Altauto, Altautoverwertung

Altautos auf einem Schrottplatzzum Vergrößern anklicken
Altautos vor der Zerlegung auf einem Schrottplatz
Quelle: CC Vision

Inhaltsverzeichnis

 

Unsere Tipps

  • Geben Sie Ihr Altauto zur Verschrottung nur einem anerkannten Altfahrzeug-Demontagebetrieb oder einer Annahmestelle für Altfahrzeuge.
  • Lassen Sie sich einen Verwertungsnachweis ausstellen.
  • Vorsicht vor lukrativen Kauf-Angeboten: Verkaufen Sie nur „wirkliche“ Gebrauchtwagen und keine Autowracks weiter, denn sonst könnte es sein, dass Sie eine Ordnungswidrigkeit begehen.
 

Gewusst wie

Ein Auto setzt sich aus einer Vielzahl von Wertstoffen zusammen. Außerdem enthält es umweltgefährdende Substanzen. Wertstoffe wie Stahl und Kupfer können durch eine sachgerechte Entsorgung wiederverwertet werden. Substanzen wie Blei oder FCKW müssen so entsorgt werden, dass eine Gefährdung der Umwelt ausgeschlossen werden kann.

Wo kann ich mein Altfahrzeug abgeben?

Wer einen Pkw (Fahrzeug der Klasse M1) oder ein leichtes Nutzfahrzeug (Klasse N1) verschrotten lassen möchte, muss dieses einem der über 1.200 anerkannten Demontagebetriebe oder einer anerkannten Annahme- oder Rücknahmestelle überlassen. Demontagebetriebe, Annahme- und Rücknahmestellen unterliegen in Deutschland einer Zertifizierungspflicht und müssen spezifische Umweltstandards erfüllen. Bringen Sie Ihr Altauto deshalb nur zu einem anerkannten Betrieb.

In der Regel ist dies für den Letzthalter des Fahrzeugs unentgeltlich. In der Praxis kann der Letzthalter teilweise – je nach Fahrzeugzustand und Marktpreisen – sogar Geld erhalten. Gehört der Demontagebetrieb, die Annahme- oder Rücknahmestelle zum Rücknahmetz des Fahrzeugherstellers Ihres Fahrzeugs, haben Sie sogar einen Anspruch auf eine unentgeltliche Annahme des Altfahrzeugs. Vorausgesetzt, das Fahrzeug enthält noch die wertstoffhaltigen Bauteile wie Motor, Katalysator etc..
Den nächsten anerkannten Demontagebetrieb finden Sie zum Beispiel auf der Internetseite der Gemeinsamen Stelle Altfahrzeuge (GESA) (siehe Links), in der Rubrik „Suche nach Betrieben“. Auch Fahrzeughersteller oder kommunale Abfallberatungen geben hierüber Auskunft.

Beim Demontagebetrieb bekommen Sie auch den vorgeschriebenen Verwertungsnachweis, den Sie der Zulassungsstelle bei der Außerbetriebsetzung Ihres Fahrzeugs vorzulegen haben.

Altauto von Gebrauchtwagen unterscheiden:

Nach dem Abfallrecht ist ein Fahrzeug ein Altfahrzeug, wenn sich der Besitzer des Fahrzeugs entledigt, entledigen will oder entledigen muss. Seit September 2011 gibt es für Fahrzeuge, die ex- oder importiert werden sollen, Leitlinien mit einer Reihe von Kriterien. Mit diesen kann ein Gebrauchtwagen von einem Altfahrzeug abgegrenzt werden: die „Anlaufstellen-Leitlinien Nr. 9 über die Verbringung von Altfahrzeugen “ (siehe Quelle unten). Danach müssen Gebrauchtfahrzeuge entweder direkt betriebsbereit sein oder nur geringfügige Reparaturen benötigen, was bei Bedarf durch Sachverständige zu bescheinigen ist. Grundlegende Bauteile wie der Motor oder die Achsen dürfen nicht stark beschädigt sein. Als Altfahrzeuge hingegen sind beispielsweise Totalschäden einzustufen. Akute Sicherheits- und Umweltgefahren wie auslaufende Betriebsflüssigkeiten sind eins von mehreren Indizien dafür, dass es sich um ein Altfahrzeug handeln könnte. Fahrzeuge, die als Abfall einzustufen sind, sind ordnungsgemäß zu verschrotten (siehe oben). Vorsicht ist deshalb geboten vor lukrativen Kauf-Angeboten: Verkaufen Sie nur „wirkliche“ Gebrauchtwagen und keine Autowracks als Gebrauchtwagen weiter, denn sonst könnte es sein, dass Sie eine Ordnungswidrigkeit begehen.

Was Sie noch tun können:

  • Bevor Sie sich wieder ein neues Auto kaufen: Beachten Sie auch unsere Beiträge zu Car-Sharing und zum Autokauf.
 

Hintergrund

Umweltsituation

Die ordnungsgemäße Demontage und Verwertung von Altfahrzeugen dient insbesondere zwei Umweltzielen:

  1. Ein Auto enthält umweltgefährdende Substanzen wie Bremsflüssigkeiten, Motoren- und Getriebeöle, FCKW in Klimaanlagen und Blei in Batterien, die nicht in die Umwelt gelangen dürfen. Daher müssen sie so entsorgt werden, dass eine Gefährdung der Umwelt ausgeschlossen werden kann.
  2. Ein Auto setzt sich außerdem wertvollen Rohstoffen wie rund 75 Prozent Metall (Stahl, Kupfer, Leichtmetalle, Edelmetalle), daneben Glas, Reifen und anderen Kunststoffen zusammen. Hochwertig recycelt tragen sie zur Ressourcenschonung bei.

Die Verwertung der Altfahrzeuge erfolgt in Deutschland meist in zwei Stufen: Zuerst wird das Fahrzeug in einem Demontagebetrieb trockengelegt. Hierzu werden Betriebsflüssigkeiten, Treibstoff, Kühlerflüssigkeit, Motor-, Getriebe- und weitere Öle, Kältemittel der Klimaanlagen etc. abgelassen und aufgefangen. Außerdem werden Ersatzteile zur Wiederverwendung entnommen, Airbags und schadstoffhaltige Bauteile entfernt und weitere Teile wie Reifen, Starterbatterie und Katalysator zur Wiederverwendung und Verwertung demontiert. Während der zweiten Stufe erfolgt das Schreddern der Restkarosse, wobei zum einen ein eisen- und stahlhaltiger Schredderschrott sowie eine buntmetallige Schredderschwerfraktion gewonnen werden. Diese werden, teilweise nach einer weiteren Aufbereitung, an Metallhütten verkauft. Insgesamt können etwa 97 Prozent der im Altfahrzeug enthaltenen Metalle recycelt werden. Darüber hinaus fällt eine Schredderleichtfraktion als Abfallstrom an. Diese macht etwa 25 Prozent des Gewichts der Restkarossen aus und ist ein heterogenes Gemisch aus verschiedensten Materialien wie Kunststoff, Gummi, Glas, Restmetalle. Sie ist in der Regel schadstoffhaltig. Sie wird meist in Müllverbrennungsanlagen energetisch verwertet beziehungsweise im Deponiebau oder Bergversatz eingesetzt.

Auch wenn die geforderten Verwertungsquoten in Deutschland erreicht werden (siehe unten), gibt es noch Verbesserungspotenziale bei der Altfahrzeugverwertung. Diese betreffen die hochwertige Verwertung der Kunststoffe, des Fahrzeugglases und der beim Schredderprozess anfallenden Schredderleichtfraktion. Die gezielte Demontage und Verwertung der zunehmend anfallenden edelmetallhaltigen Autoelektronik-Bauteile stellt ebenfalls eine Herausforderung dar. Denn die Herstellung von Edelmetallen wie Gold, Silber und Palladium ist mit relativ großen Umweltbelastungen verbunden. So verursacht beispielsweise die Primärherstellung von 0,001 Kilogramm Platin so viel CO2-Emmissionen wie die Herstellung von sieben Kilogramm Kupfer (Berechnung auf der Basis von PROBAS).

Gesetzeslage

Die Verwertung von Altautos ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Den rechtlichen Rahmen setzt die Altfahrzeugverordnung, welche für Pkws und leichte Nutzfahrzeuge (bis 3,5 t) gilt. Sie verpflichtet die Fahrzeughersteller zur kostenlosen Rücknahme der Altfahrzeuge über ein flächendeckendes Netz: Rücknahmemöglichkeiten dürfen maximal 50 Kilometer vom Wohnsitz der Fahrzeughalter entfernt sein. Darüber hinaus gibt sie beispielsweise Verwertungsquoten vor und stellt technische Anforderungen an die Altfahrzeugbehandlung.

Für die Entsorgung anderer Kraftfahrzeuge wie Busse, Lkws und Motorräder gibt es keine spezielle Vorschrift. Sie richtet sich nach den allgemeinen Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes.

Marktbeobachtung

Auf deutschen Straßen rollen über 40 Millionen Pkw. Rund drei Millionen davon werden jährlich endgültig stillgelegt. Von den endgültig stillgelegten Pkw und leichten Nutzfahrzeugen werden jährlich etwa 500.000 in anerkannten Demontagebetrieben zerlegt. Durch die Abwrackprämie fielen im Jahr 2009 einmalig 1,78 Millionen Altfahrzeuge an. Rund 1,1 Millionen Autos werden als Gebrauchtwagen exportiert, davon 800.000 in EU-Staaten und 300.000 in Nicht-EU-Staaten. Für 1,3 Millionen Fahrzeuge liefern die verfügbaren Statistiken keine Angaben. Hierbei handelt es sich überwiegend um weitere, statistisch nicht erfasste Gebrauchtwagenexporte. In geringeren Mengen betrifft es Diebstähle und Fahrzeugnutzungen auf privatem Gelände.

Verwertungsquoten in Deutschland: Die EU-weit vorgegebenen Verwertungsquoten von 80 Prozent für Wiederverwendung und Recycling beziehungsweise 85 Prozent für die Verwertung insgesamt (d.h. Wiederverwendung, Recycling und energetische Verwertung) werden in Deutschland seit 2006 stets übertroffen (BMU/UBA 2012): Im Jahr 2008 wurden 89,2 Prozent wiederverwendet beziehungsweise recycelt und insgesamt 92,9 Prozent verwertet. Im Jahr 2009, in dem die Altfahrzeugverwertung stark durch die Abwrackprämie geprägt wurde, waren es immerhin 82,9 Prozent bezeihungsweise 86,7 Prozent. Die zeitversetzte Behandlung und Verwertung aufgestauter Altfahrzeuge als Nachwirkung der Abwrackprämie führte rechnerisch für das Jahr 2010 zu einer Verwertungsquote von über 100 Prozent. Nach einem vollständigen Abbau der Zwischenlager aus der Zeit der Abwrackprämie werden sich die Verwertungsquoten wieder normalisieren.

Sollte man ausrangierte Fahrzeuge als Gebrauchtwagen exportieren?
Der Gebrauchtfahrzeugexport ist vom Grundsatz her sinnvoll, da hierdurch sehr viel Energie und Ressourcen für die Herstellung eines neuen Fahrzeugs gespart werden können. Der Handel und die Weiternutzung von Gebrauchtfahrzeugen sind in vielen Importländern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und steigern die Mobilität der Bevölkerung. Allerdings ist es wichtig, darauf zu achten, dass nur „wirkliche“ Gebrauchtwagen und keine fahruntüchtigen Autowracks exportiert werden (Anlaufstellen-Leitlinien Nr. 9). Werden Altfahrzeuge in Länder ohne ausreichende Demontage- und Recyclinganlagen exportiert, führt dies zu einer erhöhten Gesundheits-und Umweltbelastung in den Importländern sowie zum dauerhaften Verlust wertvoller Rohstoffe.

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Quellen

PROBAS: Datenbank.

BMU/UBA (2012): Altfahrzeug-Verwertungsquoten in Deutschland im Jahr 2010 gemäß Art. 7 Abs. 2 der Altfahrzeug-Richtlinie 2000/53/EG. 

Anlaufstellen-Leitlinien Nr. 9: Kriterien für die Unterscheidung von Altfahrzeugen und Gebrauchtfahrzeugen im Zusammenhang mit Fahrzeugim- und -exporten: Anlaufstellen-Leitlinien Nr. 9 über die Verbringung von Altfahrzeugen

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