Car-Sharing nutzen

Eine Frau sitzt im Auto, von außen erhält sie von einem Mann durch das Fenster den Autoschlüsselzum Vergrößern anklicken
Car-Sharing ist praktisch, flexibel und umweltfreundlich.
Quelle: Diego Cervo / Fotolia.com

Unsere Tipps

  • Car-Sharing ist erste Wahl, wenn Sie ein Auto nutzen möchten.
  • Achten Sie bei Car-Sharing-Angeboten auf das Umweltzeichen „Blauer Engel“.

Gewusst wie

Jedes Auto, ob es fährt oder nicht, bedeutet für die Umwelt eine hohe Belastung. Bereits die Herstellung verschlingt Tonnen an Energie und Ressourcen, das parkende Auto benötigt (versiegelte) Fläche. Für Sie selbst ist der Besitz eines Autos mit hohen Anschaffungs- und Unterhaltskosten verbunden. Der ADAC gibt die monatlichen Vollkosten (Fix-, Werkstatt- und Betriebskosten plus Abschreibungen für Wertverlust) für einen Pkw in der Golfklasse mit rund 400 bis 500 Euro pro Monat an. Dabei müsste man eher von einem Stehzeug sprechen: Im Durchschnitt wird ein Auto nur rund eine Stunde am Tag tatsächlich genutzt.

Car-Sharing-Organisationen bieten ihren Mitgliedern hingegen die Möglichkeit, Autos zu nutzen und auch nur dann zu bezahlen, wenn man es wirklich benötigt. Dieses Angebot rechnet sich vor allem für Menschen, die das Auto nicht für den täglichen Arbeitsweg benötigen. Als Daumenregel gilt: Wer weniger als 10.000 Kilometer pro Jahr fährt, für den lohnt sich Car-Sharing finanziell.

Hierzu sind im Allgemeinen folgende Schritte notwendig:

  • Einmaliger Antrag auf Mitgliedschaft, Erhalt einer elektronischen Karte als „Autoschlüssel“,
  • Buchung des Autos für gewünschten Zeitraum (Telefonisch oder über das Internet oder per App),
  • Selbständiges Abholen und Zurückbringen des Autos an den vereinbarten Stellplatz,
  • Monatliche Abrechnung der individuellen Fahrkosten (Zeit- und Kilometertarif).

Die Fahrzeuge werden von der Organisation gereinigt und gewartet. Die meisten Organisationen haben vom Kleinwagen zum Transporter verschiedene Autos im Angebot. In der Regel sind auch sehr kurzfristige Buchungen möglich, ebenso Buchungen in anderen Städten oder spezielle Urlaubsangebote.

Neben dem „klassischen“ Car-Sharing, das aus Sicht des UBAs die meisten Vorteile für Umwelt und Nutzer hat, gibt es noch andere Varianten des „Auto-Teilens“:

  • Nachbarschaftliches Auto teilen: Im Normalfall steht nur ein Auto zur Auswahl, dadurch ist das Auto auch manchmal  zum gewünschten Termin nicht verfügbar. Es eignet sich vor allem für Pendler als ergänzendes Angebot für Freunde und Nachbarn. Hierzu gibt es Musterverträge des VCD (siehe Links).
  • Vermittlungsangebote für privaten Autoverleih: Über Internetplattformen werden – analog zu Mitfahrgelegenheiten – Verleiher und Leiher von Privatautos vermittelt (siehe Links).
  • Angebote von Autoherstellern: In einigen Großstädten gibt es inzwischen flexibel buchbare Autos einzelner Hersteller im öffentlichen Parkraum. Diese sind nicht stationsgebunden, das heißt sie müssen nicht an den Ausgangsort zurückgebracht werden, sondern können innerhalb des Geschäftsgebietes beliebig abgestellt werden. Aus Umweltsicht sind diese Angebote ambivalent zu bewerten, da sie – möglicherweise – in Konkurrenz zum ÖV stehen. Allerdings zeigen erste Ergebnisse aus dem Projekt "WiMobil", dass auch durch das flexible Car-Sharing in Großstädten wie München bei konservativer Rechnung ein Car-Sharing-Fahrzeug drei Pkw ersetzt und dadurch wertvolle Flächen frei werden, die z. B. für umweltverträgliche Mobilitätsformen genutzt werden könnten. Zur Zeit laufen noch einige weitere Studien, die voraussichtlich im Jahr 2016 veröffentlicht werden.

Was Sie noch tun können:

  • Achten Sie bei der Wahl der Car-Sharing-Anbieter auf das Umweltzeichen „Blauer Engel“.
  • Auch Car-Sharing-Autos sind „Autos“: Beachten Sie unsere Hinweise zu „Sprit sparen“ und „Bus und Bahn fahren“.
Blauer Engel für Car-Sharing
Blauer Engel für Car-Sharing
Quelle: Blauer Engel

Hintergrund

  • Im Durchschnitt werden durch ein Car-Sharing-Auto vier bis acht private Pkw ersetzt. Das verringert die für private Autos benötigten Parkflächen. Diese Flächen können dann für andere Zwecke – etwa Grünanlagen oder Kinderspielplätze – genutzt werden.
  • Die intensive Nutzung der Autos erfordert eine ständige Erneuerung der Fahrzeugflotte, so dass die Fahrzeuge immer auf dem neuesten und umweltfreundlichsten Stand der Technik sind. Einer Studie aus der Schweiz zufolge liegt der Durchschnittsverbrauch einer Car-Sharing-Flotte etwa 16 Prozent unter dem Durchschnittsverbrauch der Neuwagenflotte sowie etwa 26 Prozent unter dem der gesamten Schweizer Pkw-Flotte (BFE 2006).
  • Weil Car-Sharing-Nutzer bei jeder einzelnen Fahrt die vollen betrieblichen Kosten der Fahrzeugnutzung bezahlen müssen, entsteht ein erheblicher Anreiz, wesentlich weniger mit dem Auto zu fahren als bei Besitz eines Privat-Pkw.
  • Es ist mittlerweile unumstritten, dass Car-Sharing einen Beitrag zur Umweltentlastung leistet. Nach einer Schweizer Untersuchung emittiert jeder aktive Schweizer Car-Sharing-Nutzer jährlich 290 Kilogramm CO2 weniger als in einem Verkehrssystem ohne Car-Sharing. „Aktiver“ Car-Sharing-Nutzer bedeutet, dass er mindestens einmal im Untersuchungsjahr ein Car-Sharing-Auto genutzt hat (Loose 2009).
  • Seine umweltentlastende Wirkung entfaltet das Car-Sharing aber überwiegend erst im Zusammenspiel mit anderen Verkehrsmitteln des Umweltverbundes (ÖPNV, Bahn, Rad- und Fußverkehr). Car-Sharing ist damit der Schlüssel für eine kombinierte Mobilität. Es setzt als eines der wenigen Maßnahmen direkt an einer der zentralen Stellschrauben für die Autonutzung an: dem Besitz eines eigenen Autos. Hervorzuheben sind deshalb die strukturellen Wirkungen des Car-Sharing: Die Relevanz der Autohersteller verliert zugunsten von Dienstleistern an Gewicht und die Legitimation für restriktive umweltpolitische Maßnahmen gegenüber dem Autoverkehr wächst.
  • Laut dem Bundesverband Car-Sharing gibt es mittlerweile 4.600 Car-Sharing-Stationen in über 490 Städten und Gemeinden.
Die Nutzerzahlen des stationsbasierten Car-Sharings sind in 2014 auf über 380.000 Fahrberechtigte gestiegen. Car-Sharing-Fahrzeuge gibt es rund 9.000 in 2014.
Umsatz und Marktanteil von Car-Sharing
Quelle: cambioJournal / Kraftfahrt Bundesamt / Bundesverband Carsharing Diagramm als PDF

Quellen

Schweizer Bundesamts für Energie (BFE) (2006): Evaluation „Car-Sharing“.

Loose, W. (2009): Umweltwirkung von Car Sharing. Factsheet Nr. 3 des EU-Projekts „momo- more options for energy efficient mobility through car-sharing".

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