Flusseinträge und direkte Einträge in die Ostsee

Die Ostsee wird durch Nährstoffe und Schadstoffe belastet, welche über Flüsse und Direkteinleiter in die Ostsee gelangen. Während Direkteinleiter relativ stabile Frachten abgaben, sanken die über Flüsse eingetragenen phosphathaltigen Nährstoff- und Schwermetallfrachten (Blei, Cadmium und Quecksilber). Die stickstoffhaltigen Einträge verringerten sich auf den drittniedrigsten Stand seit 1984.

Inhaltsverzeichnis

 

Ökologischer Zustand der Ostsee

Der ökologische Zustand der Ostsee steht im Fokus der neun Anliegerstaaten des Helsinki-Übereinkommens zum Schutz der Meeresumwelt (HELCOM). Der Ostseeraum wurde dazu in Gebiete (Baltic Regions) eingeteilt (siehe Karte “HELCOM Einteilung der Ostseegebiete“). Die Anliegerstaaten erstellen alle sechs Jahre den Bericht „Periodic Assessment of the State of the Environment of the Baltic Sea“. Die Staaten berichten zudem regelmäßig darüber, welche Nähr- und Schadstofffrachten in die Ostsee gelangen. Gemeinsam mit maritimen Aktivitäten (zum Beispiel Schifffahrt, Fischerei, offshore platforms) tragen die Frachten maßgeblich zur Eutrophierung bei und beeinträchtigen die biologische Vielfalt. Die Daten werden unter http://www.helcom.fi/baltic-sea-trends/data-maps/ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Karte zeigt geografische Informationen zum Ostseeraum.
Karte: HELCOM Einteilung der Ostseegebiete
Quelle: HELCOM Karte als PDF
 

Daten zu Nährstoffeinträgen aus den Anliegerstaaten

Im Jahr 2014 wurden wasserseitig etwa 522 Tausend Tonnen (kt) Stickstoff und etwa 27 kt Phosphor aus den Anliegerstaaten in die Ostsee eingetragen. Die einzelnen Staaten tragen mit unterschiedlichen Nährstoffeinträgen dazu bei (siehe Abb. „Gesamtstickstoffeinträge (flussseitig und direkt) in die Ostsee, nach Ländern“ und Abb. „Gesamtphosphoreinträge (flussseitig und direkt) in die Ostsee, nach Ländern“). Der Anteil Deutschlands betrug im Jahre 2014 nur 2,0 Prozent (%) bei Stickstoff und etwa 1,5 % bei Phosphor. Die Nährstoffbelastungen der Ostsee stammen vorwiegend aus kommunalen-und industriellen Kläranlagen sowie aus der Atmosphäre (Stickstoff).

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Einträge der deutschen Zuflüsse

Aus Deutschland tragen, außer Warnow und Peene, 29 meist kleinere Flüsse Nährstoffe und Schadstoffe aus einem Einzugsgebiet von rund 23.000 Quadratkilometern (km²) in die Ostsee ein. Sie münden in Mecklenburg-Vorpommern oder in Schleswig-Holstein in die nach HELCOM eingeteilten Becken der Ostsee, Western Baltic (WEB) und Baltic Proper (BAP).

  • Die Einträge aus 24 Flüssen werden durch Messungen erfasst.
  • Die Einträge aus 7 Flüssen mit einem Einzugsgebiet von 7.202 km² werden durch Hochrechnung unter Berücksichtigung der direkten Einleitungen aus kommunalen Kläranlagen und Industriebetrieben ermittelt (siehe Tab. "Deutsche Stoffeinträge in die Ostsee über Flüsse ohne unbeobachtete Küsteneinzugsgebiete").

Die Einträge aus dem deutschen Odereinzugsgebiet in die Ostsee werden über Messungen auf polnischem Territorium erfasst und berichtet. Deutschland liefert Beiträge im Rahmen der internationalen Kommission zum Schutz der Oder (IKSO).

Die jährlichen Nährstoff- und Schwermetalleinträge schwanken mit der Abflussmenge. Generell sanken aber die Einträge der besonders schädlichen Schwermetalle Blei (-77 %), Quecksilber (-77 %) und Cadmium (-51 %) im Zeitraum von 2000 bis 2016.
Tab: Deutsche Stoffeinträge in die Ostsee über Flüsse ohne unbeobachtete Küsteneinzugsgebiete
Quelle: Umweltbundesamt Tabelle als PDF
 

Einträge der deutschen Direkteinleiter

12 Kläranlagen sowie 4 industrielle Anlagen leiten gereinigtes Abwasser direkt in die Ostsee ein. Diese machen ca. 5 % der Gesamteinträge aus. 

 

Weniger Nährstoffe in die Ostsee

Während im Jahr 1996 noch ca. 27 Tausend Tonnen (kt) Stickstoff und ca. 0,5 kt Phosphor über die deutschen Ostseezuflüsse in die Ostsee eingetragen wurden, so betrugen die Einträge im Jahr 2014 nur noch etwa 11 kt Stickstoff. Kaum Änderungen gab es bei Phosphor (siehe Tab. „Deutsche Stoffeinträge in die Ostsee über Flüsse ohne unbeobachtete Küsteneinzugsgebiete“). Ein direkter Vergleich der Nährstofffrachten der Jahre 1996 und 2014 sollte immer in Relation zum jährlichen Abfluss gemacht werden, weil,

  • bei hohen Niederschlägen Phosphorgehalte aufgrund des Verdünnungseffekts sinken und andererseits
  • ergiebige Niederschläge die Stickstoffeinträge erhöhen. Es werden mehr Stickstoffverbindungen aus landwirtschaftlichen Flächen herausgewaschen und in die Flüsse abgeschwemmt.

Deutschland hat seine abflussnormalisierte Flussfrachten in die Ostsee im Zeitraum von 1996 bis 2016 bei Stickstoff um 11 % und bei Phosphor um 30 % reduziert. Aufgrund des flächendeckenden Einsatzes bestverfügbarer Technik (BAT) in Kläranlagen sind weitere Reduzierungen nur über zusätzliche Reinigungsstufen (Stufe 4) mit kostenintensiver Technik (zum Beispiel Membrane, Pulverkohle, Ozonierung mit nachgeschalteter biologischer Stufe / ">GAK Filtration) erreichbar. Die nationalen Verpflichtungen aus dem Göteborg-Protokoll von 1999 zur Reduzierung von Luftschadstoffemissionen, die sich als Depositionen sowohl in den Einzugsgebieten als auch in der Ostsee wiederfinden, werden zu den erforderlichen Reduzierungen der deutschen Stickstoffbelastung der Ostsee beitragen. Damit sichert Deutschland seinen Beitrag zum Erreichen der Ziele des Ostseeaktionsplans für 2021.

Die jährlichen Nährstoff- und Schwermetalleinträge schwanken mit der Abflussmenge. Generell sanken aber die Einträge der besonders schädlichen Schwermetalle Blei (-77 %), Quecksilber (-77 %) und Cadmium (-51 %) im Zeitraum von 2000 bis 2016.
Tab: Deutsche Stoffeinträge in die Ostsee über Flüsse ohne unbeobachtete Küsteneinzugsgebiete
Quelle: Umweltbundesamt Tabelle als PDF
 

Schwermetalle

Die Einträge der Schwermetalle Cadmium, Quecksilber und Blei über die deutschen Zuflüsse in die Ostsee sanken zwischen den Jahren 2000 und 2016 um 51 Prozent (%)/77 %/77 %. Die Einträge der Schwermetalle Chrom, Kupfer und Zink zeigen große zeitliche Schwankungen, welche die Abhängigkeit der Einträge vom Niederschlag widerspiegeln (siehe Tab. „Deutsche Stoffeinträge in die Ostsee über Flüsse ohne unbeobachtete Küsteneinzugsgebiete“).

Die jährlichen Nährstoff- und Schwermetalleinträge schwanken mit der Abflussmenge. Generell sanken aber die Einträge der besonders schädlichen Schwermetalle Blei (-77 %), Quecksilber (-77 %) und Cadmium (-51 %) im Zeitraum von 2000 bis 2016.
Tab: Deutsche Stoffeinträge in die Ostsee über Flüsse ohne unbeobachtete Küsteneinzugsgebiete
Quelle: Umweltbundesamt Tabelle als PDF