Ökonomische Fragen der Wasserbewirtschaftung

Ökonomische Instrumente sollen Anreize zum sorgsamen Umgang mit Wasser setzen. Sie spielen daher bei der Lenkung von Wassernutzungen eine wichtige Rolle. Auch die EU-Wasserrahmenrichtlinie enthält eine Reihe ökonomischer Instrumente, wie zum Beispiel die Kostendeckung bei den Wasserdienstleistungen, die Auswahl kosteneffizienter Maßnahmen und die ökonomische Begründung von Ausnahmetatbeständen.

Inhaltsverzeichnis

 

Ökonomische Aspekte und nachhaltige Wasserversorgung

Nach dem Kostendeckungsprinzip sind in Deutschland die tatsächlichen Kosten der Wasserversorgung die Grundlage für Preis- und Tarifstrukturen. Wasserpreise beeinflussen wirtschaftliches Handeln gewerblicher oder privater Wassernutzer. Gleichzeitig werden Abgabensysteme, wie z. B. Wasserentnahmeentgelte und Abwasserabgaben gezielt als umweltpolitische Steuerungsinstrumente eingesetzt. Auch wenn diese Instrumente aus der Sicht des Einzelnen in ihrer Umsetzung diskussionswürdig sein können, unterstützen sie die gesellschaftlichen Ziele einer nachhaltig ressourcenschonenden und effizienten Gewässerbewirtschaftung. Privatisierung, Modernisierung und Benchmarking sind Strategien und Prozesse, die die strukturellen und organisatorischen Veränderungen der deutschen Wasserwirtschaft in den vergangenen und zukünftigen Jahren prägen. Eng mit dieser Entwicklung verbunden ist die europäische Diskussion zur Marktöffnung bei Leistungen der Daseinsvorsorge, zu denen auch die netzgebundene Infrastruktur der Wasserversorgung und -entsorgung gehört. Liberalisierungsbestrebungen im Wassersektor bergen die Gefahr, dass das erreichte Niveau im Umwelt- und Gesundheitsschutz verloren geht und eine nachhaltige Wasserversorgung hinter Gewinnmaximen zurückfällt. Eine andere wichtige ökonomische Fragestellung betrifft die Wassernutzungsabgaben, wie z.B. die Abwasserabgabe oder die Wasserentnahmeentgelte. Hier sind insbesondere im Kontext von Art. 9 der EU-Wasserrahmenrichtlinie viele offene Fragen zu diskutieren.

Sie können Veröffentlichungen und Fachbeiträge zu den einzelnen ökonomischen Schwerpunkten direkt über die in der rechten Spalte stehenden Links herunterladen bzw. bestellen.

 

 

Kosten der Trinkwasserbereitstellung durch Nitrat und Pflanzenschutzmitteleinträge

Eine sichere Wasseraufbereitung ist vor allem aus gesundheitlichen Gründen unabdingbar. Trinkwasser soll geschmacks-, geruchs- und farblos sein. Vor allem muss es aber frei von Krankheitserregern sein und Grenzwerte für chemische Parameter einhalten. Erst durch Aufbereitung und Reinigung wird aus Grund- und Oberflächenwasser genießbares Trinkwasser. Zu den tatsächlichen Kosten der Wasserversorgung tragen daher Aufbereitungskosten maßgeblich bei.

Die Aufbereitung des Rohwassers könnte in etlichen Regionen Deutschlands in Zukunft spürbar teurer werden. Grund ist die hohe Belastung des Grundwassers mit Nitrat. Wenn die Nitrateinträge in belasteten Grundwasserkörpern nicht bald sinken, müssen betroffene Wasserversorger zu teuren Aufbereitungsmethoden greifen, um das Rohwasser von Nitrat zu reinigen. Dies ist ein Ergebnis des Forschungsvorhabens Quantifizierung der landwirtschaftlich verursachten Kosten zur Sicherung der Trinkwasserbereitstellung. In diesem wurden Primärdaten zur Kostenbelastung durch Nitrat- und Pflanzenschutzmittel-Belastungen in fünf verschiedenen Modellregionen erhoben. Die in den Modellregionen zur Anwendung kommenden präventiven und reaktiven Maßnahmen wurden im Rahmen dieser Studie im Detail untersucht. Zusätzlich wurden die hypothetischen Kosten einer erweiterten technischen Aufbereitung für vier verschiedene Rohwässer ermittelt. Dabei wurden sowohl Aufbereitungsverfahren zur Verringerung einer Nitrat- als auch einer Pflanzenschutzmittel -Belastung betrachtet.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine erweiterte Trinkwasseraufbereitung zur Nitrat und Pflanzenschutzmittelentfernung die Trinkwasserkosten um rund 55 bis 76 Cent pro Kubikmeter erhöhen würde. Das entspricht einer Preissteigerung von 32 bis 45 Prozent. Eine vierköpfige Familie müsste dann bis zu 134 € im Jahr mehr bezahlen.

 

EuGH-Urteil zu Wasserdienstleistungen

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am 11. September 2014 die Klage der Europäischen Kommission gegen Deutschland in der Rechtssache. 525/12  als unbegründet abgewiesen. Damit endet ein über acht Jahre andauernder Rechtsstreit über die Auslegung und Anwendung des Begriffs "Wasserdienstleistungen" in Art. 2 und 9 der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), von dem auch die Verpflichtung zur Kostendeckung abhing. Deutschland – unterstützt von diversen anderen Mitgliedstaaten - versteht unter „Wasserdienstleistungen“ die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung, die Kommission hingegen auch die Wasserkraftnutzung, die Schifffahrt und den Hochwasserschutz mit der Folge, dass für diese Tätigkeiten dann auch Entgelte zu erheben wären. Der EuGH hat nun klargestellt, dass das Fehlen einer Bepreisung nicht zwangsläufig zu einer Verfehlung der Ziele der WRRL führt. Vielmehr hätten die Mitgliedstaaten die Möglichkeit, einen wirksamen Gewässerschutz auch mit anderen Mitteln (Planung und Durchführung von regionalen Maßnahmen) sicher zu stellen. Das Urteil ist zu begrüßen, da es den Rahmencharakter der WRRL unterstreicht und passgenaue Lösungen für wasserwirtschaftliche Probleme ermöglicht.

 

Vorsorgende Leistungen der Wasserversorger für den Gewässer-und Gesundheitsschutz

Im Bundesanzeiger  vom 28. August 2014 veröffentlichten das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) einen Katalog  zu den vorsorgenden Leistungen im Gewässer- und Gesundheitsschutz.

Ziel des Kataloges ist es, Leistungen, die Wasserversorger über ihre eigentlichen Kernaufgaben hinaus im Vorsorgebereich erbringen, als unverzichtbaren Bestandteil der Daseinsvorsorge zu erhalten. Der Vorsorgegrundsatz ist von der Leitidee geprägt, Belastungen der Gewässer von vornherein zu vermeiden, um die damit verbundenen Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu minimieren. Mit entsprechenden Maßnahmen unterstützen die Wasserversorger in Deutschland nachhaltig den Gewässerschutz und fördern den sorgsamen Umgang mit Wasser. Dies kommt nicht nur den Verbrauchern und der Umwelt zugute. Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es sinnvoll, dass Wasserversorger Vorsorgeleistungen übernehmen, da hierdurch Gewässerbelastungen und Kosten vermieden werden, die ansonsten von der Allgemeinheit oder anderen Aufgabenträgern übernommen werden müssten.

Ein Beispiel für solche Leistungen ist die Gewässerüberwachung, für die staatliche Stellen auf die umfangreichen Daten und Messnetze der Wasserversorger zurückgreifen können. Auch die Beratung und Unterstützung von Landwirten bei der Verringerung der Einträge von Nitrat und Pestiziden in die Gewässer ist ein wichtiger Beitrag zur Vermeidung von Umweltbelastungen.
Gemäß dem Kostendeckungsprinzip sind alle tatsächlichen Kosten in die Preis- und Tarifgestaltung der Wasserversorgung zu berücksichtigen, dazu gehören auch die Kosten für die vorsorgenden Leistungen – soweit sie vom jeweiligen Wasserversorger plausibel dargestellt werden können. Um vorsorgende Leistungen transparent und fassbar zu machen und um Behörden und Öffentlichkeit eine Orientierung über Umfang und Art dieser Leistungen zu geben, haben Bundesumweltministerium  und Bundesgesundheitsministerium einen Katalog  solcher Maßnahmen veröffentlicht.

Der Katalog wurde in engem Dialog mit Verbänden der Wasserbranche erarbeitet. Durch die Mitarbeit des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) konnte sichergestellt werden, dass die im Katalog aufgeführten Leistungen auch dem Aufgabenspektrum der Wasserversorger entsprechen. Es wird nun Aufgabe der Verbände und Wasserversorgungsunternehmen sein, die vorsorgenden Leistungen auch in ihren wirtschaftlichen Kennzahlen adäquat abzubilden, damit die Leistungen auch in ihrer Höhe für die Kartellbehörden nachvollziehbar dokumentiert sind.

Grundlage des Kataloges waren die Ergebnisse des Forschungsvorhabens  „Ökologische und hygienische Kennzahlen im Benchmarking der Wasserversorgung – Empfehlungen aus Sicht des Gewässer - und Gesundheitsschutzes“, das im Auftrag des Umweltbundesamtes erarbeitet wurde.

Anstoß für die vom Ecologic Institut, der Rödl & Partner GbR und der Hochschule Ruhr West erstellte Studie war einerseits die anhaltende öffentliche Diskussion über die Angemessenheit von Wasserpreisen, andererseits ist spätestens seit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 2. Februar 2010 geklärt, dass das Kartellrecht auch auf Wasserversorger umfassend anwendbar ist, und damit die Rechtfertigung überhöhter Entgelte durch die Wasserversorger zu erfolgen hat. Der daraus resultierende Kostendruck auf die Wasserversorgungs¬unter¬nehmen ist erheblich gestiegen. Gleichzeitig besteht bei den umweltpolitisch Verantwortlichen von Bund und Ländern und in der Branche Einigkeit darüber, dass dieser Kostendruck nicht zu Lasten der Leistungen des vorsorgenden Gewässer- und Gesundheitsschutzes gehen kann. Vielmehr ist es umweltpolitisches Ziel, Leistungen im vorsorgenden Gewässer-und Gesundheitsschutz langfristig im Aufgabenspektrum der Wasserversorger zu sichern und den Stellenwert dieser Leistungen im Rahmen der Entgeltregulierung zu erhöhen. Allerdings fehlte bis dahin ein einheitliches Verständnis über das Leistungsspektrum im vorsorgenden Bereich.

Die Studie erkannte, dass vorsorgende Leistungen im Gegensatz zu den betriebswirtschaftlich systematisch erfassbaren Aufgaben  - wie Gewinnung, Aufbereitung und Verteilung von Trinkwasser -  sich oft einer einfachen wirtschaftlichen Bewertung entziehen, da

  • sie orts- und situationsspezifisch eingesetzt werden und wenig standardisiert sind, d.h. sie sind wenig vergleichbar,
  • ihr Nutzen für Umwelt, Natur und Gesellschaft sich schwer quantifizieren lässt,
  • sich der eventuelle ökonomische Vorteil des vorbeugenden Schutzes der Trinkwasserressourcen gegenüber einer nachsorgenden technischen Aufbereitung schwer darstellen lässt.

Gleichzeitig arbeitet die Studie heraus, dass Wasserversorger bereits heute eine Reihe von vorsorgenden Leistungen erbringen. Dazu gehören u.a.

  • Maßnahmen, zur Vermeidung und Minimierung von Schäden, die im Rahmen der Trinkwasserbereitstellung von der Wassergewinnung bis zur Lieferung an die Haushalte entstehen können,
  • die Gewässerüberwachung zur Früherkennung von Risiken oder Schadstoffeinträgen,
  • Maßnahmen, zum Schutz vor potentiellen Schäden, verursacht durch bzw. ausgehend von anderen Nutzungen und Einrichtungen wie z.B. Land- und Forstwirtschaft, Siedlung und Verkehr, Industrie und Gewerbe, Kommunen,
  • Maßnahmen zur Verbesserung der allgemeinen Umweltbedingungen und Verbesserung des qualitativen und quantitativen Gewässerzustandes, z.B. durch Aufklärung der Bevölkerung im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit über Möglichkeiten des verantwortungsvollen Umgangs mit Trinkwasser,
  • Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit des Menschen.
 

Nachhaltige Wasserversorgung

Nachhaltige Wasserversorgung in Deutschland – Analyse und Vorschläge für eine zukunftsfähige Entwicklung

  • Das Buch vom November 2001 ist über den Erich-Schmidt-Verlag zu beziehen oder in der Bibliothek des Umweltbundesamtes ausleihbar.
 

Liberalisierung der deutschen Wasserversorgung

Liberalisierung der deutschen Wasserversorgung - Auswirkungen auf den Gesundheits- und Umweltschutz, Skizzierung eines Ordnungsrahmens für eine wettbewerbliche Wasserwirtschaft (UBA-Texte 2/00 - siehe Spalte rechts unter Dokumente)

 

Wassernutzungsabgaben/Wasserentnahmeentgelte

Seit Ende der achtziger Jahre haben in Deutschland die meisten Bundesländer ein sogenanntes Wasserentnahmeentgelt eingeführt. 13 von 16 Bundesländern erheben mittlerweile für die Entnahme von Grund- und Oberflächenwasser verbrauchsabhängige Entgelte. Diese Abgaben sind zum Beispiel von Wasserversorgungsunternehmen oder Industriebetrieben zu entrichten. Damit ist das traditionelle Ordnungsrecht im Gewässerschutz durch ein ökonomisches Anreiz- und Finanzierungsinstrument ergänzt worden, um die Inanspruchnahme der öffentlichen Ressource Wasser in Wert zu setzen. Außerdem wird damit der Anforderung des Art. 9 der EU-Wasserrahmenrichtlinie Genüge getan, nach dem die Kosten für Wasserdienstleistungen (zu denen bestimmte Wasserentnahmen zählen können) einschließlich umwelt- und ressourcenbezogener Kosten entsprechend dem Verursacherprinzip zu decken sind. Bei der Höhe der Abgabesätze wird in den meisten Bundesländern nach Art der Entnahme, Zweck, Menge oder Herkunft des Wassers (Oberflächenwasser oder Grundwasser) differenziert.
Allerdings existieren verschiedene länderspezifische Abweichungen von den Regelsätzen durch Befreiung oder Ermäßigung, so auch bei der Wasserentnahme zur Rohstoffförderung. Die durch die rohstofffördernden Unternehmen direkt an die staatlichen Stellen zu leistenden Wasserentnahmeentgelte werden bundesweit unterschiedlich gehandhabt. Die nebenstehende Tabelle “Wasserentnahmeentgelte im Rohstoffsektor“ gibt eine Übersicht über die in den Bundesländern allgemein geltenden Entgeltsätze sowie die verschiedenen Tatbestände und Ermäßigungsregelungen für den rohstofffördernden Sektor.

 

Weiterentwicklung von Abwasserabgabe und Wasserentnahmeentgelten zu einer umfassenden Wassernutzungsabgabe ? (UBA-Texte 67/2011 - Forschungsvorhaben FKZ 3709 26201)

Bei einer Reform und Modernisierung bestehender Wassernutzungsabgaben, wie auch der Einführung neuer Abgaben, müssen neben den europa- und verfassungsrechtlichen Vorgaben auch ökonomisch-finanzwissenschaftliche Lenkungsaspekte sowie veränderte wasserwirtschaftliche Rahmenbedingungen Beachtung finden. In einer interdisziplinären Analyse untersuchte ein Gutachten des UFZ und der Universität Leipzig im Auftrag des UBA die Leistungsfähigkeit und Reformoptionen bestehender sowie die Einführung neuartiger Wassernutzungsabgaben in den Bereichen Landwirtschaft, Schifffahrt und Wasserkraft.

 

Praktische Ausgestaltung einer fortzuentwickelnden Abwasserabgabe sowie mögliche Inhalte einer Regelung (Forschungsvorhaben FKZ 3711 26 202) - Reformbedarf bei der Abwasserabgabe

Die Abwasserabgabe war das erste umweltökonomische Lenkungsinstrument in Deutschland. Ein Gutachten im Auftrag des Umweltbundesamtes prüfte ihre Elemente und kommt zu dem Schluss: Es besteht Reformbedarf, da sich die rechtlichen und tatsächlichen Rahmenbedingungen verändert haben. Die Studie legt alle Reformelemente (z.B. Parameterauswahl, Abgabesätze, Verrechnungsmöglichkeiten, Messlösung) auf den Tisch und wägt sie gegeneinander ab. Auch die ausgelösten Belastungen für die Abgabepflichtigen wurden stichpunktmäßig erfasst. Ergebnis: Die Abgabe sollte erhalten und in ihrer Lenkungswirkung gestärkt werden.

 

Mikroverunreinigungen und Abwasserabgabe" - Zusatzgutachten zum Forschungsvorhaben FKZ 3711 26 202

Anknüpfend an die Ergebnisse des oben genannten (Haupt-)Gutachtens zum Reformbedarf bei der Abwasserabgabe hat das Umweltbundesamt ein Zusatzgutachten (Machbarkeitsstudie) beauftragt. Dieses zeigt Wege auf, wie eine reformierte Abwasserabgabe zur Finanzierung eines weiteren Ausbaus großer Kläranlagen beitragen kann, um die Einträge von Mikroverunreinigungen in die Gewässer zu verringern. Die Gutachter empfehlen eine Bezuschussung in Höhe von 75 % der Investitionskosten aus den Mitteln der Abwasserabgabe. Dazu müsste gleichzeitig die Lenkungswirkung verstärkt und das Aufkommen der Abgabe - wie im Hauptgutachten aufgezeigt - erhöht werden.

 

Wasserrahmenrichtlinie

"Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss." (Erster Erwägungsgrund der europäischen WRRL)

Als eine der ersten umweltpolitischen Richtlinien der Europäischen Union enthält die Wasserrahmenrichtlinie auch ökonomische Vorgaben, um die von ihr gesetzten Ziele zu erreichen. Die Integration ökonomischer Elemente in die Richtlinie ist kein Selbstzweck, sondern Ausdruck der Erkenntnis, dass die Berücksichtigung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen für die Erreichung der anspruchsvollen Ziele der WRRL unerlässlich ist und dass die Zielerreichung die Auswahl der wirtschaftlichen günstigsten Instrumente und Maßnahmen erfordert.

Die ökonomischen Elemente lassen sich dabei in drei Gruppen untergliedern, die untereinander und mit anderen Elementen der Richtlinie verknüpft sind:

  1. Wirtschaftliche Analyse der Wassernutzungen nach Artikel 5 und Anhang 3,
  2. Erzielung von kostendeckenden Wasserpreisen (einschließlich von Umwelt- und Ressourcenkosten) nach Artikel 9 und Anhang 3,
  3. Rechtfertigung von Ausnahmen nach Artikel 4.

Diese drei Punkte müssen nicht gleichzeitig, sondern zu unterschiedlichen Zeitpunkten erreicht werden: Die Wirtschaftliche Analyse stellt eine ökonomische Bestandsaufnahme der Wassernutzungen dar und muss bis Ende 2004 abgeschlossen und danach an die Europäische Kommission berichtet werden. Ein Teil dieser wirtschaftlichen Analyse umfasst die Erarbeitung einer Methodik, nach der die kosteneffizientesten Maßnahmen gegen Gewässerbelastungen abgeleitet werden können. Eine derartige Methodik hat das Umweltbundesamt im Rahmen eines Forschungsvorhabens erarbeiten lassen. Die Ergebnisse (veröffentlicht in dem UBA-Text 02/04) können hier im Volltext heruntergeladen werden. Sie ist das Pendant zur naturwissenschaftlichen Charakterisierung der Flussgebiete nach Anhang 2 und an verschiedenen Stellen mit dieser inhaltlich verwoben. Demgegenüber müssen die Mitgliedstaaten kostendeckende Wasserpreise bis zum Jahr 2010 anstreben; die Rechtfertigung von Ausnahmen muss im Bewirtschaftungsplan vorgenommen werden, der bis 2009 zu erstellen ist (Entwürfe des Bewirtschaftungsplans sind der Öffentlichkeit jedoch bereits ein Jahr vorher bekannt zu geben).

Das Umweltbundesamt hat vom Institut Ecologic, Berlin, die wirtschaftlichen Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie analysieren lassen. Diesen Bericht können Sie als pdf-File hier herunterladen.

Im Rahmen des gemeinsamen Europäischen Umsetzungsprozesses der Wasserrahmenrichtlinie ist in der Arbeitsgruppe WATECO (Water Framework Directive Economics) ebenfalls eine Analyse der ökonomischen Anforderungen der Richtlinie vorgenommen wurden. Die Arbeiten berücksichtigten dabei auch die Studie von Ecologic. Das entsprechende Dokument (Handlungsanleitung, Anhänge sowie eine Zusammenfassung ist auf europäischer Ebene von den "Wasserdirektoren" einvernehmlich verabschiedet worden. Es hat jedoch keinerlei rechtlich bindenden Charakter, sondern dient nur als Grundlage für eine einheitliche Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Europa.

Das von der WATECO-Arbeitsgruppe erarbeitete und von den Wasserdirektoren verabschiedete Guidance Document und die dazugehörige Policy Summary können Sie im englischen Volltext herunterladen. Ebenfalls herunterladen können Sie sich die deutsche Rohübersetzung der  "Politikzusammenfassung zum Leitfaden".

Die Auswirkungen der ökonomischen Anforderungen der WRRL auf die deutsche Wasserwirtschaft sind in einem Aufsatz beschrieben, den Sie herunterladen können.

Für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Deutschland erarbeitet die Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) eine Arbeitshilfe. Die Arbeitshilfe enthält auch ein Kapitel zur Wirtschaftlichen Analyse. Sie finden diese Handlungsanleitung auf der Seite der LAWA.

 

Umweltökonomische Instrumente der EG

Wasser als elementare Lebensgrundlage wird aufgrund seiner Eigenschaften als öffentliches kollektives Gut gesehen. Das heißt Wasser ist offen für alle konkurrierenden Nutzungsarten, niemand soll durch Eigentumsverhältnisse oder Preisgestaltung vom Zugang zum Medium Wasser ausgeschlossen werden.

Die im Dezember 2000 verabschiedete WRRL verfolgt deshalb einen integrativen ganzheitlichen Ansatz. Sie verbindet ökologische Wertvorstellungen mit ökonomischen Grundsätzen und ist die erste EU-weit verbindliche Regelung, die ausdrücklich ökonomische Instrumente zur Umsetzung umweltpolitischer Zielsetzungen etabliert.

Die Berücksichtigung wirtschaftlicher Faktoren beschränkt sich nicht nur auf marktwirtschaftliche und wettbewerbspolitische Überlegungen. Vielmehr verlangt die WRRL explizit die Anwendung ökonomischer Steuerungsinstrumente, wie die Internalisierung von Umwelt- und Ressourcenkosten unter Zugrundelegung des Verursacherprinzips. Mit anderen Worten: Bei der Gestaltung der Wasserpreise sollen den Wassernutzern alle entstehenden Kosten in Rechnung gestellt werden, auch die, die über den betrieblichen Maßstab hinaus im gesamtgesellschaftlichen Kontext entstehen. Bis zum Jahr 2010 sind kostendeckende Gebührenstrukturen so zu gestalten, dass sie verstärkte Anreize zu einer effizienten Wassernutzung geben.

Von großer Bedeutung sind ökonomische Aspekte auch bei der Auswahl von Gewässerschutzmaßnahmen und der Inanspruchnahme von Ausnahmetatbeständen. Mit Blick auf die angestrebten Umweltziele ist bis zum Jahr 2009 die kosteneffizienteste Kombination unter den möglichen Maßnahmen und Instrumenten auszuwählen. Fristenverlängerung und Zielabsetzung sind nur dann zulässig, wenn der Nachweis geführt werden kann, dass das Erreichen des guten Gewässerzustandes bis 2015 unverhältnismäßig hohe Kosten verursachen würde.

Grundlegende koordinierende Aktivitäten auf europäischer und nationaler Ebene begleiten den Umsetzungsprozess. Im Rahmen des gemeinsamen europäischen Implementierungsprozesses (CIS) erstellte die Arbeitsgruppe WATECO (Water Framework Directive Economics) eine Leitlinie ("guidance document"), die die ökonomischen Anforderungen der Richtlinie konkretisierte. Zwei nachfolgende "Drafting Groups" erarbeiteten für weitere Einzelfragen wissenschaftliche Erkenntnisse, Methoden und Bewertungskonzepte sowie praktische Fallbeispiele. Diese sind in Arbeitspapieren - ohne rechtliche Verbindlichkeit, jedoch mit empfehlendem Charakter - den sogenannten "information sheets" zusammengefasst.

Alle Dokumente können Sie nachfolgend im englischen Volltext herunterladen.

Vor dem Hintergrund der Gegebenheiten der deutschen Wasserwirtschaft initiierte das Umweltbundesamt mehrere Studien und Forschungsvorhaben. Die entsprechenden Abschlussberichte zur Bedeutung von Umwelt- und Ressourcenkosten sowie zum methodischen Herangehen an die Auswahl kosteneffizienter Maßnahmenprogramme können Sie neben verschiedenen Fachbeiträgen ebenfalls herunterladen.

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 Wasserwirtschaft  Wasserrahmenrichtlinie  Trinkwasser