Solare UV-Strahlung

Es liegt vor allem am geänderten Freizeit- und Sozialverhalten, dass Hautkrebs heute mehr als dreimal häufiger auftritt als Mitte der 1980er Jahre. Hauptursache ist die UV-Strahlung. Hohe UV-Belastungen sollten also vermieden werden. Orientierungshilfe bietet hier der UV-Index (UVI). Sonnenschutz ist ab einem UV-Index 3 erforderlich, der schon im Frühjahr in ganz Deutschland erreicht werden kann.

Inhaltsverzeichnis

 

Sonnenstrahlen können schaden

Die energiereiche ultraviolette Strahlung (UV-Strahlung) der Sonne umfasst den Wellenlängenbereich von 100 Nanometer (nm) bis 400 nm. Sie kann akute und chronische Haut- und Augenschäden verursachen.

  • Zu den akut auftretenden Wirkungen gehören Schädigungen, wie zum Beispiel der Sonnenbrand oder eine Entzündung der Hornhaut des Auges (Photokeratitis), aber auch die gesundheitlich positive Wirkung der Bildung des körpereigenen Vitamin D durch UV-B-Strahlung.
  • Zu den chronischen Schäden zählen die frühzeitige Hautalterung, der Hautkrebs sowie die Linsentrübung des Auges (Katarakt, grauer Star).

Vor allem infolge eines geänderten Freizeit- und Sozialverhaltens gibt es deutlich mehr Fälle von Hautkrebs. Die Häufigkeit der Neuerkrankungen verdoppelt sich alle 10 bis 15 Jahre und hat sich seit den 1980er Jahren mehr als verdreifacht. Bei der Mehrzahl der Hautkrebserkrankungen handelt es sich um Formen des „hellen Hautkrebses“, die meist gut behandelbar sind. Die Sterblichkeitsrate liegt bei ihnen unter 1 Prozent (%). Jedoch wächst er gewebezerstörend. Schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom) macht den kleineren Teil der Fälle aus, allerdings metastasiert dieser Krebs und führt unbehandelt zum Tod. Risikofaktoren für UV-bedingte Erkrankungen, insbesondere des Hautkrebses, sind Sonnenbrände (vor allem in der Kindheit), plötzliche, hohe UV-Belastungen von UV-entwöhnter Haut, die lebenslang erhaltene UV-Dosis und Solariennutzung.

Die erwünschte Wirkung der Vitamin-D-Bildung und die unerwünschten Wirkungen von UV-Strahlung sind nicht voneinander trennbar. Die UV-B-Strahlung, die die biologisch positive Wirkung der UV-Strahlung, die Vitamin-D-Bildung in der Haut, bewirkt, ist gleichzeitig Ursache für Sonnenbrand und Hautkrebs. Dies zwingt zu einem differenzierten, informierten Umgang mit UV-Strahlung und zu ausgewogenen Empfehlungen für die Bevölkerung. Unter der Leitung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) und in Kooperation mit dem UV-Schutz-Bündnis und weiteren Organisationen wurde von insgesamt 20 Behörden und Organisationen fachübergreifend eine Empfehlung zu UV-Strahlung und Vitamin D erarbeitet und veröffentlicht, die im Einklang mit den international anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnissen steht. Grundaussage ist, dass für eine ausreichende Vitamin-D-Bildung keine ausgiebigen UV-Bestrahlungen notwendig sind. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass ein Sonnenbrand unbedingt zu vermeiden ist. Der UV-Index kann dafür eine wichtige Orientierungshilfe bieten (siehe Schaubild „UV-Index“). Kinder sind besonders zu schützen und ein medizinisch diagnostizierter Vitamin-D-Mangel sollte ärztlich therapiert werden.

Das Schaubild zeigt eine UV-Index-Skala von eins bis elf+. Bei einem UV-Index von eins und zwei ist kein Schutz notwendig. Ab UVI 3 ist Schutz notwendig. Dazu gehört zum Beispiel, Schatten suchen, Kleidung und Sonnencreme.
Schaubild: UV-Index
Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz
 

Zeichen für eine zu hohe UV-Belastung: Sonnenbrand

Ein sichtbarer, relativ rasch auftretender Indikator für ein Zuviel an UV-Bestrahlung ist der Sonnenbrand. Er ist eine Entzündung der Haut, die sich durch Hautrötung und Schwellung der betroffenen Hautpartien zeigt. Der Höhepunkt der Beschwerden wird nach zwölf bis 36 Stunden erreicht. Häufige Sonnenbrände in der Kindheit und in der Jugend erhöhen das Risiko, am schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) zu erkranken, um das Zwei- bis Dreifache.

Ab welchen Aufenthaltszeiten in der Sonne der Mensch einen Sonnenbrand bekommt, ist individuell unterschiedlich. Das hängt zum einen von der Stärke der UV-Bestrahlung ab, zum anderen von der UV-Empfindlichkeit der Haut. Die UV-Empfindlichkeit ist bei nicht UV-gewöhnter Haut besonders hoch und kann mit zunehmender Gewöhnung durch Aufbau eines Hauteigenschutzes mittels Bräunung und Verdickung der Hornhaut (Bildung einer Lichtschwiele) vermindert werden. Der Eigenschutz der Haut sollte allerdings nicht überschätzt werden – er bietet nun geringen Schutz. Je nach UV-Empfindlichkeit werden 6 Hauttypen unterschieden. Die empfindlichsten Hauttypen sind Hauttyp I (rötliche Haare, helle Augen, sehr helle Haut, bräunt niemals) und Hauttyp II (helle Haut, helles Haar, helle Augen, bräunt nur langsam). Hauttyp I kann die UV-Empfindlichkeit nicht vermindern, Hauttyp II braucht dazu lange Gewöhnungszeiten. Wer also einen hellen Hauttyp hat, muss dementsprechend eher Sonnenschutzmaßnahmen – wie zum Beispiel Aufsuchen von Schatten, Anziehen von Kleidung, Eincremen mit Sonnenschutzmitteln oder Tragen einer Sonnenbrille – als Personen mit dunkleren Hauttypen ergreifen.

 

Orientierungshilfe UV-Index

Wie stark eine Person der UV-Strahlung ausgesetzt ist, hängt neben dem eigenen Verhalten von äußeren Faktoren ab. Die bodennahe UV-Bestrahlungsstärke wird hauptsächlich durch Sonnenstand, Breitengrad sowie Bewölkung beeinflusst. Ein niedriger Sonnenstand und hohe Breitengrade sowie dichte Bewölkung reduzieren die Intensität der UV-Strahlung. Dichte Bewölkung kann beispielsweise die UV-Strahlung am Erdboden um bis zu 80 Prozent (%) reduzieren. Dagegen wird durch dünne Wolkendecken UV-Strahlung kaum abgehalten. Bestimmte Bewölkungssituationen können die UV-Belastung aufgrund erhöhter Streustrahlung sogar steigern.

Da UV-Strahlung und ihre Intensität für den Menschen nicht wahrnehmbar ist, geben ausschließlich Messungen und Satelliten-gestützte Modellrechnungen Auskunft über die herrschende UV-Bestrahlungsstärke. Ein Maß für die höchste sonnenbrandwirksame UV-Bestrahlungsstärke, die von der Sonne während des Tages auf einer horizontalen Fläche hervorgerufen wird, ist der UV-Index (UVI). Der UV-Index kann auch als eine über den Tag variierende Größe dargestellt sein. In diesem Fall wird die über den Tag ansteigende und fallende UV-Bestrahlungsstärke angezeigt. Der UV-Index ist eine weltweit einheitliche Größe, die in ganzen Zahlen von 1 bis 11+ angegeben wird und als Skala zu verstehen ist, die – ähnlich wie die Richter-Skala bei Erdbeben – Richtwerte über die herrschende UV-Bestrahlungsstärke angibt. Je höher der UV-Index ist, desto höher ist die sonnenbrandwirksame UV-Bestrahlungsstärke, desto schneller kann bei ungeschützter Haut ein Sonnenbrand auftreten und desto eher sind Sonnenschutzmaßnahmen zu ergreifen. Die UV-Index-Skala ist in verschiedene Bereiche unterteilt, für die unterschiedliche Schutzempfehlungen gelten (siehe Schaubild „UV-Index“).

Seit den 1990er Jahren betreibt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zusammen mit dem Umweltbundesamt (UBA) sowie weiteren assoziierten Institutionen ein aus derzeit 10 Stationen bestehendes Messnetz zur Erfassung der bodennahen solaren UV-Strahlung in Deutschland und veröffentlicht den davon abgeleiteten UV-Index als Orientierungshilfe sowohl in Form aktueller Messwerte als auch als Vorhersagen.

Das Schaubild zeigt eine UV-Index-Skala von eins bis elf+. Bei einem UV-Index von eins und zwei ist kein Schutz notwendig. Ab UVI 3 ist Schutz notwendig. Dazu gehört zum Beispiel, Schatten suchen, Kleidung und Sonnencreme.
Schaubild: UV-Index
Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz
 

Klimawandel und UV-Strahlung

Die mit dem Klimawandel einhergehenden Veränderungen und Extremwetterereignisse haben auch Einfluss auf den Umweltparameter UV-Strahlung. Es wird prognostiziert, dass es aufgrund der klimawandelbedingten Erwärmung zu einem veränderten Freizeitverhalten mit vermehrten Aktivitäten im Freien und einer dadurch erhöhten UV-Belastung kommen könnte (Kandarr et al., 2014). Ebenfalls werden dem Klimawandel sogenannte „Niedrig-Ozon-Ereignisse“ (low ozone events) Ende März/Anfang April in der nördlichen Hemisphäre zugeschrieben (WMO, 2014). Diese können auch Deutschland erreichen. Aufgrund der dünnen Ozonschicht ist dann die UV-Bestrahlungsstärke erhöht, da mehr UV-B-Strahlung die Erdoberfläche erreicht. Dies bedeutet in einer hierfür unüblichen Jahreszeit unerwartet hohe UV-Belastungen.

Angesichts solcher Erkenntnisse und aufgrund dessen, dass UV-bedingte Erkrankungen das Wohl der Allgemeinheit nachhaltig belasten sowie hohe und stetig steigende Kosten für das Gesundheitswesen nach sich ziehen, drängen die Ärzteschaft und Institutionen des Strahlenschutzes darauf, wirkungsvolle Präventionsmaßnahmen zur Vorbeugung UV-bedingter Erkrankungen, insbesondere des UV-induzierten Hautkrebses, voranzutreiben und zu stärken. Dies ist der beste Weg, um das Risiko für UV-bedingte Erkrankungen, insbesondere des Hautkrebses, auf lange Sicht effektiv zu reduzieren.