Schadstoffe im Meerwasser und in Sedimenten der Ostsee

Die Konzentration ausgewählter Schwermetalle ist in den Küstengebieten am höchsten und nimmt seewärts ab. Langlebige organische Schadstoffe sind auch noch Jahre, nachdem sie weder hergestellt noch angewendet werden, in der Ostsee nachweisbar.

Inhaltsverzeichnis

 

Schadstoffe in der Ostsee

Bund und Länder überwachen im Bund/Länder-Messprogramm (BLMP) die Schadstoffbelastung im Wasser und im Sediment der Ostsee. Sie erfüllen damit Vorgaben aus dem Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt der Ostsee (HELCOM) und aus Richtlinien der Europäischen Union. Das BLMP-Messnetz weist dafür zahlreiche Monitoringstationen innerhalb der 12-Seemeilen-Zone und der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) aus (siehe Karten „Stationskarte Wassermessungen“ und „Stationskarte Sedimentmessungen“).

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Internationale Zielwerte und EU-Umweltqualitätsnormen

Die Europäische Union (EU) hat im Jahr 2008 die Richtlinie über Umweltqualitätsnormen (UQN) verabschiedet. Sie legte dort für die 33 prioritären Stoffe der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) Umweltqualitätsnormen (UQN) unter anderem für Übergangs- und Küstengewässer fest.

  • Ein Liter Wasser sollte nicht mehr als 0,05 Mikrogramm (µg) Quecksilber, 0,2 µg Cadmium und 7,2 µg Blei sowie nicht mehr als 0,002 µg/l von den drei Isomeren der Verbindung Hexachlorcyclohexan (HCH) enthalten.

Deutschland setzte die Vorgaben dieser Richtlinien in der Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer um. Die EU hat im Jahr 2008 zudem die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie verabschiedet. Im Rahmen dieser Richtlinie muss jeder EU-Mitgliedsstaat mit Zugang zu einem Meer bis 2014 ein Überwachungsprogramm erstellen und danach durchführen. Das BLMP wird zurzeit entsprechend angepasst.

Für die Ostsee fehlen bislang abgestimmte Kriterien, um Schadstoffgehalte im Sediment zu bewerten. Das Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt der Ostsee (HELCOM) greift dafür auf die Schwellenwerte des Übereinkommens zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks (OSPAR) zurück. Ein Beispiel:

  • Ein Kilogramm Sediment (Trockengewicht) darf natürlicherweise bis zu 0,05 Milligramm (mg) Quecksilber, bis zu 0,2 mg Cadmium und bis zu 25 mg Blei enthalten.
 

Schwermetalle im Meerwasser

In den Jahren 2006 bis 2008 wurden in den Küstengewässern der Ostsee an den Messstellen des Bund/Länder-Messprogramms (BLMP) keine Überschreitungen der Umweltqualitätsnormen (UQN) für Blei, Cadmium und Quecksilber in der Wasserphase festgestellt. Für Stationen, die sich außerhalb der 12-Seemeilen-Zone befinden, lagen die Werte meist wesentlich niedriger als innerhalb dieser Zone. Dort zeigt sich die seewärts zunehmende Verdünnung der Flusseinträge.

Insgesamt liegen die Konzentrationen der drei Schwermetalle Blei, Cadmium und Quecksilber in der Ostsee niedriger als die in der Nordsee. Ein direkter Vergleich der Messwerte im Küstenbereich von Nord- und Ostsee ist wegen des hohen Schwebstoffanteils im küstennahen Nordseewasser jedoch nicht sinnvoll (siehe Karten „Bleikonzentration im Wasser“ und „Quecksilberkonzentration im Wasser“).

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Organische Schadstoffe im Meerwasser

Wie bei Schwermetallen werden auch organische Schadstoffe vor allem an küstennahen Messstellen nachgewiesen. Ein Beispiel:

  • Die Konzentration des γ-Isomes des Hexachlorcyclohexans (HCH), das als Insektizid unter dem Namen Lindan verwendet wurde, liegt weit unter der Umweltqualitätsnorm (UQN) für die Summe der drei HCH-Isomere. Diese drei Verbindungen sind gut wasserlöslich und werden nur langsam über die Bindung an Schwebstoffe und anschließende Ablagerung aus der Wasserphase entfernt. Messungen zeigen, dass ihre Gehalte sinken. Ursache ist ihr europaweites Verbot (siehe Karte „Lindankonzentration im Wasser“).

Trends der HCH-Konzentrationen und anderer organischer Schadstoffe in der Wasserphase der Ostsee sind in der Publikation "Gewässer in Deutschland" dargestellt.

Die höchsten Lindangehalte im Wasser der deutschen Ostsee wurden in den Jahren 2006 bis 2008 in und vor der Kieler Förde, der Flensburger Förde sowie in und vor der Lübecker  Bucht gemessen.
Karte: Lindankonzentration im Wasser in der deutschen Ostsee
Quelle: Bund-/Länder-Messprogramm
 

Metallische Schadstoffe im Sediment

Die drei Schwermetalle Blei, Cadmium und Quecksilber werden vorwiegend über Flüsse in die Ostsee eingetragen. Ihre Gehalte nehmen seewärts ab. Für alle drei Metalle werden erhöht Konzentrationen gemessen (siehe Karten „Quecksilberkonzentration im Sediment“, „Cadmiumkonzentration im Sediment“ und „Bleikonzentration im Sediment“).

Trends der Schadstoffgehalte im Sediment der Ostsee hat das Umweltbundesamt in der Publikation "Gewässer in Deutschland" veröffentlicht. Auch das Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt der Ostsee gab im Jahr 2010 in seinem Bericht „Hazardous substances in the Baltic Sea“ (pdf) einen Einblick über die Belastung der Ostsee mit gefährlichen Stoffen, deren Eintragspfade und Wirkungen auf das Ökosystem. Im Jahr 2010 publizierte HELCOM zudem einen Statusbericht zur Qualität der Ostsee, der die Aspekte Eutrophierung, biologische Vielfalt, gefährliche Stoffe und Schifffahrt gemeinsam bewertet (Holistic Assessment, pdf).

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