Abschnitt 2: Dichtheitskontrollen & Emissionsvermeidung

Inhaltsverzeichnis

 

Anforderungen an Dichtheitskontrollen und Emissionsvermeidung

Durch die Verordnung (EU) Nr. 517/2014 ändern sich Anforderungen an Dichtheitskontrollen und Emissionsvermeidung. Fragen hierzu sind im Folgenden aufgegriffen. Sofern nicht anders vermerkt, handelt es sich um Auslegungen des Umweltbundesamtes. Auslegungen des Umweltbundesamtes sind für Gerichte oder Vollzugsbehörden nicht verbindlich. Für den Vollzug der Verordnungen sind die Bundesländer zuständig.

 

Frage 9: Welche Einrichtungen müssen auf Dichtheit geprüft werden?

Geprüft werden müssen folgende Einrichtungen, sofern sie mindestens 5 Tonnen [t] CO2-Äquivalente fluorierte Treibhausgase enthalten (10 t CO2-Äquivalente im Falle hermetisch geschlossener Einrichtungen):

  • ortsfeste Kälteanlagen
  • ortsfeste Klimaanlagen
  • ortsfeste Wärmepumpen
  • ortsfeste Brandschutzeinrichtungen
  • Kälteanlagen in Kühllastkraftfahrzeugen und -anhängern
  • Elektrische Schaltanlagen (mit Ausnahmen)
  • Organic-Rankine-Kreisläufe

Zur Umrechnung von Kilogramm [kg] auf Tonnen [t] CO2-Äquivalente siehe Frage 10.

Finden und nachlesen

Art. 4 (2) Verordnung (EU) Nr. 517/2014

Die Tabelle zeigt für verschiedene Kältemittel wie R134a und R507A, welche Kältemittelmenge in Kilogramm welcher Menge CO2 Äquivelente in Tonnen entspricht. 5 Kilogramm R134a entsrechen zum Beispiel 3,5 Tonnen CO2-Äquivalente.
Entsprechungstabelle für gängige Kältemittel
Quelle: Umweltbundesamt
 

Frage 10: Wie errechne ich die Füllmenge meiner Einrichtung in CO2-Äquivalenten?

Die Füllmenge der Einrichtung in Kilogramm [kg] multipliziert mit dem Treibhauspotential (GWP) des Kältemittels ergibt die Füllmenge in CO2-Äquivalenten.

Beispiel: Eine Einrichtung enthält laut Typenschild 31,50 kg des Kältemittels R404A (GWP = 3922)
Berechnung: 31,50 kg * 3922 = 123.543 kg CO2-Äquivalente = 123,5 t CO2-Äquivalente

Hier finden Sie GWP-Werte gängiger Kältemittel und Kältemittelgemische.

Ergänzung

Nach Auffassung der Europäischen Kommission ist für die Berechnung die Füllmenge in Kilogramm [kg] auf zwei Dezimalstellen genau anzusetzen. Dies entspricht nach Angabe des Europäischen Verbandes der Wartungsunternehmen der Messgenauigkeit in der Praxis.

Der Ausschuss Fachfragen und Vollzug der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Chemikaliensicherheit hat in Bezug auf die „alte“ F-Gase Verordnung 842/2006 und die nationale Chemikalien-Klimaschutzverordnung u. a. beschlossen:

  • kaskadenartige Kältesysteme (z. B. Tieftemperaturkaskaden), bei denen es durch eine Leckage nicht zum gleichzeitigen Entweichen der Kältemittel aus den beteiligten Kältemittelkreisläufen kommen kann, nicht als eine Anwendung im Sinne von Art 3 Abs. 2 VO (EG) Nr. 842/2006 zu betrachten sind und folglich bei der Ermittlung der Pflichten hinsichtlich der Dichtigkeitskontrollen die Kältemengen der beteiligten Kreisläufe getrennt berücksichtigt werden können;
  • mehrstufige Kälteanlagen, bei denen das Kältemittel der einzelnen Stufen in Verbindung steht und diese damit gleichzeitig entweichen können, als eine Anwendung im Sinne von Art 3 Abs. 2 VO (EG) Nr. 842/2006 zu betrachten sind und folglich bei der Ermittlung der Pflichten hinsichtlich der Dichtigkeitskontrollen die Kältemengen aller beteiligten Stufen in der Summe berücksichtigt werden müssen.

Zu finden ist dieser Beschluss in der Vollzugshilfe  zur Umsetzung der Chemikalien-Klimaschutzverordnung.

Das Umweltbundesamt ist der Auffassung, dass die Anwendung der Verordnung (EU) Nr. 517/2014 („neue“ F-Gas-Verordnung) keine inhaltliche Änderung in dieser Frage begründet.

 

Frage 11: Ab wann müssen Einrichtungen auf Dichtheit geprüft werden?

Der Dichtheitskontrolle unterliegende Einrichtungen (siehe Frage 9) müssen seit 01. Januar 2015 auf Dichtheit kontrolliert werden. Ausgenommen sind Einrichtungen mit weniger als 3 kg fluorierten Treibhausgasen (6 kg im Fall von hermetisch geschlossenen Einrichtungen), die erst ab 01. Januar 2017 Kontrollen unterzogen werden müssen.

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Art. 4 (1+2) Verordnung (EU) Nr. 517/2014
Art. 27 Verordnung (EU) Nr. 517/2014

 

Frage 12: Was müssen Betreiber von Einrichtungen beachten, die weniger als 3 kg fluorierte Treibhausgasen enthalten?

Mit der neuen Verordnung (EU) Nr. 517/2014 unterliegen auch Einrichtungen mit weniger als 3 kg Füllmenge Dichtheitskontrollen, sofern die Füllmenge mindestens 5 Tonnen [t] CO2-Äquivalenten (10 Tonnen [t] CO2-Äquivalente im Falle hermetisch geschlossener Einrichtungen) entspricht (Umrechnung siehe Frage 10).

Dichtheitskontrollen an Einrichtungen mit weniger als 3 Kilogramm [kg] (6 kg im Falle hermetisch geschlossener Einrichtungen) fluorierten Treibhausgasen müssen ab 01. Januar 2017 durchgeführt werden (siehe auch Frage 10 und Frage 9).

Deutschland hat im § 3 Abs. 1 der ChemKlimaschutzV für ortsfeste Kälte- und Klimaanlagen spezifische Kältemittelverluste festgelegt. Die Höhe der zulässigen spezifischen Kältemittelverluste richtet sich nach Alter und Größe der Einrichtung. Außer für hermetisch geschlossene Systeme und Kältesätze gelten die Anforderungen auch für Einrichtungen mit weniger als 3 kg Kältemittel.

Ergänzung

Unabhängig von der Pflicht zur Dichtheitskontrolle gilt, dass die absichtliche, nicht technisch notwendige Freisetzung von fluorierten Treibhausgasen in die Atmosphäre untersagt ist und dass Betreiber hierzu alle technisch und wirtschaftlich durchführbaren Maßnahmen ergreifen müssen.

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Art. 4 Verordnung (EU) Nr. 517/2014
Art. 3 Verordnung (EU) Nr. 517/2014

 

Frage 13: Wie oft muss ich meine Einrichtung kontrollieren lassen?

Die Kontrollintervalle sind abhängig von der Füllmenge der Einrichtungen in Tonnen [t] CO2-Äquivalenten (LES = Leckage-Erkennungssystem (Art. 5)):

  • 5 t bis unter 50 t CO2-Äquivalente: alle 12 Monate, mit LES alle 24 Monate
  • 50 t bis unter 500 t CO2-Äquivalente: alle 6 Monate, mit LES alle 12 Monate
  • Ab 500 t CO2-Äquivalente: alle 3 Monate, mit LES (bei bestimmten Einrichtungen obligatorisch) alle 6 Monate

Siehe dazu auch Frage 10 und Frage 14.

Ergänzung

Die Europäische Kommission empfiehlt, für die Berechnung der Grenzen den Wert für die Füllmenge in Kilogramm [kg] auf zwei Dezimalstellen anzusetzen. Dies entspricht nach Angaben des Europäischen Verbandes der Wartungsunternehmen der Messgenauigkeit in der Praxis.

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Art. 4 (3) Verordnung (EU) Nr. 517/2014

 

Frage 14: Wie wird der Zeitpunkt für die nächste Dichtheitskontrolle ermittelt?

Für den Zeitpunkt der nächsten Dichtheitskontrolle ist das Datum der letzten Dichtheitskontrolle maßgeblich. Beispiel: Im Falle eines vorgeschriebenen, maximalen Prüfabstandes von 12 Monaten muss eine zuletzt am 31. Januar geprüfte Anlage bis spätestens zum 30. Januar des Folgejahres erneut geprüft werden.

Finden und nachlesen

Art. 4 (3) Verordnung (EU) Nr. 517/2014

 

Frage 15: Welche Dichtheits(kontroll)anforderungen werden an mobile Kälteanlagen gestellt?

Art. 3 „Vermeidung von Emissionen“ der neuen Verordnung (EU) Nr. 517/2014 erfasst alle Verwendungen und Einrichtungen, einschließlich mobiler Einrichtungen.

Art. 4 der neuen Verordnung schreibt Dichtheitskontrollen für Kälteanlagen in Kühllastkraftfahrzeugen und -anhängern erstmals auch auf EU-Ebene vor.

Betreiber mobiler Einrichtungen, die der Kühlung von Gütern beim Transport dienen und mindestens drei Kilogramm fluorierte Treibhausgase als Kältemittel enthalten, müssen diese bisher bereits gemäß § 3 Abs. 2 der ChemKlimaschutzV mindestens einmal alle zwölf Monate mittels geeigneten Geräts auf Dichtheit überprüfen. Festgestellte Undichtigkeiten sind unverzüglich zu beseitigen, sofern dies technisch möglich und nicht mit unverhältnismäßigen Kosten verbunden ist. Die ChemKlimaschutzV gilt nicht für

  • Schiffe unter fremder Flagge,
  • mobile Einrichtungen, die für militärische Einsätze verwendet werden,
  • Kraftfahrzeuge, deren regelmäßiger Standort außerhalb des Geltungsbereichs dieser Verordnung liegt, und
  • Kühlcontainer.

Über die Dichtheitsprüfungen und etwaige Instandsetzungsarbeiten hat der Betreiber Aufzeichnungen zu führen.

Für die Durchführung der Dichtheitskontrolle gemäß Art. 4 der Verordnung (EU) Nr. 517/2014 müssen die Personen zertifiziert sein. Hierzu sind aber noch Zertifizierungsprogramme zu erarbeiten. Zu Zertifizierungen siehe Abschnitt 4.

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Art. 4 Verordnung (EU) Nr. 517/2014
§3(2) der ChemKlimaschutzV

 

Frage 16: Welche Dichtheitsanforderungen gelten für Klimaanlagen in Pkw und kleinen Nutzfahrzeugen?

Für die Dichtheit neuer mobiler Klimaanlagentypen mit fluorierten Treibhausgasen mit einem Treibhauspotential (GWP) größer als 150 in Kraftfahrzeugen der Klassen M1 und N1, Gruppe I gelten weiterhin die Bestimmungen der Richtlinie 2006/40/EG. Diese Klimaanlagen werden nur dann zugelassen, wenn die Leckagerate der Klimaanlage nicht mehr als 40 Gramm/Jahr fluorierte Treibhausgase bei Systemen mit einem Verdampfer und nicht mehr als 60 Gramm/Jahr bei Systemen mit zwei Verdampfern beträgt. Der Test zur Bestimmung der Leckagerate ist in Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 706/2007 der Kommission beschrieben.

Für die Wartung und Reparatur mobiler Klimaanlagen in Kraftfahrzeugen der Klassen M1 und N1, Gruppe I legt § 3 Abs. 3 der ChemKlimaschutzV fest, dass eine Klimaanlage, aus der eine über das gewöhnliche Maß hinausgehende Menge des Kältemittels entwichen ist, nur dann wiederbefüllt werden darf, wenn die Undichtigkeiten zuvor beseitigt wurden.

Ergänzung

Die Fahrzeugklassen M1 und N1, Gruppe I sind wie folgt definiert: Nach der Richtlinie 2007/46/EG sind Kraftfahrzeuge der Klasse M1: Vorwiegend für die Beförderung von Fahrgästen und deren Gepäck ausgelegte und gebaute Kraftfahrzeuge mit höchstens acht Sitzplätzen zuzüglich des Fahrersitzes. Fahrzeuge der Klasse M 1 dürfen keine Stehplätze aufweisen. Die Anzahl der Sitzplätze kann auf einen einzigen (d. h. den Fahrersitz) beschränkt sein, und Kraftfahrzeuge der Klasse N1: Vorwiegend für die Beförderung von Gütern ausgelegte und gebaute Kraftfahrzeuge mit einer Gesamtmasse von höchstens 3,5 Tonnen.

Als Fahrzeuge der Gruppe I gelten N1-Fahrzeuge mit einem Fahrzeuggewicht bis zu 1,305 Tonnen.

 

Frage 17: Was bedeutet die Regelung nach Art. 3 (3), dass Einrichtungen innerhalb eines Monats nach der Reparatur von einer zertifizierten Person zur Bestätigung des Reparaturerfolgs geprüft werden?

Es ist in den meisten Fällen ausreichend, wenn die Kontrolle direkt im Anschluss an eine Reparatur erfolgt. Damit würde die Kontrolle „innerhalb eines Monats“ erfolgen. Dieser Auslegung hat sich die Europäische Kommission angeschlossen. Lediglich wenn ein „Einlaufen“ der Einrichtung nach der Reparatur erforderlich ist, kann eine spätere Kontrolle erforderlich sein. Hierüber ist im Einzelfall zu entscheiden. Die erfolgte Kontrolle ist in den Aufzeichnungen zu dokumentieren.

 

Frage 18: Wie sind die Betreiberanforderungen bezüglich des Leckage-Erkennungssystems nach Art. 5?

Gemäß Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 517/2014 müssen Betreiber von

  • ortsfesten Kälteanlagen,
  • ortsfesten Klimaanlagen,
  • ortsfesten Wärmepumpen,
  • ortsfesten Brandschutzeinrichtungen,
  • elektrischen Schaltanlagen (ab 01. Januar 2017 installierte Einrichtungen) oder
  • Organic-Rankine-Kreisläufen (ab 01. Januar 2017 installierte Einrichtungen),

die 500 t CO2-Äquivalente fluorierte Treibhausgase oder mehr enthalten, sicherstellen, dass geeignete Leckage-Erkennungssysteme installiert sind.

Ein Leckage-Erkennungssystem muss in der Lage sein, das Austreten fluorierter Treibhausgase aus Lecks festzustellen und den Betreiber oder ein Wartungsunternehmen in diesem Fall zu warnen. Das Leckage-Erkennungssystem muss darüber hinaus in der Lage sein, die Einhaltung der Kältemittelverluste der ChemKlimaschutzV zu ermöglichen.

Betreiber stellen sicher, dass verpflichtend vorgeschriebene Leckage-Erkennungssysteme mindestens einmal alle zwölf Monate kontrolliert werden (elektrische Schaltanlagen alle sechs Jahre), um ihr ordnungsgemäßes Funktionieren zu gewährleisten.

In einer zur Verordnung (EG) Nr. 842/2006 aufgelegten Informationsbroschüre der Europäischen Kommission hieß es hierzu:

Bei der Wahl einer geeigneten Technik und eines angemessenen Installationsorts für ein Erkennungssystem muss der Betreiber alle Parameter mit Einfluss auf die Wirksamkeit berücksichtigen, damit das installierte System ein Leck auch wirklich erkennt und den Betreiber warnt. Zu solchen Parametern gehören u. a. die Art der Anlage, der Raum, in dem sie installiert wird, und ggf. die Gegenwart anderer Verunreinigungen in diesem Raum.

Als Faustregel gilt, dass ein System zur Erkennung von Leckagen durch Überwachung der Gegenwart von F-Gasen in der Luft, sofern die Installation eines derartigen Systems angemessen ist, in dem Maschinenraum oder, wenn ein solcher nicht vorhanden ist, so nahe wie möglich an dem Verdichter oder den Druckausgleichsventilen installiert wird und eine Empfindlichkeit besitzt, die eine effektive Leckageerkennung ermöglicht. Die Verwendung anderer Systeme, wie Systeme zur Erkennung von Leckagen durch elektronische Analyse des Füllstands oder anderer Daten, ist im angemessenen Umfang ebenfalls möglich. Dabei sind die Norm DIN EN 378 sowie die dort genannten Normen, aber auch nationale Vorschriften zu beachten. Zeigt ein fest installiertes Leckage-Erkennungssystem ein mögliches Leck an, muss eine Kontrolle des Systems zur Identifizierung des Lecks und ggf. eine Reparatur erfolgen.

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Art. 2 Nr. 29 Verordnung (EU) Nr. 517/2014
Art. 5 Verordnung (EU) Nr. 517/2014

 

Frage 19: Ist die Verwendung von fluorierten Treibhausgasen für Dichtheitsprüfungen oder andere Messungen grundsätzlich verboten?

Nein. Art. 3 (1) untersagt die absichtliche Freisetzung von fluorierten Treibhausgasen in die Atmosphäre nur, wenn die Freisetzung technisch nicht notwendig ist. Gibt es nachweislich keine anderen, geeigneten Stoffe als fluorierte Treibhausgase, ist ihr Einsatz weiterhin zulässig. Soweit technisch möglich, sind die verwendeten fluorierten Treibhausgase aber aufzufangen und nicht zu emittieren.