WW-R-2 Gewässerstruktur

Renaturiertes Flüßchen.zum Vergrößern anklicken
Mit Renaturierungsmaßnahmen werden Gewässer wieder in einen naturnäheren Zustand versetzt.
Quelle: Petra Dirscherl / pixelio.de

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

WW-R-2: Gewässerstruktur

Die Gewässerstruktur wird als ein unterstützender Parameter zur Bewertung der Fließgewässer nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie herangezogen. Mittelt man die Strukturklassenwerte aller bei der Bewertung im Jahr 2009 berücksichtigten Fließgewässerstrecken, so kommt man zu aggregierten Werten, die für eine deutlich veränderte bzw.  stark veränderte Gewässerstruktur stehen. Dies signalisiert großen Handlungsbedarf.

Mittlere Strukturklasse gemäß LAWA-Klassifizierung von erheblich und nicht erheblich veränderten Gewässern, von 2009 bis 2027.
WW-R-2 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Zurück zur natürlichen Struktur der Gewässer

Mit den Landnutzungsveränderungen der vergangenen Jahrhunderte sind starke Veränderungen im Landschaftswasserhaushalt einhergegangen. Die Abholzung von Auenwäldern, die Begradigung von Flüssen und die Bebauung von Überschwemmungsgebieten haben dazu geführt, dass die Landschaft weniger Wasser zurückhalten kann und Niederschlagswasser schneller abfließt.
Extremereignisse werden dadurch verstärkt, in Perioden starker Niederschläge steigt die Gefahr von Hochwasser, in Trockenperioden nimmt die Dürregefahr zu. Der Klimawandel verschärft durch die jahreszeitlichen Niederschlagsverschiebungen, intensivere Starkregenereignisse und ausgeprägtere Trockenheitsperioden die Folgen dieser Entwicklung.

Natürliche und naturnahe Gewässer- und Landschaftsstrukturen haben eine ausgleichende Wirkung auf den Landschaftswasserhaushalt und wirken einer Verschärfung von Extremereignissen entgegen. Gewässer und Gewässerrandbereiche mit natürlichen oder naturnahen Strukturen fördern den Wasserrückhalt in den Einzugsgebieten. Mäandrierende Flüsse und Bäche weisen im Vergleich zu begradigten Gewässern eine längere Fließstrecke und ein geringeres Gefälle auf. Dadurch bremsen sie die Fließgeschwindigkeit des Wassers und können Hochwasserscheitel, d. h. die Abflussmaxima von Hochwässern, mindern. Eine durchlässige Gewässersohle aus Sanden und Kiesen erlaubt natürlicherweise einen Austausch zwischen Oberflächenwasser und Grundwasser und kann dadurch bis zu einem gewissen Maße Hochwasserspitzen oder Wassermangel in Trockenzeiten abpuffern. Auch an den Gewässerlauf angebundene Altarme können Ausgleichsfunktionen übernehmen, indem sie einen Teil des Hochwasserabflusses aufnehmen.

Die Wiederherstellung natürlicher oder naturnaher Gewässerstrukturen durch Renaturierungsmaßnahmen stabilisiert somit den Wasserhaushalt der Landschaft und erhöht deren Widerstandskraft gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels. Wichtig für die Konzeption von Renaturierungsmaßnahmen an Gewässern ist dabei, die Wirksamkeit der Maßnahmen gegenüber beiden Extremen, dem Niedrigwasser und dem Hochwasser, zu prüfen.

Viele Pflanzen und Tiere sind an die spezifischen Lebensraumbedingungen natürlicher Gewässer und eine naturnahe Flussdynamik und damit an extreme Bedingungen angepasst. Mit Blick auf die sich infolge des Klimawandels ändernden Bedingungen in Gewässerlebensräumen, insbesondere die möglicherweise steigenden Wassertemperaturen, sind viele aquatische Organismen darauf angewiesen, innerhalb des Fließgewässerlaufs wandern zu können, um gezielt Bereiche mit für sie günstigen Bedingungen aufzusuchen. Wird im Zuge von Gewässerrenaturierungen die ökologische Durchgängigkeit der Fließgewässer wiederhergestellt, so unterstützen diese Maßnahmen auch unter diesem Gesichtspunkt die Anpassung an den Klimawandel.

Die Ziele der Anpassung für die Entwicklung der Gewässerstruktur decken sich in wesentlichen Aspekten mit dem Ziel der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) zur „Erreichung des guten ökologischen Zustands“ der Gewässer. Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen an Gewässern, die primär umgesetzt werden, um die ökologischen und auch ökonomischen Ziele der Wasserrahmenrichtline zu erreichen, unterstützen damit in aller Regel auch die Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Bezüglich der Zielsetzung unterscheidet man zwischen Fließgewässern, die erheblich verändert sind, und solchen, die nicht erheblich verändert sind.

Aufgrund der bereits vollzogenen Eingriffe und der aktuellen Nutzung ist für die als erheblich verändert eingestuften Wasserkörper die Erreichung des guten ökologischen Zustands nicht möglich, zumindest nicht direkt. Stattdessen ist ein gutes ökologisches Potenzial zu erreichen. Als ein unterstützender Parameter unter anderen wird für die Bewertung des ökologischen Zustands oder Potenzials auch die Gewässerstruktur herangezogen.

Eine Bewertung der Strukturgüte der Fließgewässer mit Stand 2009, die – mit Ausnahme Bayerns – alle Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet von mindestens 10 Quadratkilometern einbezog, macht deutlich, dass bezüglich der Verbesserung der Gewässerstrukturen noch erheblicher Handlungsbedarf besteht. So sind bei den erheblich veränderten Gewässern mit einem Mittelwert aller erfassten Fließgewässerstrecken von 5,4 auf einer Skala von 1 (unverändert) bis 7 (vollständig verändert) deutliche Dezifite zu erkennen. Die nicht erheblich veränderten Gewässer schneiden mit einem Mittelwert von 4,4 zwar besser ab, aber auch hier sind weitere Maßnahmen dringend erforderlich.

 

Schnittstellen

WW-I-3 Hochwasser

WW-I-4 Niedrigwasser

BD­-I­-3: Rückgewinnung von Überflutungsflächen

RO-R-1: Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft

RO-R-2: Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Grundwasserschutz und Trinkwassergewinnung

RO-R-3: Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für (vorbeugenden) Hochwasserschutz

 

Ziele

Erreichung eines guten Zustandes der Oberflächengewässer (Richtlinie 2000/60/EG – Wasserrahmenricht- linie, Art. 4 (1))

Bevorzugung von Maßnahmen in der WRRL, die die natürliche Anpassungsfähigkeit der Gewässer wie auch die Lebensraum- oder Habitatvielfalt unserer Gewässer erhalten oder stärken (DAS, Kap. 3.2.3).