Freizeit- und Einkaufsverkehr

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Einkaufswagen vor der Kühltheke
Quelle: LVDESIGN / Fotolia.com

Der Einkaufs- und Freizeitverkehr gewinnt stark an Bedeutung und erfordert eine umfassende Berücksichtigung bei einer umweltschonenden Gestaltung des Verkehrsgeschehens.

Inhaltsverzeichnis

 

Projektübersicht

Beide Verkehrszwecke erzeugen in Deutschland mehr als die Hälfte des Verkehrsaufwandes im Personenverkehr. Gut zwei Drittel der Personenkilometer im Einkaufsverkehr und mehr als drei Viertel der Personenkilometer im Freizeitverkehr fahren die Deutschen mit dem Auto. Daraus resultieren erhebliche Folgeprobleme für Mensch und Umwelt, wie Flächeninanspruchnahme, Lärm und Luftschadstoffbelastungen, Emissionen des klimaschädlichen Kohlendioxid, Unfallrisiken und Beeinträchtigungen der Aufenthalts- und Lebensqualität in den Städten.

 

Projekt: Reiselust – Neue Wege in den Urlaub

In dem vom Umweltbundesamt geförderten Projekt entwickelte der Verkehrsclub Deutschland (VCD) gemeinsam mit verschiedenen Tourismusregionen attraktive Angebote, um Urlaub ohne Auto attraktiver zu gestalten. Die Tourismusregionen verbesserten die An- und Abreise sowie die umweltschonende Mobilität vor Ort. Gemeinsam mit Hoteliers, Verkehrsanbietern, Tourismusbüros und Reiseveranstaltern erfolgt die gezielte Vermarktung von attraktiven Angeboten für Urlauber ohne Auto in Deutschland. In Kooperationsvereinbarungen mit dem VCD verpflichteten sich die beteiligten Regionen, ihre Mobilitätsangebote für Urlauber ohne Auto deutlich auszubauen und zu verbessern. Die Tourismusregionen Müritz, Uckermark, Münsterland, Sächsische Schweiz, Erzgebirge, Elbtalaue/Wendland, Vogelsberg, Thüringer Schiefergebirge und Zweitälerland nahmen am Vorhaben teil.

Das wichtigste Ergebnis ist die Broschüre „Reiselust – Neue Wege in den Urlaub“, die zehn besonders gut für den Urlaub ohne Auto geeignete Tourismusregionen in Deutschland vorstellt. Zu jeder Region bietet die Broschüre attraktive Pauschalangebote. Ein besonderer Anreiz: Urlaubern, die ohne Auto unterwegs sind, erhalten Vergünstigungen. So gibt es zum Beispiel bis zu zehn Prozent Rabatt auf den Reisepreis, kostenlose Leihräder oder freie Fahrt im öffentlichen Verkehr vor Ort.

 

Projekt: Umweltschonender Freizeit- und Einkaufsverkehr in Halle / Leipzig

Im Rahmen des Vorhabens entwickelten Halle und Leipzig neue Ansätze in der Stadt- und Regionalplanung und der Verkehrsplanung für eine umweltschonende Gestaltung des Einkaufs- und Freizeitverkehrs in Quartier. Die verschiedenen Berichte und Materialien des Vorhabens geben Auskünfte zu den folgenden Themen:

  • Autoarmes Wohnen, CarSharing
  • Naherholung der kurzen Wege – Kleingärten und Cospudener See
  • Großflächige Einzelhandelsvorhaben auf der grünen Wiese – Umweltverträglichkeit, Strategien zum Umgang mit den Standorten
  • Freizeitgroßeinrichtungen
  • Freizeitverkehr mit Bus und Bahn.
 

Projekt: Nahherholung der kurzen Wege – Cospudener See

Die Entwicklung des Cospudener Sees zu einem autofrei gehaltenen Naherholungsgebiet ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert:

  • In nur acht Jahren entwickelte sich die Landschaft vom laufenden Tagebaubetrieb in einen funktionierenden Landschaftspark.
  • Dieser gibt mit der wohnungsnahen Lage - nur eine halbe Fahrradstunde von der Leipziger Innenstadt entfernt - und mit passablem Anschluss an den öffentlichen Verkehr ein funktionierendes Beispiel für den Freizeitverkehr der kurzen Wege. Durch den neuen
  • Publikumsmagneten lassen sich möglicherweise weite Autofahrten zu anderen Badeseen substituieren.
  • Der in einem Investorenauswahlverfahren gefundene, privat organisierte, eigenwirtschaftliche Betrieb des Badesees befördert attraktive Freizeit- und Veranstaltungsangebote im autofrei gehaltenen Landschaftspark und hält zugleich den Park in Ordnung.
  • Ein Angebot des öffentlichen Verkehrs, das flexibel auf Bedarfsschwankungen reagiert, ergänzt durch Mietradstationen und Bootsverkehr ermöglicht die innere autounabhängige Erschließung des Landschaftsparks.

Insgesamt kann die Entwicklung des Cospudener Sees am südlichen Rand der Stadt Leipzig als gelungenes Modellvorhaben gelten, das zeigt, wie sich ein attraktives, relativ stadtnahes Freizeit- und Erholungsgebiet entwickeln und damit die Wege im Ausflugsverkehr relativ kurz halten und umweltschonend gestalten lassen.

 

Projekt: Wohnungsnahe Kleingärten - Naherholung der kurzen Wege

Kleingärten genießen traditionell einen hohen Stellenwert in der Freizeitgestaltung der städtischen Bevölkerung. Zwar erzeugen sie innerstädtisch einen relevanten Anteil am Verkehr, die Wege sind jedoch relativ kurz und sie können aufgrund hoher Bindungswirkung Ausflüge in andere Regionen und Fernreisen ersetzen.

Das Ziel des Teilprojektes war es, die Umwelteigenschaften dieser Naherholungsform durch den Erhalt und Ausbau der Erreichbarkeit mit umweltverträglichen Verkehrsmitteln weiter zu verbessern.

Die Planer erarbeiteten anhand von zwei beispielhaft ausgewählten Kleingartenanlagen in Leipzig praxisnahe Maßnahmenkonzepte. Sie untersuchten die Voraussetzungen für die Erreichbarkeit zu Fuß und per Rad und entwickelten Strategieansätze zur nichtmotorisierten Erreichbarkeit. Eine Präsentationsveranstaltung trug zur Förderung Nutzung des öffentlichen Verkehrs für die Wege vom und zum Kleingarten bei. Dort konnten die Kundenberater der Leipziger Verkehrsbetriebe GmbH ihr, im Projektverlauf verbessertes Angebot (Mobilitätsangebote, Preise, Haltestellenfahrpläne) bekannt geben.

Die Umsetzung der Maßnahmen lässt sich nach Abschluss des Modellvorhabens allerdings als nur eingeschränkt erfolgreich einschätzen, da die Kleingärtner sehr zurückhaltend Interesse zeigten. Dieses rührte unter anderem von einem fehlenden Problemdruck in den ausgewählten Anlagen und geringem persönlich erlebbarem Qualitätszuwachs. Bei einem erwarteten Gewinn liessen sich dagegen gute Ergebnisse erzielen, wie die Veranstaltung mit den Leipziger Verkehrsbetrieben zeigte.

 

Projekt: Autoarmes Wohnen im Bestand am Johannesplatz in Halle

Die Stadt Halle (Saale) führte von 1998 bis 2000 mit Unterstützung des Umweltbundesamtes das Modellvorhaben „Autoarmes Wohnen im Bestand am Johannesplatz” durch. Sie entwickelte für das bestehende innerstädtische Wohngebiet am Johannesplatz ein funktionierendes und mehrheitlich akzeptiertes Konzept zum autoarmen Wohnen im Bestand und verwirklichte erste Maßnahmen. Fast drei Viertel der Anwohner beurteilten bei einer Befragung im Sommer 2001 die umgesetzten Maßnahmen positiv.

Schlüsselfaktoren für das Projekt waren:

  • entschlossene Public-Private Partnership
  • intensive Partizipation und positive Projektkommunikation
  • richtige Standortwahl
  • flächenhaftes autoarmes Wohnumfeld
  • Förderung einer autounabhängigen Mobilität
  • Wohnungsvermietung an autofreie Haushalte
  • Projektentwicklung im Stadtentwicklungsprozess.
 

Projekt: Umgang mit großflächigem Einzelhandel auf der grünen Wiese

In Leipzig entstanden  in der Umbruchsituation nach der deutschen Wiedervereinigung umfassende Einkaufszentren auf der grünen Wiese. In kurzer Zeit erteilte die Stadt Genehmigungen für ca. 400.000 qm Verkaufsfläche für Einkaufszentren in städtebaulich nichtintegrierten Lagen im Umfeld.

Das Ziel des Vorhabens war es, Strategien zum Umgang mit bestehenden großflächigen, verkehrsinduzierenden Einzelhandelsstandorten auf der grünen Wiese zu entwickeln. Die vertiefende Betrachtung einzelner Standortcluster des Einzelhandels und deren Auswirkungen auf die Umwelt zeigte daneben auch Handlungsmöglichkeiten auf, die Innenstadt und die Stadtteilzentren zu stärken. Der entwickelte Ansatz für ein kommunales Einzelhandelsstandortmanagement besteht aus:

  • kommunalem Einzelhandelskonzept
  • Einzelhandelsmonitoring
  • rechtlicher Steuerung
  • Entschädigungsfonds / Tauschgrundstücken
  • Wirtschaftsförderung für den lokalen Einzelhandel in integrierten, städtebaulich erwünschten Lagen
  • Stadtmarketing und Zusammenarbeit mit privaten Akteuren
  • Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen

Leipzig wendete einige der Ansätze bereits Erfolg versprechend an. Mit dem Stadtentwicklungsplan Zentren ”STEP” liegt eine konkrete Zielkonzeption für die weitere Einzelhandelsentwicklung vor. Ebenso verfolgte sie die Ansätze für eine rechtliche Steuerung von expansionsgefährdeten Standorten in Gewerbe- und sonstigen Gebieten.

Die Ergebnisse der bisherigen Entwicklung präsentieren sich differenziert. Jedoch konnte die Stadt in den vergangenen Jahren die Sanierung des öffentlichen Raums in der Leipziger City weit vorangetreiben. Die Erhöhung der Verkaufsfläche innerhalb des Stadtgebietes von Leipzig bei gleichzeitiger Stagnation der regionalen Kaufkraft führte zu erheblichen Umsatzrückgängen bei den Einkaufszentren auf der grünen Wiese.

 

Projekt: Mobilitätsstile in der Freizeit - Minderung der Umweltbelastungen des Freizeit- und Tourismusverkehrs

Wie hängen Freizeitverkehrsverhalten, Mobilität und Umweltbelastungen zusammen? Welche Möglichkeiten gibt es, in der Freizeit ohne Auto mobil zu sein? Wie kann das Verkehrsverhalten der Menschen in Richtung nachhaltige Mobilität verändert werden?

Diesen Fragen ging das Institut für sozialökologische Forschung (ISOE) und das Öko-Institut im Auftrag des Umweltbundesamtes nach. In einer bundesweiten repräsentativen Untersuchung zum Freizeitverkehrsverhalten analysierte das Institut unterschiedliche Lebensstile, das daraus resultierende Verkehrsverhalten und die damit verbundenen Umweltauswirkungen. Die Daten zur Umweltbelastung wurden mit denen zum Verkehrsverhalten verknüpft.  Für die unterschiedlichen Lebensstilgruppen konnten die damit verbundenen Umweltwirkungen ermittelt werden.

Mit diesem neuen Forschungsansatz gelang es zu zeigen, dass Art und Ausmaß des Freizeitverkehrs von der sozialen Situation, Motiven, Orientierungen und Normen - so genannten soziokulturellen Determinanten - abhängen. Die Kenntnis des Verkehrs- und Freizeitverhalten der verschiedenen Mobilitätsstilgruppen ermöglicht Planern und Entscheidungsträgern Maßnahmen zur Entkopplung der Freizeitmobilität vom Auto zu entwickeln.

 

Projekt: Gemeinsamer Workshop der OECD und des Umweltbundesamtes am 4. und 5. November 2004 in Berlin

Die Deutschen legen fast die Hälfte aller Wege mit dem Auto zurück und knapp zwei Drittel aller Flüge dienen dem Freizeit- oder Urlaubsverkehr. Das bringt Belastungen für Umwelt und Gesundheit mit sich, etwa durch Lärm oder durch den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase und anderer Schadstoffe. Aber es geht auch anders: Ausflüge und Urlaub mit umweltverträglichen Verkehrsmitteln – wie Bus und Bahn – stehen nicht im Widerspruch zur Freude am Reisen. Das zeigen zahlreiche Beispiele im In- und Ausland. Wie eine umweltfreundliche Freizeit-Mobilität aussehen kann, diskutierten am 4. und 5. November 2004 rund sechzig Fachleute aus aller Welt auf dem zweiten gemeinsamen internationalen Workshop der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) und des Umweltbundesamtes (UBA) in Berlin. Sie formulierten Empfehlungen an die OECD-Staaten, wie sich die Ziele einer dauerhaft umweltgerechten Entwicklung im Freizeit- und Urlaubsverkehr erreichen lassen.

Die Fachleute aus Nordamerika, Europa und Asien diskutierten die weltweite Entwicklung des Tourismus und dessen Ursachen. Ziel des Workshops war es, die Umweltauswirkungen des Freizeit- und Urlaubsverkehrs stärker ins Bewusstsein der Politik und der Öffentlichkeit zu rücken. Die vorgestellten erfolgreichen Praxisbeispiele zeigen, wie Mobilität in der Freizeit und im Urlaub mit weniger Verkehr und weniger Umweltbelastungen gestaltbar ist. Positive Beispiele sind autofreie Tourismusorte in der Schweiz, die Initiative „Sanfte Mobilität” aus Österreich und ein vom UBA gefördertes Vorhaben zum Thema „Urlaub ohne Auto“.