Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen

Beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen und bei ihrem Transport kommt es immer wieder zu Unfällen. Die Chemikalien können in Flüsse, Seen, Meere und in das Grundwasser gelangen. Sie können dort das Leben von Fischen und anderen Wasserorganismen bedrohen und die Trinkwasserqualität gefährden. Menschliches Fehlverhalten ist die Hauptursache dieser Unfälle.

Inhaltsverzeichnis

 

Kenndaten zu Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen

Im Jahr 2020 wurden 2.023 Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen gemeldet. Dies waren 328 Unfälle (ca. 14 %) weniger als im Vorjahr (siehe Abb. „Anzahl von Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen“). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, ist der Rückgang hauptsächlich auf weniger Unfälle bei der Beförderung wassergefährdender Stoffe mit Straßen-, Schienen-, Wasser- und Luftfahrzeugen zurückzuführen. Diese Entwicklung dürfte auch auf den Rückgang des Gütertransports im Jahr 2020 im Zuge der Corona-Krise zurückgehen.

Allerdings gelangten trotz des Rückgangs bei den Unfällen in Anlagen und bei der Beförderung wassergefährdender Stoffe insgesamt rund 7,7 Millionen Liter (Mio. l) Schadstoffe in die Umwelt. Das dabei freigesetzte Volumen betrug etwa ein Viertel der ungewöhnlich hohen Schadstoffmenge von 2019 (31,2 Mio. l) und war auch geringer als 2018 (10,3 Mio. l). Rund 3,0 Mio. l oder etwa 38,5 % des freigesetzten Volumens konnten dabei nicht wiedergewonnen werden, zum Beispiel durch Umpumpen oder Umladen in andere Behälter (siehe Abb. „Freigesetztes und nicht wiedergewonnenes Volumen bei Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen“). 2019 lag das Volumen der nicht wiedergewonnen Schadstoffe bei 2,8 Mio. l.

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Die „Beförderung“ wassergefährdender Stoffe

Die Erhebung des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2020 ergab 1.320 Unfälle beim Transport von wassergefährdenden Stoffen. Im Vergleich zu 2019 verringerte sich die Zahl dieser Unfälle um etwa 18 %. Insgesamt wurden rund 1,9 Millionen Liter (Mio. l) Schadstoffe freigesetzt, davon konnten etwa 1,2 Mio. l bzw. 66 % nicht wiedergewonnen werden. Dies stellt trotz der geringeren Anzahl der Unfälle eine Zunahme des freigesetzten Volumens im Vergleich zum Jahr 2019 dar. 2019 wurden 0,66 Mio. l wassergefährdende Stoffe freigesetzt, wovon 0,16 Mio. l nicht wiedergewonnen werden konnten. Unfälle bei der Beförderung machten 2020 65 % aller erfassten Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen aus, und sind dabei für 41% der freigesetzten und nicht wiedergewonnenen Gesamtmenge ursächlich.

 

Der „Umgang“ mit wassergefährdenden Stoffen

703 Unfälle wurden 2020 beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen in gewerblichen Anlagen und privaten Haushalten gezählt. Dabei wurden rund 5,8 Millionen Liter (Mio. l) Schadstoffe freigesetzt und 1,7 Mio. l nicht wiedergewonnen. Im Vergleich zu 2019 verringerte sich die Zahl der Unfälle und auch die Menge der freigesetzten und nicht wiedergewonnenen wassergefährdenden Stoffe. Von den 703 Unfällen wurden 202 Unfälle beim Umgang mit Heizölverbraucheranlagen, 89 bei JGS-Anlagen, 39 bei Tankstellen und 17 bei Biogasanlagen registriert.

Laut dem Statistischen Bundesamt handelt es sich bei 738 Kubikmeter (m3) (42 %) der in 2019 freigesetzten und nicht wiedergewonnen Menge um Jauche, Gülle, Silagesickersaft sowie vergleichbare in der Landwirtschaft anfallende Stoffe (JGS). Sie fallen überwiegend bei Unfällen in JGS-Anlagen und Biogasanlagen an. JGS sind nach der Verordnung für Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) als „allgemein wassergefährdend“ eingestuft. In großer Menge freigesetzt führen sie zu einer beträchtlichen Gefährdung der Umwelt. 26 % der weiteren freigesetzten wassergefährdenden Stoffe sind Mineralölprodukten zuzuordnen (442 m3). Diese sind überwiegend in Unfällen im Zusammenhang mit innerbetrieblicher Beförderung und Rohr-/Verbindungsleitungen in die Umwelt gelangt.

Von den 2020 gezählten 703 Unfällen haben 240 Unfälle eine Verunreinigung eines Oberflächengewässers zur Folge gehabt. Davon haben 19 Unfälle zu einem Fischsterben geführt, 24 zu einer Verunreinigung des Grundwassers und ein Unfall zur Verunreinigung einer Wasserversorgung.

Als Hauptursache wurden zu 28 % Materialversagen (Korrosion, Alterung oder Versagen von Schutzeinrichtungen) und zu 44 % Verhalten genannt. In 28 % der Unfälle wurde die Ursache nicht spezifisch dokumentiert.

 

Kategorien wassergefährdender Stoffe

„Wassergefährdend“ sind feste, flüssige und gasförmige Stoffe und Gemische, die geeignet sind, die Wasserbeschaffenheit dauernd oder in einem nicht unerheblichen Ausmaß nachteilig zu beeinflussen. Dazu zählen beispielsweise Heizöl, Kraftstoffe und chlorierte Kohlenwasserstoffe. Doch auch Naturprodukte wie Gülle und Mist, die die Gewässer mit Nährstoffen belasten, sind aufgrund ihrer Eigenschaften „wassergefährdend“.

Stoffe und Gemische, mit denen in Anlagen umgegangen wird, werden entsprechend ihrer Gefährlichkeit als „nicht wassergefährdend“ oder in eine der folgenden Wassergefährdungsklassen eingestuft:

  • Wassergefährdungsklasse 1: schwach wassergefährdend,
  • Wassergefährdungsklasse 2: deutlich wassergefährdend,
  • Wassergefährdungsklasse 3: stark wassergefährdend.

Darüber hinaus gelten folgende Stoffe und Gemische als „allgemein wassergefährdend“ und werden nicht in Wassergefährdungsklassen eingestuft: Wirtschaftsdünger (insbesondere Gülle oder Festmist, Jauche, tierische Ausscheidungen nicht landwirtschaftlicher Herkunft – auch in ⁠Mischung⁠ mit Einstreu oder in verarbeiteter Form), Silagesickersaft, Silage oder Siliergut, bei denen Silagesickersaft anfallen kann, und Gärsubstrate landwirtschaftlicher Herkunft zur Gewinnung von Biogas sowie die bei der Vergärung anfallenden flüssigen und festen Gärreste.

 

Pflichten der Industriebetriebe

Jeder Betrieb, der mit wassergefährdenden Stoffen hantiert, muss sorgsam mit ihnen umgehen. Er muss Vorschriften des deutschen Wasserhaushaltsgesetzes und nachgeordneter Regelwerke einhalten. Seit dem 01.08.2017 ist die Verordnung für Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) in Kraft getreten und hat damit die Länderverordnungen abgelöst. Dadurch ist der Umgang mit wassergefährdenden Stoffen in Deutschland erstmals bundeseinheitlich geregelt. Betroffen von den o.g. Regelungen sind neben Betrieben, die solche Stoffe herstellen, weiter verarbeiten, verwenden, abfüllen, lagern oder umschlagen auch Privatpersonen, wenn sie mit einer gewissen Menge an wassergefährdenden Stoffen umgehen (zum Beispiel Heizölverbraucheranlagen). Treten nicht unerhebliche Mengen wassergefährdender Stoffe aus, die in der Lage sind, das Grundwasser oder ein Oberflächengewässer nachhaltig zu gefährden, muss dies unverzüglich der nach Landesrecht zuständigen unteren Wasserbehörde oder der nächsten Polizeidienststelle gemeldet werden. Das Statistische Bundesamt fasst diese Unfallanzeigen jedes Jahr in der statistischen Erhebung "Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen" zusammen.

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Schlagworte:
 Wassergefährdene Stoffe  Unfälle  Gefahrstoffrecht  Gewässerstoffrecht  Wasserhaushaltsgesetz