FW-I-4: Schadholz – Umfang zufälliger Nutzungen

Blick in eine durch Sturmschaden betroffene Nadelholzfläche mit umgestürzten Bäumen.zum Vergrößern anklicken
Wurf- und Bruchholz nach Schadereignissen erschwert in Folgejahren die forstliche Bewirtschaftung.
Quelle: Jürgen Heppe / pixelio.de

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FW-I-4: Schadholz – Umfang zufälliger Nutzungen

Ungeplante Nutzungen durch Wurf-, Bruch- und Befallsholz bringen für die Forstwirtschaft viele Nachteile. Ein Trend zu mehr ungeplanten Nutzungen ist bislang nicht erkennbar. Starke Winterstürme wie vor allen in den Jahren 1990, 1999, 2007 und 2010 haben aber zu erheblichen Mengen von Schadholz geführt.

In einem Stapelsäulen-Diagramm ist der Anteil aller zufälligen Nutzungen am Gesamteinschlag in Prozent von 1991 bis 2012 angegeben.
FW-I-4: Schadholz – Umfang zufälliger Nutzungen

In einem Stapelsäulen-Diagramm ist der Anteil aller zufälligen Nutzungen am Gesamteinschlag in Prozent von 1991 bis 2012 angegeben. Durch Wind/Sturm verursachte zufällige Nutzungen und Übrige Ursachen ergänzen sich in den Balken jeweils auf 100 Prozent. Die Anteile schwanken zwischen den Jahren stark. Der Anteil von Wind/Sturm war vor allem in den Jahren 1991 mit 82 Prozent, 2000 mit 93 Prozent, 2007 mit 90 Prozent und 2008 und 2009 mit je etwa 72 Prozent am höchsten. Ein Trend ist bisher nicht erkennbar. Eine zusätzliche Linie stellt den Anteil der zufälligen Nutzungen am Gesamteinschlag in Prozent dar. Sie zeigt einen Verlauf mit starken Schwankungen und ist ohne Trend. Besonders hohe Werte gab es 1991 mit 67 Prozent, 2000 mit 55 Prozent und 2007 mit 45 Prozent. Die Werte in den anderen Jahren schwanken zwischen 10 und 40, meistens aber zwischen 10 und 20 Prozent.

Quelle: BMEL (Zusammenstellungen auf der Basis von Länderinformationen)
 

Forstwirtschaft wird risikoreicher

Die langen Produktionszeiträume in der Forstwirtschaft erfordern eine sorgfältige und langfristige Planung der forstlichen Bewirtschaftung, und nur, wenn sich die Maßnahmen planungsgemäß umsetzen lassen, ist es möglich, die angestrebten Bewirtschaftungsziele zu erreichen. Der Klimawandel hat in zweierlei Hinsicht Auswirkungen auf die Planbarkeit der forstlichen Nutzung in Wirtschaftswäldern. Zum einen können die veränderten Witterungsverhältnisse die Bäume schwächen und damit anfälliger für Schäden, insbesondere Insektenbefall, machen. Zum anderen wird davon ausgegangen, dass Extremereignisse wie beispielsweise Stürme, im Zuge des Klimawandels in ihrer Häufigkeit und Intensität zunehmen.

In der Folge beider Entwicklungen kann es zu einem erhöhten Anfall von Wurf- und Bruchholz sowie zu Zwangsnutzungen nach Schädlingsbefall kommen. Dieses Holz gefährdet die Sicherheit der weiteren Produktion, da es Brutraum für Borkenkäfer ist. Hinzu kommt, dass jede ungeplante Holznutzung eine Belastung für das gesamte Waldökosystem bedeutet. Dies ist wiederum mittel- und langfristige für die Forstwirtschaft nachteilig. Es erschwert zudem die weitere Bewirtschaftung der Wälder und ist ein Sicherheitsrisiko für Waldarbeiter und Waldbesucher.

Daher muss Wurf- und Bruchholz aus den bewirtschafteten Beständen entfernt werden. Insbesondere nach Großschadensereignissen binden solche ungeplanten Holznutzungen erhebliche Kapazitäten in den forstwirtschaftlichen Betrieben. Diese fehlen dann für die Umsetzung gezielter Bewirtschaftungsmaßnahmen, die ja gerade in Anbetracht der erforderlichen Anpassung an den Klimawandel von großer Bedeutung sind. In der Regel dauert es mehrere Jahre, bis die Folgen von Kalamitäten aufgearbeitet sind und die Forstwirte wieder unter „normalen“ Nutzungsbedingungen planen und wirtschaften können.

Für den Waldbesitzer, sei es der Staat, die Kommune oder der private Waldbesitzer, sind große Mengen von Wurf-, Bruch- und Befallsholz mit erheblichen Mindereinnahmen verbunden. So sind die Aufarbeitungskosten in geschädigten Beständen deutlich höher und die Holzqualitäten oftmals schlechter. Gleichzeitig fällt der Holzpreis vor allem nach größeren Schadereignissen deutlich. Holz muss dann zum Teil längere Zeit gelagert werden, was zusätzliche Kosten verursacht. Daher ist Ende 2018 ein neuer Fördertatbestand „Förderung von Maßnahmen zur Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen im Wald“ in der GAK beschlossen und mit zusätzlichen Bundesmitteln in Höhe von 10 Millionen Euro für das Jahr 2019 ausgestattet worden.

Auch wenn sich in den zurückliegenden knapp zwanzig Jahren kein statistisch abgesicherter Trend zu einer Zunahme des Umfangs ungeplanter Holznutzungen abzeichnet, entsteht in der Forstwirtschaft zunehmend der Eindruck, dass die Phasen ohne relevante Einflüsse von Zwangsnutzungen immer kürzer werden.

Die extrem hohen Anteile ungeplanter Nutzungen am Gesamteinschlag von Holz entstehen im Wesentlichen durch Wurf- und Bruchholz, werden also vor allem durch Stürme verursacht. So führten die Orkane Vivian und Wiebke im Spätwinter 1990 zur Notwendigkeit umfangreicher Aufarbeitungen im darauffolgenden Jahr 1991, und zwar in großen Teilen Deutschlands. Im Dezember 1999 verwüstete Lothar weite Bereiche Südwestdeutschlands. Im Januar 2007 zerstörte das Orkantief Kyrill insbesondere Wälder in Nordrhein-Westfalen, mit Schwerpunkt im Sauerland. Der Orkan Niklas Ende März 2015 hinterließ viele Schäden in Bayern, verursachte aber geringere Schadholzmengen als vergleichbare Orkane. Der Herbststurm Xavier brachte Anfang Oktober 2017 Schäden in noch voll belaubten Laubwäldern Brandenburgs. Für die Statistik 2018 ist ein Anstieg der Sturm- Schadholzmengen durch die Januar-Orkane Friederike und Burglind zu erwarten. In Jahren ohne überregional bedeutsame Sturmereignisse tragen Insektenschäden den Großteil der ungeplanten Nutzungen bei. Hier ist insbesondere auch durch das Trockenjahr 2018 ein erheblicher Anstieg zu erwarten.

Bei der Bewertung von Daten zum Wurf-, Bruch- und Befallsholz ist zu berücksichtigen, dass diese i. d. R. keinen vollständigen Überblick über die tatsächlich entstandenen Schäden ermöglichen. Nicht in allen Bundesländern werden neben den Daten zum Staatswald auch Informationen zum Privat- und Körperschaftswald erhoben und übermittelt. Der Schwerpunkt der Erfassung liegt außerdem bislang noch auf den Winterstürmen. Neben den Auswirkungen des Klimawandels können zusätzlich andere Trends die Entwicklung der Zeitreihe stark beeinflussen. Die Altersstruktur der deutschen Wälder tendiert zu höherem Bestandsalter. Ältere Bäume sind aber stärker sturmwurfgefährdet als jüngere, und mit zunehmendem Holzvorrat steigt auch die Schadholzmenge. Letzteres führt auch dazu, dass je nach Örtlichkeit der Kalamität die Schäden unterschiedlich hoch ausfallen können. So werden beispielsweise Stürme in Regionen mit eher locker bestockten Kiefernforsten, die auf den sandigen Böden Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommerns weit verbreitet sind, zu geringeren Schadholzmengen führen als Stürme im vorratsreichen Schwarzwald.

 

Schnittstellen

FW-I-5: Schadholzaufkommen durch Buchdrucker

 

Ziele

Anstreben möglichst stabiler, gemischter Bestände mit größerer Widerstandsfähigkeit gegen großflächige Unglücksereignisse u. a. durch Stürme und Borkenkäfer (DAS, Kap. 3.2.7)

Anbau standortgerechter Baumarten mit hoher Widerstandfähigkeit und Wuchsleistung (Waldstrategie 2020, S. 23)