Verkehrsberuhigung

Menschen in einer Fußgängerzonezum Vergrößern anklicken
Die Bedeutung des Fußverkehrs wird bei einer autoorientierten Stadtplanung oft vergessen.
Quelle: Franz Pfluegl / Fotolia.com

Die Verkehrsberuhigung, insbesondere wenn sie flächendeckend ganze Stadtteile oder ganze Kommunen umfasst, kann wesentlich dazu beitragen, stadtverträgliche Verkehrsarten wie den Fußgänger- und Fahrradverkehr und den ÖPNV zu fördern, Lärm- und Schadstoffbelastungen zu verringern und die Verkehrssicherheit und Gestaltungsqualität der Straßen zu verbessern.

Verkehrsberuhigung

Die Verbesserung der Lebensqualität in den Städten kann Entwicklungen unterstützen, insbesondere Familien mit Kindern in der Stadt zu halten und den Verkehr ins Umland zu vermindern.

Für den Bereich Umwelt bedeutet dies vor allem:

  • die Reduzierung des Autoverkehrs,
  • eine umweltschonendere und sichere Abwicklung des Autoverkehrs,
  • eine Neuverteilung der Straßenflächen zugunsten von Aufenthaltsflächen und Verkehrswegen für umweltgerechtere Verkehrsmittel und für die Verbesserung der Umwelt- und Lebensqualität sowie
  • die massive Förderung der Verkehrsmittel des Umweltverbundes – Bus, Bahn, Fahrrad, zu Fuß.

Projekte

  • Verbesserung der Umweltqualität in Kommunen durch geschwindigkeitsbeeinflussende Maßnahmen auf Hauptverkehrsstraßen
  • Autoarmes Wohnen im Bestand am Johannesplatz in Halle
  • Planungsempfehlungen für eine umweltentlastende Verkehrsberuhigung

Projekt 1: Die Nichteinhaltung von Geschwindigkeitsvorgaben bewirkt höhere Umweltbelastungen und beeinträchtigt die städtische Lebens- und Aufenthaltsqualität sowie die Verkehrssicherheit. Die Kommunen können städtebauliche und verkehrliche Planungsziele,

Die Nichteinhaltung von Geschwindigkeitsvorgaben bewirkt höhere Umweltbelastungen und beeinträchtigt die städtische Lebens- und Aufenthaltsqualität sowie die Verkehrssicherheit. Die Kommunen können städtebauliche und verkehrliche Planungsziele, die mit Geschwindigkeitsvorgaben verbunden sind, dadurch häufig nicht erreichen.

Im Forschungsvorhaben untersuchten die Auftragnehmer Maßnahmen in ihrer Wirkung auf die gefahrenen Geschwindigkeiten in den Modellstädten Berlin, Rostock und Dresden.

Eine Städtebefragung auf Deutschen Städten ergab, dass Umweltaspekte kaum Veranlassung oder Ziel von Geschwindigkeitsüberwachungen sind, sondern vor allem die Verkehrssicherheit.

Geschwindigkeitsüberwachung und Sanktionierung von Übertretungen sind auf Deutschen Städten allgemeine Praxis. Zur stärkeren Einhaltung zulässiger Höchstgeschwindigkeiten ist sanktionierte Überwachung unabdingbar. Um tatsächlich stadtverträgliche Geschwindigkeitsniveaus zu erreichen, ist jedoch ein Zusammenwirken von konzeptionell-planerischen und regulativ-juristischen Maßnahmen notwendig, wie kurzfristige Eingriffe zur Umgestaltung der Straßen oder deren Querschnitten durch einfache und kostengünstige Maßnahmen, die umfassende Beteiligung aller Interessengruppen in die Planungsprozesse und eine anlassbezogene Öffentlichkeitsarbeit. Als weitere Maßnahme kommen Geschwindigkeitswarn- oder -anzeigeanlagen in Betracht.

Der entwickelter „Analyseplan komplexer Umweltwirkungen” (AkU) dient als Bewertungs- und Entscheidungsinstrument für Maßnahmen und zur Analyse von verkehrlichen Einflüssen. Mit ihm können Kommunen und Planer Aussagen zu unterschiedlichen Umweltaspekten ableiten, die Betroffenheit von Anwohnern betrachten und in einem vereinfachten Verfahren bewerten.

Projekt 2: Autoarmes Wohnen im Bestand am Johannesplatz in Halle

Die Stadt Halle (Saale) führte von 1998 bis 2000 mit Unterstützung des Umweltbundesamtes das Modellvorhaben „Autoarmes Wohnen im Bestand am Johannesplatz” durch. Sie entwickelte für das bestehende innerstädtische Wohngebiet am Johannesplatz ein funktionierendes und mehrheitlich akzeptiertes Konzept zum autoarmen Wohnen im Bestand und verwirklichte erste Maßnahmen. Fast drei Viertel der Anwohner beurteilten bei einer Befragung im Sommer 2001 die umgesetzten Maßnahmen positiv.

Schlüsselfaktoren für das Projekt waren:

  • entschlossene Public-Private Partnership
  • intensive Partizipation und positive Projektkommunikation
  • richtige Standortwahl
  • flächenhaftes autoarmes Wohnumfeld
  • Förderung einer autounabhängigen Mobilität
  • Wohnungsvermietung an autofreie Haushalte
  • Projektentwicklung im Stadtentwicklungsprozess

Projekt 3: Planungsempfehlungen für eine umweltentlastende Verkehrsberuhigung

Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung gehören inzwischen zum Planungskonzept jeder Kommune. Vielfach haben sie bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in Wohnstraßen bereits durchgeführt. Auch für Tempo 30-Zonen existieren zahlreiche, z.T. beispielhafte Realisierungen. Maßnahmen zur städtebaulichen Integration von Hauptverkehrsstraßen durch Um- und Rückbau sind dagegen zwar vielfach erprobt, können aber immer noch nicht als Planungsstandard bezeichnet werden. Maßnahmen zur Reduzierung der Umweltbelastung (Lärm, Schadstoffe) müssen nicht nur das Geschwindigkeitsniveau senken, sondern darüber hinaus auf niedrigerem Geschwindigkeitsniveau zu einer gleichmäßigen, niedertourigen Fahrweise führen. Dies gilt vor allem im Hinblick auf die Reduzierung der Schadstoffbelastung. Die Zielsetzung einer gleichmäßigen, niedertourigen Fahrweise auf niedrigem Geschwindigkeitsniveau erfordert aber eine Planung mit sorgfältig aufeinander abgestimmten, an der Ausgangssituation ausgerichteten Maßnahmen. Nur so lassen sich die vorhandenen Umweltentlastungspotentiale ausschöpfen.

Die Planungsempfehlungen konkretisieren und verdeutlichen praxisbezogen diesen Sachverhalt. Sie behandeln ausschließlich Maßnahmen, die der Minderung der Lärm- und Schadstoffemission des vorhandenen Verkehrs dienen. Dies bedeutet, dass andere Möglichkeiten, deren Priorität höher anzusiedeln ist als die der Verkehrsberuhigung, bereits ausgeschöpft sind.

Dabei handelt es sich in ihrer Rangfolge um Maßnahmen zur:

  • Verkehrsreduzierung und -verminderung,
  • Verlagerung auf öffentliche oder nichtmotorisierte Verkehrsmittel (Umweltverbund),
  • Verlagerung des Güter- und Durchgangsverkehrs (z.B. auf Ortsumgehungen).
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