TOU-I-1 + 2 Badetemperaturen, Übernachtungszahlen an der Küste

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

TOU-I-1: Badetemperaturen an der Küste

Die Zeitdauer, in der in Nord- und Ostsee Meerwassertemperaturen herrschen, die potenziell einen Badeurlaub an den Küsten möglich machen, kann zwischen den Jahren sehr stark schwanken. In der Regel stellen sich geeignete Temperaturbedingungen im Laufe des Junis ein und reichen bis in den September. Signifikante Trends sind bisher nicht zu verzeichnen.

Darstellung der Zeitdauer mit Wassertemperaturen > 15 Grad C in Anzahl Tagen der Nordsee und Ostsee, von 1990 bis 2013.
TOU-I-1 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

TOU-I-2: Übernachtungen im touristischen Großraum Küste

Die touristische Nachfrage in den Reisegebieten an Deutschlands Küsten ist in einem besonderen Ausmaß saisonabhängig. Bis zu 60 % der Übernachtungen an Nord­ und Ostsee finden in den Sommermonaten zwischen Juni und September statt. Signifikante Trends zu einer Veränderung der Saisonabhängigkeit ließen sich in den vergangenen Jahren nicht feststellen.

Darstellung der Anzahl Übernachtungen (in Mio.) während der Haupsaison (Juni - September), Nebensaison (März bis Mai sowie Oktober) und Winter (November, Dezember d. Vorjahres, Januar - Februar), von 2007 bis 2013.
TOU-I-2 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Wird der Strandurlaub an Nord- und Ostsee beliebter?

Um Urlaub am Strand zu machen, im Meer zu baden oder in der Sonne zu liegen, fahren die Deutschen bislang vorrangig ins Ausland. Strand-, Bade- und Sonnenurlaube sind mit weitem Abstand die stärkste Motivation für eine Auslandsreise in den Ferien. Deutschland ist für diesen Reisezweck bislang von geringerer Bedeutung: Bei den Inlandsurlauben rangiert der Strandurlaub nur auf Rang vier der möglichen Motive28, für ausländische Gäste ist Badeurlaub als Grund für eine Reise nach Deutschland vernachlässigbar29. Die Situation für die Tourismuswirtschaft in den Reisegebieten an Deutschlands Küsten wird zudem dadurch erschwert, dass die Nachfrage in einem besonderen Ausmaß saisonabhängig ist. Annähernd 60 % der Übernachtungen an Nord­ und Ostsee finden in den Sommermonaten zwischen Juni und September statt. In anderen Regionen verteilen sich die Übernachtungsgäste deutlich gleichmäßiger über das Jahr.

Für Deutschland wird davon ausgegangen, dass der Strand- und Badeurlaub an den Küsten als eine typische Form des Sommertourismus von den Auswirkungen des Klimawandels profitieren kann. Vor allem steigende Luft- und höhere Meerwassertemperaturen können die Attraktivität der Badeorte erhöhen und die Badesaison zukünftig verlängern. Ein Trend zu steigenden Meerwassertemperaturen in Nord- und Ostsee wurde in Untersuchungen des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie bereits nachgewiesen. Gegenüber dem langjährigen Durchschnitt stiegen die durchschnittlichen Oberflächenwassertemperaturen in den vergangenen zwei Jahrzehnten sowohl in der Deutschen Bucht als auch in der westlichen Ostsee bereits an. Die Phase sommerlicher Temperaturverhältnisse erstreckt sich heute, im Vergleich zu den Jahren vor 1990, über einen längeren Zeitraum im Jahr. Das maximale Temperaturniveau in den Sommermonaten erreicht dabei höhere Werte als in früheren Jahren.30

Um bezogen auf die Wassertemperaturen das Potenzial für den Badetourismus an den Küsten abschätzen zu können, wird der Zeitraum dargestellt, in dem die Meerwassertemperaturen in Nord- und Ostsee die Temperaturschwelle von 15 °C überschreiten. Dieser für Badetemperaturen niedrig erscheinende Schwellenwert kennzeichnet zum einen Beginn und Ende der sommerlichen Wassertemperaturbedingungen. Zum anderen zeigen die Zeitreihen Ergebnisse von Messungen, die in einiger Entfernung von der Küste vorgenommen werden und daher homogener und von kurzfristen Einflüssen unabhängiger sind. In den Badegewässern an der Küste liegen die Wassertemperaturen tendenziell höher und sind – auch durch einen stärkeren Tagesgang – potenziell „badetauglich“. Signifikante Trends für die Zeitreihen von Nord- und Ostsee sind angesichts der beobachteten Schwankungsbreiten bislang nicht zu verzeichnen.

Ein Zusammenhang zwischen den beobachteten Badetemperaturen und der  Entwicklung der Übernachtungszahlen in den deutschen Küstenregionen ist bisher nicht zu erkennen. Dabei ist zu beachten, dass ein solcher Zusammenhang grundsätzlich schwierig herzustellen ist. Zum einen beeinflussen zahlreiche allgemeine Faktoren, beispielsweise die konjunkturelle Entwicklung, das Reiseverhalten und die touristische Nachfrage. Zum anderen sind die Wassertemperaturen nur ein Aspekt unter den zahlreichen klimaverbundenen Einflussgrößen, die die Attraktivität der Nord- und Ostseeküste als Destination für den Strand- und Badetourismus ausmachen. Zu den Faktoren, die hier nicht berücksichtigt sind, zählen etwa die Sonnenscheindauer und die Luftqualität sowie die bioklimatischen Verhältnisse im Zusammenspiel von Lufttemperatur, Wind, Strahlungsverhältnissen und Luftfeuchte31, aber auch das Auftreten von Algen oder Quallen an den Badestränden.

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28 DZT – Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (Hrsg.) 2013: Das Reiseverhalten der Deutschen im Inland. Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Frankfurt a. M., 59 S.

29 DZT – Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (Hrsg.) o.J.: Qualitätsmonitor Deutschland-Tourismus – Ergebnisse 2011/2012. Frankfurt a. M., 8 S.

30 Machoczek D. 2014: Sea Surface temperature variations at the automatic MARNET stations in the German Bight and the western Baltic Sea. In: Sustainable Operational Oceanography, Proceedings of the Sixth International Conference on EuroGOOS, Brussels, Sopot, S. 67 –75.

31 Endler C. & Matzarakis A. 2010: Klimatrends in den Modellregionen Nordsee und Schwarzwald aus einer tourismus-klimatischen Sichtweise – Analyse hoch aufgelöster regionaler Klimasimulationen. Schlussbericht zum Teilvorhaben „Klima- und Wetteranalyse“ des BMBF klimazwei Verbundprojekts Kuntikum. Freiburg, 81 S.

 

Schnittstellen

WW-I-8: Wassertemperatur des Meeres

TOU-I-6: Saisonale Übernachtungen in deutschen Tourismusgebieten

TOU-I-7: Präferenz von Urlaubsreisezielen

 

Ziele