Sonderpreis Nachhaltigkeit und Innovation

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Beim Sonderpreis gibt es die Kategorien Resilienz, Suffizienz, Gebäudehülle & Bauprodukt, Stadtnatur
Quelle: Artur Debat / Moment / GettyImages

Für besonders innovative und nachhaltige Lösungen werden Sonderpreise vergeben. Die Projekte sollten beispielhaft sein für die Anpassung an den Klimawandel (Resilienz), das Reduzieren der Ansprüche auf das richtige Maß (Suffizienz), für innovative und ressourcenschonende Bauprodukte und Baukonstruktionen oder für die Förderung der biologischen Vielfalt in der Stadt.

Inhaltsverzeichnis

 

Mindestanforderungen

Zur Sicherstellung einer Mindestqualität des Sonderpreises gelten folgende Mindestanforderungen:

  • Ausgezeichnet werden eine konsequente und beispielgebende Berücksichtigung von Resilienz und Suffizienz, der Einsatz innovativer Bauprodukte oder die Realisierung innovativer Baukonstruktionen. Die Jury kann ebenfalls Projekte aus Bewerbungen für die Wettbewerbskategorien für einen Sonderpreis vorschlagen.
  • Gebäude aus Projekten, die sich bewerben, müssen fertiggestellt sein und den Betrieb aufgenommen haben. Bauprodukte und -konstruktionen müssen eingeführt und erprobt sein. Erstanwendungen in Erprobung werden nicht zugelassen.
  • Der Primärenergiebedarf unterschreitet den Wert des Referenzgebäudes um 45 % = Standard KfW -Effizienzhaus 55 (d. h. der Primärenergiebedarf beträgt max. 55 % von dem des Referenzgebäudes)
  • Die verwendeten Baustoffe und Bauprodukte wurden dokumentiert und es sind darin keine besonders kritischen Stoffe enthalten.
  • Artenschutzrelevante Maßnahmen bei Neubau oder Sanierungen erfolgten auf Initiative der Bauherren und gehen über behördliche Auflagen hinaus.

Die letzten beiden Anstriche gelten nur sofern zutreffend.

 

Wettbewerbskategorie RESILIENZ

In dieser Wettbewerbskategorie werden innovative Projekte für klimarobustes Bauen und Sanieren ausgezeichnet. Gesucht werden innovative Konzepte und Realisierungen, die beispielgebend sind in ihrem Entwurf, der Planung, Bauausführung oder der technischen Ver- und Entsorgung als Reaktion auf durch den Klimawandel verursachte Wetterereignisse. Klimaangepasstes Bauen dient der Eigensicherung der Bürgerinnen und Bürger und soll vor den Gefahren schützen. Das gilt für Leib und Leben ebenso wie für Gebäude und Bauwerke. Die Fähigkeiten, Potenziale und die Kompetenz, mit Gefahren und Bedrohungen erfolgreich umzugehen, wird als Resilienz bezeichnet.

Besonderes Augenmerk gilt der integralen Planung, die bereits in frühen Phasen die Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigt:

  • durch die Auseinandersetzung mit prognostizierten zukünftigen Klimadaten
  • die Berücksichtigung der Auswirkungen von Extremereignissen am Mikrostandort (unmittelbare Umgebung eines Gebäudes)
  • durch die Durchführung einer Risikoanalyse für verschiedenste Gefährdungsszenarien
  • durch die Entwicklung und Realisierung baulicher und gebäudetechnischer Maßnahmen zur Kompensation von Klimaextremen
  • durch Strategien mit Planungsvorgaben, die im Rahmen der Entwicklung von Vorgaben, z. B. Bebauungsplänen, entwickelt werden
 

Wettbewerbskategorie SUFFIZIENZ

In dieser Wettbewerbskategorie sind Projekte gesucht, die mit einer zielgerichteten Suffizienzstrategie und einfachen und robusten Lösungen beispielgebend sind: durch weniger Flächen- und Ressourcenverbrauch pro Person oder einfache technische Lösungen, die auf reduzierte Nutzeransprüche flexibel reagieren. Es geht um Beiträge, die sich durch eine konstruktive Auseinandersetzung mit technologischen Niveaus und den Aspekten der Suffizienz auszeichnen. Ziel ist es, stärker als bisher, Technikfolgen im Planen und Bauen zu berücksichtigen. Besonderes Augenmerk liegt auf der Berücksichtigung des Lebenszyklus eines Gebäudes, seiner Bauteile und der Gebäudetechnik in Bezug auf:

  • Komplexität, Robustheit und Suffizienz
  • funktionales Gebäudekonzept, Baukonstruktion und Baustoffe, Energieeffizienz
  • Herstellung, Nutzung und Betrieb des Gebäudes
 

Wettbewerbskategorie GEBÄUDEHÜLLE & BAUPRODUKT

Diese Wettbewerbskategorie zeichnet Bauprodukte, Baukonstruktionen, Fassadenelemente oder die Gebäudehülle aus, die im Bereich des nachhaltigen Bauens, der Ressourcenschonung und der Energieeffizienz beispielgebend sind. Gesucht sind ökologisch und gesundheitlich besonders vorteilhafte Bauweisen und Innovationen für die Realisierung oder Sanierung architektonisch anspruchsvoller Gebäude. Die Bauprodukte oder Konstruktionen müssen sich als Vorbild und Anregung für andere Bauherren eignen. 

Besonderes Augenmerk gilt den zwei Themenfeldern „Gebäudehülle“ und „Bauprodukt“:

GEBÄUDEHÜLLE (mit Dach, Außenwänden über und im Erdreich und Fundament)

  • innovative Materialien in der Fassade um thermischen, visuellen, hygienischen und akustischen Anforderungen zu entsprechen
  • einfache und möglichst zerstörungsfreie Trennbarkeit der Bauteilschichten
  • einfache Konstruktionsprinzipien zur Aufwandsminimierung bei Herstellung, Montage, Wartung und Rückbau
  • zusätzliche Funktionen der Gebäudehülle: Lüftung, Heizung, Kühlung, Verschattung, Tageslichtnutzung, Energieerzeugung, Regenwasseraufnahme, -abführung, Begrünung etc.

BAUPRODUKT

  • Verwendung von Baustoffen und Materialien, die bei der Herstellung, Verarbeitung, Nutzung und Entsorgung, den Menschen und seine Umwelt nicht schädigen
  • minimierter Ressourcenverbrauch für die Herstellung der Baustoffe und Bauprodukte durch die Verwendung umwelt- und ressourcenschonender Stoffe
  • einfache und sortenreine Trennung von Baustoffen bei Rückbau (aus Bauteilen oder Gebäuden)
 

Wettbewerbskategorie STADTNATUR

Der Sonderpreis „Stadtnatur“ honoriert Bauvorhaben, die Aspekte der Biologischen Vielfalt in besonderer Weise berücksichtigen und damit einen substanziellen Beitrag zum Schutz und zur Umsetzung von Stadtnatur leisten. Damit unterstützt der Sonderpreis „Stadtnatur“ die Ziele verschiedener nationaler Strategien und Maßnahmenprogramme. 

Um deren übergeordnete Ziele und damit den Schutz und die Entwicklung der Biologischen Vielfalt auch in Städten und Kommunen erreichen zu können, sind vielfältige Maßnahmen erforderlich. Verschiedene Habitatstrukturen im besiedelten Bereich wie Hecken, Mauern oder Brachen dienen Tieren als Lebensraum, Nist- und Ruheplatz oder Versteckmöglichkeit. Deren Erhalt und Entwicklung tragen damit zum Schutz der Biodiversität bei. Zum Schutz der Biologischen Vielfalt gehört auch, dass eine Gefährdung der Flora und Fauna durch die Bebauung verhindert wird. Unter anderem können z. B. Glasbauten oder gläserne Gebäudeteile eine Gefährdung für Vögel – durch Vogelschlag.- darstellen. Dies lässt sich jedoch durch geeignete Gegenmaßnahmen verhindern. Gleichzeitig ist es wichtig, auch neue Lebensräume und Habitatstrukturen am sowie im Umfeld von Gebäuden sowie im gesamten Gebiet der Kommune zu entwickeln. Dabei ist von besonderer Bedeutung, dass die Umsetzung von Maßnahmen am und im Umfeld von Gebäuden einem integrativen Ansatz folgt. Eine alleinige Reduzierung auf Stadtgrün oder Habitatansprüche von Tierarten greift eindeutig zu kurz. Um Stadtnatur in ihrer Gesamtheit zu unterstützen, müssen Tiere und Pflanzen sowie deren Lebensräume immer zusammen betrachtet werden. So sind etwa Nisthilfen an Gebäuden nur dann sinnvoll, wenn die umgebenden Außenanlagen so gestaltet sind, dass die Tierarten (z. B. Fledermäuse) dort auch ein ausreichendes Nahrungsangebot vorfinden können. 

Konkret bedeutet das, dass keine Maßnahmen ausgezeichnet werden sollten, die nur das Gebäude oder nur das Wohnumfeld in den Blick genommen haben. 

Um diesem Ansatz gerecht zu werden, ist ein integriertes Vorgehen unter Berücksichtigung der spezifischen Habitatansprüche der Tierarten notwendig. Entsprechend ist es erforderlich, dass Bauherren, Architektinnen und Architekten sowie Planerinnen und Planer von Anfang an mit ökologischen Baubegleiterinnen und Baubegleitern und / oder Artenschutzexpertinnen und -experten zusammenarbeiten.

Der Sonderpreis „Stadtnatur“ honoriert Bauvorhaben, die:

  • Tier- und Pflanzenansprüche in allen Planungs- und Umsetzungsphasen von Gebäuden sowie deren Außenanlagen integrieren und berücksichtigen,
  • die Entwicklung eines umfassenden Artenschutz- und Pflegekonzeptes unterstützen, 
  • die unter Verwendung biodiversitätsfreundlicher Materialien und Installationssysteme entstehen,
  • eine biodiversitätsfreundliche Umsetzung des Bauvorhabens, die über die rechtlichen Anforderungen hinausgeht, und 
  • Stadtnatur im Zusammenhang mit weiteren Funktionen urbanen Grüns fördern.
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Schlagworte:
 Nachhaltiges Bauen