Chemie im Garten, nein danke!

Nacktschnecke frisst am Blattzum Vergrößern anklicken
Nacktschnecken können im Garten eine wahre Plage sein
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Weniger Chemie im Garten gibt Nützlingen eine Chance. Alte Regeln aus dem Bauerngarten helfen gegen Schädlinge.

Gärtner suchen Erholung in ihrem selbst geschaffenen Refugium, wollen gesundes Obst und Gemüse ernten. Damit das Ernteergebnis üppig ausfällt, greifen viele zu Pestiziden, die allerdings nicht nur die Schädlinge töten, sondern auch alle anderen Arten in Mitleidenschaft ziehen.

Pestizide, also Herbizide zur Unkrautbekämpfung und Insektizide zur Bekämpfung von Insekten wie Blattläusen oder Ameisen werden noch allzu häufig in Privatgärten eingesetzt. Dabei sind alte Regeln aus dem Bauerngarten sehr wirksam. Viele Pflanzen wehren Schädlinge ab: Pfefferminze beispielsweise wirkt gegen den Kohlweißling, der Kohlpflanzen geradezu kahl fressen kann. Pflanzen, die zwischen andere gepflanzt werden, schützen sich auch gegenseitig. Beispielsweise verhindern Zwiebeln und Knoblauch Pilzerkrankungen an Erdbeeren und schützen allgemein vor Mehltau. Möhren und Lauch verhindern gegenseitig den Befall durch Möhren- und Zwiebelfliege, Blattläuse verschwinden von Rosen, wenn Lavendel in der Nähe wächst.

Gegen die Pilzart Monilia, die Spitzendürre und Fruchtfäule an Bäumen verursacht, helfen andere Pflanzen nicht. Auch die chemischen Möglichkeiten sind sehr eingeschränkt. Befallseinschränkend wirkt, befallene Zweige abzuschneiden und verfaulte Früchte einzusammeln sowie diese dann mit Erde abgedeckt zu kompostieren.

Um Pilzerkrankungen von vornherein vorzubeugen, ist die Wahl eines geeigneten Standortes das A und O. Pilzanfällige Pflanzen sollten immer möglichst sonnig und luftig, d.h. so stehen, dass der Wind gut durchwehen kann. Rosen zum Beispiel sollten möglichst in der prallen Sonne und mit großzügigem Abstand stehen, so dass nach einem Regen die Blüten und Blätter schnell wieder abtrocknen und eine möglicherweise mit Pilzen befallene Pflanze die anderen nicht ansteckt.

Gegen „Unkraut“ wirkt statt der Pestizide das regelmäßige Behacken der Beete. Dabei wird auch gleich der Boden gelockert und belüftet. Dies beugt außerdem einem Schneckenbefall vor, da sich einige Nacktschnecken tagsüber und im Winter im Boden verkriechen. Ein Staudenbeet verhindert die Ansiedelung von Unkräutern durch den hohen Bodenbedeckungsgrad, sieht schön aus und sorgt dafür, dass der Boden länger feucht bleibt.

Nicht alle Tiere im Garten sind Schädlinge. Bekannt sind die Marienkäfer, die Blattläusen zu Leibe rücken oder Bienen und Hummeln, die die Blüten bestäuben. Auch Nützlinge wie Spinnen und Frösche sollten nicht beseitigt werden. Um Nützlingen ein Heim zu bieten, kann zum Beispiel ein Insektenhotel angelegt werden. Viele Vögel – zum Beispiel Meisen oder Amseln - fressen gerne Insekten. Fühlen sich also Vögel im Garten wohl, ist die Gefahr einer „Schädlingsplage“ gering.

Dagegen können Nacktschnecken eine echte Plage sein. Sie verfügen über einen erstaunlichen Appetit, fressen manche Stauden und Gemüsepflanzen nahezu kahl. Da sie Feuchtigkeit benötigen, sollten Gemüsebeete möglichst sonnig angelegt werden. Ein Schneckenzaun verhindert dauerhaft, dass hungrige Schnecken übers Gemüse herfallen. Bierfallen locken sie an, wo sie dann ertrinken. Eine Bierfalle sollte jedoch nur in einem abgegrenzten Bereich eingesetzt werden, sonst wandern auch noch die Schnecken aus Nachbars Garten ein und fallen über die Beete her. Auf Salz zur Bekämpfung sollte generell verzichtet werden - es kann Pflanzenwurzeln schädigen, Verdichtungen und Verkrustungen im Boden verursachen und dazu führen, dass sich statt Gemüsepflanzen auf einmal salzliebende Pflanzenarten im Beet wohlfühlen. Wird es versehentlich auf Blätter geworfen, können zudem Verbrennungen die Folge sein. Nicht zuletzt ist die Anwendung von Salz durch das Pflanzenschutzgesetz verboten. Auch vom Schneckenkorn mit dem Wirkstoff Metaldehyd ist abzuraten, da für Vögel und Kleinsäuger die Gefahr besteht, die Körner mit ihrer eigentlichen Nahrung zu verwechseln. Dadurch können sich diese Tiere vergiften. Bodenbearbeitung und Einsammeln der Schnecken ist noch immer die effektivste Methode.