TOU-I-7 Präferenz von Urlaubsreisezielen

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Werden Nord- und Ostseestrände internationalen Reisezielen zukünftig den Rang ablaufen?
Quelle: Pupideluxe / pixelio.de

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

TOU-I-7: Präferenz von Urlaubsreisezielen

Im Reiseverhalten der Deutschen spiegeln sich bislang keine der möglichen mit dem Klimawandel assoziierten Entwicklungen. Die Marktanteile des Inlandstourismus sowie des Mittelmeerraums sind stabil. Für Westeuropa und Skandinavien, möglichen Profiteuren klimatischer Veränderungen, ist die Entwicklung in den letzten Jahren signifikant rückläufig.

Darstellung der Marktanteile der Urlaubsreisen nach Deutschland bzw. ins Ausland in den Jahren 1997 bis 2013: Deutschland gesamt, Ausland gesamt, Mittelmeer sowie Skandinavien, Westeuropa
TOU-I-7 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt

Verändern die Deutschen ihr Reiseverhalten?

Der Klimawandel ist neben dem demographischen Wandel, wirtschaftlichen und politischen Krisen, zunehmendem Konkurrenzdruck, steigender Preissensibilität und Anspruchshaltung eine der Kräfte, die das nationale und internationale Reiseverhalten der Deutschen langfristig beeinflussen werden. Urlauber aus Deutschland werden ihre Reisegewohnheiten zukünftig möglicherweise verändern, u. a. auch als Folge sich ändernder Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse. Eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2013 ergab, dass mehr als 22 % der deutschen Touristen ihre Reisepläne an steigende Temperaturen anpassen und in kühlere Regionen ausweichen wollen.37

Traditionell ist für deutsche Urlauber das Baden eine der wichtigsten Aktivitäten in der schönsten Zeit des Jahres. Bei Urlaubsreisen ins Ausland stehen Strandurlaub, Baden und Sonne tanken unangefochten an erster Stelle. 29 % aller Auslandsurlaube wurden im Jahr 2010 in erster Linie hierfür unternommen.28 Es verwundert daher nicht, dass das Mittelmeer für die Deutschen das beliebteste Ziel für längere Urlaube von mehr als fünf Tagen Dauer ist.

Vor allem für den sommerlichen Strandurlaub im Süden und damit für die Mittelmeerregion als dem „klassischen“ Ziel sowohl deutscher Urlauber als auch des internationalen Tourismus werden negative Folgen des Klimawandels erwartet. So können mediterrane Ziele künftig als weniger geeignet für den Sommerurlaub erscheinen, wenn z. B. für Urlauber bei Hitzewellen und Dürren häufiger Verhältnisse jenseits der thermischen Behaglichkeit herrschen, ausbleibende Niederschläge die Wasserversorgung erschweren und die Gefahr von Waldbränden steigt. Dagegen können die Reiseziele in Mittel- und Nordeuropa in den Sommermonaten von den klimatischen Veränderungen profitieren, wenn höhere Temperaturen und geringere Niederschläge die Attraktivität der dortigen Badeziele erhöhen und die Sommersaison länger andauert. Statistische Modellierungen zur Entwicklung des Tourismus in Europa kommen zu dem Ergebnis, dass für bislang kühlere Länder und in höher gelegenen Destinationen zum einen mit einer zunehmenden Zahl internationaler Gäste zu rechnen ist. Zum anderen wird eine deutliche Zunahme des Inlandstourismus erwartet, da sich die touristische Nachfrage vom Ausland hin zu inländischen Reisezielen verschiebt.38

In ausreichend hohen Lagen können in Nordeuropa auch Vorteile für den Wintersporttourismus entstehen. Mit zunehmenden Niederschlags- und damit Schneemengen in der Wintersaison bleibt die Schneesicherheit Skandinaviens höher als in vielen Teilen der Alpen. Damit kann die Region möglicherweise Marktanteile im alpinen und nordischen Skisport gewinnen, wenn traditionelle Wintersportorte in Deutschland, aber auch niedriger gelegene Skigebiete in Österreich, wegen rückläufiger Schneesicherheit zukünftig unattraktiv für Winterurlauber werden.

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass großräumige klimabedingte Änderungen im Reiseverhalten der Deutschen erst langfristig sichtbar werden. Zum einen verläuft die klimatische Entwicklung nicht kontinuierlich, sondern ungünstige Wetter- und Witterungsbedingungen stellen sich unregelmäßig ein. Erst wenn die Urlauber häufiger und regelmäßiger negative Erfahrungen mit den lokalklimatischen Bedingungen machen, ist mit Auswirkungen auf das Reiseverhalten zu rechnen. Zum anderen besteht für die Urlaubssuchenden dann immer noch die Option, sich innerhalb des Mittelmeerraums an die geänderten Verhältnisse anzupassen. Andere Jahreszeiten werden für Reisen in die Region möglicherweise attraktiver, wenn heiße Sommertemperaturen in der bisherigen Hochsaison eher abschreckend wirken. Auch besteht die Möglichkeit, innerhalb des Mittelmeerraums andere Ziele zu wählen. So wird beispielsweise für Südfrankreich ein langsamerer Anstieg der Temperaturen erwartet als etwa für Südspanien oder die nordafrikanische Küste.

Bislang zeigt das Reiseverhalten der Deutschen keine mit dem Klimawandel assoziierten Entwicklungen. Der Mittelmeerraum ist für deutsche Urlauber nach wie vor die attraktivste Reiseregion. Von kleineren Schwankungen abgesehen liegt ihr Marktanteil seit Jahren stabil in einer Größenordnung von ca. 35 %. Auch der Marktanteil der Inlandsurlaube von ca. 30 % zeigt im betrachteten Zeitraum nur geringe Veränderungen. Im Vergleich dazu ziehen die Regionen Skandinavien mit ca. 3 % sowie Westeuropa, d. h. die britischen Inseln, Frankreichs nicht am Mittelmeer gelegene Regionen, die Niederlande Österreich und die Schweiz, mit zuletzt ca. 14 % deutlich weniger deutsche Urlauber an. Nur für diese Region ist im Übrigen in den vergangenen Jahren ein Trend zu verzeichnen: Das Interesse an einem Urlaub in Westeuropa und Skandinavien ging seit 1997 signifikant zurück.

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37Schwirplies C. & Ziegler A. 2013: Are German Tourists Environmental Chameleons? A Micro-econometric Analysis of Adaptation to Climate Change. Joint Discussion Paper Series in Economics by the Universities ofAachen - Gießen - Göttingen - Kassel - Marburg - Siegen, Nr. 34/2013, Marburg, 26 S.

28 DZT – Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (Hrsg.) 2013: Das Reiseverhalten der Deutschen im Inland. Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Frankfurt a. M., 59 S.

38 Hamilton J. & Tol R.S.J. 2007: The impact of climate change on tourism in Germany, the UK and Ireland: a simulation study. Regional Environmental Change, Jg. 2007, H. 7: 161-172.