Wassereinsatz des verarbeitenden Gewerbes

Das verarbeitende Gewerbe nutzte in Deutschland im Jahr 2013 rund 4,4 Milliarden Kubikmeter Wasser (letzte verfügbare Daten). Das sind 25 Prozent weniger als im Jahr 1995. Die Wasserintensität entwickelt sich in einzelnen Branchen sehr unterschiedlich: Die Chemieindustrie nutzte Wasser im Jahr 2010 effizienter als im Jahr 1995 - nicht so die Hersteller von Glas, Keramik oder Papiererzeugnissen.

Inhaltsverzeichnis

 

Wassernutzung im verarbeitenden Gewerbe

Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes benötigten im Jahr 2013 insgesamt 4,4 Milliarden Kubikmeter (Mrd. m³) Wasser. Das entsprach rund 15 Prozent (%) der gesamten wirtschaftlichen und privaten Wassernutzung der Bundesrepublik (siehe Abb. „Wassereinsatz der Produktionsbereiche und der privaten Haushalte“). 1995 hatte das verarbeitende Gewerbe 5,9 Mrd. m³ Wasser verbraucht, was 12 % des damaligen Gesamtwasserbedarfs entsprach.

Im Jahr 2013 wurden 79 % des benötigten Wassers im verarbeitenden Gewerbe direkt aus der Natur entnommen, also überwiegend als Grund-, Quell- und Oberflächenwasser sowie Uferfiltrat. 21 % wurden von Wasserversorgern oder anderen Betrieben fremdbezogen. 77 % des im gesamten Wirtschaftszweig des verarbeitenden Gewerbes eingesetzten Wassers wurde als Kühlwasser genutzt.

Das Diagramm zeigt die Anteile der Produktionsbereiche und der privaten Haushalte am gesamten Wassereinsatz in Deutschland im Jahr 2013. Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes betrug 15 Prozent.
Wassereinsatz der Produktionsbereiche und der privaten Haushalte
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Wassernutzung in einzelnen Produktionsbereichen

Die einzelnen Produktionsbereiche im verarbeitenden Gewerbe benötigen unterschiedlich viel Wasser (siehe Abb. „Wassereinsatz im verarbeitenden Gewerbe 2013“). Die Chemische Industrie benötigte im Jahr 2013 für die Herstellung chemischer Erzeugnisse knapp 2,46 Milliarden Kubikmeter (Mrd. m³) – Das entsprach 56 Prozent (%) der gesamten Wassernutzung im verarbeitenden Gewerbe. Die Metallindustrie, die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sowie die Papierindustrie benötigten jeweils rund 10 % des Wassers.

Seit 1995 nahmen in den meisten Produktionsbereichen die benötigten Wassermengen ab oder stagnierten. Das lag vor allem daran, dass Unternehmen Wasserkreisläufe durch technologische Prozessintegration und Membrantechnik besser schließen konnten. Überdurchschnittlich sank der Wasserverbrauch in drei Branchen: in der Textilindustrie um 61 %, in der Elektronikindustrie um 55 % sowie in der Kokerei- und Mineralölindustrie um 57 %. Das lag daran, dass in diesen Branchen Produktionskapazitäten in Deutschland aufgrund struktureller Anpassungen an den Weltmarkt gesenkt wurden. Während die Kokerei- und Mineralölindustrie rund 3 % des Wassereinsatzes im verarbeitenden Gewerbe ausmachte, entfielen auf die Textilindustrie nur 0,7 % und auf die die Elektronikindustrie gerade einmal 0,3 %. Daher sind diese in der Abbildung „Entwicklung des Wassereinsatzes im verarbeitenden Gewerbe“ mit weiteren Branchen unter „Sonstige“ dargestellt.

<>
 

Wasserintensität

Einige gegenläufige Entwicklungen gab es in den einzelnen Branchen hinsichtlich der Wasserintensität. Diese misst die Menge der Wassernutzung bezogen auf die erzielte Bruttowertschöpfung des Produktionsbereichs oder Wirtschaftszweigs. Positiv ist, dass sich die Wasserintensität im gesamten verarbeitenden Gewerbe von 2000 bis 2013 um 41 Prozent (%) verringert hat. Maßgeblich konnte die Wasserintensität in den höherverarbeitenden Industrien wie im Maschinenbau (minus 37 %), im Fahrzeugbau (minus 44 %) sowie bei der Herstellung von elektronischen und optischen Erzeugnissen (minus 78 %) gesenkt werden. Nur wenige Produktionsbereiche verzeichnen Zuwächse. Die Wasserintensität stieg in der Papierindustrie um 35 %, in den Glas-, Keramik- und Steine und Erden-verarbeitenden Industrien um 13 % sowie in der Möbelindustrie um jeweils 10 %. Die Anstiege der Wasserintensität in den genannten Sektoren lassen allerdings nicht darauf schließen, dass die Einsatzmenge an Wasser pro Tonne Erzeugnis ebenfalls angestiegen ist. Eine wesentliche Ursache für die höhere Wasserintensität ist auch eine gesunkene Wertschöpfung durch höhere Rohstoff- und Energiekosten in den Vorleistungen in diesen Branchen.

Auffällig ist im Zeitverlauf, dass die Wasserintensität im gesamten verarbeitenden Gewerbe in den Jahren 2007 bis 2010 nicht mehr sank, sondern nahezu auf einem Niveau verharrte (siehe Abb. „Entwicklung der Wasserintensität im verarbeitenden Gewerbe“). Ein Hauptgrund ist die im Jahr 2008 beginnende Wirtschafts- und Finanzkrise, die in vielen Bereichen zu einem Einbruch der Produktionsleistung und damit zu einer niedrigeren Bruttowertschöpfung führte. Denn wenn sich in vielen großtechnischen Prozessen die Wassernutzung etwa zu Kühlzwecken nicht gleichermaßen mit einer geringen Auslastung senken lässt, erhöht sich die Wasserintensität automatisch. Dieser Effekt wurde mit der Anpassung der Produktionsvolumina auf die Niveaus vor der Wirtschafts- und Finanzkrise wieder kompensiert, so dass die Wasserintensität zwischen 2010 und 2013 um 12 % gegenüber dem Wert im Jahr 2000 sank.

Die Wasserintensität im verarbeitenden Gewerbe sank in den Jahren 2000 bis 2013 um 41 %, in einzelnen Branchen aber sehr unterschiedlich: So sank sie in der Chemieindustrie um 37 %, bei der Glas- und Papierherstellung stieg sie um 13 bzw. 35 % an.
Entwicklung der Wasserintensität im verarbeitenden Gewerbe
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF