PFC im Grundwasser

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Quelle: Jörg Rechenberg / UBA

In Deutschland erfolgt derzeit noch kein einheitliches flächendeckendes Monitoring von PFC an Grundwassermessstellen. Derzeit werden in 15 Bundesländern anlassbezogen PFC im Grundwasser untersucht. Diese Untersuchungen finden in der Regel an Messstellen statt, in deren Einzugsgebiet PFC-Belastungen bekannt sind wie z.B. in der Nähe von Militär- und Industriestandorten, Brandflächen oder Flughäfen.

Dort ist die Ursache von PFC Funden im Grundwasser meist die Verwendung PFC-haltiger Löschschäume aus Feuerwehreinsätzen. Aber auch Abwässer und Klärschlamm können als Quelle für eine Grundwasserbelastung in Frage kommen.

Überregional von Bedeutung für das Grundwasser waren in Deutschland bisher folgende PFC-Schadenfälle:
In Rastatt in Baden-Württemberg wurde im Jahr 2013 bekannt, dass mehr als 700 Hektar Ackerfläche durch PFC-belasteten Papierschlamm, der kompostiert und dann als Dünger auf landwirtschaftlichen Flächen zum Einsatz kam, kontaminiert wurden. Die Belastung konnte in Boden-, Grund- und Trinkwasserproben nachgewiesen werden. Weitere Informationen zur PFC Belastung in der Region hält die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg unter folgendem Link bereit:
http://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/270547/pfc-eintraege_in_boeden_durch_kompost_und_klaerschlamm.pdf?command=downloadContent&filename=pfc-eintraege_in_boeden_durch_kompost_und_klaerschlamm.pdf
Im Chemiepark Gendorf (Bayern) wurde seit Ende der 1960er Jahre bis 2008 Perfluoroktansäure (PFOA) zur Produktion von Fluorpolymeren verwendet. Durch die langjährige Produktion liegen im unmittelbaren Umfeld des Chemieparks großflächige Belastungen vor und es wurden erhöhte Werte für PFOA in Grund- und Trinkwasserproben nachgewiesen. Weitere Informationen zu diesem Fall sind auf der folgenden Seite des Bayerischen Landesamtes für Umwelt zu finden: https://www.lfu.bayern.de/altlasten/pfoa_gendorf/index.htm
In Düsseldorf haben PFC-haltige Löschmittel der Flughafenfeuerwehr über viele Jahre zu Kontaminationen des Grundwassers geführt. Darüber informiert die Stadt Düsseldorf auf folgender Internetseite: https://www.duesseldorf.de/umweltamt/umweltthemen-von-a-z/altlast/pft-grundwasserverunreinigung.html
Die Stoffgruppe der PFC ist bisher nicht Teil des Standardmessprogrammes in der Grundwasserüberwachung der Länder. Dennoch haben einige Bundesländer bereits umfassende Auswertungen vorgenommen. So zum Beispiel Bayern (https://www.lfu.bayern.de/analytik_stoffe/per_polyfluorierte_chemikalien/index.htm ), Baden-Württemberg (https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/wasser/pfc-karten-online ) und Nordrhein-Westfalen (https://www.lanuv.nrw.de/fileadmin/lanuv/altlast/20171214_Ergebnisbericht_PFC_in_Boden_und_Grundwasser.pdf ).


Für sieben PFC mit vorliegenden Leitwerten für das Trinkwasser haben die Bund-Länder Arbeitsgemeinschaften Wasser (LAWA) und Boden (LABO) Geringfügigkeitsschwellenwerte für das Grundwasser (GFS) abgeleitet (s. Tabelle).

Die Geringfügigkeitsschwelle bildet die Grenze zwischen einer geringfügigen Veränderung der chemischen Beschaffenheit des Grundwassers und einer schädlichen Verunreinigung. Sie wird definiert als Konzentration, bei der trotz einer Erhöhung der Stoffgehalte gegenüber regionalen Hintergrundwerten keine relevanten ökotoxischen Wirkungen auftreten können und die Anforderungen der Trinkwasserverordnung oder entsprechend abgeleiteter Werte eingehalten werden.

Auf europäischer Ebene beschäftigt sich derzeit eine Expertengruppe damit weitere Stoffe zu identifizieren, die unter der EU-Grundwasserrichtlinie europaweit geregelt werden sollten. Darunter auch PFC. Der Arbeitsstand ist in folgender Präsentation zusammengefasst (englisch): https://circabc.europa.eu/sd/a/f1492eab-80f5-4b95-8cdf-4c88500e223f/GW%20Watch%20List%20(WG%20Chemicals%20-%20Brussels%2009.01.2019).pdf

Eine Tabelle
Tabelle: PFC im Grundwasser
Quelle: LAWA/LABO 2017
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