landwirtschaftlichen Trocken-/Dürreindizes und  monitoring erarbeitet. Weiterhin erfolgte eine Einschätzung der Anwendbarkeit (d. h. Datenanforderung, Aussagekraft) in Sachsen. Bis 2016 wurden die bislang vereinzelten Analysen in flächenhafte Aussagen zu ausgewählten Trockenindizes für Sachsen überführt. Zudem wurde ein Konzept für eine verbesserte Erfassung und Charakterisierung von Trockenheit in Klimafolgenbereichen (Impact: Landwirtschaft, Hydrologie u. a.) erstellt. Ab 2018 werden im Zusammenhang mit den neuen Klimaprojektionen für Sachsen die atmosphärischen Rahmenbedingungen („Türöffner“) für das Thema Trockenheit untersucht. 

Entwicklung und Erprobung eines integrierten Regionalen Klimaanpassungsprogramms für die Modellregion Dresden (REGKLAM)

Im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme KLIMZUG wurden für die Region Dresden regionalspezifische Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt. Auf Basis eines breit angelegten Untersuchungsansatzes wurden alle relevanten Themenbereiche für Siedlungsgebiete betrachtet und in Ihrer Gesamtheit in ein integriertes Regionales Klimaanpassungsprogramm für die Modellregion Dresden eingebunden.

Deutsch-polnisches Forschungsvorhaben KLAPS und NEYMO, deutsch-tschechisches Forschungsvorhaben INTERKLIM

Innerhalb des EU-Programms INTERREG IV A wurden für den sächsisch-polnischen Grenzraum zwei bilaterale Projekte initiiert, die auf Basis gemeinsamer regionaler Klimaprojektionen unter Nutzung von RCP-Szenarien spezifische Folgen des Klimawandels näher untersuchen. Das Projekt KLAPS beleuchtet insbesondere Fragen grenzüberschreitender Transporte von Luftschadstoffen, die überregionale Beeinflussung ökologischer Belastungsgrenzen sowie den Einfluss sich ändernder klimatischer Bedingungen auf die Bevölkerung und den Tourismus. Das Projekt NEYMO konzentriert sich auf die grenzübergreifende Modellierung der klimatischen und hydrologischen Verhältnisse der Lausitzer Neiße. Im Projekt INTERKLIM wurden erstmalig gemeinsame grenzüberschreitende regionale Klimadiagnosen und Klimaprojektionen erarbeitet.

Regionale Vulnerabilitätsstudien für Westsachsen und Ostsachsen

Im Rahmen zweier Studien wurden seitens der Planungsverbände Westsachsen und Oberlausitz-Niederschlesien integrative Risikobetrachtungen durchgeführt. Als Modellvorhaben der Raumordnung untersuchte die Vulnerabilitätsanalyse in Westsachsen Auswirkungen von Hitzebelastungen, Starkregen, Hochwasser und das sommerliche Wasserdargebot auf Land- und Forstwirtschaft, Natur, Erholung und Wasserver- und -entsorgung. Die Analyse in Ostsachsen wählte gleiche Schwerpunkte, verzichtete aber auf die Betrachtung der Thematik thermische Belastung.

LÄNDERSPEZIFISCHE WIRKMODELLE

Abschätzung der Auswirkung der für Sachsen prognostizierten Klimaveränderungen auf den Wasser- und Stoffhaushalt in den Einzugsgebieten der sächsischen Gewässer (KLIWES):
Im Rahmen von KLIWES erfolgen für Gesamt-Sachsen Berechnungen des unbeeinflussten und beeinflussten Wasserhaushalts für den Ist-Zustand und unter Klima- und Landnutzungsszenarien. Hierbei werden Aussagen der Klimamodelle (WEREX V) mit Wasserhaushaltsmodellen (ArcEGMO) und Modellen zur Simulation von Stoffflüssen („Stoffbilanz“) verknüpft. Ergebnisse des Vorhabens wurden in das Wasserhaushaltsportal integriert.

Anpassung

Politischer Rahmen

STRATEGIEPAPIERE ZUR KLIMAANPASSUNG UND AKTUELLE ENTWICKLUNGEN

Energie- und Klimaprogramm Sachsen (EKP)

Das EKP enthält eine mittelfristige strategische Planung für die Energie- und Klimapolitik der Sächsischen Staatsregierung bis 2020. Das Programm führt Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel zusammen. Schwerpunktstrategien im Bereich Klimawandel sind die Klimaanalyse, die Bereitstellung von Klimawissen, die Ermittlung und Abschätzung von Klimafolgen sowie die Entwicklung von sektoralen und integrativen Anpassungsstrategien. Der Anhang des EKP umfasst einen Maßnahmenplan unter anderem mit Maßnahmen im Bereich der Klimaanpassung.

Landesentwicklungsplan Sachsen 2013 (LEP)

Der Landesentwicklungsplan enthält Grundsätze und Ziele zur räumlichen Ordnung und Entwicklung. Integriert wurde in den notwendigen Umweltbericht auch ein sogenannter Klimacheck, der den Beitrag des LEP 2013 zur Unterstützung und Entlastung der Landesentwicklung hinsichtlich der Folgen des Klimawandels prüft, im Sinne einer vorsorgenden Anpassung an die sich abzeichnenden Klimaveränderungen. Der LEP empfiehlt unter anderem die Erarbeitung Regionaler Klimaanpassungskonzepte. Darüber hinaus werden konkrete inhaltliche Impulse für die Klimaanpassung gegeben.

MONITORING- ODER EVALUATIONSPROZESSE DER STRATEGIEN

Das Klimafolgenmonitoring in Sachsen ist eine Aktivität im Maßnahmenplan zum aktuellen Energie- und Klimaprogramm. 2012 wurde eine erste Stufe zum Monitoring etabliert, die jährlich aktualisiert und ergänzt wird. Diese beinhaltet Indikatoren zu Klimafolgen (»impacts«) für die Themen Biodiversität, Land- und Forstwirtschaft, Wasserhaushalt/-wirtschaft und Boden. Ergänzt wurden 2015 drei Statusindikatoren zur Klimaentwicklung. Indikatoren aus dem Nicht-Umweltbereich und zu Anpassungsmaßnahmen sollen ergänzt werden. Es bestehen Schnittmengen zum Monitoring im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie.

Länderspezifische Anpassungsmaßnahmen

WICHTIGE STUDIEN UND PROJEKTE ZU ANPASSUNGSOPTIONEN/-MASSNAHMEN

Integrative Strategien zur Klimaanpassung liegen für den Freistaat Sachsen nicht vor. Grundlage für die Anpassungspolitik ist das Energie- und Klimaprogramm des Freistaates Sachsen. Für ausgewählte Fachthemen im Umweltressort des Freistaat Sachsen (u. a. Landwirtschaft, Frostwirtschaft, Wasserhaushalt) liegen Strategien mit integrierten Maßnahmenbereichen vor. Eine Übersicht zum Stand der Anpassung in Sachsen findet sich in der Veröffentlichung „Klimawandel in Sachsen - wir passen uns an“ (2015). Einen wichtigen Schwerpunkt bildet zurzeit die Klimaanpassung in Kommunen.

LIFE LOCAL ADAPT - EU-Projekt zur Integration des Themas Klimaanpassung in kommunale Verwaltungen
Damit Kommunen zukunftsfähige Strukturen entwickeln können, müssen sie sich bereits heute auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten. Im Rahmen des EU-Projektes LIFE LOCAL ADAPT (2016-2021) werden kleine und mittlere Kommunen bei Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) beraten und unterstützt. Aktivitäten im Vorhaben umfassen

  • die Vermittlung praxisnahen Wissens zur Klimaanpassung in kommunalen Aufgabenbereichen,
  • die Ergänzung kommunaler Ressourcen zur Integration von Klimaanpassungsaktivitäten sowie
  • die finanzielle Unterstützung zur Umsetzung konkreter Klimaanpassungsmaßnahmen im Rahmen zweier Wettbewerbe.

SCHLÜSSELMASSNAHMEN IN DEN AKTIONSPLÄNEN

Der Maßnahmenplan zum Energie- und Klimaprogramm des Freistaates Sachsen enthält übergreifende und strategische Maßnahmen im Bereich der Klimaanpassung.

Zu den übergreifenden Maßnahmen gehören u. a.

  • Trendanalysen regionaler Klimaveränderungen,
  • die Analyse von Extremereignissen und ihrer künftigen Potenziale,
  • die Modellierung der künftigen Klimaentwicklung mittels Ensembleansätzen oder
  • die landesweite Analyse und Bewertung der Verwundbarkeit (Vulnerabilität) durch den Klimawandel.

Im Rahmen der Strategie „Klimaentwicklung beobachten und Klimawissen bereitstellen“ erfolgt

  • die Weiterentwicklung des Regionales Klima-Informationssystem REKIS,
  • die Vernetzung von weiteren Akteuren im Klima-Netzwerk Sachsen oder
  • der Ausbau der länderübergreifenden Zusammenarbeit und Kooperation mit PL und CZ.

Die Strategie „Betroffenheiten ermitteln, Klimafolgen abschätzen und Anpassungsstrategien entwickeln“ umfasst u. a.

  • den Ausbau des Klimafolgenmonitorings für Sachsen,
  • die (Weiter-)Entwicklung von Maßnahmen zur Vorbeugung gesundheitlicher Schäden oder
  • die regionalplanerische Sicherung der Ziele zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels.

Unter die Strategie „Forschung fördern, Bildung erweitern und Kooperation ausbauen“ fallen Aktivitäten wie

  • Fortentwicklung der Lehrpläne aller Schularten zum Thema Klima und Energie oder
  • die Profilierung sächsischer Schulen als Klimaschulen oder
  • ein Konzept für die fächerübergreifende Lehrerfortbildung zum Thema Klima oder
  • die Unterstützung der Nutzung der Ergebnisse des KLIMZUG-Verbundprojektes REGKLAM.

Lokale Maßnahmen

NETZWERKE UND KOOPERATIONEN

Klima-Netzwerk Sachsen (KliNeS)

Das Klima-Netzwerk Sachsen ist ein Gremium von Akteuren aus Landesfachbehörden und -betrieben, aus Wirtschaft und Wissenschaft. Im Sinne einer Denkfabrik werden aktuelle und zukunftsweisende Fragen zum Komplex “Regionaler Klimawandel“ – von der Klimaforschung über den Klimaschutz bis zur Klimaanpassung diskutiert. Das Klima-Netzwerk Sachsen erarbeitet Vorschläge für Zukunftsstrategien und deren Entwicklung für den Freistaat Sachsen.

Lokale Netzwerke sind nicht bekannt. Bezüglich regionaler Netzwerke wird auf das Projekt REGKLAM verwiesen; im EU-Projekt LIFE LOCAL ADAPT ist eine Vernetzung von lokalen Akteuren vorgesehen.

ANPASSUNGSSTRATEGIEN UND -KONZEPTE EINZELNER STÄDTE ODER KOMMUNEN

Bezüglich Dresden wird auf das Projekt REGKLAM und das integrierte Klimaanpassungsprogramm verwiesen

Chemnitz besitzt ein Integriertes Klimaschutzprogramm, das auch die Themen Klimawandel und Klimafolgen betrachtet. Seit Ende 2012 besteht eine Handlungsgrundlage für Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen.

Chemnitz und Delitzsch sind zudem Kommunen im Rahmen des Modellvorhabens European Climate Award (eca), einem prozessbasierten Qualitätsmanagement- und Zertifizierungsverfahren für die Kommunale Klimafolgenanpassung, welches durch den Freistaat Sachsen gefördert wurde. Der eca benötigt für die Umsetzung der Klimaanpassung eine lokale Vernetzung von Akteuren.

Zwickau hat 2015/16 eine Klimaanpassungsstrategie mit Vulnerabilitätsanalyse erarbeitet und veröffentlicht. Sie enthält 40 Maßnahmenvorschläge in sieben kommunalen Handlungsfeldern.

Wichtige Institutionen und Ansprechpartner

  1. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Referat Klima, Luftqualität

    Ansprechpartner:
    Frau Uta Schmieder, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Referat 51 (Klima, Luftqualität), Uta-Schmieder [at] smul [dot] sachsen [dot] de

  2. Sächsisches Staatministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Referat 52

    Ansprechpartner:
    Herr Andreas Völlings, Sächsisches Staatministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Referat 52 (Gebietsbezogener Immissionsschutz, Klimaschutz), andreas [dot] voellings [at] smul [dot] sachsen [dot] de

  3. TU Dresden, Fakultät Umweltwissenschaften, Professur für Meteorologie, Herr Prof. Bernhofer

  4. TU Bergakademie Freiberg, Interdisziplinäres Ökologisches Zentrum, Herr Prof. Matschullat

  5. Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, Dresden
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