Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen

Beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen und bei ihrem Transport kommt es immer wieder zu Unfällen. Die Chemikalien können in Flüsse, Seen, Meere und in das Grundwasser gelangen. Sie können dort das Leben von Fischen und anderen Wasserorganismen bedrohen und die Trinkwasserqualität gefährden. Menschliches Fehlverhalten ist die Hauptursache dieser Unfälle.

Inhaltsverzeichnis

 

Kenndaten zu Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen

Im Jahr 2018 wurden 2.448 Unfälle beim Transport von und beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen gemeldet. Dies waren 266 Unfälle (ca. 10 %) weniger als im Vorjahr (siehe Abb. „Anzahl von Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen“). Insgesamt gelangten bei den Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen rund 10,3 Millionen Liter (Mio. l) Schadstoffe in die Umwelt. Das dabei freigesetzte Volumen lag um etwa 4 % unter dem des Jahres 2017 (10,8 Mio. l). Rund 3,2 Mio. l oder etwa 31 % des freigesetzten Volumens konnten nicht wiedergewonnen werden, zum Beispiel durch Umpumpen oder Umladen in andere Behälter (siehe Abb. „Freigesetztes und nicht wiedergewonnenes Volumen bei Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen“).

Laut dem Statistischen Bundesamt wurde im Jahr 2018 der überwiegende Teil der Schadstoffe bei 735 Unfällen in Anlagen freigesetzt. Dazu gehörten auch 30 Unfälle in Biogasanlagen, bei denen rund 3,8 Mio. l Jauche, Gülle und Silagesickersäfte sowie Gärsubstrate (JGS) freigesetzt wurden.

Der Anteil der JGS-Unfälle beim Umgang in Anlagen gemessen an allen Unfällen beim Umgang in Anlagen lag bei etwa 19 %. Das insgesamt nicht wiedergewonnene Volumen machte dabei mit rund 31 % einen erheblichen Anteil am gesamten freigesetzten Schadstoffvolumen aus. JGS sind nach AwSV (Verordnung zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen) als „allgemein wassergefährdend“ eingestuft. In großer Menge freigesetzt führen sie zu einer beträchtlichen Gefährdung der Umwelt.

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Die „Beförderung“ wassergefährdender Stoffe

Die Erhebung des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2018 ergab 1.713 Unfälle beim Transport wassergefährdender Stoffe, wobei insgesamt rund 0,7 Million Liter (Mio. l) dieser Schadstoffe freigesetzt wurden. Etwa 0,2 Mio. l bzw. 30 % davon konnten nicht wiedergewonnen werden. Unfälle bei der Beförderung machten 2018 70 % aller erfassten Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen aus, waren aber nur für etwa 7 % der freigesetzten Gesamtmenge ursächlich.

 

Der „Umgang“ mit wassergefährdenden Stoffen

735 Unfälle (knapp ein Drittel) wurden 2018 beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen in gewerblichen Anlagen und privaten Haushalten gezählt. Dabei wurden rund 9,6 Millionen Liter (Mio. l) Schadstoffe freigesetzt, etwa 6 % weniger als im Vorjahr (10,2 Mio. l).

 

Kategorien wassergefährdender Stoffe

„Wassergefährdend“ sind feste, flüssige und gasförmige Stoffe und Gemische, die geeignet sind, die Wasserbeschaffenheit dauernd oder in einem nicht nur unerheblichen Ausmaß nachteilig zu beeinflussen. Dazu zählen beispielsweise Heizöl, Kraftstoffe und chlorierte Kohlenwasserstoffe. Doch auch Naturprodukte wie Gülle und Mist, die die Gewässer mit Nährstoffen belasten, sind aufgrund ihrer Eigenschaften „wassergefährdend“.

Stoffe und Gemische, mit denen in Anlagen umgegangen wird, werden entsprechend ihrer Gefährlichkeit als „nicht wassergefährdend“ oder in eine der folgenden Wassergefährdungsklassen eingestuft:

  • Wassergefährdungsklasse 1: schwach wassergefährdend,
  • Wassergefährdungsklasse 2: deutlich wassergefährdend,
  • Wassergefährdungsklasse 3: stark wassergefährdend.

Darüber hinaus gelten folgende Stoffe und Gemische als „allgemein wassergefährdend“ und werden nicht in Wassergefährdungsklassen eingestuft: Wirtschaftsdünger (insbesondere Gülle oder Festmist, Jauche, tierische Ausscheidungen nicht landwirtschaftlicher Herkunft – auch in Mischung mit Einstreu oder in verarbeiteter Form), Silagesickersaft, Silage oder Siliergut, bei denen Silagesickersaft anfallen kann und Gärsubstrate landwirtschaftlicher Herkunft zur Gewinnung von Biogas sowie die bei der Vergärung anfallenden flüssigen und festen Gärreste.

 

Pflichten der Industriebetriebe

Jeder Betrieb, der mit wassergefährdenden Stoffen hantiert, muss sorgsam mit ihnen umgehen. Er muss Vorschriften des deutschen Wasserhaushaltsgesetzes und nachgeordneter Regelwerke einhalten. Seit dem 01.08.2017 ist die Verordnung für Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) in Kraft getreten und hat damit die Länderverordnungen abgelöst. Dadurch ist der Umgang mit wassergefährdenden Stoffen in Deutschland erstmals bundeseinheitlich geregelt. Betroffen von den o.g. Regelungen sind neben Betrieben, die solche Stoffe herstellen, weiter verarbeiten, verwenden, abfüllen, lagern oder umschlagen auch Privatpersonen, wenn sie mit einer gewissen Menge an wassergefährdenden Stoffen umgehen (zum Beispiel Heizölverbraucheranlagen). Treten nicht unerhebliche Mengen wassergefährdender Stoffe aus, die in der Lage sind, das Grundwasser oder ein Oberflächengewässer nachhaltig zu gefährden, muss dies unverzüglich der nach Landesrecht zuständigen unteren Wasserbehörde oder der nächsten Polizeidienststelle gemeldet werden. Das Statistische Bundesamt fasst diese Unfallanzeigen jedes Jahr in der statistischen Erhebung "Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen" zusammen.