Mikropartikel aus Farben und Lacken in der südlichen Nordsee

Der Schiffsverkehr kann eine wesentliche Quelle für winzige, im Meer treibende Kunststoffteilchen sein, insbesondere auf dem offenen Meer. Umweltchemiker vom Institut für
Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg liefern erstmals einen Überblick über die Mikroplastik-Verteilung in der Nordsee.

In Wasserproben, die das Team in der Nähe wichtiger Schifffahrtsstraßen in der Deutschen Bucht nahm, fanden die Forscher vor allem Plastikteilchen, die Bindemitteln von Schiffsanstrichen entstammen.
 „Wir nehmen an, dass Schiffe im Wasser eine Art ‚Bremsspur‘ hinterlassen, die als Quelle von Mikroplastik eine ähnlich große Bedeutung hat wie der Reifenabrieb von Autos an Land“, so die Forscher. Das Ergebnis lege nahe, dass deutlich mehr Mikroplastik direkt auf See entsteht als bislang vermutet. Allein in der Europäischen Union gelangen Untersuchungen zufolge jedes Jahr mehrere tausend Tonnen Farbe in die Meeresumwelt. Mit potentiell umweltschädlichen Folgen: Schiffsanstriche enthalten Schwermetalle und weitere Zusatzstoffe, die für viele Lebewesen giftig sind. Diese Antifouling-Komponenten zielen darauf ab, unerwünschten Bewuchs zu verhindern und werden durch Wind und Wellen ständig von den Schiffsrümpfen abgeschmirgelt.
(Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg, 23.02.2021)

Pressemitteilung der Universität Oldenburg vom 23.02.2021
https://www.presse.uni-oldenburg.de/mit/2021/025.html

Originalpublikation: Dibke, C., Fischer, M. und B. M. Scholz-Böttcher (2021): Microplastic Mass Concentrations and Distribution in German Bight Waters by Pyrolysis-Gas Chromatography-Mass Spectrometry/Thermochemolysis Reveal Potential Impact of Marine Coatings: Do Ships Leave Skid Marks?, Environ. Sci. Technol. 55(4): 2285–2295. https://doi.org/10.1021/acs.est.0c04522

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 Mikroplastik  Antifoulingfarbe