FiW-I-2: Betroffenheit durch Stürme und Hochwasser

Gebäude mit zerbrochenen Fensterscheiben und teilweise abgedecktem Dach.zum Vergrößern anklicken
Die Wohngebäudeversicherung deckt auch große Schäden durch Hagelschlag ab.
Quelle: GDV – Ihre Deutschen Versicherer

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FiW-I-2: Betroffenheit durch Stürme und Hochwasser

Das Risikobewusstsein in der deutschen Bevölkerung ist trotz der extremen Wetterereignisse der vergangenen Jahre noch immer gering. Nicht einmal ein Viertel der befragten Bürgerinnen und Bürger geht davon aus, dass für ihr Haus oder ihre Wohnung ein reales Schadensrisiko durch Stürme und Hochwasser besteht. Entsprechend gering ist infolgedessen auch die Bereitschaft, eine Versicherung abzuschließen, die klimabedingte Risiken abdeckt.

Drei Stapelsäulen stellen die Einschätzung zur Betroffenheit durch Stürme und Hochwasser für die Jahre 2012, 2014 und 2016 dar. Der Anteil der Befragten in Prozent wird im Folgenden für die jeweiligen Kategorien mit aufsteigendem Jahr gelesen: überhaupt nicht betroffen: 36, 36 und 30 Prozent; weniger betroffen: 45, 41 und 48 Prozent, stark betroffen: 17, 16 und 17 Prozent, sehr stark betroffen: 2, 4 und 3. Ab 2014 gibt es zusätzlich die Kategorie weiß nicht.
FiW-I-2: Betroffenheit durch Stürme und Hochwasser

Drei Stapelsäulen stellen die Einschätzung zur Betroffenheit durch Stürme und Hochwasser für die Jahre 2012, 2014 und 2016 dar. Der Anteil der Befragten in Prozent wird im Folgenden für die jeweiligen Kategorien mit aufsteigendem Jahr gelesen: überhaupt nicht betroffen: 36, 36 und 30 Prozent; weniger betroffen: 45, 41 und 48 Prozent, stark betroffen: 17, 16 und 17 Prozent, sehr stark betroffen: 2, 4 und 3. Ab 2014 gibt es zusätzlich die Kategorie weiß nicht.

Quelle: BMUB & UBA (Umweltbewusstsein in Deutschland)
 

Risikobewusstsein – Schlüssel zur Vorsorge

Wie Menschen Gefährdungen bzw. Risiken wahrnehmen, wie sie die möglichen Folgen und den Handlungsbedarf einschätzen, ist individuell sehr unterschiedlich. Neben harten naturwissenschaftlich belegten und messbaren Faktoren, die das Ausmaß des Risikos bestimmen, gibt es zahlreiche subjektive Komponenten, die die Risikowahrnehmung in erheblichem Maße beeinflussen können. Risikowahrnehmungen sind dabei oftmals verzerrt. Sie können einerseits geprägt sein von unrealistischem Optimismus und der Illusion, alles unter Kontrolle zu haben, andererseits von den Eindrücken aktueller katastrophaler Ereignisse, die große Betroffenheit auslösen und zur Überschätzung einzelner Risiken führen können.

In der im Auftrag des UBA zweijährlich durchgeführten repräsentativen Bevölkerungsumfrage „Umweltbewusstsein in Deutschland“ I geben die Befragten seit 2012 auch Einschätzungen ab, in welchem Umfang sie persönlich von den Folgen des Klimawandels betroffen sein werden. Im Jahr 2012 gaben 81 % der Befragten an, sie würden sich weniger bis überhaupt nicht in der Gefahr sehen, dass Hochwasserereignisse und Stürme zu Schäden an ihrem Haus oder ihrer Wohnung führen. An dieser Einschätzung hat sich auch in den Folgebefragungen wenig geändert: 2014 sahen sich 77 % und im Jahr 2016 78 % weniger oder nicht betroffen. Die erhobenen Werte erlauben allerdings nur eingeschränkte Interpretationen, da sie nicht mit der Information über die tatsächliche Exposition der Befragten gegenüber den genannten Klimawandelfolgen verbunden sind. Zu ähnlichen Ergebnissen zu Risikoeinschätzungen kommen auch andere ähnlich geartete Umfragen.

So hat der GDV im Rahmen einer forsa-Umfrage im Juni 2013, also kurz nach der Hochwasserkatastrophe, ein Meinungsbild zum Risikobewusstsein in der Bevölkerung eingeholt. Demnach schätzten sogar 90 % der Deutschen das Risiko gering ein, persönlich von Hochwasser, Sturm oder anderen Naturgefahren betroffen zu werden.81

Die Realität zeigt jedoch ein anderes Bild, denn die Hochwasser im Juni 2016 trafen zum Teil auch viele Menschen, die weitab der großen Flussläufe leben und sich in Sicherheit wähnten. Auch Überschwemmungen durch Starkregen können fernab von hochwassergefährdeten Gebieten entstehen und erhebliche Schäden verursachen. Erwähnenswert sind hier die Starkregenereignisse im Sommer 2017, die z. B. in Berlin und Brandenburg zu Überschwemmungen mit größeren Schäden führten.

Die Wahrnehmung des eigenen Risikos und der möglichen Betroffenheit sowie das Vorhandensein alltagstauglicher Handlungsoptionen ist eine der wesentlichen Motivationen für jeden Einzelnen, die bestehenden Möglichkeiten der Risikominderung auszuschöpfen und entsprechende Vorsorgemaßnahmen und Absicherungen zu treffen. Daher ist es von Bedeutung, dass die tatsächlichen Risiken, die mit dem Klimawandel verbunden sind, von möglichst vielen Menschen erkannt und realistisch bewertet werden. Hilfestellung hierfür leistet u. a. das internetgestützte Informationsinstrument „Kompass Naturgefahren“, das Mieterinnen und Mieter, Hausbesitzende und Unternehmen darüber informiert, wie stark ihr Gebäude durch Hochwasser gefährdet ist. Darüber hinaus erfahren die Nutzerinnen und Nutzer dort, welche Risiken für weitere Naturgefahren wie Starkregen, Sturm, Blitzschlag und Erdbeben bestehen. Der „Kompass Naturgefahren“ soll das Bewusstsein der Menschen für die Risiken von Naturereignissen schärfen und zur Eigenvorsorge auffordern. Diesen Service gibt es derzeit für den Freistaat Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Berlin.

Für die Versicherungswirtschaft ist ein angemessenes Risikobewusstsein der Bevölkerung und der Unternehmen eine ihrer wichtigsten Geschäftsgrundlagen. Nur wenn dieses Bewusstsein breit verankert ist und sich infolgedessen viele Menschen versichern, lassen sich ausreichend große Risikogemeinschaften für eine Versicherung bilden, die sicherstellen, dass die Versicherungsprämien erschwinglich sind.

Zum geringen Risikobewusstsein kommt hinzu, dass viele Menschen glauben, sie seien über ihre bestehenden Versicherungen bereits ausreichend gegen Schäden infolge des Klimawandels versichert.82 In vielen Fällen wird dabei übersehen, dass die übliche Verbundene Wohngebäudeversicherung beispielsweise Schäden aus starken Überflutungen nicht abdeckt.

81 - GDV 2016: Die 7 größten Irrtümer über den Versicherungsschutz gegen Naturgefahren.www.gdv.de/de/themen/news/die-7-groessten-irrtuemer-ueber-den-versicherungsschutz-gegennaturgefahren-13806

82 - BI – Sustainable Business Institute e. V. 2010: Herausforderung Klimakompetenz – Kundenerwartungen an Finanzdienstleister – Ergebnisse einer Befragung von Privat- und Geschäftskunden. In Zusammenarbeit mit dem „Finanz-Forum: Klimawandel“ im Rahmen des vom BMBF geförderten Projekts „CFI - Climate Change, Financial Markets and Innovation“. 20 S. www.cfi21.org/fileadmin/user_upload/Herausforderung_Klimakompetenz.pdf

I - Die repräsentative Bevölkerungsumfrage (deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahre) „Umweltbewusstsein und -verhalten in Deutschland“ wird seit dem Jahr 2000 zweijährlich im Auftrag des BMU und des UBA durchgeführt. Seit 2012 wurden Fragen aufgenommen, die Daten für die DAS Monitoring Indikatoren liefern, ab 2016 werden diese Fragen alle 4 Jahre in der Umweltbewusstseinsstudie erhoben.

 

Schnittstellen

BAU-I-5: Schadenaufwand in der Sachversicherung

BS-R-1 Information zum Verhalten im Katastrophenfall

HUE-1 Beherrschbarkeit von Klimawandelfolgen

 

 

Ziele

Aufklärung von Kundinnen und Kunden und Behörden über klimarelevante Zusammenhänge und Schaffung finanzieller Anreize durch entsprechende Vertragsgestaltung durch die Versicherungswirtschaft (DAS, Kap. 3.2.10)