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Letzte Änderung: 10.02.2012
In Deutschland gibt es über 300 größere Talsperren. Über 130 Talsperren dienen der Trinkwassergewinnung für rund 10 % der Bevölkerung. Weitere rund 20 % der Bevölkerung werden aus Flüssen oder Seen versorgt, wobei in den meisten Fällen das Oberflächenwasser durch Uferfiltration oder Langsamsandfiltration aufbereitet wird.
Ein häufiges Problem in Talsperren, Flüssen und Seen ist das Auftreten von Algen- oder Cyanobakterienarten. In großen Mengen beeinträchtigen alle Cyanobakterien und Algenarten die Trinkwassergewinnung und die Nutzung als Badegewässer. Als Gegenmaßnahme hilft nur die Beherrschung der Eutrophierung durch Sanierung der Nährstoffzufuhr.
Dennoch stören auch In geringerer Zelldichte manche Arten mehr als andere, z.B.
Für die Trinkwassernutzung ist ein erhöhter Aufwand bei der technischen Aufbereitung die Folge, und bei der Badegewässernutzung bleibt bei erhöhtem Auftreten giftiger Arten kurzfristig nur die vorübergehende Sperrung.
Für die Bewertung des Risikos, dass solche Arten auftreten und für die Planung von möglichst wirksamen Gegenmaßnahmen sind Prognosemodelle wertvoll, mit deren Hilfe anhand der chemischen, hydrophysikalischen und biologischen Charakteristika vorhergesagt werden kann, welche Arten etwa in welchen Mengen zu erwarten sind. Die Steuermechanismen des Artenvorkommens sind in ihren komplexen Interaktionen jedoch erst teilweise bekannt, und dies hemmt derzeit die Entwicklung mechanistischer Modelle.
Im UBA wird ein anderer Weg versucht, nämlich aus der Auswertung von Gewässerüberwachungsdaten statistische Prognosemodelle abzuleiten.
Ein erstes Ergebnis liegt aus der Zusammenarbeit mit verschiedenen Talsperrenverwaltungen in einem durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt vor. Dabei wurde das Auftreten elf solcher Problemarten in 24 deutschen Mittelgebirgstalsperren untersucht.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, unter welchen spezifischen Bedingungen die jeweilige Art verstärkt vorkommt, d.h. sie charakterisieren das Habitat dieser Arten. Diese Arbeiten werden derzeit weitergeführt, insb. im Hinblick auf das Vorkommen potenziell toxischer Cyanobakterien.
Für nähere Information siehe den deutschsprachigen Abschlussbericht dieses Projekts sowie die Fachpublikation: Niesel et al. 2007.
Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF von 1999 bis 2002 als Teilprojekt im Gesamtprojekt „Strategien zur Vermeidung des Vorkommens ausgewählter Algen- und Cyanobakterienmetabolite im Rohwasser”. BMBF FKZ 02 WT9852/7
Dieser Ansatz soll durch Einbeziehung weiterer Datensätze weiter entwickelt werden, insb. im Hinblick auf die Prognose des Vorkommens potenziell toxischer Cyanobakterien. Durch Auswertung sehr großer Datensätze, wie sie ggf. in Folge der Wasserrahmenrichtlinie zu erwarten sind, wäre eine Reduzierung der Prognoseunsicherheit erreichbar. Auch könnten Wahrscheinlichkeiten des Auftretens abgeleitet werden.
Niesel, V.; Chorus, I.; Sudbrack, R.; Willmitzer, H.; Hoehn, E. 2007: The probability of occurrence of the dinoflagellates Gymnodinium uberrimum and Peridinium willeii in German reservoirs. Journal of Plankton Research; doi: 10.1093/plankt/fbm017
Niesel, V.; Chorus, I.; Hoehn, E.; Sudbrack, R.; Willmitzer, H. (2006): Ist das Auftreten von problematischen Phytoplanktonorganismen mit einem einfachen statistischen Modell (MOPS) vorhersehbar? Rostock. Meeresbiolog. Beitr. 2006. 15, S. 25-35
Chorus, I.; Niesel, V. (2004): Prognosemodelle der Artenzusammensetzung des Talsperren-Phytoplanktons. Abschlussbericht des BMBF-Forschungsvorhabens „Strategien zur Vermeidung des Vorkommens ausgewählter Algen- und Cyanobakterienmetabolite im Rohwasser” FKZ: 02 WT9852/7
Niesel, V.; Chorus, I.; Sudbrack, R.; Willmitzer, H.; Hoehn, E. (2003): Das Auftreten von problematischen Phytoplanktonarten in Talsperren. DGL Tagungsbericht 2002 Band II. S. 681 - 686