Top Ten der wirksamsten Pflanzenschutzmaßnahmen

Marienkäfer auf Blütezum Vergrößern anklicken
Marienkäfer auf Blüte

Nützlinge wie der Marienkäfer halten Blattläuse und andere potenzielle Schaderreger in Schach.

Quelle: jscalev / Fotolia.com

Tipps zum Thema Pflanzenschutz gibt es wie Sand am Meer – aber welche sind wirklich effektiv? Hier finden Sie unsere Top Ten der Pflanzenschutzmaßnahmen, mit denen Sie gleich einer ganzen Reihe potenzieller Probleme wirkungsvoll begegnen können.

Inhaltsverzeichnis

 

1. Robuste Pflanzensorten wählen

Am besten sind die Probleme, die gar nicht erst auftreten. Genau dafür sorgen Sie mit Pflanzensorten, die gegenüber typischen Krankheiten oder Schaderregern resistent oder tolerant sind. Unter einer Resistenz versteht man in der Regel eine hundertprozentige Widerstandskraft, es kann aber auch eine nicht vollständige, aber hohe Widerstandsfähigkeit gemeint sein. Tolerante Pflanzen wiederum werden zwar befallen, verkraften dies jedoch so gut, dass in der Regel keine Ertragseinbußen zu befürchten sind.

Ein Beispiel: Tomaten, insbesondere im Freiland, leiden häufig unter der Kraut- und Braunfäule, hervorgerufen durch den feuchtigkeitsliebenden Pilz Phytophthora infestans. Die Stabtomate 'Phantasia' ist gegen diesen Erreger – und gegen Echten Mehltau – jedoch resistent und bleibt daher auch in regenreichen Sommern gesund. Die Fleischtomate 'Maestria' ist zwar nicht hundertprozentig resistent, besitzt aber immerhin eine hohe Widerstandskraft gegenüber der Kraut- und Braunfäule und ist resistent gegen verschiedene Viruskrankheiten sowie gegen Erreger der Fusarium-Welke.

Bei den Steinobstgehölzen ist beispielsweise die Pflaumensorte 'Jojo' resistent gegenüber dem gefürchteten Scharka-Virus – ein ganz besonderer Züchtungserfolg, da Viren generell nicht mit Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden können. Die Sorte 'Toptaste' wiederum ist gegenüber der Scharkakrankheit nicht resistent, aber tolerant: Selbst wenn der Baum vom Scharkavirus infiziert werden sollte, hat dies keine negativen Auswirkungen auf die Fruchtqualität.

Auch unter den Zierpflanzenarten finden sich zahlreiche Sorten, die über eine besonders hohe Widerstandskraft verfügen. Eine besonders große Auswahl gibt es bei den Rosen: Sorten, die das sogenannte ADR-Siegel ("Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung") tragen, wurden von einem Expertengremium drei Jahre lang auf Kriterien wie Blattgesundheit, Winterhärte, Wüchsigkeit und Reichblütigkeit getestet. Unter www.adr-rose.de finden Sie Fotos und Sortenbeschreibungen.

Falls Sie sich fragen, ob resistente Sorten mit Gentechnik zu tun haben: Resistenzen bilden sich in der Natur immer wieder, zum Beispiel aufgrund spontaner Mutationen (Mutationen sind dauerhafter Veränderungen im Erbgut) oder nachdem Viren auf natürlichem Wege Erbgutbruchstücke einer Pflanzenart auf eine andere übertragen haben. Im Gartenbau entstehen die allermeisten resistenten Sorten immer noch durch klassische Züchtung: Pflanzen, die sich als besonders widerstandsfähig erwiesen haben, werden mit Sorten gekreuzt, die andere wünschenswerte Eigenschaften haben, etwa einen besonders hohen Ertrag oder einen intensiven Geschmack. Prinzipiell lassen sich Resistenzen auch durch Verfahren erzielen, die der Gentechnik zugeordnet werden können. Im Hobbygartenbau sind in Deutschland jedoch bis heute keine derartigen Sorten zugelassen worden (Stand 2015). Da viele Verbraucher in Deutschland gentechnisch veränderten Organismen eher kritisch gegenüberstehen, ist aktuell nicht zu erwarten, dass sich dies mittelfristig ändern wird.

<>
 

2. Konsequent auf Hygiene achten

Hygiene im Garten beginnt schon beim Pflanzenkauf: Sehen Sie sich Pflanzen vor dem Kauf genau an, damit Sie keine Schädlinge oder Krankheitserreger in den Garten einschleppen. Sind auffällige Blattflecken zu sehen, finden sich bereits vereinzelte Blattläuse oder Eigelege auf den Blattunterseiten oder riecht die Erde unangenehm? Dann wählen Sie im Zweifelsfall besser ein anderes Exemplar. Zwiebeln und Knollen sollten fest und prall sein und weder Schimmel noch faule oder eingetrocknete Stellen aufweisen. Achtung: Informieren Sie sich vorher über die Pflanzenart, die Sie kaufen möchten – die Knollen der Winterlinge (Eranthis hyemalis) beispielsweise sind von Natur aus schwarz und schrumpelig. Bei Zwiebeln und Kartoffeln lohnt es sich, in speziell für diesen Zweck angebotene Steckzwiebeln und Saatkartoffeln zu investieren, da diese auf Krankheiten kontrolliert werden. Werden Exemplare aus dem Supermarkt oder aus eigener Ernte eingepflanzt, kann die Ernte aufgrund schon vorhandener Krankheitserreger deutlich geringer ausfallen. Bei selbstgewonnenem Saatgut verhält es sich ähnlich: Leiden zum Beispiel Tomaten unter der Samtfleckenkrankheit, sind die Samen ebenfalls infiziert und damit nicht für eine Aussaat im Folgejahr geeignet.

Zu den Hygienemaßnahmen im Garten zählt auch, die Pflanzen regelmäßig auf potenzielle Schädlinge und Krankheitserreger zu kontrollieren. Besonders gründlich sollten Sie die Pflanzen unter die Lupe nehmen, bei denen bestimmte Probleme in der Vergangenheit schon einmal auftraten. Denn je früher ein Befall erkannt wird, umso schneller und erfolgreicher können Sie Gegenmaßnahmen ergreifen. Oft können Sie die Kontrolle mit anderen Gartenarbeiten verbinden – zum Beispiel indem Sie beim Gießen der Tomaten auf etwaige Blattflecken oder Schädlinge achten, oder beim Rückschnitt verblühter Stauden nach Mehltauflecken oder Fraßschäden durch Schnecken Ausschau halten.

Alte Blätter, vorzeitig abgefallene Früchte und kranke Pflanzenteile – gegebenenfalls auch ganze befallene Pflanzen – sollten ebenso zügig entfernt werden wie Ernterückstände und Fruchtmumien. Im Beet verbliebene Kohlstrünke beispielsweise locken weiterhin Schädlinge an. Auf Fruchtmumien, also eingeschrumpelten, im Baum hängengebliebenen Früchten, können Krankheitserreger überwintern und die Pflanze im nächsten Jahr erneut infizieren. Unkräuter sollten Sie ebenfalls frühzeitig entfernen – auch auf Baumscheiben, also der oft vernachlässigten Fläche unter der Baumkrone, denn insbesondere für junge Gehölze sind andere Pflanzen (auch Rasengräser) im Wurzelbereich eine unerwünschte Konkurrenz. Durch das regelmäßige Jäten verhindern Sie, dass sich die Unkräuter ausbreiten, verbessern die Durchlüftung der Pflanzungen und berauben potenzielle Schädlinge ihres Unterschlupfes.

Bei allen Gartenarbeiten gilt: Vermeiden Sie es, Pflanzen unnötig zu beschädigen, denn jede Wunde ist eine potenzielle Eintrittspforte für Krankheitserreger. Wo sich Wunden nicht vermeiden lassen, sollten Sie diese möglichst klein halten, also beispielsweise Geiztriebe an Tomaten möglichst frühzeitig entfernen. Schnittarbeiten werden besser bei trockener Witterung durchgeführt, da Feuchtigkeit einen Befall mit Schadpilzen begünstigt. Ebenfalls wichtig: Gartenwerkzeuge regelmäßig säubern und insbesondere Schnittwerkzeuge und Rankhilfen mit 70%-igem Alkohol desinfizieren, falls sie mit erkrankten Pflanzen in Berührung gekommen sind.

Und noch ein Tipp: Viele Hobbygärtner sind unsicher, ob befallene Pflanzenteile und Unkräuter auf den Kompost dürfen. In einem gut funktionierenden Kompost mit dem richtigen Mix aus trockenem und feuchtem Material herrschen im Inneren Temperaturen von 60 Grad Celsius. Dadurch werden die meisten Krankheitserreger, Wurzelunkräuter und Unkrautsamen zuverlässig zerstört. Im Gegensatz zu professionellen Kompostieranlagen, in denen der Biomüll zu Humus wird, erreicht ein Gartenkompost die notwendige Temperatur jedoch oft nicht – hierüber schafft die Kontrolle mit einem Kompostthermometer Klarheit. Auf Nummer sicher gehen Sie mit einer Entsorgung über den Bio- oder Hausmüll. Mit Kohlhernie befallene Pflanzenteile dürfen auch nicht über die Biotonne entsorgt werden, da die Erreger sehr widerstandsfähig sind. Mit Feuerbrand befallene Pflanzenteile müssen sogar – in Abstimmung mit dem Pflanzenschutzamt und der Kommune – direkt am Gehölzstandort verbrannt oder, in sicher zusammengebundene Müllsäcke verfrachtet, zur nächsten Verbrennungsanlage gebracht werden. Bei der Entsorgung von Schädlingen sollte man die Entscheidung auch davon abhängig machen, ob sie den Kompost leicht wieder verlassen können – lebende Schnecken beispielsweise ziehen rasch wieder in andere Gartenbereiche um.

Eingeschrumpelte am Baum hängengebliebene Früchte
Eingeschrumpelte am Baum hängengebliebene Früchte
Quelle: benqook / Fotolia.com
 

3. Nützlinge gegen Schädlinge einsetzen

Der Feind meines Feindes ist mein Freund – aus Gärtnersicht trifft das in vielen Situationen zu: Igel haben Schnecken zum Fressen gern, Raupen stehen bei vielen Vogelarten auf der Speisekarte ganz oben und die Blattlausliebhaber unter den Nützlingen sind so zahlreich, dass man schon beinahe froh sein muss, alle ernähren zu können – etwa Marienkäfer, Schwebfliegen, Schlupfwespen, Florfliegen und Raubwanzen, um nur einige zu nennen.

Einfach und effektiv: Nützlinge im Garten fördern

Das beste Mittel, um die liebevoll umhegten Gartenpflanzen vor allzu hungrigen Fans zu schützen, besteht darin, den Garten für Nützlinge attraktiv zu machen. Optimale Bedingungen schaffen Sie mit einer abwechslungsreichen, naturnahen Gartengestaltung mit Totholz- und Blätterhaufen, gemischten Blüten- und Wildobsthecken, einer Trockenmauer oder einem kleinen Teich. Einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten Sie auch, wenn Sie anstelle gefüllter Blüten ungefüllte Sorten vorziehen, da diese für Insekten besonders wertvoll sind. Bei gefüllten Blüten haben sich die Staub- und/oder Fruchtblätter zu Blütenblättern umgebildet. Dadurch produzieren diese Blüten weniger oder gar keinen Nektar und Pollen mehr oder der Weg zu den Staubgefäßen und Nektarien ist den Insekten durch die Vielzahl an Blütenblättern versperrt. Zusätzlich empfiehlt es sich, Stauden erst im Frühjahr zurückzuschneiden, da in ihren Stängeln viele nützliche Insekten überwintern. Wer es optisch aufgeräumter mag, kann den tierischen Helfern ganzjährig auch mit einem Igelhaus, einem optisch ansprechend gefertigten Insektenhotel, Nistgelegenheiten und dem Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel das Leben etwas erleichtern. Übrigens: Nützlinge können sich nur dann erfolgreich im Garten ansiedeln und vermehren, wenn sie auch langfristig Futter finden. Tolerieren Sie deshalb beispielsweise die ersten im Frühjahr auftretenden Blattläuse, denn sie sind eine wichtige Nahrungsquelle für viele Blattlausvertilger.

Igel und Eidechsen, Kröten und Blindschleichen, Spinnen und viele andere Nützlinge finden sich von selbst im Garten ein. Zusätzlich können Sie Nützlinge aber auch gezielt im Garten und insbesondere im Gewächshaus ansiedeln, wo sie unauffällig aber effektiv gegen Schaderreger vorgehen (zum Beispiel Florfliegen gegen Blattläuse, Schlupfwespen gegen Weiße Fliegen oder winzige Bodenlebewesen wie Nematoden gegen Nacktschneckenarten, Dickmaulrüssler und viele andere potenzielle Schädlinge). Im Erwerbsgartenbau unter Glas zählt der Einsatz dieser Nützlingsarten bereits seit Langem zu den wichtigsten Pflanzenschutzmaßnahmen. Seit einigen Jahren bieten die Firmen, die sich auf die Vermehrung wichtiger Nützlingsarten spezialisiert haben, ihre Produkte auch für den Freizeitgarten an.

Die Anwendung ist einfach. Die Kosten hängen von der Größe der zu behandelnden Fläche ab sowie von der Nützlingsart. Sie sind aber häufig nicht teurer als chemische Pflanzenschutzmittel und es bestehen im Gegensatz zu diesen keine Gefahren durch Fehlanwendungen. Praktisch: Viele Nützlinge rücken gleich mehreren Schädlingsarten zu Leibe und vermehren sich oft von alleine weiter, solange noch Schädlinge aufzuspüren sind.

Darüber hinaus werden im Rahmen des Biologischen Pflanzenschutzes auch Pilze, Viren und Bakterien gegen Schädlinge eingesetzt. Im Hobbygartenbereich können beispielsweise Apfelwickler mit Präparaten bekämpft werden, die das Apfelwicklergranulovirus (CpGV) enthalten. Produkte auf Basis des Bakteriums Bacillus thuringiensis wirken zuverlässig gegen die Larven vieler Schadfalter, etwa gegen den Kleinen Frostspanner sowie gegen die Larven von Kohleulen und anderen Schadschmetterlingen, die an Gemüsekulturen auftreten.

<>
 

4. Schädlinge durch Barrieren fernhalten

Feinmaschige Netze zählen zu den einfachsten, kostengünstigsten und zugleich effektivsten Pflanzenschutzmaßnahmen im Gemüsegarten. Nach dem Motto "nur gucken, aber nicht anfassen"  halten sie unter anderem Gemüsefliegen, Minierfliegen und Gallmücken fern, außerdem Schadschmetterlinge, Kohlerdflöhe, Kartoffelkäfer und Schnecken (mit Ausnahme von Tieren, die bereits im Boden leben). Decken Sie die Beete sofort nach der Saat oder Pflanzung ab und zwar bis zur vollständigen Ernte. Das Netz muss intakt sein und rundum eingegraben oder mit Steinen oder einer Holzlatte beschwert werden. Wenn das Netz abgenommen werden muss, weil Sie ernten, hacken oder Unkraut jäten wollen, sollte es sobald wie möglich wieder geschlossen werden. Im Frühling und Herbst können Sie anstelle von Netzen auch Vliese verwenden. Unter dem Vlies erhöht sich die Temperatur, wodurch ein längerer Anbauzeitraum möglich ist.

Kohlkragen hindern Kohlfliegen an der Eiablage. Es gibt sie fertig zu kaufen, Sie können sie aber auch einfach selbst herstellen. Dazu nehmen Sie etwa einen halben Zentimeter dicken Filz oder Wellpappe und schneiden Scheiben mit einem Durchmesser von 15 bis 20 Zentimetern heraus. Dann schneiden Sie jede Scheibe einmal vom Rand bis zur Mitte hin ein, um sie anschließend um den Pflanzenhals legen zu können. Durch kurze über Kreuz geführte Einschnitte in der Scheibenmitte schmiegt sich der Kragen besonders gut an.

Auch bei Obstgehölzen, insbesondere bei kleineren Exemplaren, haben sich Kulturschutznetze bewährt. Kirschfruchtfliegen etwa lassen sich auf diese Weise recht gut in den Griff bekommen. Dabei haben Sie zwei Möglichkeiten. Zum einen können Sie die Baumkrone mit einem Netz mit einer Maschenweite von maximal 1,4 x 1,4 Millimetern umspannen, um die erwachsenen Fliegen von der Eiablage abzuhalten. Noch besser ist eine Maschenweite von maximal 0,8 x 0,8 Millimetern, da dann auch die kleinere Kirschessigfliege ferngehalten wird. Achten Sie auf UV-lichtbeständiges Material, andernfalls halten die Netze oft nur drei Jahre. Wichtig: Netze bieten nur dann sicheren Schutz, wenn sie vollständig dicht abschließen, also sorgfältig im Boden verankert sind oder bei Obstbäumen unter der Baumkrone zusammengebunden werden. Als Alternative zum Einnetzen des Gehölzes können Sie den Boden unterhalb des Kirschbaums mit einem Netz mit einer Maschenweite von 0,8 x 0,8 Millimetern bedecken – am besten bereits Ende Mai, da sich dann um diese Zeit mitunter schon die ersten Larven zu Boden fallen lassen, um sich in der Erde zu verpuppen. Durch die Bodenabdeckung sinkt der Befall im nächsten Jahr rapide.

Barrieren verhindern nicht zuletzt, dass sich Nacktschnecken über zarten Salat und andere Pflanzen hermachen. Ob Sand, Sägespäne und ähnlich austrocknend wirkende Materialien, Kupferdraht oder Präparate auf Basis von Knoblauch oder Lebermoos (Porella obtusata): Es gibt viele Möglichkeiten, die effektivste ist jedoch ein Schneckenzaun. Der nach außen gebogene Rand hindert Schnecken daran, in Beete einzuwandern. Da überhängende Blätter den Weichtieren als Brücken dienen können, sollten Sie umstehende Pflanzen kurz halten. Gegen unterirdisch lebende Arten, die beim Errichten des Zauns bereits im Boden leben, helfen Bierfallen – halbvolle, in den Boden eingegrabene Becher, die alle zwei Tage neu mit Bier befüllt werden.

<>
 

5. Hacken und Jäten gegen Unkraut in Beeten

Manche empfinden es schon fast als meditative Tätigkeit, andere schimpfen darüber. In jedem Fall jedoch gehört die mechanische Wildkrautbeseitigung für die meisten Menschen zum Gärtnern dazu. Und sofern man es regelmäßig betreibt, ist das Zupfen oder Hacken weniger anstrengend als gedacht. Entscheidend sind vor allem die ersten Wochen nach der Aussaat oder Pflanzung: Wer jetzt am Ball bleibt, verhindert, dass sich unerwünschte Arten ausbreiten, und spart sich langfristig viel Arbeit. Damit der Körpereinsatz auch von Erfolg gekrönt ist, sollte man allerdings wissen, dass Unkraut nicht gleich Unkraut ist:

  • Samenunkräuter  werden durch regelmäßiges Hacken zerstört oder geschwächt. Sie müssen vor allem am Blühen gehindert werden, da sie teils zig-Tausende Samen pro Pflanze produzieren können.
  • Wurzelunkräuter  hingegen würden sich durch Hacken noch mehr ausbreiten, da aus jedem Teilstück eine neue Pflanze heranwächst. Sie müssen möglichst komplett aus der Erde gezogen werden, etwa mit einem Unkrautstecher oder einer Grabegabel.
  • Der oft besonders lästige und hartnäckige Giersch lässt sich mit den gebogenen Zinken einer Gierschgabel gut aus dem Boden holen. Schwere Lehmböden sollten am besten leicht feucht sein, damit die Wurzelstränge nicht zu fest sitzen.
  • Löwenzahn und Gänseblümchen vermehren sich sowohl über die zahlreichen Samen als auch über die Wurzeln, falls Stücke im Boden zurückbleiben. Mit modernen Unkrautstechern lassen sich die Wurzeln bequem sogar im Stehen entfernen.
  • Am besten entfernen Sie beim Jäten zunächst die meist gut erkennbaren Wurzelunkräuter und hacken das Beet anschließend einmal gründlich durch.
  • Sobald Gartenpflanzen eine geschlossene Fläche bilden, können sich unerwünschte Arten nur schwer ansiedeln. Bis dahin kann neben dem Jäten auch eine 15 cm dicke Mulchschicht helfen, einen unerwünschten Aufwuchs von Wildkräutern zu unterdrücken – beispielsweise aus  Rindenmulch, Rindenhumus, Stroh, Gras, Kies, Schotter oder Splitt. Für Gemüsebeete bietet sich Mulchfolie mit Pflanzschlitzen an. Positiver Nebeneffekt: In beiden Fällen sinkt die Verdunstung und es muss weniger gegossen werden.
  • Auf größeren Flächen, beispielsweise unter Bäumen, bieten sich Bodendecker wie Elfenblume (Epimedium) oder Immergrün als Unkrautunterdrücker (Vinca) an. Als Lückenfüller im Beet kommen weniger wüchsige Arten wie die Hängepolster-Glockenblume (Campanula poscharskyana) in Frage.

Im Beet mögen sie mitunter stören, in der Küche hingegen überzeugen viele "Unkräuter" als vitamin- und mineralstoffreiche Köstlichkeiten. Besonders praktisch sind Löwenzahn, Brennnesseln, Franzosenkraut, Gänsefuß und Giersch: Diese Wildkräuter liefern relativ viel Masse und schmecken als Salatbeilage oder wie Spinat zubereitet als Blattgemüse.

<>
 

6. Regelmäßige Rasenpflege gegen Unkraut und Moos

Wer sich einen dichten, sattgrünen Rasen wünscht, kommt um regelmäßige Pflege nicht herum – sowohl mit als auch ohne Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln. Denn die gängigen Rasenprobleme lassen sich nur effektiv und nachhaltig bekämpfen, wenn man ihre Ursachen beseitigt. Und die liegen in der Regel in einem oder mehreren der folgenden Punkte:

  • Rasenmischungen und Standort sind nicht optimal aufeinander abgestimmt.
  • Die Rasengräser leiden unter Wassermangel.
  • Die Rasengräser leiden unter Nährstoffmangel oder Überdüngung.
  • Verdichtungen im Boden führen zu Staunässe und Sauerstoffmangel.

Die gute Nachricht: Die richtige Pflege wirkt gleichzeitig vorbeugend gegen Moose, Wildkräuter, Pilzkrankheiten und pflanzenschädigende Larven.

Der Einsatz von Herbiziden, umgangssprachlich oft als Unkrautvernichtungsmittel bezeichnet, zählt hingegen nicht zur Rasenpflege. Denn diese Wirkstoffe töten zwar kurzfristig die als störend empfundenen Pflanzen ab, beseitigen aber die Ursachen der Probleme nicht. Als alleinige Maßnahme eingesetzt, nimmt langfristig nur der Inhalt des Geldbeutels ab, nicht aber die Zahl der Rasenprobleme. Der umgangssprachliche Begriff "Unkrautvernichter" ist ohnehin irreführend, denn Herbizide unterscheiden nicht zwischen "guten" und "bösen" Pflanzen. Daher muss extrem sorgfältig, oft sogar mit einem Spritzschutz gearbeitet werden, sonst können Zierpflanzen eingehen und Löcher im Rasen entstehen. Die meisten Wirkstoffe sind zudem aus Umweltschutzsicht nicht empfehlenswert.

Die Grundsätze der Rasenpflege im Überblick:

  • Wählen Sie eine Saatgutmischung, die zu Ihrem Garten passt. Schattenrasen enthält Grasarten, die auch bei wenig Licht gut gedeihen, rasch eine geschlossene Grasnarbe bilden und Moos und Co. dadurch kaum eine Chance lassen. Wo Kinder herumtoben, ist ein trittverträglicher Sport-, Spiel- oder Strapazierrasen empfehlenswert.
  • Bereiten Sie den Boden vor der Aussaat gründlich vor und säen Sie den Rasen gleichmäßig aus, damit er rasch eine dichte Grasnarbe bildet und Unkräuter das Nachsehen haben. Die Fläche sollte in den kommenden drei Wochen nicht austrocknen. Sobald die Halme acht Zentimeter hoch sind, wird zum ersten Mal gemäht.
  • Wässern Sie Ihren Rasen in Trockenphasen zwei- bis dreimal wöchentlich mindestens 30 Minuten lang beziehungsweise jeweils 10 bis 15 Liter je Quadratmeter. Wird der Rasen häufiger, aber nur kurz gewässert, verdunstet gerade im Sommer ein Großteil des Wassers, noch ehe es die Wurzeln erreicht. Der beste Zeitpunkt zum Wässern ist frühmorgens, alternativ am Abend.
  • Bringen Sie im März/April und im August einen Rasendünger aus sowie Mitte/Ende Oktober einen Herbstdünger. Herbstrasendünger sind besonders reich an Kalium, das für eine gute Winterhärte der Rasengräser sorgt.
  • Regelmäßiges Mähen verhindert, dass Samenunkräuter blühen, Samen bilden und sich dadurch vermehren. Zwischen März und Ende Oktober sollten Sie mindestens einmal wöchentlich zum Mäher greifen. Mit einer Schnitthöhe von 4-5 cm liegen sie meist richtig. Schattenrasen sollte generell etwas höher belassen werden, um das spärliche Licht besser ausnutzen zu können. Fünf Zentimeter sind hier ein guter Richtwert – das gilt auch bei anhaltender Trockenheit und ab Oktober.
  • Mähen Sie den Rasen im Frühjahr auf zwei Zentimeter herunter und belüften Sie die Fläche anschließend mit einem Vertikutierer. Nicht erschrecken: Nach dem Vertikutieren und Zusammenrechen sieht der Rasen kurzzeitig etwas mitgenommen aus, doch schon bald sprießt er umso prächtiger. Auf schweren Lehmböden können Sie zusätzlich eine ein bis zwei Zentimeter dicke Schicht "gewaschenen" Sand ohne Feinanteile ausbringen. Er wird beim nächsten Regenguss in den Boden eingeschwemmt und verbessert Belüftung und Wasserabzug.
<>
 

7. Mechanisch oder thermisch gegen Unkraut auf Wegen und Plätzen vorgehen

Auf Flächen, die von vornherein nicht für Pflanzenbewuchs gedacht waren, empfinden viele Menschen Wildkräuter als besonders störend. Vorbeugend kann bei der Neuanlage oder Renovierung von Pflasterflächen zum Beispiel unkrauthemmender Pflastersand verwendet werden. Er bildet eine besonders dichte Oberfläche, in dem Pflanzen kaum Fuß fassen können. Auch Zement- oder Kunstharzfugen machen es Wildkräutern schwer. Kiesflächen wiederum sollten im Unterbau stets ein Unkrautvlies enthalten.

Da ein Garten ein offenes System ist, wird nach einiger Zeit dennoch an der einen oder anderen Stelle genügend feine Erde angeweht, um Wildkräutern ein Zuhause zu bieten. Wer umgehend reagiert und das Pflänzchen herauszieht, hat auch künftig wenig Ärger. Anstrengend wird es erst, wenn bereits mehrere Quadratmeter besiedelt worden sind. Noch junge, weiche Unkräuter lassen sich schon mit einem einfachen Straßenbesen beseitigen. Eine sehr effektive und preisgünstige Methode, um Wildkräuter zu entfernen, sind auch Fugenkratzer (oder ein altes Küchenmesser) und Fugenbürsten mit Borsten aus Stahl. Beide können je nach Modell auch im Stehen eingesetzt werden und halten viele Jahre lang. Kochendes Wasser erfüllt vor allem bei jungen Samenunkräutern ebenfalls schnell und zuverlässig seinen Zweck, bei größeren Pflanzen und Wurzelunkräutern muss die Behandlung gegebenenfalls mehrfach erfolgen. Die abgetöteten Pflanzen können am nächsten Tag einfach abgekehrt oder herausgezogen werden. Selbst Abflammgeräte sind schon für relativ kleines Geld zu bekommen und töten die Wildkräuter schon nach kurzer Zeit – die Pflanzen müssen nicht komplett verkohlt sein. Die Gaskartuschen halten allerdings meist nicht lange, sodass die Unterhaltskosten erheblich von der Nutzungsintensität abhängen. Deutlich teurer in der Anschaffung sind gute Hochdruckreiniger, mit denen sich sogar veralgte Terrassenplatten meist mit gutem Ergebnis behandeln lassen.

Bei großen Flächen lohnen sich motorisierte Wildkrautbürsten, die das unerwünschte Grün mittels rotierender Borstenwalze einfach wegschrubben. Es gibt sie als Handgeräte und, für sehr große Flächen, als Aufsitzfahrzeuge. Infrarot-, Dampf- oder Heißschaumgeräte rücken dem Unkraut durch starke Hitzeentwicklung zu Leibe. Da sie in der Anschaffung ziemlich teuer sind, werden sie meist nur von Hausmeisterdiensten und Kommunen verwendet.

Ob Garagenauffahrt oder Bürgersteig, Terrasse oder befestigter Gartenweg: Herbizide sind auf befestigten oder versiegelten Flächen grundsätzlich verboten und nur in Ausnahmefällen für professionelle Anwender genehmigungsfähig! Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, und die kann bei unsachgemäßer und unerlaubter Anwendung von Herbiziden bis zu 50.000 Euro betragen! Dass Verstöße derart hart geahndet werden, hat einen guten Grund: Es geht um den Wasserschutz und damit um die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanzen. Von versiegelten Flächen werden die ausgebrachten Flüssigkeiten nämlich besonders leicht weggewaschen. Sie können dann entweder auf eine benachbarte Grünfläche oder in Oberflächengewässer gelangen, von wo sie ins Grundwasser sickern können. Oder sie erreichen über den nächstgelegenen Gully das Abwassersystem. Bei der Trinkwasseraufbereitung ist eine Reinigung von Pflanzenschutzmittelrückständen kompliziert und teuer – die Kosten tragen letztlich die Wasserverbraucher.

Ein weiterer Grund, um auf Herbizide lieber grundsätzlich zu verzichten: Die Risikobewertung für zugelassene Stoffe kann sich ändern, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Ein Beispiel ist der auch im Hobbygartenbereich vielfach verwendete Herbizidwirkstoff Glyphosat. Wie jeder Pflanzenschutzmittelwirkstoff wird auch Glyphosat im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung regelmäßig in Bezug auf etwaige Risiken für Gesundheit und Umwelt sowie im Hinblick auf die Wirksamkeit neu bewertet. Beim Glyphosat war dies zuletzt im Jahr 2014 der Fall (Stand: Januar 2016). Dabei wurde unter anderem festgestellt, dass auf Flächen, die mit Glyphosat behandelt werden, die Biodiversität beeinträchtigt sein kann – also die Pflanzenvielfalt und davon abhängig auch die Vielfalt an Tierarten. Die Konsequenz: Als Zulassungsvoraussetzung für die Anwendung von glyphosathaltigen Produkten werden Ausgleichsmaßnahmen gefordert, um den indirekten Effekten auf die Biodiversität entgegenzuwirken, zum Beispiel durch unbehandelte Flächen oder sogenannte Blühstreifen.

<>
 

8. Durch weite Pflanzabstände und richtiges Gießen Pilzbefall vorbeugen

Auf trockenen Pflanzen haben es die meisten Pilze schwer, sich überhaupt erst anzusiedeln. Daher lautet der sicherste Pflegetipp, um Pilzerkrankungen vorzubeugen: alle oberirdischen Teile trocken halten. Achten Sie darauf, insbesondere pilzempfindliche Pflanzen, beispielsweise Tomaten, Erdbeeren oder Phlox, direkt an den Pflanzenfuß zu wässern und die Blätter dabei nicht zu benetzen. Falls Sie mit dem Schlauch gießen, halten Sie den Wasserdruck grundsätzlich eher gering, auch dadurch vermeiden Sie Spritzwasser auf Blättern und Stängeln. Sonnenliebende Pflanzen sollten möglichst auch an einem sonnigen Platz stehen. Dank der passenden Standortbedingungen werden sie insgesamt kräftiger und widerstandsfähiger, und darüber hinaus verdunstet die Feuchtigkeit nach einem Regenguss schneller. Aus demselben Grund gilt: Egal ob Zierpflanze, Obst oder Gemüse, im Freiland oder im Gewächshaus, planen Sie mit großzügigen Pflanzabständen und lüften Sie im Gewächshaus regelmäßig. Beides sorgt dafür, dass feuchte Blätter und Triebe schneller abtrocknen.

Gönnen Sie Ihren Tomaten ein Dach über dem Kopf, um sie zuverlässig vor der Kraut- und Braunfäule und anderen Pilzerkrankungen zu schützen. Stellen Sie Tomaten in Pflanzgefäßen unter einem Dachvorsprung auf und bauen Sie für Freilandtomaten aus Holzlatten und Folie ein einfaches Tomatendach. Wichtig: Dieses sollte möglichst gut durchlüftet sein, weshalb eine Seitenwand höchstens auf der Wetterseite sinnvoll ist. Tomatenhauben aus Kunststoff sind nicht empfehlenswert, da sie die Pflanzen eng umschließen und sich an der Folie schnell Schwitzwasser bilden kann. Schwitzwasser jedoch bedeutet, dass auch die Blätter dauerhaft feucht sind, und das wäre kontraproduktiv.

Tomatenpflanzen unter Tomatendach
Tomatenanbau unter Regenschutz
Quelle: Josef Schlaghecken | www.greencommons.de | Tomatenanbau unter Regenschutz | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/
 

9. Obstbäume regelmäßig schneiden

Wer seine Obstgehölze regelmäßig schneidet, erzieht sie zum einen dahingehend, dass sie jedes Jahr einen möglichst gleichmäßig hohen Ertrag bringen. Zum anderen wird insbesondere durch den sogenannten Auslichtungsschnitt ein Mikroklima geschaffen, das es zahlreichen Krankheitserregern schwer macht, sich anzusiedeln. Pilzsporen beispielsweise benötigen in den allermeisten Fällen eine feuchte Umgebung – eine dichte Krone, in die kaum Licht und Luft hineindringt, käme ihnen da gerade recht.

Beim Auslichten wirkt man einer dichten Krone aktiv entgegen, indem man alle Äste entfernt, die ins Kroneninnere wachsen. Weggeschnitten werden auch sogenannte Wasserschosser – steil aufragende Äste, die ohnehin kaum Früchte tragen würden – sowie Äste, die aneinander reiben und dadurch potenzielle Eintrittspforten für Krankheitserreger schaffen. Alte und kranke Äste sollten Sie ebenfalls herausnehmen. Nach dem Auslichtungsschnitt kann der Wind wieder deutlich besser durch die Krone streichen, wodurch Feuchtigkeit rasch verdunstet. Auch die Sonnenstrahlen finden ihren Weg wieder leichter durch das Blätterkleid und tragen zum zügigen Abtrocknen bei. Darüber hinaus reifen die Früchte dadurch besser aus.

Schneiden Sie Ihre Obstbäume – wie auch alle anderen Gehölze – an einem trockenen Tag, um das Infektionsrisiko kleinzuhalten, und Steinobstgehölze am besten im Sommer, da sich ihre Wunden bei Kälte nur sehr langsam schließen. Auf Wundverschlussmittel wird heute im Erwerbsgartenbau übrigens weitgehend verzichtet, da sich der Heilungsprozess ohne Verschluss genauso gut vollzieht. Wichtiger für die Heilung ist ein sauberer, glatter Wundrand, damit der Baum die Schnittstelle rasch "überwallen", also zuwachsen kann. Verwenden Sie daher nur ausreichend scharfe Schnittwerkzeuge.

Blühender Apfelbaum auf einer Wiese
Blühender Apfelbaum
Quelle: coco / Fotolia.com
 

10. Im Notfall: Umweltfreundliche Pflanzenschutzmittel verwenden

Auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten viele Gartenfans insbesondere bei Beerenobst, Steinobst, Kernobst und Gemüse ganz bewusst. Zum einen, da es eine Vielzahl effektiver Alternativen gibt und sich etwaige Schäden oft in einem gut tolerierbaren Rahmen bewegen. Zum anderen, da sie Obst und Gemüse oft gerade deshalb selbst anbauen, weil sie ungespritzte Früchte ernten möchten. Denn bei der Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln besteht das Risiko von Fehlanwendungen: Die vertretbaren Auswirkungen für Umwelt und Gesundheit, die den zugelassenen Mitteln im Rahmen des gesetzlichen Zulassungsverfahrens bescheinigt wurden, werden nämlich nur dann sicher eingehalten, wenn man die Produkte ordnungsgemäß handhabt.

Andernfalls sind unvertretbare Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen. In diesen Fällen können beispielsweise deutlich mehr Nützlinge durch die ausgebrachten Mittel geschädigt oder getötet werden. Einige Wirkstoffe können sich auch im Boden anreichern oder sich in der Nahrungskette ansammeln, wenn kontaminierte Insekten oder Pflanzenteile von Vögeln, Igeln oder anderen Tieren gefressen werden. Durch plötzlich aufkommenden Wind, der den Sprühnebel verweht, Verdunstung, Abschwemmungen in Hanglagen oder schlicht durch Versickern kann sogar eines der wichtigsten Güter überhaupt betroffen sein: das Grundwasser. Dies ist besonders kritisch, wenn man bedenkt, dass es in Deutschland etwa 20 Millionen Hausgärten und eine Million Kleingärten gibt.

Fällt nach sorgfältigem Abwägen der Vor- und Nachteile dennoch die Entscheidung für eine chemische Bekämpfung, sollten Sie möglichst umweltverträgliche Wirkstoffe wählen. Gegen saugende Insekten wie Blattläuse, Weiße Fliegen, Spinnmilben, Thripse und Gallmücken können Sie beispielsweise Insektizide auf Basis von Rapsöl oder Kali-Seife einsetzen. Führen Sie die Behandlung abends oder an einem bedeckten Tag durch, da insbesondere bei ölhaltigen Produkten die Tröpfchen wie winzige Linsen wirken und Sonnenbrand an den Pflanzen verursachen können, und achten Sie darauf, auch die Blattunterseiten zu benetzen!

Gegen Schnecken wirksam, aber für andere Organismen ungiftig sind Fraßköder – im Handel meist unter der Bezeichnung Schneckenkorn erhältlich – mit dem Wirkstoff Eisen-III-Phosphat.

Fungizide auf Basis von Schwefel sind eine wirkungsvolle und vergleichsweise umweltverträgliche Bekämpfungsmaßnahme gegen Echten Mehltau und den Amerikanischen Stachelbeermehltau. Wichtig: Jedes Pflanzenschutzmittel darf nur in den Pflanzenkulturen angewendet werden, für die es zugelassen ist (diese sind in der Packungsbeilage angegeben), da nur für diesen Bereich eine Risikoanalyse stattgefunden hat! Ein Produkt, das beispielsweise gegen Blattläuse an Rosen zugelassen ist, darf nicht automatisch auch auf Salat angewendet werden!

Als verhältnismäßig nützlingsfreundliche Unkrautvernichter bieten sich die Wirkstoffe Pelargonsäure und Essigsäure an. Gegen Moos im Rasen kann als Notfallmaßnahme allenfalls der Wirkstoff Eisen-II-Sulfat als am wenigsten schädlich empfohlen werden.

Achtung: Wählen Sie Produkte, in denen der jeweilige Wirkstoff als Monoformulierung vorliegt, denen also keine weiteren Wirkstoffe außer einem der genannten zugesetzt sind! Denn durch die Mischung mit anderen Wirkstoffen erhalten Produkte mit einem an sich vergleichsweise wenig bedenklichen Wirkstoff regelmäßig deutlich negativere Umwelt- und/oder Gesundheitseigenschaften.

<>
Teilen:
Artikel:
Drucken Senden
Schlagworte:
 Garten