WW-I-10 Intensität von Sturmfluten

Warnschild vor Sturmflutschäden in überfluteter Hafenanlage.zum Vergrößern anklicken
Sturmfluten sind eine Bedrohung für küstennahe Infrastukturen.
Quelle: J.Bredehorn / pixelio.de

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

WW-I-10: Intensität von Sturmfluten

Die Entwicklung der Sturmfluten an der Nord­ und Osteeküste zeigt an den berücksichtigten Pegeln keine eindeutigen Trends. Lediglich am Nordseepegel Dagebüll lässt sich statistisch ein quadratischer Trend ermitteln, dessen Gründe aber nicht eindeutig sind. Obwohl der Meeresspiegel gestiegen ist, hat dies bisher keine statistisch nachweisbaren Auswirkungen auf die Intensität von Sturmfluten.

Mittelwerte der jährlichen höchsten (Tide-)hochwasser über 10 Jahreszeiträume (cm): Dagebüll, Norderney und Cuxhaven = höchstes Tidehochwasser, Flensburg und Warnemünde = jährlich höchstes Hochwasser, von 1981 bis 2013.
WW-I-10 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Bisher kein Anstieg der Sturmflutintensitäten

Sturmfluten entstehen, wenn Wind mit Sturm­ oder Orkanstärke größere Wassermassen gegen eine Küste drückt. Bei Neumond oder Vollmond wirken die Anziehungskräfte von Sonne und Mond zusammen und erzeugen einen natürlichen Flutberg. Die Gefahr von Sturmfluten ist daher in dieser Zeit am größten. An der Nordseeküste wird von einer Sturmflut gesprochen, wenn der Wasserstand 1,50 m über dem mittleren Hochwasserstand liegt.

An der Ostsee, wo die Gezeiten kaum eine Rolle spielen, bestimmen vor allem die Dauer und die Stärke des Windes, ob eine Sturmflut entsteht. Hier gelten Wasserstände ab einem Meter über dem mittleren Wasserstand als Sturmflut. An der Ostsee kommen außerdem die sogenannten „Seiches“ (frz. für stehende Welle) zum Tragen, bei denen bei West- oder Nordwestwinden, die oft bereits zu Sturmfluten an der Nordseeküste führen, das Wasser von der deutschen Ostseeküste weggedrückt wird. Bei einem Nachlassen des Sturms schwappt das Wasser dann zurück und führt zu Sturmfluten an der westlichen Ostseeküste. Zusätzlich tragen Luftdruckveränderungen, die Eigenschwingungen der Wassermassen erzeugen, wesentlich zu Wasserstandsschwankungen bei.

Der Anstieg des Meeresspiegels zum einen und das Auftreten von stärkeren Winden zum anderen können vermehrt zu Sturmflutereignissen bzw. zu größeren Sturmfluthöhen führen. Aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels an der Nordsee in den letzten hundert Jahren haben Sturmfluten in der Nordsee heute ein höheres Ausgangsniveau und laufen durchschnittlich höher auf.7 Zu einem Anstieg des Sturmflutspiegels kommt es außerdem durch die zunehmende Bedeichung und in jüngster Zeit auch durch das Absperren aller Nebenflüsse von Ems, Weser und Elbe. Damit sind die natürlichen Überflutungsflächen erheblich eingeengt worden.

Größere Sturmflutereignisse führen im Allgemeinen zu Schäden an küstennahen Gebäuden und Infrastrukturen. Vor allem an der Nordsee führten große Sturmfluten in der Vergangenheit auch zu großen wirtschaftlichen Schäden. Nach der großen Nordfrieslandflut im November 1981 kam es zu umfangreichen Schäden vor allem an den durch Dünen und nicht durch Deiche gesicherten Nordseeinseln. Nach diesem Ereignis wurde erstmals darüber gesprochen, dass die Insel Sylt in mehrere Teile zerbrechen könnte. Der Pegelstand in Dagebüll stieg auf 4,72 Meter. Der Orkan Anatol im Dezember 1999 erreichte Sturmspitzen von bis zu 200 Stundenkilometern und führte kurzfristig zu einem sehr hohen Anstieg der Pegelstände im gesamten Nordseegebiet. Am Pegel Cuxhaven stieg der Pegelstand auf 4,56 Meter. Die Deiche hielten dem Wasser stand, aber es kam zu Schäden an Gebäuden und zu einer Unterbrechung der Stromversorgung in einigen Dörfern. Im Dezember 2013 war das gesamte Nordseegebiet von Orkan Xaver und einer sehr schweren Sturmflut betroffen. Die Deiche am Festland hielten den Wassermassen stand, aber an den ost- und westfriesischen Inseln kam es zu starken Dünenabbrüchen. Juist sowie Sylt, Föhr und Amrum waren besonders betroffen. Am Sylter Strand wurde die Dünenlandschaft auf einer Länge von 23 Kilometern beschädigt.

Die Intensität der Sturmfluten wird mit dem jährlich höchsten Tidehochwasser (HThw) an den Nordseepegeln bzw. dem jährlich höchsten Hochwasser (HW) an den Ostseepegeln beschrieben. Diese Werte werden auch der Bemessung des Hochwasserschutzes an der Nord- und Ostseeküste zugrunde gelegt. Der Indikator betrachtet das höchste Tidehochwasser pro Jahr an der Nordsee und das höchste Hochwasser pro Jahr an der Ostsee. Für diese Wasserstände wurde ein gleitendes Mittel über die letzten zehn Jahre ermittelt.

Aus der Darstellung auf Basis gleitender 10-Jahresmittelwerte sind extreme Einzelereignisse nicht abzulesen. Lediglich Häufungen von solchen Ereignissen führen zu  ansteigenden Werten. Über die gesamte Zeitreihe betrachtet lässt sich für die ausgewählten Pegel bisher kein Trend ableiten.

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7 von Storch H., Meinke I., Weisse R. 2009: Nordseesturmfluten im Klimawandel. Vortrag auf dem Symposium “Stormvloed 1509 – Geschiedenis van de Dollard”, 19. September 2009.

 

Schnittstellen

WW-I-9: Meeresspiegel

WW-R-3: Investitionen in den Küstenschutz

 

Ziele

Raumordnerische Voraussetzungen für den Schutz gegen zunehmende Sturmflut­ und Hochwasserrisiken (DAS, Kap. 3.2.14)