Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen

Beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen und bei ihrem Transport kommt es immer wieder zu Unfällen. Die Chemikalien können in Flüsse, Seen, Meere und in das Grundwasser gelangen. Sie können dort das Leben von Fischen und anderen Wasserorganismen gefährden wie auch die Trinkwasserqualität. Menschliches Fehlverhalten ist die Hauptursache dieser Unfälle.

Inhaltsverzeichnis

 

Kenndaten zu Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen

Im Jahr 2015 wurden 2.600 Unfälle beim Transport von und beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen gemeldet. Dies waren 61 Unfälle mehr als im Vorjahr (siehe Abb. „Anzahl von Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen“). Insgesamt gelangten bei den Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen rund 15,5 Millionen Liter (Mio. l) Schadstoffe in die Umwelt. Die dabei freigesetzte Menge lag um etwa 31 Prozent (%) über der des Jahres 2014 (11,9 Mio. l). Rund 6,1 Mio. l oder etwa 39 % der freigesetzten Menge konnten jedoch wiedergewonnen werden, unter anderem durch Umpumpen oder Umladen in andere Behälter (siehe Abb. „Freigesetztes und nicht wiedergewonnenes Volumen bei Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen“).

Laut dem Statistischen Bundesamt wurde im Jahr 2015 der überwiegende Teil der Schadstoffe bei 786 Unfällen in Anlagen freigesetzt. Dazu gehörten auch 92 JGS-Unfälle, bei denen rund 9,6 Mio. l Jauche, Gülle und Silagesickersäfte sowie Gärsubstrate (JGS) freigesetzt wurden.

Der Anteil der JGS-Unfälle an allen Unfällen lag bei knapp 4,5 %. Die dabei freigesetzten Mengen machten mit rund 63 % den größten Anteil an der gesamten freigesetzten Schadstoffmenge aus. JGS-Unfälle sind nicht in eine Wassergefährdungsklasse eingestuft. In großer Menge freigesetzt führen sie jedoch zu einer beträchtlichen Gefährdung der Umwelt.

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Die „Beförderung“ wassergefährdender Stoffe

Die Erhebung des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2015 ergab 1.814 Unfälle beim Transport wassergefährdender Stoffe, wobei insgesamt rund 0,6 Million Liter (Mio. l) dieser Schadstoffe freigesetzt wurden. Etwa 0,3 Mio. l (46 Prozent (%)) davon konnten nicht wiedergewonnen werden. Unfälle bei der Beförderung machten 2015 somit rund 70 % aller erfassten Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen aus, waren aber nur für etwa 4 % der freigesetzten Gesamtmenge ursächlich. Der Anteil an freigesetzten Stoffen der Wassergefährdungsklasse 2, zu denen auch Heizöl für Privathaushalte und Diesel zählen, war dabei mit rund 27 % im Vergleich zu 32 % beim Unfallrahmen „Umgang“ annähernd gleich hoch. Rund 93 % aller Unfälle bei der Beförderung ereigneten sich mit Straßenfahrzeugen (1.690 Unfälle).

Bei etwa der Hälfte (ca. 50%) der Unfälle im Rahmen der Beförderung wassergefährdender Stoffe war menschliches Fehlverhalten die Hauptursache. Rund 22 % ließen sich auf Materialmängel an Fahrzeugen, Sicherheitseinrichtungen und Armaturen, auf Mängel an Behältern und Verpackungen oder auf sonstige Materialursachen zurückführen (siehe Abb. „Anzahl und Hauptursachen der Unfälle bei der Beförderung wassergefährdender Stoffe“). Bei den restlichen Unfällen wurde keine Angabe zur Unfallursache gemacht oder die Unfallursache beruhte weder auf einem Materialfehler noch auf menschlichem Fehlverhalten.

Die Zahl der Unfälle beim Befördern wassergefährdender Stoffe schwankte im Zeitraum von 1997 bis 2015 zwischen rund 1.200 und rund 1.800 Unfällen pro Jahr. Im Jahresschnitt gab es 1.497 solcher Unfälle.
Anzahl und Hauptursachen der Unfälle bei der Beförderung wassergefährdender Stoffe
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Der „Umgang“ mit wassergefährdenden Stoffen

786 Unfälle (knapp ein Drittel) wurden 2015 beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen in gewerblichen Anlagen und privaten Haushalten gezählt. Dabei wurden rund 14,9 Millionen Liter (Mio. l) Schadstoffe freigesetzt, etwa 37 Prozent mehr als im Vorjahr (10,9 Mio. l).

 

Kategorien wassergefährdender Stoffe

Wassergefährdend sind Stoffe und Gemische, die die Wasserbeschaffenheit beeinträchtigen können. Dazu zählen beispielsweise Heizöl, Kraftstoffe und chlorierte Kohlenwasserstoffe. Doch auch Naturprodukte wie Gülle und Mist, die die Gewässer mit Nährstoffen belasten, gelten als wassergefährdend.

Stoffe und Gemische, mit denen in Anlagen umgegangen wird, werden entsprechend ihrer Gefährlichkeit als „nicht wassergefährdend“ oder in eine der folgenden Wassergefährdungsklassen eingestuft:

  • Wassergefährdungsklasse 1: schwach wassergefährdend,
  • Wassergefährdungsklasse 2: deutlich wassergefährdend,
  • Wassergefährdungsklasse 3: stark wassergefährdend.

Darüber hinaus gelten folgende Stoffe und Gemische als „allgemein wassergefährdend“ und werden nicht in Wassergefährdungsklassen eingestuft: Wirtschaftsdünger, insbesondere Gülle oder Festmist, Jauche, tierische Ausscheidungen nicht landwirtschaftlicher Herkunft, auch in Mischung mit Einstreu oder in verarbeiteter Form, Silagesickersaft, Silage oder Siliergut, bei denen Silagesickersaft anfallen kann und Gärsubstrate landwirtschaftlicher Herkunft zur Gewinnung von Biogas sowie die bei der Vergärung anfallenden flüssigen und festen Gärreste.

 

Pflichten der Industriebetriebe

Jeder Betrieb, der mit wassergefährdenden Stoffen hantiert, muss sorgsam mit ihnen umgehen. Er muss Vorschriften des deutschen Wasserhaushaltsgesetzes und der Länder einhalten. Zurzeit wird in Deutschland eine bundeseinheitliche Verordnung für Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) vorbereitet, die voraussichtlich 2017 in Kraft tritt. Diese Vorschriften betreffen Betriebe, die solche Stoffe herstellen, weiter verarbeiten, einsetzen, abfüllen, lagern oder umschlagen. Ein Beispiel: Jede Person, die wassergefährdende Stoffe in einen Tank einfüllt oder daraus entnimmt, muss diesen Vorgang überwachen und sich vor Beginn der Arbeit davon überzeugen, dass alle Sicherheitseinrichtungen ordnungsgemäß funktionieren. Dies betrifft nicht nur Tankwagenfahrerinnen und -fahrer beim Beliefern einer Tankstelle, sondern auch Privatpersonen, die dort ihren Wagen betanken. Treten nicht unerhebliche Mengen wassergefährdender Stoffe aus, die das Grundwasser oder ein Oberflächengewässer gefährden können, muss dies unverzüglich der nach Landesrecht zuständigen Behörde oder der nächsten Polizeidienststelle gemeldet werden. Das Statistische Bundesamt fasst diese Unfallanzeigen jedes Jahr in der statistischen Erhebung "Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen" zusammen.