LW-R-3 + 4: Anpassung des Sortenspektrums, Maissorten nach Reifegruppen

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

LW-R-3: Anpassung des Sortenspektrums

Mit steigenden Wärmesummen erlangen auch besonders wärmeliebende Rotweinsorten in deutschen Anbauregionen Anbaueignung. Die Anbaufläche der international beliebten Rotweinsorten Merlot und Cabernet Sauvignon bewegt sich zwar noch auf einem geringen Niveau, ist aber signifikant im Anstieg begriffen.

Die Linien-Grafik zeigt von 1970 bis 2017 die Abweichung des Huglin-Index vom langjährigen Mittel 1961 bis 1990 in Prozent. Die Zeitreihe zeigt mit deutlichen Schwankungen zwischen den Jahren einen signifikant steigenden Trend. Die Stapelsäulen zur Darstellung der mit den Sorten Merlot und Cabernet Sauvignon bestockten Rebfläche in Hektar zeigen von 2002 bis 2017 ebenfalls signifikant steigende Trends. Über tausend Hektar waren 2017 mit den beiden Sorten bestockt.
LW-R-3: Anpassung des Sortenspektrums

Die Linien-Grafik zeigt von 1970 bis 2017 die Abweichung des Huglin-Index vom langjährigen Mittel 1961 bis 1990 in Prozent. Die Zeitreihe zeigt mit deutlichen Schwankungen zwischen den Jahren einen signifikant steigenden Trend. Die Stapelsäulen zur Darstellung der mit den Sorten Merlot und Cabernet Sauvignon bestockten Rebfläche in Hektar zeigen von 2002 bis 2017 ebenfalls signifikant steigende Trends. Über tausend Hektar waren 2017 mit den beiden Sorten bestockt.

Quelle: DWD (Deutscher Klimaatlas - Landwirtschaft) StBA (Weinstatistik - Grunderhebung der Rebflächen und Rebflächenerhebung)
 

LW-R-4: Maissorten nach Reifegruppen

Noch ist kein Trend zu einer vermehrten Anmeldung frühreifer Maissorten beim Bundessortenamt erkennbar. Diese Entwicklung ist derzeit offensichtlich durch andere Effekte überlagert.

Die Stapelsäulen-Grafik zeigt den Anteil der Neuanmeldungen von Maissorten in Prozent in den Reifegruppen frühreif, mittelfrühreif und mittelspät-spätreif von 2003 bis 2017.
LW-R-4: Maissorten nach Reifegruppen

Die Stapelsäulen-Grafik zeigt den Anteil der Neuanmeldungen von Maissorten in Prozent in den Reifegruppen frühreif, mittelfrühreif und mittelspät-spätreif von 2003 bis 2017. Bei den frühreifen Sorten gibt es keinen Trend, bei den mittelfrühreifen Sorten eine quadratisch steigenden Trend. Diese Sorten haben auch zuletzt mit deutlichem Abstand den höchsten Anteil an den Neuanmeldungen. Die Neuanmeldungen bei den mittelspät-spätreifen Sorten sind signifikant zurückgegangen. Eine Liniengrafik zeigt zusätzlich die Anzahl der Neuanmeldungen insgesamt. Es gibt hier einen signifikant fallenden Trend.

Quelle: Bundessortenamt (Körnermais-Zulassungsanträge)
 

Anderes Klima – andere Sorten

Ähnlich den Anpassungsmöglichkeiten durch den Anbau wärmeliebender Kulturpflanzenarten ist auch die Sortenwahl ein für die Landwirtinnen und Landwirte geeignetes Mittel, um bei gleichbleibender Fruchtart auf sich verändernde Rahmenbedingungen des Anbaus zu reagieren. Bevorzugt werden dabei diejenigen Sorten, die unter den absehbaren Bedingungen hohe und qualitativ hochwertige sowie sichere Erträge und gute Vermarktungsmöglichkeiten versprechen. Die jeweilige Sortenwahl ist dabei immer Resultat unterschiedlicher Faktoren, die die Landerwirtinnen und Landwirte in ihren Entscheidungen gegeneinander abwägen. Die Witterung ist stets nur ein Faktor unter mehreren. Mitunter erfolgt die Sortenwahl in der Landwirtschaft auch sehr spontan, primär gesteuert durch Erfahrungen aus der letzten Anbauperiode oder durch sich aktuell abzeichnenden Marktchancen.

Bei den einjährigen Kulturen sind Landwirtinnen und Landwirte in ihrer Sortenwahl relativ flexibel, bei mehrjährigen Kulturen dagegen legen sie sich mit der Sortenentscheidung für einen längeren Zeitraum fest. Im Weinbau beispielweise will die Sortenwahl sorgfältig bedacht sein, denn die Reben haben mit zwanzig bis dreißig Jahren eine lange Lebensdauer, d. h. Winzerinnen und Winzer treffen bei Neupflanzungen längerfristige Produktionsentscheidungen. Wein ist außerdem ein landwirtschaftliches Produkt mit teilweise außerordentlich hoher Wertschöpfung und trotz vergleichsweise kleiner Fläche großer wirtschaftlicher Bedeutung. Die Sortenwahl genießt daher besondere Aufmerksamkeit.

Zur Beurteilung der Anbaufähigkeit bestimmter Rebsorten in verschiedenen Weinbauregionen wird der sogenannte Huglin-Index eingesetzt. Er summiert die Tage mit Temperaturen von mehr als 10 °C für den Zeitraum 1. April bis 30. September und gibt an, ob die Wärmesummen, die eine Rebsorte benötigt, um erfolgreich über längere Zeit kultiviert zu werden, in einer Region erreicht werden. In den letzten rund vierzig Jahren ist der Huglin-Index über ganz Deutschland betrachtet signifikant angestiegen. Das hat zur Folge, dass einige bisher auf südlichere Regionen beschränkte, besonders wärmeliebende Rotweinsorten nun auch in deutschen Anbauregionen grundsätzlich Anbaueignung erlangt haben. Hierzu  gehören beispielsweise Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah. Diese Rebsorten genießen international eine hohe Reputation, weshalb die Motivation bei einigen Winzerinnen und Winzern groß ist, sie anzubauen, wenn die klimatischen Voraussetzungen erfüllt sind. Die Anbauflächen von Merlot und Cabernet Sauvignon, die seit dem Jahr 2002 in der Weinstatistik erfasst werden, sind zwar noch vergleichsweise gering, die Flächenzunahme weist aber auf ein zunehmendes Anbauinteresse hin. Es wird davon ausgegangen, dass der Klimawandel den Rebsortenspiegel in Zukunft beeinflussen wird.

Züchterinnen und Züchter richten ihre Sortenwicklungen auf die neuen Anforderungen aus. Die Anträge auf Neuzulassung von Sorten, die jährlich beim Bundessortenamt angemeldet werden, lassen Rückschlüsse zu, an welchen Sorteneigenschaften in der Züchtung gearbeitet wird. Die Züchtung einer neuen Sorte beansprucht allerdings i. d. R. zwischen acht und zehn Jahre, sodass sich eine veränderte Sortennachfrage nicht immer zeitnah in den Zahlen niederschlagen wird. Durch Anwendung moderner Methoden in der Pflanzenzüchtungsforschung könnte es zukünftig schneller und effektiver gelingen, Sorten bereit zu stellen, die an veränderte Klimabedingungen wie Trockenheit oder erhöhte CO2-Konzentrationen angepasst sind. Beim Körnermais steigert die Verwendung frühreifer Sorten die Wahrscheinlichkeit, dass höhere Trockensubstanzgehalte bei der Ernte erzielt und damit die Trocknungskosten geringer werden. Frühreife Sorten könnten unter diesen Umständen an Attraktivität gewinnen. Allerdings haben die spätreifenden Sorten noch immer ein höheres Ertragspotenzial. Die aktuellen Züchtungsbemühungen gehen daher dahin, frühreife Maissorten mit höheren Erträgen zu entwickeln.

 

Schnittstellen

LW-R-2: Anbau und Vermehrung wärmeliebender Ackerkulturen

 

Ziele

Förderung von Innovationen im Bereich der Pflanzenzüchtung im Hinblick auf die Anpassung an Klimaänderungen, die Nährstoffbilanz der Kulturpflanzen, die Resistenz- und Qualitätseigenschaften (DAS, Kap. 3.2.6)